“All librarians speek the same language, the language of access to information”: World Library and Information Congress der IFLA 2018

Von Dr. Ursula Arning

“Alle Bibliothekar*innen sprechen die gleiche Sprache, die Sprache des Zugangs zur Information”, sagte Glòria Pérez-Salmerón, die Präsidentin der IFLA, in der Closing Session des World Library and Information Congress (WLIC) der International Federation of Library Associations (IFLA) 2018. Es handelt sich um die Internationale Konferenz des Bibliothekswesens, auf der sich Kolleginnen und Kollegen (aller Bibliothekstypen) der ganzen Welt eine Woche lang sowohl über ganz alltägliche Fragen als auch über strategische Fragen zur Zukunft der Bibliotheken austauschen. Die Konferenz fand dieses Jahr vom 23.8. bis zum 30.8. in Kuala Lumpur/Malaysia statt. Jedes Jahr wieder ist es beeindruckend und überaus bereichernd, wenn die globale “bibliothekarische” Welt mit ihrer Diversität an einem Ort zusammenkommt. So war die Zusammenfassung von Glòria Pérez-Salmerón, dass „alle Bibliothekar*innen die gleiche Sprache sprechen, die Sprache des Zugangs zur Information”, durchaus ein bemerkenswerter Satz. Bei allen Unterschieden, alle verbindet ein Ziel: Der Zugang zur Information.

Willkommensschild auf der IFLA 2018

Willkommensschild auf der IFLA 2018 © Ursula Arning

Dies zeigte sich auch am letzten Tag des Kongresses, an dem Interessierte an Bibliotheksführungen teilnehmen konnten (1). Ich hatte mich – in der Deutschen Zentralbibliothek für Medizin beheimatet – für die angebotene Tour zu den Bibliotheken in Pahang entschieden. Ziel war unter anderem die dortige Medizinische Bibliothek, die Dar Al-Hikmah Library an der International Islamic University Malaysia. So konnte ich für die Kolleginnen und Kollegen Impressionen einer „Schwester-Bibliothek“ mit nach Hause nehmen. Die offene Architektur des Gebäudes erfordert eine gute Organisation: Oben, im 3. OG, Stillarbeit mit zahlreichen, gut ausgestatteten Kabinen mit Flipchart und Gruppentischen bzw. Kabinen zur Einzelarbeit. Unten, offene Gruppentische, entweder nur für „Sisters“, für „Brothers“ oder für gemischte Gruppen sowie eine ausgezeichnete erste Anlaufstelle, an der einem mittels eines großen Ansicht-Bildschirms die benötigte Information vermittelt wird.

Leseecke im Erdgeschoss der Dar Al-Hikmah Library in Kuala Lumpur.

Im Erdgeschoss der Dar Al-Hikmah Library. © Ursula Arning

Blick vom 3. Obergeschoss der Dar Al-Hikmah Library in Kuala Lumpur ins 2. Obergeschoss.

Blick vom 3. Obergeschoss der Dar Al-Hikmah Library ins 2. Obergeschoss. © Ursula Arning

Zu der Besuchstour gehörten auch zwei Öffentliche Bibliotheken: Um die fehlenden Personalkapazitäten auszugleichen, die den Nutzenden bei der Suche helfen können, hat die Bentong Public Library eine App entwickelt, mit der man die Büchertitel in den jeweiligen Regalen über einen QR Code auf sein Handy scannen kann.

Impression von einem Messestand auf der IFLA 2018 in Kuala Lumpur.

Impression von der IFLA 2018. © Ursula Arning

Die State Library of Pahang, gerade erst in ein neues Gebäude gezogen, überzeugt mit einem vielfältigen interaktiven Angebot für alle Bevölkerungsgruppen: Sie verfügt über einen abgetrennten, gut ausgestatteten Baby-Raum, der nicht mit Schuhen betreten werden darf, eine weiträumige Kinderbibliothek, in der auch (wissenschaftliche) Experimente durchgeführt werden: So zeigten Studierende einer jüngeren Schulklasse, wie sich Papier aus Bananenfasern schöpfen lässt.

Einer jüngeren Schulklasse wird von Älteren in der State Library of Pahang erklärt, wie aus Bananenfasern Papier geschöpft werden kann.

Einer jüngeren Schulklasse wird von Älteren in der State Library of Pahang erklärt, wie aus Bananenfasern Papier geschöpft werden kann. © Ursula Arning

Weiter ging es zu einem Musik/Tonstudio, zu einem 3-D-Kino, einem Computer Lab, einer kleinen, ruhigen Blindenbibliothek mit Büchern in Brailleschrift. Aber nicht nur diese Bilder und gestalterischen Ideen habe ich mitgenommen. Neben dem Zugang zur Information sind die Wärme und der Stolz der Gastgeber*innen, „ihre“ Bibliothek vorstellen zu dürfen, wohl auch allen Bibliothekar*innen auf der Welt gemeinsam. In diesem Sinne sollten sich alle Bibliotheken an der IFLA Library Map beteiligen, um aufzuzeigen, wo Bibliotheken sich überall zum Wohle der Gesellschaft und Wissenschaft engagieren.

Als Gremienmitglied der Section for Academic and Research Libraries (der Sektion der Akademischen und Wissenschaftlichen Bibliotheken), habe ich auch einen aktiven Part auf dem WLIC. Alle Mitglieder sind aufgerufen, in ca. fünf Bullet Points die wichtigsten Entwicklungen im Bibliothekswesen ihres Landes im letzten Jahr darzustellen. Dadurch entsteht ein schneller Vergleich, der Themen identifiziert, die weltweit für wichtig erachtet werden. In diesem Jahr waren Wissensmanagement, Kooperationen und System Sharing, Transformation und damit Herausforderungen für das Bibliothekspersonal, Forschungsdatenmanagement sowie Erwerbungsstrategien die meist genannten Themen. Des Weiteren geht es bei den Sektionen auch um die Planung von Aktivitäten für den nächsten World Library and Information Congress der IFLA. Jede Sektion hat einen Slot von zwei Stunden, um z.B. die Entwicklungen der akademischen und wissenschaftlichen Bibliotheken weltweit aufzugreifen und zu besprechen. In diesem Jahr umfassten die Hot Topics die Themenbereiche Open Access, Künstliche Intelligenz und automatische (bzw. computerunterstützte) Sacherschließung. Alle drei Themen wurden durch einen dreiminütigen Impulsvortrag eingeleitet und dann in Gruppen intensiv diskutiert. Über das Jahr verteilt werden diese und andere Themen auch im Blog der Sektion weiter vertieft. Die Themen können länderspezifisch oder von generellem Interesse sein. Im August 2018 waren die Beiträge sehr divers und reichten von „Predatory Publishing“ bis zur Vorstellung der Lernplattform der Joint University Librarians Advisory Committee (JULAC) von Hong Kong. Jede und Jeder auch außerhalb des Gremiums ist dazu eingeladen, einen Beitrag zu veröffentlichen oder sich über aktuelle Themen in der Facebook-Gruppe IFLAARL auszutauschen. Um die Themen aus der Sektion auch in die Communities zu tragen, sind als neues Angebot Webinare geplant, die im Laufe des Jahres konzipiert werden.

