Aufbau einer qualitätsgesicherten Open-Access-Publikationsplattform – die drei wichtigsten Überlegungen aus Sicht einer Publikationsmanagerin

von Ursula Arning

Konkrete Hilfestellungen beim Aufbau einer qualitätsgesicherten Open-Access-Publikationsplattform stellen bisher ein Desiderat in der Praxis vieler wissenschaftlicher Bibliotheken dar. Fragen wie „Was muss ich beachten, wenn ich eine Publikationsplattform aufbauen möchte?“, „Welche Ressourcen habe ich dazu zur Verfügung?“ und „Wie kann ich zeigen, dass die Plattform vertrauenswürdig ist und allen qualitativen Ansprüchen genügt?“ tauchen bei allen auf, die sich mit dem Gedanken tragen, eine OA-Publikationsplattform aufzubauen. Dieser Blogbeitrag stellt die drei wichtigsten Überlegungen dazu dar.

1) Projektmanagement:

Wie bei jedem Projekt sind auch hier die Grundsätze des Projektmanagements anwendbar. Ganz zu Beginn sollten daher die Konzeptionierung und damit die Festlegung des Verwendungszwecks der Plattform stehen. Dazu zählt zwingend auch eine Zeitplanung:

Inhaltlich: Beim Aufbau einer Plattform ist zuallererst die Frage zu stellen, ob die Institution den Grünen Weg, also insbesondere Zweitveröffentlichungen, unterstützten möchte oder mit ihrer Plattform Erstveröffentlichungen im Open Access Gold ermöglichen wird. Sollen eventuell auch Forschungsdaten veröffentlicht werden? Kann es Gründe geben, nicht sofort alles offen (Open Access) zur Verfügung zu stellen? Ist in dem Falle eine Embargo-Funktion anzubieten, so dass die Artikel nach dieser Zeit automatisch freigeschaltet werden? Welchen Zeitraum soll diese Frist umfassen? Weitergehend ist zu entscheiden, welche Publikationsarten veröffentlicht werden – handelt es sich also um Zeitschriften, Bücher oder Kongresse? Und welche Besonderheiten sind dementsprechend beim Publikationsprozess zu erwarten? Je nach Disziplin verläuft das Review-Verfahren unterschiedlich. Auch die Frage der Lizenzvergabe (z.B. Creative Commons) für die Publikationen sollte möglichst zu Anfang geklärt werden. Um allen Beteiligten auf einen Blick ihre Rechte und Pflichten darzustellen, ist es hilfreich, diese Punkte in einer öffentlich zugänglichen Policy transparent zusammenzufassen.

Technisch: Die konzeptionellen Inhalte wirken sich auf die Wahl der zur nutzenden Infrastruktur aus. Welches System ist dafür am besten geeignet? Soll es ein Open-Source-System sein? Gibt es Gründe, warum man lieber ein System einkaufen möchte? Welche technischen Entwicklungen sind bereits vorhanden? Dazu gehören Überlegungen zur Stabilität bzw. Leistungsfähigkeit des Systems. Ist z.B. mit einer Expansion des Publikationsverhaltens zu rechnen, so dass eine Skalierbarkeit der Server notwendig ist? Wenn nur eine Zeitschrift publiziert wird oder nur Text sind die benötigten Speicherplatzkapazitäten andere, als wenn man plant, mehrere Zeitschriften oder zusätzlich dazugehörige Forschungsdaten zu veröffentlichen. Wie sieht es mit der Langzeitarchivierung der Veröffentlichungen aus? Gibt es schon Lösungen dazu im Haus? Welche Schnittstellen dazu muss die Plattform aufweisen? Auch Überlegungen zur Barrierefreiheit sowie der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) sollten von Anfang an mit bedacht werden, um entsprechende und kompatible Publikationsformate zu erstellen.

Zeitplan: Umso konkreter der Zeitplan erstellt wird, umso valider ist die Kalkulation beispielsweise bezüglich des benötigten Personals. Viele zu erledigende Schritte hängen miteinander zusammen und sind bei einem guten Projektmanagement miteinander in Verbindung zu bringen und zu überwachen: Bis zu welchem Zeitpunkt sind welche Meilensteine beim technischen Aufbau der Plattform abgeschlossen? Ab wann kann mit den ersten Veröffentlichungen gerechnet werden? Ab wann sind erste Marketingmaßnahmen und Akquise der Publikationen sinnvoll? Wer ist wann über die Plattform und deren Entwicklung in Kenntnis zu setzen? Müssen Workshops zur Nutzung der Plattform eingeplant werden?

Tipp: Allgemein ist bei Entwicklungsprojekten von einer Verzögerung der Entwicklungsplanungen auszugehen und somit ein größerer Zeitpuffer einzuplanen.

2) Ressourcen

Unumgänglich sind auch Überlegungen zu den finanziellen Möglichkeiten. Dazu gehört eine möglichst genaue Kalkulation aller Kosten und die Gegenüberstellung aller vorhandenen und eventuell zusätzlicher benötigter Ressourcen, also sowohl Personal- als auch Sachkosten.

Personal: Die Planung der personellen Ressourcen baut auf der vorherigen konzeptionellen Entscheidung auf: Möchten Sie (nur) das technische System zur Verfügung stellen? Müssen Sie zumindest zeitliche Aufwände für den technischen Support berechnen? Bauen Sie zusätzlich eine Redaktion auf, die z.B. das Korrektorat übernimmt und eventuell auch das Management des Review-Prozesses, ist dieser Personalbedarf gesondert zu kalkulieren. Vielleicht möchten Sie über diese Services hinaus auch Beratungen rund um den Publikationsprozess wie auch zu urheberrechtlichen Fragen anbieten und ganz nah an den Forschenden arbeiten? Dafür benötigen Sie einen sogenannten Publikationsmanager, der die Akquise betreibt und den Publikationsworkflow begleitet. Während der Aufbauphase der Plattform sollten Sie einen Projektmanager einplanen, der den Fortgang des Aufbaus der Publikationsplattform überwacht und alle Beteiligten jeweils zusammenbringt, um möglichst zeitnah bei Problemen eingreifen zu können. Sie müssen sich bei den Planungen auch darüber klarwerden, welche Kompetenzen im Sinne von Fähigkeiten und (Fach-)Kenntnissen die einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben sollten. Können Sie dafür Personal aus der Belegschaft gewinnen, das sich für diese neue Arbeit engagieren möchte (eventuell nach einer Fortbildung oder Zusatzqualifikation) oder benötigen Sie neue Kolleginnen und Kollegen für die entsprechend Ausschreibungen vorbereitet werden müssen?

Sachkosten: Die Kosten für die aufzubauende Infrastruktur sind nicht zu unterschätzen. Auch wenn man sich für eine Open-Source-Lösung entscheidet, die kostenlos zur Verfügung steht, werden kleinere Entwicklungsarbeiten für institutionelle Anpassungen anfallen. Auch wird man sich um Lösungen bezüglich Wartung und Hosting der Plattform kümmern müssen. Wie viele Server oder virtuelle Maschinen sowie Lizenzen müssen eingeplant werden? Und schon in kleinere Details gehend: Gibt es ein Sicherheitszertifikat für die Webseiten?

Wie hoch die finanziellen Aufwände dafür einzurechnen sind, hängt davon ab, ob eine Auftragsvergabe an einen Drittanbieter (Entwicklungsfirma außer Haus nach einem entsprechenden Ausschreibungsverfahren) erfolgt oder man auf spezifische Kompetenzen im Haus zurückgreifen kann, die eventuell intern verrechnet werden.

