Bericht zum Vernetzungsworkshop zu Predatory Publishing bei ZB MED

Zusammenfassung der Gruppendiskussion zu den Kriterien zur Erkennung von „Predatory Journals“

von Jasmin Schmitz, Claudia Adolph, Ursula Arning, Eva Maria Hackenberg, Elisabeth Müller

Am 3. Dezember 2018 fand bei ZB MED – Informationszentrum Lebenswissenschaften am Standort Köln ein Vernetzungsworkshop zum Predatory Publishing statt. Der eintägige Erfahrungsaustausch richtete sich an alle Kolleginnen und Kollegen an wissenschaftlichen Bibliotheken aus den Bereichen Open Access und/oder Erwerbung. Während Predatory Publishing zunächst ein Thema war, mit dem sich – abgesehen von den betroffenen Autorinnen und Autoren – mit Open Access befasste Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigten, zeigte sich schnell, dass das Phänomen auch Relevanz für andere Bereiche in einer Bibliothek hat. Längst gilt es, nicht mehr nur Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vor einer Publikation in diesen Zeitschriften zu warnen, sondern es geht auch um die Frage, wie man mit verdächtigen Zeitschriften im Hinblick auf Katalogaufnahmen oder Aufnahmen in anderen Nachweissystemen umgeht. Können Nutzende davor bewahrt werden, zweifelhaften Content zu nutzen, indem entsprechende Zeitschriften gar nicht erst aufgenommen werden? Wie kann ein Kriterienkatalog zur Überprüfung von Zeitschriften aussehen? Welche Hilfsmittel können genutzt werden?

Neben Überblicks- und Detailvorträgen sowie Praxisberichten war ein Hauptbestandteil des Workshops die Gruppendiskussion am frühen Nachmittag. In fünf Arbeitsgruppen á 7-8 Teilnehmenden wurden zunächst folgende Leitfragen diskutiert:

  • Welche Kriterien zur Identifikation von Predatory Journals können im Rahmen der Erwerbung/Katalogisierung herangezogen werden? (Achtung: Verfahrensfragen/Grundsatzfragen/Workflow sollen hier ausgeklammert werden)
  • Welche Kriterien zur Identifikation von Predatory Journals können im Rahmen der Beratung von WissenschaftlerInnen herangezogen werden?
  • Welche Kriterien gelten für beide Kontexte?
  • Gibt es harte und weiche Kriterien? Markierung mit h=hart und w=weich

Anschließend wurden die verschiedenen Kriterien an eine Pinnwand geheftet und diskutiert. Hierbei wurde zunächst unterstellt, dass sich eine Kriterienliste im Rahmen der Erwerbung/Katalogisierung unterscheidet von einer Kriterienliste, die in der Open-Access-Publikationsberatung mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern als Adressaten zum Einsatz kommt. Eine Vermutung, die sich so nicht bestätigt hat! Die Detailergebnisse der Gruppendiskussionen zeigen: Ein Großteil der diskutierten Kriterien ist für beide Arbeitsbereiche relevant.

Abbildung 1: Ergebnis der Gruppendiskussion (Foto: U. Arning)

Abbildung 1: Ergebnis der Gruppendiskussion (Foto: U. Arning)

Die Auflistung zeigt ein methodisches Problem von Kriterienlisten bei der Beurteilung von Zeitschriften: Nicht immer kann jedes Kriterium angewendet werden und teilweise hängt es von den Fachdisziplinen ab, ob ein Kriterium gültig ist oder welche Wertigkeit es hat. In den Erläuterungen (s. unten) wird verdeutlicht, wie das Kriterium zur Identifikation von Predatory Journals und/oder zur Unterstreichung der Seriosität herangezogen werden kann.

Die Unterscheidung in harte und weiche Kriterien hat zum Ziel, jedes Kriterium noch einmal zu kategorisieren. Einige Kriterien zeigen relativ eindeutig an, ob eine Zeitschrift räuberisch oder seriös ist; diese wurden als harte Kriterien markiert. In Kombination mit wenigen weiteren Kriterien kann so schnell festgestellt werden, wie es um die Seriosität einer Zeitschrift bestellt ist. Bei weichen Kriterien handelt es sich um solche, die lediglich in gehäufter Anzahl auf (fehlende) Seriosität hindeuten. Grundsätzlich kann selten ein Kriterium alleine den Ausschlag geben, was wiederum den Sinn eines Kriterienkatalogs begründet. Mit einer entsprechenden Markierung wurde zudem versucht, dem Umstand Rechnung zu tragen, dass noch junge Open-Access-Zeitschriften entweder in einschlägigen Nachweissystemen noch nicht erfasst sind oder in punkto Professionalität der gängigen Praxis noch nicht entsprechen. Hier müssen gegebenenfalls viele (weiche) Kriterien herangezogen werden, um zu einer zuverlässigen Einschätzung zu kommen.