Als Mitglied der AG Universitätsverlage mit zurzeit 28 Mitgliedern aus dem deutschsprachigen Raum habe ich mich auf dem diesjährigen Kongress insbesondere bei den Planungen einer Special Interest Group „Library Publishing“ engagiert. Es haben sich ca. 15 Interessierte aus aller Welt gefunden, die die Gründung vorbereiten werden. Für die Umsetzung unserer ZB MED eigenen Plattformen PUBLISSO – Gold und PUBLISSO – Fachrepositorium Lebenswissenschaften können durch den kollegialen Austausch wichtige Synergien entstehen. Die Gruppe ist erst in der Findungsphase, doch wollen wir auf der nächsten Tagung der IFLA in Athen bereits einen Workshop anbieten, um unser Interessengebiet auch einer breiteren Öffentlichkeit vertraut zu machen. Die Erkenntnisse, die ich durch die Gruppe gewinne, kann ich sowohl in den weiteren Aufbau der institutseigenen Plattform einfließen lassen als auch weitergeben an die Kolleg*innen der AG Universitätsverlage und anderer Gremien.

Des Weiteren ist der Weltkongress der IFLA auch eine gute Plattform, eigenes Wissen und Erfahrungen zu teilen und die Kolleginnen und Kollegen aus der ganzen Welt bei bestimmten Themen zu unterstützen. Eigene Projekte und Ideen können besonders gut in den beiden Poster Sessions vorgestellt werden. Der Trend geht wohl zu Poster-Formaten mit 3-D-Gegenständen. Letztes Jahr konnte z.B. ein Poster mit einer herausragenden Kaffeetasse überzeugen, dieses Jahr waren es Infoboxen, in denen man Kommentare hinterlassen konnte.

Poster in der State Library of Pahang in Kuala Lumpur, auf dem "Libraries are for everyone" steht.

Poster in der State Library of Pahang. © Ursula Arning

Seit einigen Jahren ist Open Access ein Thema, das auf dem WLIC immer mehr Gehör findet. Neben der ARL-Sektion ist insbesondere auch die Sektion „Science & Technology Libraries“ in dem Bereich aktiv. So umfasste die Session „Libraries as Drivers for Open Access“ Vorträge, die sich auf die soziale Grundidee des Open Access rückbesinnen und den sogenannten „Diamantenen Weg“ propagieren, also kostenfreie Publikationen für die Autor*innen. Ebenfalls interessant war in derselben Session auch die komparative Studie zum Monitoring und den Geschäftsmodellen in Lateinamerika und dem Mittleren Osten (2). Des Weiteren wurde u.a. die Entwicklung einer App vorgestellt, die beim Entlanggehen an Regalen die E-books anzeigt, die zu diesem Themenkreis gehören (3). Ein weiteres Thema, das in diesem Jahr Eingang in die IFLA-Tagung fand, war z.B. der Bereich der digitalen Langzeitarchivierung (dLZA) (4). Bereits in der Session wurde der Wunsch geäußert, dass es neben der Vorstellung von Systemanbietern auch sinnvoll wäre, Beispiele aus der Praxis zu hören. Der WLIC ist also gerade auch für das deutsche Bibliothekswesen mit seinen Aktivitäten in der dLZA eine mögliche Plattform, sich mit den Kolleg*innen aus dem In- und Ausland auszutauschen. Immer größere Beachtung findet auf dem World Library and Information Congress auch der Themenbereich „Forschungsdatenmanagement“. In diesem Jahr lag der Fokus auf Data Librarians und darauf, welche Qualifikationen diese mitbringen sollten (5).

Ein neues, sehr interessantes Format auf dem Kongress war das Angebot der Sektion „Continual Professional Development and Workplace Learning“. Je nach Interessensgebiet setzte man sich zusammen und konnte diverse Themen wie Zeitmanagement, Zielsetzungen, Burn out, Karriereplanung etc. diskutieren und aus der eigenen Praxis berichten bzw. eigene Lösungswege aufzeigen. Auch wenn es einen „Coach“ pro Tisch gab, war es letztlich ein kollegialer Austausch von Ideen, Ratschlägen und Problemlösungen über Ländergrenzen und Bibliothekstypen hinweg und gleichzeitig eine Möglichkeit, sich kennen zu lernen. Dabei wurde in dem knappen Format von 15–30 Minuten nichts zerredet, sondern präzise auf die unterschiedlichen Fragen geantwortet (6).

Die Twin Towers in Kuala Lumpur.

Die Twin Towers in Kuala Lumpur. © Ursula Arning

Ich danke BII, dass es mir durch die großzügige Unterstützung die Fahrt zum World Library and Information Congress der IFLA 2018 und damit auch die Mitarbeit in Gremien und Gruppen ermöglicht hat, deren Ideen und Strategien in meine direkte tägliche Arbeit einfließen und damit der wissenschaftlichen Community Deutschlands zur Verfügung stehen werden.


(1) Zur Situation des Bibliothekswesens in Malaysia vgl. den Beitrag von Andreas Degkwitz (https://media02.culturebase.org/data/docs-bideutschland/Degkwitz_Bericht_IFLA_2018.pdf).

(2) Session 092 Libraries as Drivers for Open Access – Science & Technology Libraries with Serials and other Continuing Resources.

(3) Session 113 Celebrating IT Innovations in libraries – Information Technology.

(4) Session 160 Planning digital preservation: in for the long run – Preservation and Conservation with Information Technology.