Tipp: In Betracht zu ziehen ist, dass für den Aufbau der Infrastruktur eventuell Fördermittel (z.B. durch die DFG) zur Verfügung stehen.[1]

3) Qualität

Schon beim Aufbau von Publikationsplattformen, sei es Gold oder Grün, sollte auf die Qualitätssicherung geachtet werden. Dazu stehen z.B. die Vorgaben bzw. Empfehlungen der DINI e.V. (Deutsche Initiative für Netzwerkinformation e.V.)[2] quasi als Anleitung zur Verfügung, die im besten Fall in der Zertifizierung der Plattform münden. Zu den bekanntesten internationalen Entwicklern von Qualitätskriterien und deren Standards gehören die Open Access Scholarly Publishing Association (OASPA)[3], bei der man Mitglied werden kann, wenn man deren Kriterien erfüllt. Die Mitgliedschaft bedeutet damit quasi ein Qualitätssiegel. Im Bereich der Publikationsethik ist die Initiative Committee on Publication Ethics (COPE)[4] zu nennen, auf deren Kriterien man zumindest auf den Webseiten oder in den Policies verweisen sollte. Des Weiteren haben die Initiativen OpenAIRE[5] und Plan S[6] Qualitätskriterien herausgegeben, die für die Plattformen verbindlich zu beachten sind, sollten auf ihnen Publikationen veröffentlicht werden, die von den Partnern gefördert wurden.

Zu den Begutachtungskriterien gehören allgemein die Zugänglichkeit der Plattform, die Sichtbarkeit, die Zurverfügungstellung von Schnittstellen und Statistiken sowie die Beachtung rechtlicher Bestimmungen, die (Langzeit-)Archivierung wie auch die Nachhaltigkeit des Angebots. Die Plattformen entsprechen bei Erfüllung den höchsten Qualitätskriterien und Standards und werden von den Herausgeberinnen und Herausgebern sowie den Autorinnen und Autoren somit als vertrauenswürdig wahrgenommen.

Weiterführend

ZB MED – Informationszentrum Lebenswissenschaften hat 2020 einen „Leitfaden zum Aufbau von Open-Access-Publikationsplattformen für den Goldenen und Grünen Weg“ [7] herausgebracht, der den oben vorgestellten Fragen detailliert nachgeht. Zusätzlich zu den konzeptionellen und finanziellen Überlegungen sind im Leitfaden auch nachnutzbare Open-Access-Gold- (bzw. -Grün) Softwarelösungen und Publikationstools verzeichnet, mit denen bereits einige Plattform-Betreiberinnen und -Betreiber arbeiten. Zusätzlich werden technische Anforderungen an OAI- und OpenAIRE-Schnittstellen dargestellt, da es für Plattformen essentiell ist, dass die Veröffentlichungen auch sichtbar sind und in die gängigen Datenbanken eingespeist werden. Darüber hinaus helfen die Definitionen wichtiger Begriffe – dargestellt in farblich gekennzeichneten Boxen – Einsteigerinnen und Einsteigern beim Einarbeiten in die Thematik.

Wenn Sie selber mit ein bisschen technischem Know-how ein System testen möchten, steht Ihnen z.B. die VirtualBox des hbz NRW (Hochschulbibliothekszentrum des Landes NRW) zur Verfügung: https://github.com/hbz/to.science/tree/master/vagrant/ubuntu-14.04

Fazit:

Der Aufbau einer Publikationsplattform muss gut überlegt sein, da er einiges an Ressourcen bindet. Dafür kann man seinen Forschenden eine qualitätsgesicherte, vertrauenswürdige Publikationsplattform anbieten. Inzwischen gibt es aber auch viele Partner im öffentlichen Bereich, die z.B. Open-Source-Systeme als kooperative Lösung anbieten und das Hosting und die Wartung übernehmen. Dazu zählt neben dem PUBLISSO-System z.B. auch das Open Journal System (OJS)[9].

Um bei den konzeptionellen Planungen nicht alleine zu stehen, empfiehlt sich der Austausch. Wertvolle Unterstützung können in diesem Bereich beispielsweise Mitglieder der AG Universitätsverlage oder der DINI AG elektronisches Publizieren (DINI e-Pub) durch ihre eigene jahrelange Arbeit und Erfahrung leisten.

* Dieser Blogbeitrag ist auch im Blog der DINI AG FIS & E-Pub erschienen sowie in der englischen Version im Blog der IFLA Section Academic and Research Libraries


Quellen:

[1] Vgl. https://www.dfg.de/foerderung/programme/infrastruktur/lis/index.html [zuletzt abgerufen: 24.02.2021].
[2] Siehe https://dini.de/dienste-projekte/dini-zertifikat/ [zuletzt abgerufen: 24.02.2021].[3] https://oaspa.org/ [zuletzt abgerufen am 24.02.2021].
[4] https://publicationethics.org/ [zuletzt abgerufen am 24.02.2021].
[5] Siehe https://www.openaire.eu/ [zuletzt abgerufen am 24.02.2021].
[6] Siehe https://www.coalition-s.org/ [zuletzt abgerufen: 24.02.2021].
[7] Der Leitfaden ist im Rahmen des vom BMBF geförderten Projekts „SynOA-Pub“ entstanden und gründet auf Interviews mit Software-EntwicklerInnen von Publikationsplattformen sowie auf den eigenen Erfahrungen beim Aufbau der PUBLISSO – Publikationsplattform Gold und dem PUBLISSO – Fachrepositorium Lebenswissenschaften. Hinzugezogen wurden Standards, wie sie im Hinblick auf die Erlangung des DINI-Zertifikats bereits etabliert wurden oder für die Erfüllung der Vorgaben aus Plan S wichtig sind. S. Beringer, C, Arning, U (2020), Leitfaden zum Aufbau von Open-Access- Publikationsplattformen für den Goldenen und Grünen Weg, DOI: 10.4126/FRL01-006419770.
[8] https://www.publisso.de/open-access-publizieren/ [zuletzt abgerufen: 24.02.2021].
[9] https://ojs-de.net/start [zuletzt abgerufen: 24.02.2021].

ELN-Filter hilft bei der Auswahl von ELNs für die Lebenswissenschaften – neuer Service von PUBLISSO

von Beatrix Adam und Birte Lindstädt

In Ergänzung zum ELN-Wegweiser, der für das nötige Hintergrundwissen zum Thema Auswahl und Einführung eines Elektronischen Laborbuchs sorgt, stellt PUBLISSO den ELN-Filter im Excel-Format zum Download zur Verfügung. Es handelt sich dabei um fünfzehn Tools, die anhand folgender Fragestellungen ausgewählt wurden:

  • Ist das Tool auf die Lebenswissenschaften zugeschnitten oder kann es entsprechend konfiguriert werden?
  • Kann mit einer ausreichenden Stabilität im Hinblick auf Marktpräsenz und Weiterentwicklung gerechnet werden?
    • Hat das Tool bereits einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt?
    • Existieren Veröffentlichungen zu seinem Einsatz?
  • Ist das Tool für die Einbindung in ein Forschungsdatenmanagement geeignet?

Eine Abfrage für die ELN-Auswahl maßgeblicher Kriterien fand Ende 2019 bei den Anbietern statt. Die Ergebnisse wurden in mehreren Tabellenblättern aufbereitet und analysiert.

Tabellenblatt Filterung nach Kriterien
In 18 Kategorien, von Bereitstellungsmodell bis Workflows, stehen circa 150 Kriterien zur Verfügung. Dabei kann, wenn nötig, eine bessere Übersichtlichkeit erzielt werden, indem für die eigene Auswahl nicht relevante Kriterien/Kategorien ausgeblendet oder gelöscht werden.