 

Kriterien für die Erwerbung/Katalogisierung

  • Fachgesellschaft: Ein Predatory Journal kann ausgeschlossen werden, wenn hinter der jeweiligen Zeitschrift eine Fachgesellschaft steht, die sich gut identifizieren lässt, einen eigenen Webauftritt hat und im Idealfall dort auch auf die Zeitschrift verlinkt. Steht eine renommierte Fachgesellschaft hinter der Zeitschrift, kann dies als hartes Kriterium für die Seriosität einer Zeitschrift gewertet werden. Steht keine Fachgesellschaft hinter einem Journal, handelt es sich um ein weiches Kriterium, weil nicht alle Zeitschriften gemeinsam mit einer Fachgesellschaft publiziert werden; eine Diskussionsgruppe kam zu dem Ergebnis, dass dieses Kriterium auch in der Open-Access-Beratung und bei der Beurteilung der Fördereignung von Artikeln bei Publikationsfonds angewendet werden kann.
  • Parallele Printausgabe: Wird eine parallele Printausgabe angeboten, so kann dies als hartes Kriterium für die Seriosität einer Zeitschrift gewertet werden, denn es kann davon ausgegangen werden, dass Predatory Journals den zusätzlichen Aufwand und die damit verbundenen Kosten scheuen.

 

Kriterien für die Open-Access-Beratung

  • Seriosität Herausgebergremium: Predatory Journals operieren häufig mit erfundenen Herausgebergremien, das heißt die benannten Personen wissen häufig nichts von ihrer Herausgebertätigkeit. Im Idealfall lässt sich auf den Profilseiten einzelner Herausgeberinnen oder Herausgeber ein Verweis auf die Zeitschrift finden oder die Angabe lässt sich mittels persönlicher Kontaktaufnahme validieren. Ist es offensichtlich, dass das Herausgebergremium erfunden ist, sollte dies als hartes Kriterium für fehlende Seriosität der Zeitschrift gewertet werden. Bei der Prüfung können unter anderem auch die Nationalitäten der Herausgebenden in den Blick genommen werden. Eine Konzentration auf ein Land findet sich in der Regel nur bei ausschließlich regional bedeutsamen Zeitschriften.
  • APC Transparenz: Publikationsgebühren (engl. article processing charges – APCs) werden bei seriösen Zeitschriften transparent dargestellt, das heißt die Höhe der gesamten APCs und gegebenenfalls die Auflistung einzelner Posten wird benannt. Hier liegt ein weiches Kriterium vor, da erst mit Erhalt der Rechnung geklärt werden kann, inwieweit sich an die Angaben gehalten wurde.
  • Kontaktdaten, Erfahrungen beim Einreichungs-Prozess: Gut auffindbare und validierbare Kontaktdaten unterstreichen die Seriosität einer Zeitschrift; positive oder negative Erfahrungen beim Einreichungsprozess können zur Bewertung herangezogen werden. Beim zweiten Punkt ergibt sich die Schwierigkeit, von entsprechenden Erfahrungswerten Kenntnis zu erlangen; eine Möglichkeit wäre die Konsultation der Datenbank Quality Open Access Market (2), die Erfahrungen mit einer Zeitschrift im Publikationsprozess sammelt. Allerdings liegen noch längst nicht für alle dort gelisteten Zeitschriften entsprechende Informationen vor. Wegen des Interpretationsspielraums handelt es sich eher um ein weiches Kriterium.
  • E-Mails an WissenschaftlerInnen – seriös/unseriös: Predatory Journals zeichnen sich dadurch aus, dass sie SPAM-Mails verschicken, um Autorinnen / Autoren und Herausgeberinnen / Herausgeber zu gewinnen. Oftmals lässt sich am Ton der E-Mail bereits erkennen, ob es sich um eine seriöse Zeitschrift handelt. Allerdings ist dies als eher weiches Kriterium zu sehen, da auch seriöse Zeitschriften E-Mails verschicken, um Autorinnen / Autoren beispielsweise für Special Issues zu gewinnen. Deshalb bleibt auch hier ein Interpretationsspielraum.
  • SHERPA/RoMEO: Auf der Plattform (3) lassen sich die Bedingungen für eine Zweitveröffentlichung von Verlagen und Zeitschriften nachschlagen. Ist eine Zeitschrift dort vertreten, deutet das auf seriöse Geschäftspraktiken hin; in Kombination mit der Vergabe von Creative-Commons-Lizenzen ein weiterer Indikator für Seriosität.
  • Policy: In der Regel geben sich seriöse Zeitschriften eine umfangreiche Policy, die unter anderem Auskunft über das Geschäftsgebaren und Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten gibt. Das Vorhandensein an sich kann als Kriterium für die Seriosität gewertet werden; allerdings ist der Inhalt ausschlaggebend bzw. interpretationswürdig, so dass die Diskutanten es in der Hinsicht als weiches positives Kriterium angesehen haben, wenn die branchenüblichen Punkte benannt werden.
  • DOI: Persistente Identifikatoren wie der Digital Object Identifier (DOI) werden von Zeitschriften vergeben, um die dauerhafte Verfügbarkeit von Artikeln zu gewährleisten. In den STM-Fächern kann die Vergabe von DOIs als hartes positives Kriterium angesehen werden, weil davon ausgegangen werden kann, dass Predatory Journals sich unter Umständen nicht die Mühe machen, eine DOI-Vergabe einzurichten. Für Zeitschriften aus den Geistes- und Sozialwissenschaften ist es eher ein weiches Kriterium, da hier die Praxis der DOI-Vergabe grundsätzlich noch nicht sehr verbreitet ist. Wird mit erfundenen Persistenten Indikatoren gearbeitet (z.B. DAI), ist dies ein hartes Kriterium, welches auf ein Predatory Journal verweist.