(5) Session 139 Data Librarian: Needs and Qualifications – Education and Training, Science and Technology and Continuing Professional Development and Workplace Learning.

(6) Session 196 Knowledge Café 2018: Continuous Learning for Successful Info Pros in the Knowledge Economy – Knowledge Management with Continuing Professional Development and Workplace Learning and Library and Research Services for Parliaments.

 

Was uns im September bewegt hat – Aktuelles zur Uni Bonn, Open Access, FAIR Data, Digitalisierung …

Auf unserem Twitter-Kanal informieren wir über aktuelle Artikel, Blogposts, Podcasts etc., die sich mit Entwicklungen rund um Open Access und FAIR Data oder allgemein mit der Digitalisierung befassen. Einmal im Monat geben wir Ihnen an dieser Stelle eine Zusammenfassung der Themen, die uns besonders bewegt haben. Im September haben wir unter anderem zwei Beiträge geteilt, in denen es darum geht, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler davon zu überzeugen, Open Data zu praktizieren und zu zeigen, wie einfach Open Access sein kann.

Marketing wie in Hollywood – Storytelling bei ZB MED mit der klassischen Heldenreise

LIVIVO, das ZB MED-Suchportal für die Lebenswissenschaften, ist 2015 online gegangen. In der Folge war es die Aufgabe des Marketings, das Portal bekannt zu machen und die Nutzung zu steigern. Wir haben dazu eine crossmediale Storytelling-Kampagne aufgesetzt (1). Dabei haben wir uns am Konzept der Heldenreise orientiert, das auch in vielen Hollywood-Filmklassikern angewendet wird, wie zum Beispiel bei den Star-Wars-Trilogien.

„A story can put your whole brain to work!“

Wir haben uns für diesen Storytelling-Ansatz entschieden, weil Geschichten – anders als herkömmliche, rationale Kommunikation, also etwa der Auflistung von Fakten – Aufmerksamkeit durch „Kino im Kopf“ wecken. Sie sind durch Hormonausschüttungen emotional spürbar und werden neurophysiologisch verarbeitet, als seien es eigene Erfahrungen. Dies spricht die Zielgruppe emotional an. Die Geschichte als Projektionsfläche führt zu einer Identifikation, die den Überzeugungsprozess fördert (2).

Erzähl-Workshop als Grundlage

Für unsere Marketing-Kampagne hatten wir uns zum Ziel gesetzt, die potentiellen User von LIVIVO durch charakteristische Erfahrungen in ihrer jeweiligen Arbeitswelt abzuholen – mit den Geschichten von echten Forschenden, Studierenden, Lehrenden, Information Professionals, die LIVIVO schon kannten. Daher haben wir im ersten Schritt VertreterInnen genau dieser Zielgruppen zu einem Workshop eingeladen, damit Sie uns ihre Erfahrungen schildern. Wir haben dort viele interessante und bewegende Geschichten gehört. Drei dieser Geschichten haben wir uns näher angesehen und schließlich für unsere Kampagne verwendet. Dabei ist Werbe- und Informationsmaterial für Print und Online entstanden. Und natürlich auch Videos, in denen die drei ProtagonistInnen ihre eigenen Geschichten erzählen. Diese Videos haben wir auf unserem YouTube-Kanal veröffentlicht:

 

Der Ernährungswissenschaftler Christian erforscht die Ernährung der Rastafari in Jamaica. Er liebt Reggae-Musik.

 

Maria ist gerade erst nach Köln gekommen und hat ein duales Studium im Gesundheitsmanagement aufgenommen.

 

Dzemal promoviert in klinischer Chemie und erforscht die Pathomechanismen von Arthrose; er ist auf der Jagd nach dem richtigen Protein.

Das Konzept der klassischen Heldenreise

Schon die ältesten Mythen der Menschheit erzählen von Helden. Daraus lassen sich Stationen ableiten, die sich in unzähligen Geschichten wiederfinden. Auch unsere Videos folgen diesen Stationen, hier kurz erläutert am Beispiel der Geschichte von Dzemal:

  1. Ruf des Abenteuers – Auftrag, Herausforderung: Dzemal begibt sich auf die Jagd nach Proteinen, um die Arthrose zu erforschen.
  2. Aufbruch ins Unbekannte – Überschreiten erster Grenzen, Hindernisse: Er kommt für sein Master-Studium und die anschließende Promotion aus Montenegro nach Köln.
  3. Weg der Prüfungen – Abenteuer, Irrwege: Er findet die Promotionsstelle und beginnt die Forschungstätigkeit. Viele Versuche klappen zunächst nicht.
  4. Der Schatz – Kraftprobe, Erreichen der Ziele, Belohnung: Mit dem Protein gegen Arthrose will er erfolgreich promovieren. LIVIVO hilft bei der Recherche – und macht ihm Spaß!
  5. Rückkehr – Verteidigung des Errungenen, HeimkehrDzemal möchte in der Heimat an einer Hochschule arbeiten. Ziel ist die Habilitation.

(1) Ulrike Ostrzinski / Elke Roesner: Marketing wie in Hollywood: Storytelling bei ZB MED mit der klassischen Heldenreise. Berlin, 2018.

Marketing wie in Hollywood: Storytelling bei ZB MED mit der klassischen Heldenreise. Poster präsentiert auf dem 107. Deutschen Bibliothekartag, 2018

(2) Petra Sammer: Storytelling. Die Zukunft von PR und Marketing. Köln: O`Reillys, 2014

 

PUBLISSO? – Isso! ZB MED macht sich stark für Open Access

ZB MED gehört seit der ersten Stunde zu den Unterstützern des Open-Access-Gedankens. Die Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen haben wir als Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft bereits 2003 anerkannt (1). Unsere Publikationsplattform German Medical Science (2), die wir gemeinsam mit dem DIMDI (Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information) und der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften) betreiben, ging bereits 2002 in die Planung. Seitdem haben wir unser Open-Access-Portfolio sukzessive erweitert. Ein wichtiger Schritt folgte im Jahr 2015 mit dem Online-Gang unserer Publikationsplattform PUBLISSO (3). Dort bündeln wir seither alle unsere Open-Access-Aktivitäten. Aktuell hat das BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung) einen Drittmittelantrag von uns genehmigt und rund 300.000,- € für den weiteren Ausbau von Open-Access-Infrastrukturen unter anderem am Fallbeispiel PUBLISSO bereitgestellt (4).