Tabellenblatt Filterung nach Kategorien

Abb.1: Auszug aus dem Tabellenblatt „Filterung nach Kategorien“

Das Tabellenblatt Erläuterungen zu den Kategorien enthält Informationen, die die Einschätzung ihrer Relevanz für die Nutzenden erleichtern sollen und enthalten wo nötig weitere Erläuterungen. So wurde zum Beispiel vorausgesetzt, dass alle Produkte einen Text- und Tabelleneditor haben, sodass dieses Merkmal nicht als Kriterium in der Kategorie Dateneingabe auftaucht.

Tabellenblatt Erfüllungsgrad der ELN-Tools
Das Datenblatt stellt dar, wie viele der abgefragten Merkmale die einzelnen Produkte aufweisen. Dabei kann der Erfüllungsgrad pro Kriterium, pro Kategorie und insgesamt betrachtet werden.

Auszug Tabellenblatt Erfüllungsgrad der ELN-Tools

Abb.2: Erläuterung des Tabellenblatt „Erfüllungsgrad der ELN-Tools“

Schließlich bietet das Tabellenblatt Übersicht ELN-Tools Links zur Webseite des jeweiligen Angebots und zur Nutzung im akademischen Rahmen. Ergänzend werden Referenzen aufgelistet und zu Praxisbeispielen verlinkt. Preismodelle für die akademische Nutzung sowie Informationen der Anbieter zur Nutzung der Tools im akademischen Bereich finden sich in weiteren Spalten.

Die entwickelte Tabelle stellt lediglich einen Auszug aus dem vielfältigen Angebot an kommerziellen sowie Open-Source-Tools dar. Die hohe Dynamik, mit der sich der Markt entwickelt, erschwert die Zusammenstellung von Informationen, die für einen längeren Zeitraum verlässlich sind. Die Anbieter entwickeln ihre Produkte weiter und ergänzen häufig nachgefragte Features. Daher kann es sich zum Beispiel lohnen, ein Produkt, das aufgrund der Usability favorisiert wird, aber nicht alle Kriterien erfüllt, nochmals eingehend zu prüfen. Viele Anbieter sind auch bereit, auf Kundenwünsche zu reagieren und Funktionen zu entwickeln, wenn die Anforderung für die akademische Landschaft insgesamt von Nutzen ist. Bei Open-Source-Produkten kann man selbst aktiv an der Entwicklungscommunity teilnehmen oder spezielle Lösungen für die eigene Institution entwickeln.

Haben Sie Fragen? Brauchen Sie weitere Informationen? Gerne beraten wir Sie hinsichtlich der Auswahl und Einführung eines Elektronischen Laborbuchs.

Kontakt: forschungsdaten@zbmed.de

Weiterführende Links:

Zum Download-Link des ELN-Filters

Informationen zu ELNs auf der PUBLISSO Website: https://www.publisso.de/forschungsdatenmanagement/fd-dokumentieren/

PUBLISSO Website zum Forschungsdatenmanagement: https://www.publisso.de/forschungsdatenmanagement/

 

ZB MED Wegweiser zu Elektronischen Laborbüchern in aktualisierter und erweiterter Fassung

von Beatrix Adam und Birte Lindstädt

Das Thema Elektronische Laborbücher (Electronic Lab Notebook ELN) gewinnt in der deutschen und internationalen Forschungslandschaft zunehmend an Bedeutung. Immer mehr Forschungseinrichtungen nutzen die Vorteile eines ELN. Im Videopodcast Nachgefragt erklärt Birte Lindstädt, Leitung Forschungsdatenmanagement bei ZB MED, welche Vorteile die Einführung eines ELN hat, worauf zu achten ist und warum die gute wissenschaftliche Praxis und Elektronische Laborbücher Hand in Hand gehen:

Erfahrungen mit Elektronischen Laborbüchern

Dort, wo es bereits eingeführt wurde, stellen sich Herausforderungen hinsichtlich des Monitoring und der Integration des ELN in das Forschungsdatenmanagement (FDM). In Einrichtungen, in denen das ELN der Initialfunke zur Etablierung eines FDM war, werden im Anschluss an seine Einführung unter anderem Lösungen zur zentralen Datenspeicherung, zur Langzeitarchivierung und zur Verknüpfung mit einem Repositorium, aufgebaut.

Daneben rücken auch rechtliche Rahmenbedingungen in den Fokus, wie zum Beispiel die Einbeziehung des Personalrats bei der Einführung. Je nach Bundesland gibt es unterschiedliche gesetzliche Regelungen in welcher Form der Personalrat einzubeziehen ist.

Titelseite ELN-Wegweiser zweite AuflageParallel dazu zeigt sich der Markt für Elektronische Laborbücher sehr dynamisch: die Anbieter bauen ihre Produkte aus und gehen Allianzen ein, um den wachsenden Anforderungen, beispielsweise hinsichtlich Usability, Features, Konnektivität, Beweissicherheit, gerecht zu werden.

Vor diesem Hintergrund ist die zweite aktualisierte und erweiterte Fassung des ELN-Wegweisers in neuem Layout erschienen.

Die Neuerungen im Überblick:

Neues Kapitel: Rechtliche Rahmenbedingungen Infobox zu rechtlichen Rahmenbedingungen für ELN

In einem neuen Kapitel wird die Einbeziehung des Personalrats bei der Einführung eines ELN behandelt. Neben Hintergrundinformationen zur Gesetzgebung werden praktische Tipps zur Umsetzung und Planung an die Hand gegeben.

Eine dazu gehörige Infobox enthält Links zu weiteren Informationen.

Neue Best-Practice-Beispiele

Wir freuen uns, dass wir weitere Interviewpartner gewinnen konnten, die die Einführung eines ELN an ihrer Einrichtung maßgeblich mitgestaltet haben:

  • Universität und Universitätsklinikum zu Köln – lizensiertes Produkt: eLabJournal
  • Leibniz-Institut für Alternsforschung, Jena – lizensiertes Produkt: RSpace

Alle Fallbeispiele in der Übersicht:

Alle Fallbeispiele zur Einführung von ELNs auf einen Bilck

 

Infoboxen mit aktualisierten und neuen Links

  • Umstieg vom Papierlaborbuch zum ELN/Einführung in das Thema ELN
  • Das ELN als Baustein im Lebenszyklus von Forschungsdaten
  • Literatur zu Best-Practice-Beispielen
  • Ausschreibungen für ELNs können Impulse geben

Infoboxen zu Einführung und Ausschreibung zu ELNs

Gerne treten wir in einen Dialog mit Ihnen sowohl zum ELN-Wegweiser als auch zum Thema insgesamt. Auch wenn Sie weiteren Beratungsbedarf haben, stehen wir gerne zur Verfügung. Wir freuen uns auf Ihre Kommentare und Fragen hier im Blog oder per E-Mail: forschungsdaten@zbmed.de.

Weiterführende Links:

Zum Inhaltsverzeichnis und Download des ELN-Wegweisers:
https://www.publisso.de/forschungsdatenmanagement/fd-dokumentieren/eln-wegweiser/

Informationen zu ELNs auf der PUBLISSO Website: https://www.publisso.de/forschungsdatenmanagement/fd-dokumentieren/

PUBLISSO Website zum Forschungsdatenmanagement: https://www.publisso.de/forschungsdatenmanagement/

Das nehmen wir aber jetzt persönlich! – Analyse von SPAM-Mails von Zeitschriften und Konferenzen

Von Julia Bartlewski und Jasmin Schmitz

Einleitung: Warum sind SPAM-Mails ein Problem?