 

Kriterien für beide Arbeitsbereiche

  • STM (Liste)(4), COPE (Liste)(5): Ist der Verlag in Brancheninitiativen organisiert, die um Best Practices bemüht sind (und auf deren Websites benannt), so kann davon ausgegangen werden, dass die Absichten seriös sind. Hierbei handelt es sich um ein hartes Kriterium.
  • Verlag, renommierter Verlag; eventuell fachgebietsabhängig: Bei Verlagen, die bereits lange am Markt etabliert sind und die sich bereits im Open-Access-Bereich einen Namen gemacht haben, kann davon ausgegangen werden, dass die Zeitschriften seriös sind. Hierbei handelt es sich um ein hartes Kriterium.
  • DOAJ: Sind Zeitschriften im Directory of Open Access Journals (6) gelistet, so kann davon ausgegangen werden, dass es sich um seriöse Zeitschriften handelt. Die Zeitschriften müssen von den Betreibern dort angemeldet werden und werden anschließend von einem Gremium aus Expertinnen / Experten geprüft. Hierbei handelt es sich um ein hartes Kriterium, insbesondere wenn Zeitschriften das DOAJ-Siegel für Best Practice erhalten haben. Hilfreich kann auch die Konsultation der vom DOAJ zur Verfügung gestellten Tabelle mit Zeitschriften sein, die im Rahmen der Neubewertung aus der Datenbank entfernt wurden (7). Eine Diskussionsgruppe bewertete den fehlenden DOAJ-Eintrag zudem als hartes Kriterium insbesondere in Kombination mit fehlenden persistenten Identifikatoren, um eine Publikation in der Zeitschrift nicht über Publikationsfonds zu fördern. Zu beachten ist allerdings, dass neue Zeitschriften unter Umständen den DOAJ-Prüfprozess noch nicht durchlaufen haben.
  • Journal-Webseite: Abgesehen von einem Erstkontakt per E-Mail dürfte die Website die erste Anlaufstelle sein. Der berühmte „erste Eindruck“ kommt hier bei der Bewertung zum Tragen: Wirken Seite und Angaben seriös oder nicht?
  • Indexierung wo? Positive DBs: Dieses Kriterium zielt darauf ab, dass Predatory Journals häufig Falschangaben hinsichtlich der Indexierung in fachspezifischen (wie z.B. PubMed Central oder Medline) oder fachübergreifenden Datenbanken (Web of Science, Scopus) machen. Entweder werden hier Plattformen angegeben, bei denen es sich nicht um Instrumente für die wissenschaftliche Literaturrecherche handelt, weil keine gezielte und begründete Auswahl von Zeitschriften stattfindet (z.B. Google Scholar) oder Namen von Datenbanken werden erfunden. In Einzelfällen wird auch einfach behauptet, die Zeitschrift wäre entsprechend verzeichnet, obwohl das nicht der Fall ist. Dabei wird häufig auch auf die Möglichkeit der Verwechslung gesetzt, indem der Zeitschriftentitel eines Predatory Journals so gewählt wird, dass er sich nur marginal von einer bestehenden seriösen Zeitschrift unterscheidet. Können die Angaben zur Indexierung verifiziert werden und handelt es sich tatsächlich um eine existierende Literaturdatenbank, dann handelt es sich um ein hartes Kriterium, welches auf die Seriosität einer Zeitschrift deutet. Gefälschte Angaben bei der Indexierung wiederum deuten auf ein hartes Kriterium für Predatory Journals.
  • Impact Factor (echt!!): Predatory Journals werben zudem häufig mit einem erfundenen Journal Impact Factor, das heißt die Indikatorenbezeichnungen sind entweder erfunden und ähneln in der Bezeichnung den vom Clarivate Analytics herausgegebenen „Journal Impact Factor“ in den einmal jährlich erscheinenden „Journal Citation Reports“ oder es wird eine Listung in den Journal Citations Reports in unzutreffender Weise behauptet. Lässt sich der angegebene Journal Impact Factor über die Journal Citation Reports verifizieren, dann handelt es sich um ein hartes Kriterium im Hinblick auf die Bestätigung der Seriosität. Allerdings ist die JCR-Datenbank lizenzpflichtig.
    Ein gefälschter Journal Impact Factor wiederum ist ein hartes Kriterium, welches auf Predatory Journals deutet. Daneben spielen auch weitere Indikatoren wie SNIP (Source Normalized Impact per Paper) und SJR (Scimago Journal Rank) eine Rolle bei der Bewertung. Können diese verifiziert werden, so gelten diese als weiche Kriterien für die Seriosität einer Zeitschrift. Eine Diskussionsgruppe war der Auffassung, dass dieses Kriterium auch bei der Erwerbung/Katalogisierung herangezogen werden kann.