In der Open-Access-Community sind wir natürlich gut vernetzt, nehmen regelmäßig aktiv an Konferenzen teil, richten eigene Workshops und Veranstaltungen gemeinsam mit Kooperationspartnern aus. Allerdings war unser Eindruck, dass bei der Bekanntheit unserer Plattform PUBLISSO bei den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern noch Luft nach oben ist! Zudem hat sich Open Access bei den Forschenden noch nicht in allen lebenswissenschaftlichen Communities so etabliert, wie es wünschenswert ist. Im Herbst 2016 – also ein Jahr nach dem Launch von PUBLISSO – haben wir daher begonnen zu überlegen, wie wir das ändern können. Ergebnis ist eine Kampagne mit dem Ziel, die Aufmerksamkeit der Lebenswissenschaftlerinnen und Lebenswissenschaftler zu wecken, mehr Open-Access-Autorinnen und -Autoren zu gewinnen und insgesamt die Akzeptanz von Open Access zu steigern. In einem ersten Schritt haben wir eine Anzeigenkampagne in wissenschaftlichen Zeitschriften durchgeführt, im nächsten Schritt sind unter anderem gedruckte Postkarten und Social-Media-Aktionen geplant. Da die Anzeigen sowohl im Print- als auch im Online-Bereich auffallen sollen, haben wir uns für Cartoons zu Open-Access-Themen und PUBLISSO-Services entschieden. Die Cartoons kommen von dem Comiczeichner Leo Leowald. Einige davon haben wir schon außerhalb der Anzeigenkampagne verwendet. In der nächsten Zeit posten wir nun nach und nach alle Zeichnungen und sind gespannt auf Ihre Kommentare dazu!

Eine Frau zeigt einem Mann ihr Smartphone. Er fragt: "Publisso?", sie antwortet ihm: "Isso!".

Comic zur ZB MED-Open-Access-Kampagne für PUBLISSO, das Publikationsportal Lebenswissenschaften

Motiv aus der PUBLISSO-Werbekampagne

Evolutionärer Fortschritt: Open Access Publizieren! Motiv aus der PUBLISSO-Werbekampagne.

Im Hintergrund steht ein brennendes Gebäude. Davor ein weinender Wissenschaftler und einen Wissenschaftlerin, die in der einen Hand ein Device hält, an der anderen ein Monster. sie sagt: Laborfreuer? Na und? Den hier konnte ich retten. Und alle Forschungsergebnisse sind online bei PUBLISSO!

Forschungsergebnisse sind bei PUBLISSO nicht nur frei verfügbar, sondern auch feuerfest 😉

Wissenschaftler beschriftet eine Kuh mit Forschungsergebnissen. Kollegin sagt: Wir könnten die Ergebnisse der Feldforschung ja auch online bei PUBLISSO veröffentlichen.

Feldforschung mal wörtlich genommen in diesem Comic aus der PUBLISSO-Kampagne

Bienen fliegen im Schwarm, der das Wort PUBLISSO bildet. Eine Biene erklärt: Ein kleines Tänzchen zu Ehren der Schwarmintelligenz!

… da tanzen sie wieder! Schwarmintelligenz mit Open Access im Comic aus der Kampagne

Zombi durchbricht Bürotür. Wissenschaftlerin sagt: Ach, sie an. Der Kollege Maier hat noch nicht mitbekommen, dass der Zombi-Impfstoff online steht.

Open Access hilft auch gegen Zombies!

Patient liegt auf der Couch, ein Therapeut (Ähnlichkeit mit Siegmund Freund) schreibt online mit. Patient sagt: Können Sie Ihre Fallstudie über mich bitte erst veröffentlichen, wenn ich ausgeredet habe?

Keine Sorge – Veröffentlichung nur mit Peer Review 😉

Wissenschaftlerin am Computer, davor steht ein unischtbarer Forscher. Sie sagt: Hauptsache Ihre Forschungsergebnisse sind sichtbar!

Forschungsergebnisse Open Access sichtbar machen!

Ein Mann zeigt einem anderen sein Smartphone. Er fragt: "Publisso?", der andere antwortet: "Isso!".

Die ganze Kampagne stand unter dem Motto: PUBLISSO? Isso!

Wissenschaftler liest auf seinem Tablet. Dahinter ist eine lachende Weltkugel. Text: Die Welt liest mit!

Open Access garantiert eine gute Sichtbarkeit.

In den Adern fahren neben Blutkörperchen kleine U-Boote. In einem sitzt eine Forscherin und sagt: Seit ich meine "Reise ins Körperinnere" bei PUBLISSO veröffentlicht habe, ist hier echt was los.

Noch ein Urlaubsziel gesucht? Vielleicht mal bei PUBLISSO gucken 😉

Ein Forscher und eine Forscherin stehen vor einem Versuchsfeld. Sie hält eine sehr dicke Kartoffel in der Hand, er ein Device. Er sagt: Dank PUBLISSO haben jetzt die klügsten Bauern die dicksten Kartoffeln!

Mit Open Access müssen auch Bauernregeln umgeschrieben werden 😉

 


(1) Berlin Declaration on Open Access to Knowledge in the Sciences and Humanities. Abgerufen am 02.02.2018
(2)  German Medical Science
(3) PUBLISSO
(4) ZB MED Pressemitteilung: Fördermittel für Open-Access-Infrastrukturen – BMBF unterstützt ZB MED-Projekt

 

One Health – Transdisziplinarität bei ZB MED

Bild

von Eva Seidlmayer und Christoph Poley

Beitrag von ZB MED für die Posterausstellung der AGMB 2017 in Wien

One Health – Transdisziplinarität bei ZB MED

ZB MED  unterstützt disziplinäre und disziplinübergreifende Fragestellungen in Medizin, Umwelt-, Ernährungs- und Agrarwissenschaft und ermöglicht so einen ganzheitlichen Blick auf den Menschen. Das Poster führt in die hinter diesem Ansatz stehenden Konzepte One Health und Transdisziplinarität ein. Zudem stellt es die Services vor, die ZB MED für die transdisziplinäre Forschung in den Lebenswissenschaften bereitstellt.

Das Poster war unser Beitrag zur Posterpräsentation auf der diesjährigen Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für Medizinisches Bibliothekswesen e.V., die vom 25. bis 27. September in Wien stattfand. Wir haben damit den zweiten Preis im Posterwettbewerb gewonnen.