Wenn Betreibende von Zeitschriften und Organisator*innen von Konferenzen massenhaft E-Mails versenden, um Einreichungen einzuwerben oder um zur Mitarbeit als Herausgebende oder Begutachtende aufzufordern, dann handelt es sich möglicherweise um Predatory Journals und Predatory Conferences. Predatory Journals sind Open-Access-Zeitschriften, die Publikationsgebühren verlangen, aber keine verlegerische und/oder redaktionelle Leistung anbieten. Das „Geschäftsmodell“ wird mittlerweile auch auf Konferenzen übertragen. Hier geht es dann um die betrügerische Einnahme von Konferenzgebühren, die Konferenz findet entweder nicht statt oder in einem Rahmen, der einen fruchtbaren wissenschaftlichen Austausch unmöglich macht. Auch hier werden Beiträge meist nicht hinreichend begutachtet.
Wichtig mit Blick auf die Zeitschriften zu wissen: Das Gros der Open-Access-Zeitschriften ist seriös und wendet die in der jeweiligen Disziplin üblichen Qualitätssicherungsmaßnahmen (Peer Review) an. Daneben gibt es auch noch einen nicht quantifizierbaren Graubereich von Zeitschriften, die seriöse Absichten haben, die aber die Publikationsstandards nicht oder noch nicht erfüllen. Um diese nicht zu diskriminieren, bietet sich das Prüfen anhand eines Kriterienkatalogs an.

Analyse des E-Mailsaufkommens

Auch die PUBLISSO Publikationsberatung und andere nicht-wissenschaftliche Bereiche von ZB MED erhalten regelmäßig solche SPAM E-Mails, was umso verwunderlicher ist, da man hier eher punktuell im Rahmen von kleineren Projekten wissenschaftlich tätig ist und deshalb weniger publiziert als in den ZB MED Forschungsprojekten. Zwar ist die Zahl deutlich kleiner als bei Forschenden – manche berichten von mehr als 1.800 E-Mails in zwei Jahren[1]. Das hat umso mehr die Neugierde geweckt, zu analysieren, wie die, die die SPAM-Mails-versenden, Mailadressen auswählen und welche inhaltlichen Auffälligkeiten es gibt.

Hierzu wurden die E-Mails von Zeitschriften und Konferenzen, die im Zeitraum Januar 2019 bis Juni 2020 an die Mailadressen publikationsberatung [at] zbmed [punkt] de und an die persönliche Adresse der Abteilungsleitung für die Publikationsberatung schmitz [at] zbmed [punkt] de versendet wurden, systematisch erfasst. Ebenfalls in die Analyse eingeflossen sind E-Mails, die an die persönliche E-Mailadresse der PUBLISSO Programmbereichsleitung arning [at] zbmed [punkt] de geschickt wurden oder von anderen Bereichen stammten (z.B. Pressestelle/ Marketing, allgemeine Mailadresse für das Suchportal LIVIVO und für das Infocenter) und zwecks Überprüfung/ Konsultation an die Publikationsberatung weitergeleitet wurden. Diese wurden nicht systematisch gesammelt, so dass sich auch Lücken ergeben können.

Insgesamt wurden 124 E-Mails gesammelt.

Grafische Abbildung über die Verteilung der gesammelten E-Mails

Abbildung 1: Zeitliche Verteilung der gesammelten E-Mailsim Untersuchungszeitraum (Januar 2019 bis Juni 2020)
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Es zeigt sich, dass mehr E-Mails zu Zeitschriften (n=85) als zu Konferenzen (n=39) versendet wurden. Abbildung 2 zeigt das E-Mail-Aufkommen sortiert nach Mailkonten.

Grafische Abbildung über Verteilung der E-Mails nach Empfänger

Abbildung 2: Verteilung auf unterschiedliche E-Mailkonten
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Es zeigt sich, dass im Januar, Mai und im Hochsommer derartige SPAM-E-Mails Konjunktur haben. Deutlich zu sehen ist auch die Abnahme an SPAM-Mails mit Beginn der COVID-19-Krise: Während im Januar 2020 noch 13 E-Mails eingegangen sind, lässt mit Februar – also mit Beginn der Diskussion um die Notwendigkeit von Reisebeschränkungen und möglichen Lock-Downs – das Aufkommen deutlich nach. Obwohl nach Juni 2020 das Sammeln eingestellt wurde, lässt sich aus dem subjektiven Eindruck heraus feststellen, dass auch bislang nicht das Niveau von 2019 erreicht wurde. Insbesondere das Versenden von Einladungen zu Konferenzen wurde weitestgehend eingestellt. Seit den Berichten über Erfolge bei der Impfstoffentwicklung Ende Oktober/ Anfang November 2020 nehmen die Anfragen allerdings wieder zu.

Analyse der Mailinhalte

Acht (7%) der E-Mails (drei von Zeitschriften und fünf zu Konferenzen) sind im SPAM-Filter des E-Mailservers gelandet und wurden aus Sicherheitsgründen nicht komplett zugestellt. Wegen fehlender Informationen wurden diese aus der inhaltlichen Analyse ausgeklammert. In die inhaltliche Analyse sind somit 116 E-Mails eingeflossen. Es wurden zwischen den E-Mail-Konten keine nennenswerten Unterschiede festgestellt, weshalb die E-Mails gemeinsam analysiert wurden.

Anrede

Mehr als ein Drittel der E-Mails (n=44; 38%) verzichtet auf eine Anrede oder verwendet eher ein unpersönliche Art der Ansprache wie „Dear Researchers/ Colleagues/ Authors“ o.ä., „Hello/Hi“; „Dear Sir/Madam“. Ebenfalls 38% (n=45) der E-Mails nehmen direkt Bezug auf Publikationen in bibliothekarischen Fachzeitschriften wie Information – Wissenschaft & Praxis, BIBLIOTHEK – Forschung und Praxis oder ZEITSCHRIFT FÜR BIBLIOTHEKSWESEN UND BIBLIOGRAPHIE und kopieren den Namen (einschließlich die der Ko-Autor*innen – falls vorhanden) auch direkt aus den Autor*inneninformationen des jeweiligen Artikels und setzen lediglich ein „Dear“ davor.  Ersichtlich wird dies, da Vornamen und Nachnamen vertauscht und durch ein Komma getrennt werden. Hieran wird deutlich, woher die Versender ihre Adressat*innen-Liste erhalten: Offenbar werden gezielt Zeitschriftenseiten durchforstet. Offensichtlich geschieht das automatisch, weil man bei einer intellektuellen Ermittlung erwarten würde, dass zumindest Vor- und Nachname in die richtige Reihenfolge gebracht werden. Interessanterweise werden hier wohl Seiten großer Verlage bevorzugt, weil ein Teil der Adressat*innen auch regelmäßig für Zeitschriften kleinerer Verlage schreibt, auf deren Artikel nicht Bezug genommen wird. 22% (n=25) wählen eine Anrede mit einer Kombination aus „Dear“ mit (Titel), Vornamen und Nachnamen: Hier liegt die Vermutung nahe, dass akademische Webseiten bzw. unsere institutionelle Website automatisch nach Namen und E-Mailadressen abgesucht werden.

E-Mails von Verlagen oder Einzelzeitschriften?