  • Dauer des Review-Verfahrens: Predatory Journals sind bekannt dafür, dass sie mit einer kurzen Frist von der Einreichung bis zur Veröffentlichung werben. Diese kurzen Fristen wiederum deuten darauf hin, dass kein gründliches Peer Review durchgeführt wird. Somit kann die Angabe einer Frist von wenigen Tagen ein hartes Kriterium für fehlende Seriosität sein. Ist die Frist angemessen, so kann dieses als weiches Signal für eine seriöse Zeitschrift gewertet werden. Weich ist das Kriterium deshalb, weil nicht genau bestimmt werden kann, was als angemessen gilt und es auch fachspezifische Varianten gibt; zudem besteht häufig kein Zugang zu den Erfahrungen von Autorinnen / Autoren.
  • INASP und AJOL – für „exotische Titel“: Hierbei handelt es sich um Nachweissysteme für Zeitschriften aus nicht-westlichen Ländern, deren Bedarf an adäquaten und regionalen Publikationskanälen in den letzten Jahren stark zugenommen hat. Sind Zeitschriften in diesen Nachweisinstrumenten (8) (9) gelistet, handelt es sich um ein hartes Kriterium, welches auf Seriosität deutet.
  • Blacklists: Die „schwarzen Schafe“ werden in Blacklists zusammengefasst. Die bekannteste Blacklist im Hinblick auf Predatory Publishing ist Beall’s List, die mittlerweile offline ist, aber in einem Webarchiv (10) weiterhin einsehbar ist bzw. unter einem neuen Webauftritt anonym weitergeführt wird (11). Mittlerweile gibt es auch ein kommerzielles Angebot (12). Blacklists sind hochumstritten. Ein wesentlicher Kritikpunkt ist, dass die Kriterien, die zu einer Listung geführt haben, nicht immer klar benannt werden, zum anderen können auch seriöse Zeitschriften, deren Geschäftsgebaren aber weniger professionell ist, dort gelistet sein. Das Attribut „predatory“ haftet diesen Zeitschriften dann möglicherweise noch sehr lange an, selbst wenn die Geschäftsprozesse längst verbessert wurden. Blacklists bleiben aber dennoch ein weiches Kriterium und ein erstes „Alarmsignal“, sich genauer mit der Zeitschrift auseinanderzusetzen.
  • Indexierung wo? Nur „dubiose“ DB’s negativ: Dieses Kriterium hat einen direkten Bezug zu „Indexierung wo? Positive DBs“. Wird die Zeitschrift lediglich auf Plattformen indexiert, die im bibliothekarischen Sinne nicht als Literaturdatenbanken gelten, so deutet das auf eine fehlende Seriosität hin. Das Kriterium gilt als weich, weil vereinzelt auch seriöse, aber unerfahrene/weniger professionelle Zeitschriften mit solchen Plattformen werben, um bei diesem Punkt etwas vorweisen zu können.
  • Look & feel Webseite: siehe Punkt „Journal-Webseite“. Hierbei handelt es sich um ein weiches Kriterium, weil die Einschätzung eher subjektiven Charakter hat. Unscharfe Graphiken oder fehlende Standardangaben können erste Anhaltspunkte sein.
  • ISSN: Das Vorhandensein einer verifizierbaren ISSN ist im Bereich der Katalogisierung ein hartes Kriterium, um die Seriosität festzustellen. Führt das Abprüfen der ISSN zu keinem Ergebnis und gar zu einem anderen Zeitschriftentitel, dann ist das ein hartes Kriterium für fehlende Seriosität.
  • Multidisziplinarität der Herausgebenden: Fällt im Rahmen des Prüfprozesses auf, dass Herausgeberinnen / Herausgeber für mehrere Zeitschriften tätig sind, deren inhaltlicher Zuschnitt ein breites fachliches Spektrum abbildet, dann ist dies ein weiches Kriterium, was auf eine fehlende Seriosität der Zeitschriften deutet. Es ist zu vermuten, dass die Herausgebenden gar nicht als solche fungieren und von den Zeitschriftenbetreibern ohne Rücksprache „eingesetzt“ wurden. Weich ist das Kriterium deshalb, da es viel Prüfaufwand bedeutet. Multidisziplinarität des Verlages wiederum ist als Kriterium irrelevant und gängige Branchenpraxis.
  • Google Maps: Lässt sich die Adresse des Zeitschriftenbetreibers und/oder des Verlags mittels Google Maps verifizieren bzw. erscheint der Standort sinnvoll, so kann dies als weiches Kriterium für die Seriosität einer Zeitschrift gewertet werden. Weich ist das Kriterium deshalb, weil die Bewertung eher subjektiven Charakter hat. Allerdings handelt es sich um ein hartes Kriterium und die Zeitschrift kann als räuberisch eingestuft werden, wenn sich der Standort beispielsweise in der Wüste befindet oder die angegebene Hausnummer nicht existiert.
  • Alternative Metriken: Die Einbindung von Altmetrics-Anwendungen seitens der Zeitschriftenbetreiber kann insofern ebenfalls zur Bewertung herangezogen werden, als sich die Frage stellt, inwieweit Predatory Journals diesen Aufwand betreiben würden.
  • Hijacked Journals: Zu den Geschäftspraktiken von Predatory Journals gehört es auch, Titel und Webauftritte bekannter Zeitschriften nachzuahmen, um dann auf Verwechslung zu setzen. Teil einer Prüfung sollte somit auch sein, inwieweit gleichlautende oder sehr ähnliche Titel auf dem Markt sind.