Weiterführende Links:
AGMB-Jahrestagung, Wien

Video-Tutorials zu Peer Review

Von Jasmin Schmitz

Wissenschaftliche Artikel durchlaufen in der Regel einen Begutachtungsprozess, im Rahmen dessen über die Publikationswürdigkeit eines Manuskripts entschieden wird. Diese Begutachtung wird auch Peer Review genannt. Peer Review spielt somit für die Qualitätssicherung in der Wissenschaft eine wichtige Rolle. Mit dem Thema sind aber auch eine Reihe von Fragen verknüpft: Wie läuft es ab? Welche Bedeutung hat es für die Wissenschaftskommunikation? Was sind die Probleme?

ZB MED hat hierzu eine Auswahl von Video-Tutorials zusammengestellt, die über die unterschiedlichen Aspekte informieren und die unter anderem in der Open-Access-Publikationsberatung eingesetzt werden:

Auswahl von Video-Tutorials zu Peer Review, die über die unterschiedlichen Aspekte informieren und die unter anderem in der Open-Access-Publikationsberatung eingesetzt werden.

 

Bei der Auflistung oben handelt es sich um einen Auszug einer Zusammenstellung von Video-Tutorials auf der ZB MED Webpräsenz, die über unterschiedliche Themen im Bereich Open Access und Open Data informieren. Die Tabelle wurde kürzlich um aktuelle Videos ergänzt und enthält mittlerweile mehr als 100 Videos. Derzeit ist in Planung, die Tabelle stärker thematisch zu strukturieren, damit Nutzerinnen und Nutzer schneller relevante Videos zur Nachnutzung finden.


Weitere Informationen:

Ausgewählte Video-Tutorials zu Open Access und Open Data auf PUBLISSO
Ursula Arning: Peer Review und Qualitätssicherung bei PUBLISSO gold, der Open-Access-Publikationsplattform von ZB MED. ZB MED-Blog vom 11. September 2017

Ein Bibliothekar im Archiv – geht das?

Praktikumsbericht eines Auszubildenden bei ZB MED

ZB MED – Informationszentrum Lebenswissenschaften bietet die Ausbildung zum Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste (kurz „FAMI“) mit der Fachrichtung Bibliothek an. Da sich der Ausbildungsberuf in die fünf Fachrichtungen Archiv, Bibliothek, Bildagentur, Information und Dokumentation sowie medizinische Dokumentation gliedert, werden während der Ausbildung Praktika in allen Fachrichtungen durchgeführt. Sie bieten wertvolle praktische Erfahrungen für den späteren Beruf. Außerdem dienen sie als Vorbereitung für die Zwischenprüfung, in der Fragen zu allen Fachrichtungen gestellt werden.

Mein FAMI-Praktikum im Archiv

Eine solche wertvolle Praxis-Erfahrung habe ich mit meinem Praktikum im Archiv des Rhein-Sieg-Kreises in Siegburg gemacht. Das war das erste Mal überhaupt, dass ich in einem Archiv war.
Ich hatte einige Monate vorher eine Bewerbung geschrieben und prompt die erfreuliche Zusage bekommen. Mein Praktikum dauerte dreieinhalb Wochen.

Das Praktikum

Nun war ich dort angekommen und wurde nach dem Kennenlernen meiner freundlichen Kolleginnen und Kollegen und einer Führung durch das Archiv ins Tiefmagazin gebracht, wo sich die ältesten Unterlagen des Rhein-Sieg-Kreises befinden. Manche sind so alt, dass sie noch aus der Preußenzeit stammen.

Noch am ersten Tag begann ich damit, mehrere graue Archivkartons zu leeren und die Unterlagen umzulagern. Mein erster Gedanke war, wieso ich keine Schürze mitgebracht hatte. Denn es war wirklich sehr staubig im Keller. Ich garantiere, dass jeder, der in einem Archiv arbeitet, jeden Tag neue Kleidung tragen muss, sofern er nur das Tiefmagazin betritt. Kein Wunder, denn die Unterlagen lagern dort schon seit Jahrzehnten, wenn nicht gar Jahrhunderten.

In den oberen Räumen sah es allerdings ganz anders aus. Hier arbeiteten die Kolleginnen und Kollegen die meiste Zeit in ihren Büros.

Blick in den Lesesaal des Archivs mit Bücherregalen und Tischen

Lesesaal im Erdgeschoss (Quelle: Archiv des Rhein-Sieg-Kreises, Bildsammlung)

Blick auf die Bücherregalen im Lesesaal

Bücherregale im Lesesaal (Quelle: Archiv des Rhein-Sieg-Kreises, Bildsammlung)

Das Archiv

Das Archiv des Rhein-Sieg-Kreises ist von der Größe eines durchschnittlichen Stadtarchivs weit entfernt, denn es sammelt über die eigenen Grenzen hinweg Unterlagen und Akten. Aber das machte mir nichts aus, denn je größer das Archiv war, desto abwechslungsreicher war es.

Blick in Regalreihen im Tiefmagazin mit zahlreichen Kartons

Tiefmagazin mit den ältesten Unterlagen (Quelle: Archiv des Rhein-Sieg-Kreises, Bildsammlung)

Regalreihen im Tiefmagazin

Tiefmagazin mit Unterlagen aus den letzten Jahrhunderten (Quelle: Archiv des Rhein-Sieg-Kreises, Bildsammlung)

Es gibt eine Aufbewahrungsfrist: Alle Unterlagen müssen zunächst 20 Jahre in einem Zwischenarchiv (es befindet sich im Tiefmagazin) aufbewahrt werden. Danach entscheidet das Archiv, welche Unterlagen vernichtet werden können. Schließlich muss das Archiv nur historisch bedeutende Unterlagen aufbewahren. In der Regel werden 90–95 % der Unterlagen aussortiert, was noch mehr Staub für mich bedeutete.