Analysiert wurde, ob die 82 E-Mails zu den Zeitschriften im Namen eines Verlages/einer Fachgesellschaft o.ä. versendet wurden. Hier stechen insbesondere zwei Institutionen hervor: Zum einen die „American Association for Science and Technology (AASCIT)“ mit 13 E-Mails (16%), die ausschließlich für Einreichungen bei der Zeitschrift „American Journal of Computation, Communication and Control“ wirbt und der Verlag „Science Publishing Group“, der mit insgesamt 32 E-Mails (39%) zu den Spitzenreitern an E-Mail-Versendern im Untersuchungsset gehört. Dieser wirbt insbesondere für Einreichungen für die Zeitschrift „American Journal of Information Science and Technology (AJIST)“ (14 E-Mails) und „Science Journal of Business and Management“ (17 E-Mails). Lediglich eine E-Mail wirbt für eine Einreichung beim „International Journal of Economics, Finance and Management Sciences“. Bei den Aktivitäten beider Verlage droht Verwechslungsgefahr. American Association for Science and Technology (AASCIT) aus unserem Untersuchungsset hat eine starke Ähnlichkeit mit der im Bereich Informationswissenschaft international sehr renommierten „The Association for Information Science and Technology (kurz: ASIS&T)“. Die vom Verlag „Science Publishing Group“ beworbene Zeitschrift „American Journal of Information Science and Technology (AJIST)“ weist wiederum vom Titel her starke Ähnlichkeiten mit der ASIS&T-Zeitschrift „The Journal of the Association for Information Science and Technology (abgekürzt: JASIST)“ auf. Alle übrigen 37 (45%) E-Mails verteilen sich auf Verlage, die lediglich maximal zwei bis drei E-Mails versendet haben oder bei denen die Zugehörigkeit der Zeitschrift nicht auf Anhieb ermittelbar ist.

Inhaltliche Analyse der E-Mails zu Zeitschriften

80 E-Mails zu Zeitschriften verteilen sich insgesamt auf 30 Zeitschriftentitel. Zwei weitere E-Mails wurden aus der Analyse ausgeschlossen, weil diese das komplette Zeitschriften-Portfolio bewerben. Bis auf wenige Zeitschriften, deren Betreibende häufiger um Einreichungen und Zusammenarbeit werben (siehe Analyse oben), haben 21 (26%) der Zeitschriften bzw. deren Betreibende nur eine E-Mail geschickt, für fünf der Zeitschriften wurden zwei oder drei E-Mails versendet (und auch immer an dasselbe E-Mail-Konto), lediglich für eine Zeitschrift wurden vier E-Mails verschickt und dabei auch unterschiedliche E-Mailkonten angeschrieben.

Grafische Abbildung über Verteilung der E-Mails nach Zeitschriftentitel

Abbildung 3: Verteilung des E-Mail-Aufkommens auf die Zeitschriften
– zum Vergrößern bitte das Bild anklicken

Des Weiteren fällt bei der Sichtung der E-Mails auf, dass der inhaltliche Zuschnitt der Zeitschriften eher breit ausfällt bzw. der fachliche Bezug zu der Arbeit der Adressat*innen nicht gegeben ist. Lediglich bei zwei Zeitschriften stimmt die fachliche Ausrichtung: DESIDOC Journal of Library and Information Technology (DRDO) und ITlib.Information Technologies and Libraries.

Auf eine endgültige Bewertung, ob die Zeitschriften tatsächlich Predatory Journals sind oder eher einem Graubereich zuzuordnen sind und somit über redliche Absichten verfügen, aber die gängigen Publikationsstandards noch nicht umgesetzt haben, wird verzichtet, weil aufgrund der fehlenden inhaltlichen Passfähigkeit ohnehin von einer Publikation dort unsererseits Abstand genommen wird. Dennoch werden einige wenige Kriterien abgeprüft und dokumentiert, um einen groben Eindruck zu erhalten. Für einige Angaben wurden die Websites der Zeitschriften konsultiert. Recherchen auf den Zeitschriften-Websites wurden im Juli und August 2020 durchgeführt.

Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass keine der Zeitschriften im Directory of Open Access Journals gelistet ist. Lediglich eine Zeitschrift behauptet, dort gelistet zu sein, die Angabe konnte aber nicht verifiziert werden. Bei noch jungen Zeitschriften ist es nicht verwunderlich, dass diese dort noch nicht gelistet sind. Das Aufnahmeverfahren braucht eine gewisse Zeit, so dass dies nicht als alleiniges Kriterium zur Bewertung von Zeitschriften herangezogen werden sollte. Dennoch ist das häufig ein wichtiges Kriterium für die Zeitschriftenbewertung, insbesondere um Publikationsgebühren finanziert zu bekommen. Allerdings wurden unsere Recherchen bei vielen der Zeitschriften einige Zeit nach Eingang der E-Mails durchgeführt, so dass doch verwunderlich ist, dass bis dato keine einzige Zeitschrift verzeichnet ist.

Was die Angaben zum Peer-Review-Verfahren angeht, so sind bei den meisten Zeitschriften Informationen dazu vorhanden, bei mehr als der Hälfe der Zeitschriften wird aber entweder das Verfahren nicht genau ausgeführt oder die Angaben sind sehr vage. Die fehlende Transparenz hier ist deshalb ein Problem, da Publikationen in Peer-Review-Zeitschriften häufig zentral für das Fortkommen im Wissenschaftsbetrieb sind. Wenn Forschende erst nach der Publikation feststellen, dass die Publikation keine im Fach übliche Begutachtung durchlaufen hat, ist diese für den Aufbau der Reputation unbrauchbar. Es fällt auf, dass etwa bei einem Drittel der Zeitschriften keine Angaben zur Höhe der Publikationsgebühren gemacht werden und die Zeitschriften, zu denen konkrete Angaben gemacht werden, zu mehr als der Hälfte relativ niedrige Gebühren (0-300 USD) verlangen. Hier stellt sich die Frage, wie diese kostendeckend arbeiten können bzw. ob diese noch anderweitig – z.B. institutionell – finanziert werden.

Abbildung Tabelle über Zusammenstellung von Kriterien für einzelne Zeitschriften

Tabelle 1: Zusammenstellung von Kriterien für einzelne Zeitschriften im Untersuchungsset
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Bei drei der beworbenen Zeitschriften besteht der Verdacht, dass es sich um sogenannte „hijacked journals“ handelt. Darunter versteht man Zeitschriften, die im Titel und Internetauftritt einer anderen Zeitschrift stark ähneln, so dass es hier zu einer Verwechslung kommen kann. Konkret betrifft das in unserem E-Mail-Set folgende Zeitschriften:

Abbildung Tabelle über Zusammenstellung der Hijacked Journals

Tabelle 2: Zusammenstellung der Hijacked Journals
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Inhaltliche Analyse der E-Mails zur Konferenzen