 

Prüfverfahren

  • Prüfungen dokumentieren / Prüfungen wiederholen: Zum einem können durch die Dokumentation der jeweiligen Prüfung Fälle nachvollzogen werden, insbesondere wenn es mehrere Anfragen zur gleichen Zeitschrift gibt. Gleichzeitig können solche „Prüfberichte“ auch im Rahmen der Beratung weitergegeben werden. In strittigen Fällen, bei denen keine eindeutige Entscheidung hinsichtlich der Seriosität getroffen werden kann, muss der Titel nach einiger Zeit erneut geprüft werden; noch junge oder noch weniger professionell wirkende Zeitschriften haben dann kritische Punkte vielleicht geändert oder Zeitschriften sind mittlerweile in Nachweissysteme wie DOAJ aufgenommen worden.
  • Quellen auflisten (wo kann was nachgeprüft werden): Gerade im Hinblick auf die Kommunikation mit Wissenschaftlerinnen / Wissenschaftlern im Rahmen der Open-Access-Beratung können diese Hinweise der Entscheidungsfindung dienlich sein. Zudem werden Prüfberichte damit transparenter und Wissenschaftlerinnen / Wissenschaftler entwickeln ein Bewusstsein und Verständnis dafür, auf welche Punkte es zu achten gilt.

Zudem waren sich die Diskussionsgruppen weitestgehend einig, dass die auf der Website Think – Check – Submit aufgeführte Checkliste (13) Wissenschaftlerinnen / Wissenschaftlern im Rahmen der Beratung als Informationsbasis an die Hand gegeben werden kann.

Einig war man sich am Schluss, dass trotz aller Kriterien Zeitschriften in Grauzonen verbleiben. Eine Beurteilung, ob es sich um eine junge Zeitschrift oder um ein Predatory Journal handelt, ist abschließend nicht immer möglich. Ein Weg damit umzugehen ist, die Prüfung zu dokumentieren und das Ergebnis den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mit den positiven und negativen Kriterien an die Hand zu geben. Diese haben letztlich die Entscheidungshoheit darüber, in welchem Organ sie publizieren möchten.

Wir danken allen Teilnehmenden des Workshops für die rege Beteiligung und engagierten Diskussionen, die die Veranstaltung zu einem fruchtbaren Erfahrungsaustausch gemacht haben!


(1) Informationen zum Workshop-Programm
(2) Quality Open Access Market 
(3) SHERPA/RoMEO
(4) STM (Liste)
(5) COPE (Liste)
(6) Directory of Open Access Journals
(7) DOAJ: Tabelle mit Zeitschriften, die im Rahmen der Neubewertung aus der Datenbank entfernt wurden
(8) INASP
(9) AJOL
(10) Beall´s List Webarchiv
(11) Beall´s List anonyme Weiterführung
(12) CABELLS – The journal blacklist
(13) Think – Check – Submit

Was uns im August bewegt hat – Aktuelles zu Open Access, FAIR Data, Digitalisierung …

Auf unserem Twitter-Kanal informieren wir über aktuelle Artikel, Blogposts, Podcasts etc., die sich mit Entwicklungen rund um Open Access und FAIR Data oder allgemein mit der Digitalisierung befassen. Einmal im Monat geben wir Ihnen an dieser Stelle eine Zusammenfassung der Themen, die uns besonders bewegt haben. Im August war das natürlich der erste Library Carpentry Workshop bei ZB MED, erneut das Predatory Publishing und mal was sehr unterhaltsames: die #librarylife challenge one #bwphoto each day for a week.

In LIVIVO wächst die Anzahl der Forschungsdaten

Von Barbara Weidlich-Völckers

Die Offenlegung wissenschaftlicher Forschungsdaten zu Publikationen ist ein wichtiges Thema für ZB MED. In LIVIVO, dem ZB MED-Suchportal für die Lebenswissenschaften (1), wird daher seit drei Jahren kontinuierlich nachgewiesene Literatur mit zugehörigen frei zugänglichen Forschungsdaten aus Forschungsdatenrepositorien wie Dryad (2) verknüpft. Dadurch wird die Sichtbarkeit und Nachnutzbarkeit dieser sonst oft versteckten Daten deutlich erhöht.

Inzwischen sind ca. 20.000 Publikationen in LIVIVO zu finden, die mit Forschungsdaten verknüpft sind. In der Trefferliste sind diese mit einem zusätzlichen Symbol – dem Mikroskop – markiert (siehe Abbildung). Über den Suchfilter »Dokumenttyp« kann die Trefferliste gezielt auf Publikationen mit Forschungsdaten eingeschränkt werden. Eine Recherche ist auch direkt über die Expertensuche mit der Fragestellung DT=RD (Dokumenttyp = Forschungsdaten) möglich.