Neben dem Aussortieren habe ich im Laufe der nächsten Wochen weitere Arbeiten durchgeführt:

⦁ Erschließen von Verdienstordensakten des Landes und des Bundes mithilfe der Verzeichnissoftware AUGIAS sowie fachgerechtes Umbetten der Akten in archivspezifisches Verpackungsmaterial
⦁ Kennenlernen der Aufgaben eines Kommunalarchives auf der Grundlage des Archivgesetzes NRW
⦁ Ausheben und Reponieren von Akten von verschiedenen Ämtern und Abteilungen im Zwischenarchiv des Rhein-Sieg-Kreises

Mein Fazit zu den Unterschieden zwischen Bibliothek und Archiv

Wenn man bisher in einer Bibliothek gearbeitet hat und nun Erfahrungen im Archiv sammelt, stellt man fest, dass es viele Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede gibt: Die Ordnung, Aufbewahrung und Pflege der Bestände ist in beiden Fachrichtungen ein absolutes Muss. Wer auf Ordnung, aber nicht so auf Staub steht, sollte meiner Meinung nach eher in einer Bibliothek arbeiten. Wer beides mag, ist im Archiv genauso zu Hause 😉

Ich persönlich möchte lieber in einer Bibliothek arbeiten, weil es dort deutlicher mehr Kontakt mit Kundinnen und Kunden gibt. Im Archiv hat man stattdessen mehr “Ruhe“. Für diejenigen, die Ruhe lieben ist es hingegen ein Bonus und ein Privileg einen Arbeitsplatz im Archiv zu haben.

Wir sind muTiger!

Von Sarah Matthews und Kathrin Hofmann

Nicht nur im Alltag wird man manchmal Zeuge von Situationen, die Zivilcourage fordern. Auch im Berufsleben ist es sehr hilfreich zu wissen, wie man im besten Interesse für sich selbst und andere diese Lagen meistert. Beispielsweise, um brenzlige Situationen schnellstmöglich zu entschärfen. Daher fand am 28. Juni bei ZB MED eine Fortbildung zum Thema „Zivilcourage“ statt, an der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Benutzungsbereich teilgenommen haben. Ein Kursleiter und eine Kursleiterin der muTiger-Stiftung aus Gelsenkirchen haben den Tag geleitet und gestaltet. Anhand von praktischen aber auch theoretischen Beispielen haben sie uns Zivilcourage und mögliche Reaktionen näher gebracht.

Zu Beginn der Fortbildung zeigte die Kursleiterin einen Kurzfilm mit einer nachgestellten Mobbingszene in einer U-Bahn. Sie stellte die Frage, welche Handlungs- und Hilfestellungen denkbar sind: Wie würden Sie reagieren, wenn eine einzelne Person von mehreren Personen bedrängt und belästigt werden würde? Wie würden Sie in einer solchen Situation handeln? Welche Handlungsmöglichkeiten gibt es?

Zwei praxisnahe Liveszenarien, bei denen eine kritische Situation im Bus nachgespielt und ein Gang durch eine dunkle Gasse simuliert wurde, brachten Spaß und förderten den notwendigen Mut, sich in den entsprechenden Situationen richtig zu verhalten. Sie weckten Erinnerungen zu Situationen, die man selbst schon erlebt hat und bei denen man selbst Hilfe benötigt hätte bzw. Hilfe geleistet wurde. Wir nehmen von dem Tag die Erkenntnis mit, dass man nichts falsch machen kann, wenn man sich auf sein Bauchgefühl verlässt. Brenzlige Situationen muss man nicht alleine meistern. Frei nach dem Motto „gemeinsam sind wir stark“ sollten stets weitere Personen zur Mithilfe aufgefordert werden und natürlich die entsprechenden Notrufnummern bzw. -geräte in öffentlichen Verkehrsmitteln genutzt werden.

Gelernt haben wir:

  • Selbstbehauptung und Antiopfersignale
  • Wirksames Gefahrenradar
  • Aufforderung Anderer zur Mithilfe
  • Vermeidung von Täterkontakt
  • Absetzen eines Notrufs mit den fünf W-Fragen
  • Rechtliche Rahmenbedingungen

Wer gerne mehr über die muTiger-Stiftung erfahren möchte, kann sich auf ihrer Website umfangreich zum Angebot informieren.

Was macht ein FAMI in Schweden?

Von Martin Briel, Auszubildender bei ZB MED


stellenonline präsentiert - Die top Artikel zum Thema Praktika & Arbeiten im Ausland 2017

Während ich in meinem gefühlt fünfzigsten und glücklicherweise letzten Praktikum in dieser Ausbildung sitze und diesen Artikel schreibe, erinnere ich mich gerne an ein Praktikum zurück, dass ich im Herbst 2016 absolviert habe. Damals habe ich für anderthalb Monate in Schweden gelebt und gearbeitet. Dass das nicht immer (aber meistens) schön war, erzähle ich jetzt.

Wie kommt man als Auszubildender an ein Auslandspraktikum?

Über das EU-Programm Erasmus+. Dieses wurde vor ein paar Jahren speziell für Auszubildende bzw. Berufstätige entwickelt. Der Name ist eine Anlehnung an das schon lange existierende Studentenaustauschprogramm Erasmus.

Im Falle eines Azubis wird der Kontakt zur Aufnahmeorganisation durch die Berufsschule des Azubis hergestellt. Da meine Berufsschule die Auslandspraktika zu dieser Zeit noch nicht anbot, haben wir Kontakt mit einer Schule in Essen aufgenommen. Eine Kollegin von mir ist dort zur Schule gegangen und hat im Laufe ihrer Ausbildung ein Praktikum in Kärnten gemacht.

Da mir Österreich zu bergig war, fragte ich, ob es nicht vielleicht noch ein bisschen weiter nördlich gehen würde. Tatsächlich wurde mir ein Praktikum in Westschweden angeboten.

Und warum Schweden?

Erstens: Warum nicht?

Zweitens: Deshalb:

Die Stadt Borås

Marktplatz Borås (Foto: Martin Briel)

Blick vom Wasser auf die Stadt Munksjön

Munksjön, Jönköping (Foto: Martin Briel)

Blick auf den Vätternsee

Vättern, Jönköping (Foto: Martin Briel)

Nach einem Vorbereitungsseminar und nie enden zu scheinendem Papierkram, ging es dann am 29. Oktober endlich los. Ich war entspannter, als ich angenommen hatte. Obwohl meine „längste“ Auslandserfahrung bis dato die 5 Tage waren, die ich alleine in England verbracht habe, um meinen ehemaligen Austauschschüler zu besuchen und ich in Schweden niemanden kannte, fiel die gesamte Anspannung von mir ab, als ich im IC nach Hamburg saß und mir bewusst wurde, dass es jetzt los gehen würde.