Insgesamt sind 39 E-Mails mit Einladungen zu Konferenzen bzw. Aufforderungen, entsprechende Einreichungen zu machen, eingegangen. Fünf wurden aus der inhaltlichen Analyse ausgeschlossen, weil diese vom SPAM-Filter des E-Mailbetreibers abgefangen wurden und daher keine inhaltlichen Informationen zur Verfügung standen. Alleine 21 der 34 verbleibenden E-Mails (62%) wurden vom International Institute of Informatics and Systemics (IIIS) verschickt und bewerben unterschiedliche Konferenzen, die alle in Orlando, Florida (USA) stattfinden. Insgesamt werden über das IIIS zehn Konferenzen beworben (teilweise auch gemeinsam in einer E-Mail), die bei genauerer Analyse oftmals zeitgleich stattfinden. Zudem werden „Special Tracks“ im Zusammenhang mit den genannten Konferenzen beworben. Die Teilnahmegebühren für alle Konferenzen sind einheitlich (640 USD für Mitglieder, 690 USD für Nichtmitglieder). In der Konferenzgebühr inbegriffen ist die Veröffentlichung eines 6-seitigen Proceedingpapers. Darüberhinausgehende Seiten werden zusätzlich bepreist, ebenso kann mittels Zahlung von weiteren 400 USD ein weiterer Proceedingbeitrag publiziert werden. Die Angaben zum Peer-Review-Verfahren sind dabei eher allgemein (zweistufig: offen bzw. Non-blind und Double-blind). Die E-Mails erhalten auch eine Ankündigung, dass die besten Artikel in der Zeitschrift „Journal of Systemics, Cybernetics and Informatics“ veröffentlicht werden; einer Zeitschrift, die bis 2017 im DOAJ gelistet wurde, bei der allerdings als Verlag das „International Institute of Informatics and Cybernetics“ angegeben ist. Wenngleich es nicht ungewöhnlich ist, dass professionelle Veranstalter regelmäßig Konferenzen organisieren, so ist doch verwunderlich, dass die Gebühren einheitlich kalkuliert werden und ein wissenschaftliches Institut alleine gleich mehrere Konferenzen in einem Jahr organisiert. Zudem fehlen Angaben darüber, wer für die inhaltliche Ausrichtung der jeweiligen Konferenz verantwortlich ist (Fachgesellschaft, Programmkomitee oder das organisierende Institut alleine).

Abbildung Tabelle über von IIIS beworbene Konferenzen

Tabelle 3: Von International Institute of Informatics and Systemics (IIIS) beworbene Konferenzen
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In drei E-Mails (9%) wird die Konferenz “Global Protection Cluster World Summit On Gender-Based Violence (GBV) Involves Men and Women, Youth and Terrorism Organization” beworben. Jeweils mit unterschiedlichen Jahresangaben bzw. Zahl, zum wievielten Mal die Konferenz stattfindet. Es handelt sich hier um eine Konferenz, die hintereinander an einem Ort in den USA und im Senegal stattfindet. In allen E-Mails wird darauf hingewiesen, dass die Teilnahme kostenlos ist und Teilnehmende lediglich die Unterbringungskosten im Senegal tragen müssen. Für ein US-Visum sorgen laut E-Mails die Konferenzveranstalter, auch um die Flüge wird sich gekümmert. Um weitere Informationen zu erhalten soll eine E-Mail an eine Gmail-Adresse geschickt werden. Auf die inhaltliche Ausrichtung der Konferenz wird nur rudimentär eingegangen.

Die übrigen zehn E-Mails (29%) verteilen sich auf neun weitere Konferenzen:

Abbildung über Tabelle zu sonstigen Konferenzen

Tabelle 4: In den E-Mails erwähnten sonstigen Konferenzen
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Bei der Sichtung fällt auf, dass lediglich eine Konferenz einen fachlichen Bezug zur beruflichen Domäne der Empfängerinnen hat. Diese ist auch die einzige, die einen detaillierten Zeitplan und Themenschwerpunkte benennt. Insgesamt sind die E-Mails so heterogen, dass eine gemeinsame Analyse schwerfällt. Allerdings fällt auf, dass lediglich zwei weitere E-Mails Auskunft über den inhaltlichen Zuschnitt einer Konferenz machen. Hinweise zu den Konferenzgebühren finden sich lediglich in zwei E-Mails. Bei zwei Konferenzeinladungen ist unklar, wann die Konferenz überhaupt stattfindet, bei vier Einladungen wird nicht deutlich, wer die Konferenz veranstaltet/organisiert. Bei drei weiteren Konferenzen können zusätzliche Informationen per E-Mail über eine Gmail-Adresse eingeholt werden.

Weitere Informationen zum Thema

FAQ zu Predatory Publishing: Predatory Publishing oder „Schwarze Schafe“ bei Open-Access-Zeitschriften auf publisso.de/open-access-beraten/faqs/predatory-publishing/

Danksagung

Wir danken unseren Kolleginnen Ursula Arning, Ulrike Ostrzinski, Elke Roesner und Heike Schmidt für die Weiterleitung der E-Mails.

 

 

[1] Burggren, W., Madasu, D.K., Hawkins, K.S. and Halbert, M., 2018. Marketing via Email Solicitation by Predatory (and Legitimate) Journals: An Evaluation of Quality, Frequency and Relevance. Journal of Librarianship and Scholarly Communication, 6(1), p.eP2246. DOI: http://doi.org/10.7710/2162-3309.2246

Bericht zum Workshop „Was tun, wenn es passiert ist? Umgang mit Publikationen, die bei einem Predatory Journal eingereicht wurden.“

von Jasmin Schmitz, ZB MED – Informationszentrum Lebenswissenschaften  und
Stefan Schmeja, TIB – Leibniz Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften.
Zugleich veröffentlicht im TIB Blog.

Der Workshop wurde im Rahmen der Open-Access-Tage 2019 veranstaltet, die vom 20.09.-02.10. in Hannover stattfanden.

Motivation für den Workshop war das Identifizieren von möglichen Handlungsoptionen, wenn Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftler in einer Zeitschrift mit zweifelhaftem Geschäftsgebaren publiziert haben.

Leitfragen der Veranstaltung waren:

  • Mit welchen Fragestellungen oder Erwartungen wenden sich betroffene Organisationseinheiten und/oder Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an die Open-Access-Verantwortlichen in Bezug auf Predatory Publishing?
  • Welche Strategien haben sich im Umgang mit Publikationen in Predatory Journals als erfolgreich herausgestellt?
  • Gibt es institutionelle Policies zu dem Thema oder gibt es Institutionen mit einer einheitlichen Praxis beim Umgang mit Publikationen in Predatory Journals?
  • Wie erfolgt die hochschulinterne Abstimmung bei divergierenden Interessen der Beteiligten (Forschende, Präsidium, Bibliothek, Forschungsdezernat…)?

Die Diskutanten waren sich einig, dass Artikel in Predatory Journals deshalb ein Problem sind, weil man nicht weiß, ob ein Peer-Review-Verfahren stattgefunden hat. Grundsätzlich herrscht sowohl in den Einrichtungen als auch bei den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Haltung vor: Die Publikation ist passiert! Damit verbunden das Bewusstsein, dass diese Publikation nicht weiter zum Reputationsaufbau genutzt werden kann.

Somit war man sich einig, dass es gilt, Einreichungen bei Predatory Journals im Vorfeld durch Aufklärung zu verhindern. Insbesondere Doktorandinnen und Doktoranden sollten als Nachwuchsforschende sensibilisiert werden, weil diese zumeist noch über wenig Publikationserfahrung verfügen.

Eine Herausforderung hierbei ist zu vermitteln, dass es sich bei Open-Access-Zeitschriften mit Professionalitätsmängeln nicht zwingend um Predatory Journals handelt, es also auch einen großen Graubereich an Zeitschriften gibt, die redliche Absichten haben, aber einen gewissen Professionalisierungsgrad noch nicht erreicht haben und somit auch Merkmale aufweisen könnten, die man eigentlich einem Predatory Journal zuschreiben würde.

Ein weiteres Ergebnis der Veranstaltung war, dass es:

  1. bislang keine Strategie gibt, die sich als „Goldstandard“ identifizieren lässt und übergreifend empfohlen werden kann
  2. nur selten einrichtungsweites abgestimmtes Vorgehen oder eine Art „Workflow“ für dem Umgang mit dem Thema gibt.