Screenshot aus dem ZB MED-Suchportal LIVIVO (www.livivo.de). zeigt Artikel mit zugehörigen Forschungsdaten

Anzeige für Artikel mit Forschungsdaten in LIVIVO

Folgt man am Ende eines Treffers unter „More Links“ / „Zusatzinformationen“ dem Eintrag „Research Data“ / „Forschungsdaten“, so wird man zu dem Forschungsdatenrepositorium weitergeleitet, welches diese Daten archiviert (z.B. Dryad). Die dort publizierten Forschungsdaten können helfen, die Inhalte der Textpublikationen besser nachzuvollziehen und einzuordnen. Die Daten können aber auch für eigene Forschungsarbeiten und Veröffentlichungen nachgenutzt werden(3).

Der Ausbau des Nachweises von Forschungsdaten aus weiteren Forschungsdatenrepositorien in LIVIVO ist derzeit in Arbeit. In den LIVIVO News halten wir Sie darüber und natürlich auch über anderen Entwicklungen auf dem Laufenden(4). Es verändert sich immer wieder etwas bei LIVIVO – und es bleibt spannend, schauen Sie doch mal rein!


Weiterführende Links:

(1) LIVIVO
(2) Dryad
(3) Wenn Sie sich zum Thema Forschungsdaten weiter informieren möchten oder Beratung wünschen, so stehen Ihnen die Kolleginnen und Kollegen von PUBLISSO, unserem Publikationsportal Lebenswissenschaften, gern zur Verfügung.
(4) LIVIVO-News


Kontakt zum LIVIVO-Team

Video-Tutorials zu Peer Review

Von Jasmin Schmitz

Wissenschaftliche Artikel durchlaufen in der Regel einen Begutachtungsprozess, im Rahmen dessen über die Publikationswürdigkeit eines Manuskripts entschieden wird. Diese Begutachtung wird auch Peer Review genannt. Peer Review spielt somit für die Qualitätssicherung in der Wissenschaft eine wichtige Rolle. Mit dem Thema sind aber auch eine Reihe von Fragen verknüpft: Wie läuft es ab? Welche Bedeutung hat es für die Wissenschaftskommunikation? Was sind die Probleme?

ZB MED hat hierzu eine Auswahl von Video-Tutorials zusammengestellt, die über die unterschiedlichen Aspekte informieren und die unter anderem in der Open-Access-Publikationsberatung eingesetzt werden:

Auswahl von Video-Tutorials zu Peer Review, die über die unterschiedlichen Aspekte informieren und die unter anderem in der Open-Access-Publikationsberatung eingesetzt werden.

 

Bei der Auflistung oben handelt es sich um einen Auszug einer Zusammenstellung von Video-Tutorials auf der ZB MED Webpräsenz, die über unterschiedliche Themen im Bereich Open Access und Open Data informieren. Die Tabelle wurde kürzlich um aktuelle Videos ergänzt und enthält mittlerweile mehr als 100 Videos. Derzeit ist in Planung, die Tabelle stärker thematisch zu strukturieren, damit Nutzerinnen und Nutzer schneller relevante Videos zur Nachnutzung finden.


Weitere Informationen:

Ausgewählte Video-Tutorials zu Open Access und Open Data auf PUBLISSO
Ursula Arning: Peer Review und Qualitätssicherung bei PUBLISSO gold, der Open-Access-Publikationsplattform von ZB MED. ZB MED-Blog vom 11. September 2017

„Es kommt darauf an“ – Das nicht ganz so große Bibliotheks-Benutzungs-FAQ

Von Mareike Grisse (Juristin) und Martin Briel (Auszubildender Fachangesteller für Medien- und Informationsdienste)

Haben Sie sich schon mal gefragt, warum die bösen Bibliothekarinnen und Bibliothekare aus heiterem Himmel Geld von Ihnen verlangen, wenn das von Ihnen ausgeliehene Buch mal wieder in den brennenden Grill gefallen ist?
Nein?
Wäre aber doch mal gut zu wissen, oder?

In diesem FAQ, wollen wir Ihnen anhand von Beispielen diese und andere rechtliche Kleinfragen beantworten, die Ihnen bestimmt schon seit Jahren auf der Zunge liegen.

 

  • Dürfen Nutzerinnen / Nutzer ganze Bücher scannen oder kopieren?

Bernie Bücherwurm interessiert sich für die Geschichte der Behandlung von aufgekratzten Mückenstichen. Glücklicherweise findet er eine 9000-seitige Chronik zu diesem Thema. Da es leider keinen Volltext im Internet gibt, ist Bernie gezwungen sich die 9000-seitige Chronik zu kopieren. Darum sitzt er nun seit 7 Tagen und 7 Nächten im Lesesaal der Bibliothek und scannt das Buch. Spätestens nach dem er sich einen Flachbildfernseher in den Lesesaal stellt und „Scrubs“ guckt, ist den Angestellten jedoch klar was er macht. Aber darf er überhaupt ein ganzes Buch scannen?

Bernie Bücherwurm erstellt eine Kopie. Das Urheberrecht spricht in diesem Fall von einer Vervielfältigung. Das Recht zur Vervielfältigung ist in § 53 UrhG geregelt. Beim § 53 UrhG ist für die Unterscheidung wichtig, zu welchem Zweck Bernie die Kopie erstellt. Erlaubte Zwecke sind z.B. der private Gebrauch oder der eigene wissenschaftliche Gebrauch.

Bernie darf, wenn er zum privaten Gebrauch kopiert, die gesamte 9000-seitige Chronik scannen.