Und ja, ich bin nicht nach Schweden geflogen. Natürlich wäre es weitaus einfacher gewesen von Köln oder Düsseldorf nach Göteborg zu fliegen, aber bevor ich gesunden Geistes in ein Flugzeug steige, müsste die Welt untergehen.

Am nächsten Tag kam ich mittags in meiner über Airbnb gemieteten Wohnung in Borås (übrigens Buros gesprochen) an. Am Tag darauf ging es auch schon zum ersten Mal in die dortige Universität. Obwohl Borås „nur“ eine 100.000 Einwohner Stadt ist,  gibt es dort eine Universität. Sie gliedert sich in drei Fakultäten:

  • Fakultät für Textil, Technik und Wirtschaft
  • Fakultät für Gesundheit, Arbeit und Wohlfahrt
  • Fakultät für Bibliothek, Information, Bildung und IT
Kartenausschnitt der Lage von Borås in Schweden

Lage von Borås in Schweden

Die dortige Bibliothek wird von den insgesamt ca. 13.000 Studierenden und Angestellten genutzt. Meine Aufgaben dort bezogen sich zum einen auf Tätigkeiten in der Bibliothek, wie zum Beispiel aussortieren (genannt makulieren) von Monographien, den Teilnahmen an Sitzungen und Meetings oder den Hospitationen bei allen Kolleginnen und Kollegen. Zum anderen gab es vorgegebene Aufgaben des ERASMUS+ Programms. Diese bestanden aus der regelmäßigen Führung eines Tagebuchs, dem Führen eines Interviews mit irgendeiner Person aus dem näheren ausländischen Umkreis, dem Erstellen von zwei großen PowerPoint-Präsentationen über die Qualitätssicherung im eigenen und dem ausländischen Betrieb und vielen, vielen anderen. Eigentlich unglaublich, wenn man bedenkt, dass alle diese Arbeiten nun für etliche Jahre auf einem Server in Brüssel vor sich hin vegetieren, bevor sie dann gelöscht werden …

Neben den ganzen Ausflügen ins Umland und nach Dänemark, der sehr abwechslungsreichen Arbeit und dem regelmäßigen „Fredags-Fika*“, gab es auch unschöne Seiten an dieser Zeit.

*Anmerkung des Autors: Fredags-Fika: Fredags heißt Freitag. Fika ist die schwedische Version einer Kaffeepause. Es ist eine soziale Institution! Neben übers Wetter reden und über das Kleid der Königin lästern … Jeden Freitag bringt jemand etwas zu essen mit; das ist meistens etwas Süßes. Man „feiert“ quasi, dass man die Woche erfolgreich hinter sich gebracht hat.

Kuchen in der Auslage einer schwedischen Bäckerei

Nein, das war keine der unschönen Seiten. In diesem Café habe ich regelmäßig zu Mittag gegessen, was meine Waage dann auch irgendwann gemerkt hat. Dieses Bild wollte ich nur hier reinbringen, um die Leserinnen und Leser hungrig zu machen. Hat’s geklappt? Gut! (Foto: Martin Briel)

Nun zu den wenigen unschönen Dingen:

Ich hatte in der regnerischsten Stadt Schwedens keinen Regenschirm dabei . Als ich mir dann einen kaufte, hat es natürlich nicht mehr geregnet.

Ich erkältete mich und hatte Medizin gegen ALLES dabei (wie Mütter eben so sind). Nur nichts gegen Schnupfen.

Ich habe meine Brille einmal in der Mitte durchgebrochen. Glücklicherweise hatte ich eine Ersatzbrille dabei. Dass Fika eine soziale Institution in Schweden ist, merkte ich am Tag darauf. Nachdem ich ein paar Kollegen erzählte, was mir widerfahren war, wussten es am Mittag alle.

Eine zerbrochene Brille

(Foto: Martin Briel)

Nach 6 Wochen ging es Ende Oktober leider schon wieder zurück. Ein paar Monate wäre ich gerne noch geblieben. Wegen der Kolleginnen und Kollegen, dem Essen, der Natur und dem Land.  Aber ich werde zurückkommen. Definitiv!


Praktikumsbericht unserer Auszubildenden in Österreich:
http://www.zbmed.de/fileadmin/user_upload/Profil/PDFs/Hand_in_Hand_durch_die_Alpen-mit_Logo2.pdf

„Es kommt darauf an“ – Das nicht ganz so große Bibliotheks-Benutzungs-FAQ

Von Mareike Grisse (Juristin) und Martin Briel (Auszubildender Fachangesteller für Medien- und Informationsdienste)

Haben Sie sich schon mal gefragt, warum die bösen Bibliothekarinnen und Bibliothekare aus heiterem Himmel Geld von Ihnen verlangen, wenn das von Ihnen ausgeliehene Buch mal wieder in den brennenden Grill gefallen ist?
Nein?
Wäre aber doch mal gut zu wissen, oder?

In diesem FAQ, wollen wir Ihnen anhand von Beispielen diese und andere rechtliche Kleinfragen beantworten, die Ihnen bestimmt schon seit Jahren auf der Zunge liegen.

 

  • Dürfen Nutzerinnen / Nutzer ganze Bücher scannen oder kopieren?

Bernie Bücherwurm interessiert sich für die Geschichte der Behandlung von aufgekratzten Mückenstichen. Glücklicherweise findet er eine 9000-seitige Chronik zu diesem Thema. Da es leider keinen Volltext im Internet gibt, ist Bernie gezwungen sich die 9000-seitige Chronik zu kopieren. Darum sitzt er nun seit 7 Tagen und 7 Nächten im Lesesaal der Bibliothek und scannt das Buch. Spätestens nach dem er sich einen Flachbildfernseher in den Lesesaal stellt und „Scrubs“ guckt, ist den Angestellten jedoch klar was er macht. Aber darf er überhaupt ein ganzes Buch scannen?

Bernie Bücherwurm erstellt eine Kopie. Das Urheberrecht spricht in diesem Fall von einer Vervielfältigung. Das Recht zur Vervielfältigung ist in § 53 UrhG geregelt. Beim § 53 UrhG ist für die Unterscheidung wichtig, zu welchem Zweck Bernie die Kopie erstellt. Erlaubte Zwecke sind z.B. der private Gebrauch oder der eigene wissenschaftliche Gebrauch.

