Ausbildung während der COVID-19-Pandemie: Funktioniert das überhaupt?

Von Joshua Klostermann, Auszubildender bei ZB MED

Als die COVID-19-Pandemie im Februar und März Deutschland erreichte, haben wir schnell festgestellt, dass nicht nur das Alltagsleben, sondern auch das Arbeitsleben davon betroffen ist.

In diesem Blogbeitrag berichte ich, Joshua Klostermann, Fachangestellter für Medien- und Informationsdienste der Fachrichtung Bibliothek im dritten Ausbildungsjahr bei ZB MED, von meinen persönlichen Erfahrungen und wie sich die Pandemie auf meine Ausbildung bei ZB MED ausgewirkt hat.

Die Pandemie erreichte uns im März. Viele Geschäfte hatten genau wie ZB MED selbst geschlossen. Um das Infektionsrisiko mit Covid-19 zu begrenzen, hat die Geschäftsleitung den Mitarbeitenden die Möglichkeit gegeben, im Homeoffice zu arbeiten. Auch die Auszubildenden waren davon betroffen.

Das größte Problem bestand darin, Aufgaben für uns zu finden. Da es kaum ZB MED-Laptops gab, mit denen ein Remotezugriff auf den ZB MED-Account möglich ist, konnten wir auch nicht mit der Software von ZB MED arbeiten.

Demzufolge brauchten wir Aufgaben, die ausschließlich mit einem Internetzugang und den Standardprogrammen wie Word, Excel etc. bearbeitet werden konnten. Daher haben wir Auszubildenden eine Rechercheaufgabe erhalten, die wir in ca. ein bis zwei Wochen bearbeitet haben. Der Rest der Zeit stand für Schulaufgaben zur Verfügung, die wir per Mail zugeschickt bekommen haben. Mehr zur schulischen Situation folgt später.

Diese Phase des Home Office dauerte ca. 2 Monate. Mitte Mai kam die Nachricht, dass wir in den Betrieb zurückkehren können.

Aber die Ausbildung konnte natürlich immer noch nicht regulär weiter laufen. Denn es kam die Frage auf, wo man uns unterbringen sollte. In die eigentlich eingeplanten Abteilungen konnten wir aufgrund von Hygiene-Vorschriften nicht gehen. Die Auszubildende im ersten Lehrjahr hat daraufhin Dissertationen eingearbeitet. Ich selbst habe in der Ausleihe mitgeholfen, da man sich dort gut an die Abstandsregelungen halten konnte und auch vieles selbstständig machen kann.

 

In der Ausleihe sind durch die Hygienevorschriften und Schutzmaßnahmen einige zusätzliche Aufgaben entstanden:

 

Schutzmaßnahmen:

  • Kein Zugang zu den Lesesälen
  • Öffentlicher Zugang nur im Foyer bis zur Ausleihtheke
  • Bestellung von Büchern aus dem Lesesaal ausschließlich über E-Mail und Abholung an der Ausleihe

 

Zusätzliche Aufgaben:

  • Heraussuchen sämtlicher Lesesaal- und Zeitschriftenbestellungen
  • Bedienung der Bücherrückgabebox: Medien entnehmen, zurückbuchen und einstellen
  • Benutzerausweise können nach Beantragung per E-Mail (o.ä.) ausgestellt werden

 

Bei ZB MED hat sich inzwischen alles eingespielt. Die Kolleginnen und Kollegen arbeiten häufig abwechselnd zu Hause und vor Ort, da die Büros nur einzeln besetzt werden. Mit dem Videokonferenztool Zoom gibt es ein gutes Mittel, um effektiv miteinander zu kommunizieren.

Nun zur Situation in der Berufsschule: Von Mitte März an waren auch die Schulen komplett geschlossen. Der Unterrichtsstoff wurde uns überwiegend per Mail mitgeteilt und wir bekamen Schulaufgaben. Die Themen wurden wenn möglich in den Fächern Allgemeine Wirtschaftslehre (AWL), Spezielle Betriebslehre (SBL), Deutsch und Politik bearbeitet, wodurch der normale Unterrichtsfortschritt erzielt werden sollte. In SBL lief zu dieser Zeit eine Projektphase, die in der Regel als Überbrückungszeit bis zum dritten Lehrjahr genutzt wird. Reguläre Unterrichtsinhalte sind für diese Zeit nicht vorgesehen. Eine Bewertung entfiel – was natürlich Einfluss auf die Erledigung der Aufgaben hatte! In Deutsch wurde zwar relevanter Stoff vermittelt, aber die Aufgaben wurden auch hier nicht bewertet.