Dennoch kristallisiert sich an einzelnen Einrichtungen regelmäßige Vorgehensweisen im Umgang mit den Publikationen heraus wie zum Beispiel: Verweis auf die Rechtsabteilung, Erhöhung der Sichtbarkeit der Artikelversion in einem legitimen Publikationskanal oder vorherige Genehmigung der Publikation durch die Direktion.

Wir danken allen Workshopteilnehmerinnen und -teilnehmern für die engagierte Diskussion.


Ein ausführlicher Bericht zum Workshop mit Ausführungen zu den möglichen Strategien und weitere Diskussionspunkte ist auf Zenodo abrufbar.

Management von Forschungsdaten – komplexe Anforderungen an Forschende und Anbieter von Serviceleistungen

von Birte Lindstädt

Jedes Jahr im Oktober findet die International Open Access Week statt. Weltweit organisieren Bibliotheken und andere Wissenschaftseinrichtungen Aktionen, um auf das Thema Open Access aufmerksam zu machen. Auch ZB MED beteiligt sich an der Open Access Week. Wir informieren in der kommenden Woche über Open Access und Open Science, also die Öffnung des gesamten Forschungsprozesses. Zudem stellen wir unsere Dienstleistungen kurz vor.

Wissenschaftliche Erkenntnisse werden in Textform präsentiert – in der Regel basieren sie jedoch auf Daten, die im Forschungsprozess entstehen. Die ZB MED-Angebote zu Forschungsdaten orientieren sich an den sogenannten FAIR-Prinzipien, einem Set von Leitlinien, um Forschungsdaten auffindbar (findable), zugänglich (accessible), interoperabel (interoperable) und nachnutzbar (reusable) zu machen. Die Prinzipien bieten einen Rahmen für das Management wissenschaftlicher Forschungsdaten für alle, die am Forschungsprozess beteiligt sind.

Forschungsdatenmanagement betrifft den gesamten Lebenszyklus der Daten. Es erfordert daher ganzheitliche Lösungen, die im Konsens zwischen den Beteiligten gefunden werden müssen. Bibliotheken können in diesem Prozess eine treibende und vermittelnde Kraft sein. Aus dieser Einsicht heraus entwickelt ZB MED unterstützende Services für Forschende und Multiplikatoren entlang des Lebenszyklus von Forschungsdaten. Dies beginnt bei der Erstellung eines Datenmanagementplans zur dynamischen Fortschreibung im Projektverlauf. Dazu erprobt ZB MED aktuell die Anwendung des Research Data Management Organiser (RDMO) in einem agrarwissenschaftlichen Forschungsprojekt und stellt eine Instanz – den RDMO4Life – zur Nutzung durch andere lebenswissenschaftliche Forschungseinrichtungen zur Verfügung.

Die Services von PUBLISSO entlang des Lebenszyklus von Forschungsdaten.

Im Hinblick auf die Dokumentation von Daten spielt in den Lebenswissenschaften das Elektronische Laborbuch oder Electronic Lab Notebook (ELN), eine wichtige Rolle. Um den Beratungsbedarf zu diesem Thema zu begegnen, hat ZB MED einen Leitfaden  erstellt.

Zentral für die Dokumentation ist darüber hinaus die Einhaltung von Standards, insbesondere Metadatenstandards. Im Rahmen von Projektanträgen in einzelnen lebenswissenschaftlichen Fachcommunities werden deshalb Kurationskriterien und Qualitätsstandards von Forschungsdaten gemeinsam mit Forschungseinrichtungen erprobt.

Bei der Publikation bietet ZB MED zum einen eine Publikationsberatung an. Zum anderen wird das Fachrepositorium Lebenswissenschaften (FRL) aufgebaut, um gegebenenfalls Lücken in der Versorgung lebenswissenschaftlicher Forschungseinrichtungen mit Forschungsdatenrepositorien zu schließen. Zum Publikationsservice gehört auch die Vergabe von persistenten Identifikatoren, sogenannten Digital Object Identifiern (DOI). ZB MED ist DOI-Vergabestelle und Data Cite-Mitglied. Das ZB MED-Suchportal LIVIVO enthält Nachweise zu Forschungsdaten.

Die Digitale Langzeitarchivierung (dLZA) als eine der letzten Phasen im Datenlebenszyklus wird im Rahmen eines Pilotprojekts mit einem außeruniversitären Forschungsinstitut erprobt, so dass das dauerhafte Lesbarhalten von Forschungsdaten und darauf basierend die dLZA bei ZB MED ausgebaut werden kann.
Begleitet werden diese Services durch ein umfangreiches Beratungsangebot: Workshops zu unterschiedlichen Themen, Vorträge auf lebenswissenschaftlichen und bibliothekarischen Fachkonferenzen, Webinare und Tutorials.

Alle Angebote von ZB MED rund um das Forschungsdatenmanagement finden Sie auf dem Open-Access-Publikationsportal PUBLISSO.

Kontakt: publisso@zbmed.de


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Webinare als Informationsquelle zu Open Access und Open Science

von Jasmin Schmitz

Jedes Jahr im Oktober findet die International Open Access Week statt. Weltweit organisieren Bibliotheken und andere Wissenschaftseinrichtungen Aktionen, um auf das Thema Open Access aufmerksam zu machen. Auch ZB MED beteiligt sich an der Open Access Week. Wir informieren in der kommenden Woche über Open Access und Open Science. Zudem stellen wir unsere Dienstleistungen kurz vor.

PUBLISSO, das ZB MED-Publikationsportal für die Lebenswissenschaften, bietet umfangreiche Beratungsleistungen rund um Open Access und Open Science an, auf die wir in unserem gestrigen Beitrag bereits eingegangen sind.

Ein besonderes Augenmerk richten wir heute auf das Format Webinar. Bei Bedarf bieten wir selbst solche Web-Seminare zu speziellen Themen rund um Open Access und Open Science an. Wir bauen dieses Angebot weiter aus. Anregungen dafür können Sie uns gerne schicken!

Eine besondere Form der Beratung: das Webinar.

Auf der PUBLISSO-Website finden Sie aber auch eine umfangreiche Übersicht mit frei im Web zugänglichen Webinaren. Bei der Auswahl haben wir feste Kriterien berücksichtigt, wie Qualität und Aktualität. Thematisch deckt die Liste die unterschiedlichsten Facetten von Open Access und Open Science ab. Die Übersicht wird regelmäßig aktualisiert; Ergänzungsvorschläge nehmen wir gerne entgegen.

Kontakt: publikationsberatung@zbmed.de


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Was Sie schon immer über Open Science wissen wollten …

von Jasmin Schmitz

… erfahren Sie bei der PUBLISSO-Publikationsberatung!

Jedes Jahr im Oktober findet die International Open Access Week statt. Weltweit organisieren Bibliotheken und andere Wissenschaftseinrichtungen Aktionen, um auf das Thema Open Access aufmerksam zu machen. Auch ZB MED beteiligt sich an der Open Access Week. Wir informieren in der kommenden Woche über Open Access und Open Science, also die Öffnung des gesamten Forschungsprozesses. Zudem stellen wir unsere Dienstleistungen kurz vor.

Die Expertinnen aus dem PUBLISSO-Team informieren zu allen Themen rund um Open Science. Die Beratung ist neutral, stellt den Bedarf der Forschenden in den Mittelpunkt und berücksichtigt die Bedingungen und Anforderungen im wissenschaftlichen Publikationswesen. Mit dieser Dienstleistung unterstützt PUBLISSO lebenswissenschaftlich Forschenden. Aber das Angebot richtet sich ebenso an Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in wissenschaftlichen Bibliotheken, an Graduiertenschulen und an lebenswissenschaftlichen Fachbereichen von Hochschulen – Personen, die ihrerseits Beratungsleistungen für Forschende anbieten.