Bernie darf, wenn er zum privaten Gebrauch kopiert, die gesamte 9000-seitige Chronik scannen.

Wenn Bernie zum eigenen wissenschaftlichen Gebrauch kopiert, dann kommt es darauf an, ob es wirklich geboten ist, das gesamte 9000-seitige Werk zu kopieren. Hierbei geht es um eine Abwägung des wissenschaftlichen Bedarfs und dem Grad der Beeinträchtigung des Urhebers. Dies kann in jedem Fall anders beurteilt werden.

 

  • In welchen Situationen kann einer Nutzerin / einem Nutzer Hausverbot erteilt werden?

Nachdem das geklärt ist, entfernt Bernie sein Feldlager, das er in der Bibliothek zum Scannen aufgestellt hat, wieder. Da er allerdings den Massagesessel, den Flatscreen, den Induktionsherd und die Waschmaschine nicht alleine tragen kann, hat er beschlossen, ein paar Freunde zur Hilfe zu rufen. Praktisch, dass es im Lesesaal so schön ruhig ist und er so in aller Seelenruhe mit den Umzugshelfern telefonieren kann. Leider ist telefonieren im Lesesaal strengstens verboten. Auch nach mehrfachen Aufforderungen der Bibliothekarin Susi Superstolz lässt Bernie das Telefonieren nicht sein. Und dann kommt auch noch die ganze Truppe zum Transport! Die Bibliotheksleiterin droht allen mit Hausverbot. Ab wann kann eine Nutzerin oder ein Nutzer der Bibliothek verwiesen werden?

Wenn die Bibliothek eine Benutzungsordnung hat, dann kann sich Susi Superstolz bei der Erteilung des Hausverbots darauf berufen. Auch ohne Benutzungsordnung hat sie ein Hausrecht von dem sie Gebrauch machen kann. Es ist nur viel schwieriger, das der Nutzerin / dem Nutzer zu erklären, als einfach zu sagen: „Ist so, steht da so, hängt am Eingang aus“.

Wenn Susi Superstolz das Hausverbot erteilt, dann muss dabei der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit gewahrt werden.

Durch das Hausverbot muss ein legitimer Zweck verfolgt werden. Die Sicherstellung des ordentlichen Bibliotheksbetriebs kann ein solcher legitimer Zweck sein.

Das Hausverbot muss geeignet sein, den legitimen Zweck zu erfüllen. Wenn Bernie und seine Kumpels nicht mehr da sind, dann können alle wieder in Ruhe vor sich hindöse-ääh-arbeiten.

Es darf kein milderes, gleich wirksames Mittel geben. Susi Superstolz hat bereits Bernie und seine Freunde vergeblich gebeten ruhig zu sein. Alle in schalldichte Stoffe zu wickeln, ist sicherlich kein milderes geeignetes Mittel. Deshalb ist das Hausverbot erforderlich.

Als letztes muss geprüft werden, ob das Hausverbot angemessen ist. Dabei werden die geschützten Interessen miteinander abgewogen. Bernies Kumpel sind nur zum Aufräumen in die Bibliothek gekommen. Sie stören die anderen Benutzerinnen und Benutzer, die ihr in Art. 5 GG verbürgtes Recht, sich frei zu informieren und frei zu forschen, ausüben wollen. Hier können kreative Bibliothekarinnen und Bibliothekare noch einiges an Argumenten finden, weshalb ein Hausverbot erteilt werden darf.

Übrigens: Wenn man die Benutzungsordnung schreibt, dann muss man auch diese Verhältnismäßigkeitsprüfung im Hinterkopf durchspielen.

 

  • Warum und ab wann kann eine Bibliothek Schadensersatz verlangen?

Trotz all dem möchte Bernie mehr über das Thema herausfinden und leiht sich noch ein paar Bücher mehr aus. Ungeschickt wie er nun mal ist, fällt ihm das erste Buch in den brennenden Grill, das zweite wird mit Bier überschüttet und das dritte wird versehentlich bei 165° C frittiert. Die Angestellten in der Bibliothek sind außer sich – aber nicht vor Freude. Bernie weiß gar nicht was die haben. Lesbar sind die meisten Seiten doch noch, höchstens ein bisschen angesengt und verklebt. Trotzdem soll Bernie nun dafür bezahlen. Warum und wann darf eine Bibliothek überhaupt Schadensersatz verlangen?

Die Leihe ist ein in §§ 598 ff BGB geregelter Vertrag. Dabei wird der Entleiher Bernie verpflichtet, die entliehenen Bücher zurückzugeben. Wenn Bernie die Bücher schuldhaft beschädigt, dann muss er Schadensersatz leisten. Einzige Ausnahme: Verschlechterungen, die durch den vertragsmäßigen Gebrauch herbeigeführt werden, hat Bernie nicht zu vertreten (§602 BGB). Einzelne fettige Fingerabdrücke und gelegentliche Eselsohren entstehen beim vertragsmäßigen Gebrauch von Büchern. Brandflecken und Frittier-Schäden gehören nicht zum vertragsmäßigen Gebrauch und sind deshalb von Bernie zu ersetzen.

 

  • Soll bei „schwierigen“ Nutzerinnen / Nutzern sofort die Polizei eingeschaltet werden?

Bernie sieht immer noch nicht ein, dass er bezahlen muss und fängt eine Diskussion an, in der er nicht nur die Grundfesten unserer Gesellschaft anprangert, sondern auch alle anwesenden Angestellten verbal auf blumige Art und Weise beleidigt. Soll man in so einem Fall schon die Polizei holen?

Eine Beleidigung ist eine Straftat, die angezeigt und strafrechtlich verfolgt werden kann (§ 185 StGB). Eine Beleidigung ist die Kundgabe eigener Missachtung, Geringschätzung oder Nichtachtung. Wenn der Adressat durch die Äußerung verletzt wird, dann ist die Äußerung nicht mehr durch die allgemeine Meinungsfreiheit gedeckt. Sollten sich die Angestellten verletzt und in ihrer Ehre angegriffen fühlen, dann können sie natürlich die Polizei kontaktieren. Die Polizei kann eine Anzeige aufnehmen und die Personalien von Bernie Bücherwurm festhalten. Wann das Fass überläuft, ist in jeder Situation anders und von jedem einzelnen abhängig.

Die Polizei wird auch Bibliothekarinnen und Bibliothekare beschützen – das ist ihr Job.