Wenn Bernie zum eigenen wissenschaftlichen Gebrauch kopiert, dann kommt es darauf an, ob es wirklich geboten ist, das gesamte 9000-seitige Werk zu kopieren. Hierbei geht es um eine Abwägung des wissenschaftlichen Bedarfs und dem Grad der Beeinträchtigung des Urhebers. Dies kann in jedem Fall anders beurteilt werden.

 

  • In welchen Situationen kann einer Nutzerin / einem Nutzer Hausverbot erteilt werden?

Nachdem das geklärt ist, entfernt Bernie sein Feldlager, das er in der Bibliothek zum Scannen aufgestellt hat, wieder. Da er allerdings den Massagesessel, den Flatscreen, den Induktionsherd und die Waschmaschine nicht alleine tragen kann, hat er beschlossen, ein paar Freunde zur Hilfe zu rufen. Praktisch, dass es im Lesesaal so schön ruhig ist und er so in aller Seelenruhe mit den Umzugshelfern telefonieren kann. Leider ist telefonieren im Lesesaal strengstens verboten. Auch nach mehrfachen Aufforderungen der Bibliothekarin Susi Superstolz lässt Bernie das Telefonieren nicht sein. Und dann kommt auch noch die ganze Truppe zum Transport! Die Bibliotheksleiterin droht allen mit Hausverbot. Ab wann kann eine Nutzerin oder ein Nutzer der Bibliothek verwiesen werden?

Wenn die Bibliothek eine Benutzungsordnung hat, dann kann sich Susi Superstolz bei der Erteilung des Hausverbots darauf berufen. Auch ohne Benutzungsordnung hat sie ein Hausrecht von dem sie Gebrauch machen kann. Es ist nur viel schwieriger, das der Nutzerin / dem Nutzer zu erklären, als einfach zu sagen: „Ist so, steht da so, hängt am Eingang aus“.

Wenn Susi Superstolz das Hausverbot erteilt, dann muss dabei der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit gewahrt werden.

Durch das Hausverbot muss ein legitimer Zweck verfolgt werden. Die Sicherstellung des ordentlichen Bibliotheksbetriebs kann ein solcher legitimer Zweck sein.

Das Hausverbot muss geeignet sein, den legitimen Zweck zu erfüllen. Wenn Bernie und seine Kumpels nicht mehr da sind, dann können alle wieder in Ruhe vor sich hindöse-ääh-arbeiten.

Es darf kein milderes, gleich wirksames Mittel geben. Susi Superstolz hat bereits Bernie und seine Freunde vergeblich gebeten ruhig zu sein. Alle in schalldichte Stoffe zu wickeln, ist sicherlich kein milderes geeignetes Mittel. Deshalb ist das Hausverbot erforderlich.

Als letztes muss geprüft werden, ob das Hausverbot angemessen ist. Dabei werden die geschützten Interessen miteinander abgewogen. Bernies Kumpel sind nur zum Aufräumen in die Bibliothek gekommen. Sie stören die anderen Benutzerinnen und Benutzer, die ihr in Art. 5 GG verbürgtes Recht, sich frei zu informieren und frei zu forschen, ausüben wollen. Hier können kreative Bibliothekarinnen und Bibliothekare noch einiges an Argumenten finden, weshalb ein Hausverbot erteilt werden darf.

Übrigens: Wenn man die Benutzungsordnung schreibt, dann muss man auch diese Verhältnismäßigkeitsprüfung im Hinterkopf durchspielen.

 

  • Warum und ab wann kann eine Bibliothek Schadensersatz verlangen?

Trotz all dem möchte Bernie mehr über das Thema herausfinden und leiht sich noch ein paar Bücher mehr aus. Ungeschickt wie er nun mal ist, fällt ihm das erste Buch in den brennenden Grill, das zweite wird mit Bier überschüttet und das dritte wird versehentlich bei 165° C frittiert. Die Angestellten in der Bibliothek sind außer sich – aber nicht vor Freude. Bernie weiß gar nicht was die haben. Lesbar sind die meisten Seiten doch noch, höchstens ein bisschen angesengt und verklebt. Trotzdem soll Bernie nun dafür bezahlen. Warum und wann darf eine Bibliothek überhaupt Schadensersatz verlangen?

Die Leihe ist ein in §§ 598 ff BGB geregelter Vertrag. Dabei wird der Entleiher Bernie verpflichtet, die entliehenen Bücher zurückzugeben. Wenn Bernie die Bücher schuldhaft beschädigt, dann muss er Schadensersatz leisten. Einzige Ausnahme: Verschlechterungen, die durch den vertragsmäßigen Gebrauch herbeigeführt werden, hat Bernie nicht zu vertreten (§602 BGB). Einzelne fettige Fingerabdrücke und gelegentliche Eselsohren entstehen beim vertragsmäßigen Gebrauch von Büchern. Brandflecken und Frittier-Schäden gehören nicht zum vertragsmäßigen Gebrauch und sind deshalb von Bernie zu ersetzen.

 

  • Soll bei „schwierigen“ Nutzerinnen / Nutzern sofort die Polizei eingeschaltet werden?