Anders in AWL und Politik – hier war das Ziel, mit der Thematik innerhalb der Fächer fortzufahren. Um dies zu erreichen, erhielten wir hier regelmäßig Texte und Aufgaben. Zwar wurden auch hier die Ergebnisse der Hausaufgaben nicht bewertet, dennoch war es wichtig, sie zu erledigen, da die Themen relevant sind für die Abschlussprüfungen. Für mich war es kein Problem, die Aufgaben im Homeoffice neben denen für ZB MED zu bearbeiten. Aber viele der Schülerinnen und Schüler hatten einfach keine Zeit dafür, da sie an fünf Tagen in der Woche arbeiten mussten.

Aber wie haben wir uns abgestimmt, wenn wir Fragen hatten oder etwas besprochen werden sollte? Hierfür hat uns die Stadt Köln das Programm Teams von Microsoft für Videokonferenzen zur Verfügung gestellt. Leider kam es bei uns nur selten zur Verwendung. Ich habe es fast nur genutzt, um mich mit den Mitgliedern meiner Gruppe vom SBL-Projekt auszutauschen.

Auch für die Schule gab es im Mai die Nachricht, dass wir zurückkehren können. Wenn es auch nur an einem Tag alle zwei Wochen war, durften wir wieder mit geteilter Klasse in den Unterricht gehen. In der Klasse saßen wir dann an Einzeltischen, damit wir den Mindestabstand einhalten konnten. Für die Zeit zwischen den Schultagen haben wir dann wieder Aufgaben bekommen, die wir dann in den nächsten Stunden besprochen haben.

Wir hatten dann bis zu den Sommerferien ungefähr 4 Schultage. Auch wenn das nicht sonderlich viel ist, war es dennoch sehr hilfreich. Im Präsenzunterricht ist es wesentlich einfacher Fragen zu klären und sich Themen auszusuchen, die wiederholt werden sollten.

Nach den Sommerferien findet der Unterricht dann wieder im gesamten Klassenverband und an allen Schultagen statt. Allerdings müssen wir die ganze Zeit Masken tragen.

Das waren im Wesentlichen alle Ereignisse bis Mitte August. Es wird wohl noch einige Zeit dauern, bis die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie gänzlich verschwunden sind. Aber dank der technischen Möglichkeiten und der wachsenden Erfahrung hat sich inzwischen alles recht gut eingependelt und die Arbeit ist relativ gut zu bewältigen.

FaMI?… Aha… Was ist denn das? Kann man das essen?

Von Saskia Dorschel

FaMI?… Aha… Was ist denn das? Kann man das essen? So ungefähr begegnen mir Menschen, wenn Sie mich fragen, was ich denn mache. Daraufhin leiere ich den schönen vollständigen Begriff für meinen Ausbildungsberuf runter: „Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste“. Leider gucken mich dann immer noch Fragezeichen an und ich antworte: “Ich arbeite in einer Bibliothek“. Die Fragezeichen verschwinden zwar, aber eigentlich weiß trotzdem niemand so genau, was sich hinter diesem Berufsbild versteckt.

Also hier für alle:

Fachangestellte für Medien und Informationsdienste (kurz FaMI) haben als Aufgabe das Beschaffen, Erschließen, Aufbewahren und Vermitteln von Daten, Informationen und Medien (z.B. Bücher und Zeitschriften). Wir sind die „Dealer“ und Vermittler von Informationen. Dabei bereiten wir diese auf, verwalten sie und stellen sie  zur Verfügung, damit die Menschen in der ganzen Informationsflut nicht untergehen.

Die Ausbildung dauert drei Jahre und findet in einem dualen System (schulisch und betrieblich) statt. Während der Ausbildung werden unter anderem Kenntnisse vermittelt in der Medienbearbeitung (Erwerbung und Inventarisierung von Büchern und Zeitschriften, formale und sachliche Erschließung des Medienbestandes, Magazinarbeiten) sowie im Benutzungsdienst und in der Informationsvermittlung (Anmeldung/Abmeldung von Benutzern in der Bibliothek, Bibliotheksnutzer in die Benutzung der Bibliothek einführen und über Dienstleistungs- und Medienangebot beraten, Ausleihen sowie Rückgaben, Verlängerungen, Mahnungen und Vorbestellungen bearbeiten).

Wir  Auszubildenden bekommen einen Plan, in dem die Ausbildungsbereiche (Abteilungen der Bibliothek) zeitlich festgelegt sind; so bin ich dann zum Beispiel drei Wochen im Bereich Marketing/Öffentlichkeitsarbeit und danach drei Wochen in der Verwaltung. Die betriebliche Ausbildung findet hauptsächlich an unserem Standort in Köln statt. Jedoch werde ich im kommenden Sommer das Vergnügen haben, auch eine Weile in Bonn zu arbeiten. Das ist eine schöne Abwechslung, weil – um es mit den Worten eines Kollegen bei einem Besuch in Bonn zu sagen -: „Hier bei uns in Bonn, is et ein bisschen schnuckeliger“.

Doch natürlich werden FaMIs nicht nur in Bibliotheken ausgebildet. Es gibt noch vier weitere Fachrichtungen: Archiv, Information und Dokumentation, Bildagentur sowie die medizinische Dokumentation. Durch verschiedene Praktika während der Ausbildung erhalte ich auch praktische Einblicke und Erfahrungen in diesen Bereichen.

Doch was sollte man für den Beruf mitbringen, wenn man ihn gerne erlernen möchte?

Nun ja eine Vorliebe für Bücher und Medien sollte man schon haben, denn ohne die gibt es keine Bibliothek. Der unordentlichste Mensch darf man nicht sein, Sorgfalt ist wichtig – ein verstelltes Buch ist meistens ein verlorenes Buch und verschwindet für immer 😉 Eine Antipathie gegen Computer und Technik wäre nicht gut, denn hier passiert eine Menge am PC; ohne die Technik sind wir aufgeschmissen. Die Freude und Aufgeschlossenheit im Umgang mit Menschen sollte man auch zu seinen Stärken zählen. Dazu kommen noch Flexibilität, Selbstständigkeit und Bereitschaft zur Teamarbeit.

Ich bin jetzt seit ein paar Monaten hier und ich fühle mich angekommen! Zusammen mit zwei weiteren Auszubildenden teile ich mir ein kleines Büro und alle Kolleginnen und Kollegen sind nett und zuvorkommend. Ich habe schon eine Menge gelernt und blicke voller Erwartung in die nächsten Jahre. Um es  mit den Worten von J.K. Rowling zu beenden:

“But why’s she got to go to the library?”  “Because that’s what Hermione does,” said Ron, shrugging. “When in doubt, go to the library.”

Ein Bibliothekar im Archiv – geht das?

Praktikumsbericht eines Auszubildenden bei ZB MED

ZB MED – Informationszentrum Lebenswissenschaften bietet die Ausbildung zum Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste (kurz „FAMI“) mit der Fachrichtung Bibliothek an. Da sich der Ausbildungsberuf in die fünf Fachrichtungen Archiv, Bibliothek, Bildagentur, Information und Dokumentation sowie medizinische Dokumentation gliedert, werden während der Ausbildung Praktika in allen Fachrichtungen durchgeführt. Sie bieten wertvolle praktische Erfahrungen für den späteren Beruf. Außerdem dienen sie als Vorbereitung für die Zwischenprüfung, in der Fragen zu allen Fachrichtungen gestellt werden.

Mein FAMI-Praktikum im Archiv

Eine solche wertvolle Praxis-Erfahrung habe ich mit meinem Praktikum im Archiv des Rhein-Sieg-Kreises in Siegburg gemacht. Das war das erste Mal überhaupt, dass ich in einem Archiv war.
Ich hatte einige Monate vorher eine Bewerbung geschrieben und prompt die erfreuliche Zusage bekommen. Mein Praktikum dauerte dreieinhalb Wochen.