Bernie sieht immer noch nicht ein, dass er bezahlen muss und fängt eine Diskussion an, in der er nicht nur die Grundfesten unserer Gesellschaft anprangert, sondern auch alle anwesenden Angestellten verbal auf blumige Art und Weise beleidigt. Soll man in so einem Fall schon die Polizei holen?

Eine Beleidigung ist eine Straftat, die angezeigt und strafrechtlich verfolgt werden kann (§ 185 StGB). Eine Beleidigung ist die Kundgabe eigener Missachtung, Geringschätzung oder Nichtachtung. Wenn der Adressat durch die Äußerung verletzt wird, dann ist die Äußerung nicht mehr durch die allgemeine Meinungsfreiheit gedeckt. Sollten sich die Angestellten verletzt und in ihrer Ehre angegriffen fühlen, dann können sie natürlich die Polizei kontaktieren. Die Polizei kann eine Anzeige aufnehmen und die Personalien von Bernie Bücherwurm festhalten. Wann das Fass überläuft, ist in jeder Situation anders und von jedem einzelnen abhängig.

Die Polizei wird auch Bibliothekarinnen und Bibliothekare beschützen – das ist ihr Job.

 

Tipps & Tricks: Ermittlung von Zitationsraten für Zeitschriften, die nicht im Web of Science ausgewertet werden

Von Jasmin Schmitz

Für Herausgeber von wissenschaftlichen Zeitschriften stellt sich häufig die Frage: Wie wird meine Zeitschrift rezipiert? Abruf- und Downloadzahlen geben Aufschluss darüber, wie häufig Artikel angesehen wurden. Die „Währung“ im Wissenschaftsbetrieb sind allerdings Zitationen. Die Häufigkeit, mit der Artikel oder Zeitschriften zitiert werden, ist in unterschiedlichen Evaluierungskontexten von Interesse. Auch bei Zeitschriftenrankings wie den Journal Citation Reports (JCR) (1) spielen sie eine Rolle.

Für die Ermittlung von Zitationsraten benötigt man Zitationsdatenbanken wie Web of Science (2) und Scopus (3), die für die von ihnen aufgenommenen Zeitschriften auszählen, wie häufig die in dieser Zeitschrift erschienenen Artikel in den Referenzen anderer Artikel auftauchen. Google Scholar (4) erfasst ebenfalls Zitationsraten, ist aber aufgrund der fehlenden Transparenz und unzureichender Fehlerbereinigung nur bedingt zu empfehlen (5).

Doch was machen Zeitschriftenbetreiber, wenn ihre Zeitschriften nicht von den Zitationsdatenbanken indexiert werden? Dies betrifft häufig Zeitschriften-Neugründungen oder Zeitschriften, die aufgrund ihres speziellen thematischen Zuschnitts nicht in das „Auswertungsprofil“ der Zitationsdatenbanken passen. Entsprechende Zitatraten lassen sich mit etwas Aufwand ebenfalls mithilfe von Zitationsdatenbanken ermitteln. Hierzu kann in den Referenzen (engl. Cited References) der Artikel gesucht werden, die in Zeitschriften erscheinen, die in den Zitationsdatenbanken indexiert sind. Dort schaut man, wie häufig die gesuchte Zeitschrift zitiert wurde.

Das Vorgehen soll exemplarisch anhand des Web of Science erläutert werden.

 

Schritt 1 – Aufruf der „Cited Reference Search“:

Screenshot von Web of Science, Cited Reference Search

 

Schritt 2 – Suche nach der Zeitschrift im Feld „Cited Work“:

Screenshot von Web of Science, Cited Work

 

Schritt 3 – Durchsicht der Trefferliste:

Screenshot von Web of Science, Durchsicht der Trefferliste

Aufgelistet werden die Publikationen der gesuchten Zeitschrift, die zitiert wurden, alphabetisch sortiert nach dem Namen des Erstautors. In der Spalte „Citing Articles“ wird angegeben, wie häufig der entsprechende Artikel im Web of Science zitiert wurde. Um eine Zitationsrate für die gesamte Zeitschrift oder Jahrgänge zu ermitteln, müssten die Werte jeweils zusammengezählt werden. Da die Zeitschrift selbst nicht vom Web of Science indexiert wird, tauchen hier nur Artikel auf, die auch tatsächlich innerhalb des Web of Science zitiert werden.

Hakt man bei „Select“ einzelne Artikel an und geht anschließend auf „Finish Search“, so kann man die Artikel sehen, die die gesuchte Zeitschrift zitieren.

Grundsätzlich: Bei der Bewertung von sämtlichen Zitationszahlen sollte unbedingt beachtet werden, dass nur Referenzen innerhalb der jeweiligen Zitationsdatenbank ausgewertet werden (also Referenzen von Artikeln aus Zeitschriften, die in der Zitationsdatenbank indexiert werden). Die tatsächliche Anzahl der Zitationen kann daher höher sein.


 

(1) Thomson Reuters: Journal Citation Reports
(2) Thomson Reuters: Web of Science
(3) Elsevier: Scopus
(4) Google Scholar Help
(5) Jacso, Peter (2012): Using Google Scholar for journal impact factors and the h-index in nationwide publishing assessments in academia – Siren songs and air-raid sirens (final manuscript). Online Information Review, 36(3): 462-478. DOI: 10.1108/14684521211241503