Das Praktikum

Nun war ich dort angekommen und wurde nach dem Kennenlernen meiner freundlichen Kolleginnen und Kollegen und einer Führung durch das Archiv ins Tiefmagazin gebracht, wo sich die ältesten Unterlagen des Rhein-Sieg-Kreises befinden. Manche sind so alt, dass sie noch aus der Preußenzeit stammen.

Noch am ersten Tag begann ich damit, mehrere graue Archivkartons zu leeren und die Unterlagen umzulagern. Mein erster Gedanke war, wieso ich keine Schürze mitgebracht hatte. Denn es war wirklich sehr staubig im Keller. Ich garantiere, dass jeder, der in einem Archiv arbeitet, jeden Tag neue Kleidung tragen muss, sofern er nur das Tiefmagazin betritt. Kein Wunder, denn die Unterlagen lagern dort schon seit Jahrzehnten, wenn nicht gar Jahrhunderten.

In den oberen Räumen sah es allerdings ganz anders aus. Hier arbeiteten die Kolleginnen und Kollegen die meiste Zeit in ihren Büros.

Blick in den Lesesaal des Archivs mit Bücherregalen und Tischen

Lesesaal im Erdgeschoss (Quelle: Archiv des Rhein-Sieg-Kreises, Bildsammlung)

Blick auf die Bücherregalen im Lesesaal

Bücherregale im Lesesaal (Quelle: Archiv des Rhein-Sieg-Kreises, Bildsammlung)

Das Archiv

Das Archiv des Rhein-Sieg-Kreises ist von der Größe eines durchschnittlichen Stadtarchivs weit entfernt, denn es sammelt über die eigenen Grenzen hinweg Unterlagen und Akten. Aber das machte mir nichts aus, denn je größer das Archiv war, desto abwechslungsreicher war es.

Blick in Regalreihen im Tiefmagazin mit zahlreichen Kartons

Tiefmagazin mit den ältesten Unterlagen (Quelle: Archiv des Rhein-Sieg-Kreises, Bildsammlung)

Regalreihen im Tiefmagazin

Tiefmagazin mit Unterlagen aus den letzten Jahrhunderten (Quelle: Archiv des Rhein-Sieg-Kreises, Bildsammlung)

Es gibt eine Aufbewahrungsfrist: Alle Unterlagen müssen zunächst 20 Jahre in einem Zwischenarchiv (es befindet sich im Tiefmagazin) aufbewahrt werden. Danach entscheidet das Archiv, welche Unterlagen vernichtet werden können. Schließlich muss das Archiv nur historisch bedeutende Unterlagen aufbewahren. In der Regel werden 90–95 % der Unterlagen aussortiert, was noch mehr Staub für mich bedeutete.

Neben dem Aussortieren habe ich im Laufe der nächsten Wochen weitere Arbeiten durchgeführt:

⦁ Erschließen von Verdienstordensakten des Landes und des Bundes mithilfe der Verzeichnissoftware AUGIAS sowie fachgerechtes Umbetten der Akten in archivspezifisches Verpackungsmaterial
⦁ Kennenlernen der Aufgaben eines Kommunalarchives auf der Grundlage des Archivgesetzes NRW
⦁ Ausheben und Reponieren von Akten von verschiedenen Ämtern und Abteilungen im Zwischenarchiv des Rhein-Sieg-Kreises

Mein Fazit zu den Unterschieden zwischen Bibliothek und Archiv

Wenn man bisher in einer Bibliothek gearbeitet hat und nun Erfahrungen im Archiv sammelt, stellt man fest, dass es viele Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede gibt: Die Ordnung, Aufbewahrung und Pflege der Bestände ist in beiden Fachrichtungen ein absolutes Muss. Wer auf Ordnung, aber nicht so auf Staub steht, sollte meiner Meinung nach eher in einer Bibliothek arbeiten. Wer beides mag, ist im Archiv genauso zu Hause 😉

Ich persönlich möchte lieber in einer Bibliothek arbeiten, weil es dort deutlicher mehr Kontakt mit Kundinnen und Kunden gibt. Im Archiv hat man stattdessen mehr “Ruhe“. Für diejenigen, die Ruhe lieben ist es hingegen ein Bonus und ein Privileg einen Arbeitsplatz im Archiv zu haben.