Die PUBLISSO-Beratung umfasst ein breites Themenspektrum: Es
reicht von allgemeinen Informationen zu Open Access über das wissenschaftliche Publizieren bis hin zu Forschungsdaten. Derzeit wird das Angebot ausgebaut, so dass in Zukunft auch die Beratung zur digitalen Langzeitarchivierung zum Angebot zählt.

Das Poster zeigt das breite Themenspektrum des Beratungsangebots von PUBLISSO.

Für die Beratung halten wir eine Vielfalt an Formaten bereit, um verschiedenen Informationsbedürfnissen gerecht zu werden. Neben der persönlichen Beratung per Telefon oder E-Mail halten die Expertinnen Vorträge, geben Seminare oder Workshops.  Und die PUBLISSO-Website bietet eine Vielzahl an Informationen, die direkte Antworten auf viele Fragen geben.

Kontakt: publikationsberatung@zbmed.de


Weitere Informationen

International Open Access Week 2019 unter dem Motto „Open for Whom? Equity in Open Knowledge!“

von Constanze Beringer und Ulrike Ostrzinski

Jedes Jahr im Oktober findet die International Open Access Week statt. Weltweit organisieren Bibliotheken und andere Wissenschaftseinrichtungen Aktionen, um auf das Thema Open Access aufmerksam zu machen. In diesem Jahr lautet das Motto „Open for Whom? Equity in Open Knowledge!“ und nimmt die Gerechtigkeit, die die Offene Wissenschaft ermöglicht, in den Fokus.

Für ZB MED sind Open Access, der unbeschränkte und kostenlose Zugang zu wissenschaftlicher Information, und Open Science, die Öffnung des gesamten Forschungsprozesses, wichtige Handlungsfelder. Daher nutzen wir die Open Access Week, um über Open Access, Open Science und unsere Angebote dazu zu informieren.

Auf PUBLISSO, dem Open-Access-Publikationsportal für die Lebenswissenschaften, stellt ZB MED alle Informationen und Services bereit. Das Portal richtet sich an lebenswissenschaftlich Forschende, die ihre Veröffentlichungen und Forschungsdaten frei zugänglich publizieren wollen, und an informationswissenschaftlich Tätige. Wir bieten Beratung und Workshops zu allen Fragen rund um Open Access und Open Science an.

Mit den PUBLISSO-Publikationsplattformen ermöglicht ZB MED Autorinnen und Autoren, die Dissertationen, Forschungsdaten oder Journalartikel veröffentlichen möchten, die Publikation sowohl für den Goldenen als auch für den Grünen Weg des Open Access.

Mit PUBLISSO bietet ZB MED eine Publikationsinfrastruktur für Open Science

Seit über 15 Jahren publizieren wir in Kooperation mit DIMDI und AWMF wissenschaftliche Fachzeitschriften unter dem Dach von German Medical Science und blicken damit auf eine lange Open-Access-Tradition zurück. Herausgebende sowie Autorinnen und Autoren profitieren daher beim Ausbau von PUBLISSO von der umfassenden Expertise der Redaktion. In vier bei der DFG und dem BMBF eingeworbenen Drittmittelprojekten wird gezielt der Bedarf in verschiedenen Fachcommunities ermittelt, um unter anderem darauf aufbauend die Systeme kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Falls Sie sich fragen, was mit dem Goldenen und Grünen Weg des Open Access gemeint ist, hilft Ihnen PUBLISSO auch da weiter. Denn diese und viele andere Fragen beantworten die FAQs.

Kontakt: publisso@zbmed.de


Weiterführende Infos

PID-Services für Forschungsdaten im Bereich Lebenswissenschaften

Bericht vom Workshop über persistente Identifikatoren am 23. Januar 2019 bei ZB MED – Informationszentrum Lebenswissenschaften am Standort Köln

von Birte Lindstädt

Im gesamten Lebenszyklus von Forschungsdaten kommt den persistenten Identifikatoren (PIDs) eine zentrale Funktion zu: Sie ermöglichen die verlässliche Referenzierbarkeit und langfristige Verfügbarkeit von Forschungsdaten. PIDs schaffen allerdings noch andere, weniger bekannte Möglichkeiten der Datenreferenzierung und -nachnutzung. So werden PIDs auch eingesetzt, um Arbeitsdaten eindeutig zu kennzeichnen, zum Beispiel Datensatz-Versionen zu unterscheiden und somit einen Austausch in einer Arbeits- oder Projektgruppe zu ermöglichen (vgl. ePIC PID).

Vor dem Hintergrund, dass in manchen lebenswissenschaftlichen Disziplinen Forschungsdaten aufgrund der Datenschutzgesetzgebung oftmals nicht publiziert werden können, kommt dem Nachweis der Forschungsdaten eine große Bedeutung zu. Deshalb können neben publizierten Forschungsdaten auch nur eingeschränkt zugängliche Daten mit einem PID – konkret zum Beispiel einem DOI – und entsprechenden öffentlichen Metadaten versehen werden; die Forschungsdaten selbst bleiben in einer den jeweiligen Datenschutzregelungen entsprechenden Umgebung.

Um die verlässliche Referenzierbarkeit nicht nur der Forschungsdaten selbst, sondern auch die der jeweiligen Datenproduzenten zu gewährleisten, gibt es personen- bzw. institutionenbezogene PIDs, zum Beispiel ORCID (Open Researcher and Contributor ID).

Das Verknüpfen der einem Datensatz jeweils zugewiesenen PIDs in Suchportalen eröffnet neue Möglichkeiten der Wertschöpfung aus Daten bzw. des Erkenntnisgewinns.

Der Workshop stellte PIDs in einen breiteren Kontext, indem folgende Fragen beantwortet wurden:

  • Was ermöglichen PIDs jenseits des Aspekts der Persistenz und wie kann der Forschungsprozess dadurch verbessert werden?
  • Welche PIDs gibt es und was sind ihre Anwendungsfelder?
  • Welche aktuellen Entwicklungen rund um PIDs finden auf nationaler und europäischer Ebene statt?
  • Best-Practice-Berichte: Wie sieht die aktuelle Praxis bei den Datenzentren im Hinblick auf PIDs aus und was sind die Herausforderungen?
  • Welche Services rund um PIDs werden von ZB MED angeboten oder sind in Planung?

Unter den Teilnehmenden waren Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Informationsinfrastrukturen: Bibliotheken, Museen, Forschungseinrichtungen und Rechenzentren.

Die regen Diskussionen zeigten, dass sich verschiedene PID-Systeme aktuell in einer Phase der Reifung und Konsolidierung befinden. Die Schnittstellen zwischen PID-Systemen – etwa hinterlegte Metadatenschemata – müssen dabei noch weiterentwickelt und implementiert werden, damit die Mehrwerte für die dauerhafte Referenzierbarkeit und Interoperabilität von Forschungsdaten, die mit den PIDs assoziiert und von ihnen erhofft werden, auch tatsächlich realisiert werden können.

Dies ist insbesondere im Hinblick auf das Forschungsdatenmanagement zwingend notwendig. Eine 2018 von ZB MED in Auftrag gegebene Umfrage unter Forschenden in den Lebenswissenschaften zeigt nämlich, dass aktuell zwar bereits 81% der Befragten PIDs nutzen, lediglich 22% von ihnen aber auch PIDs für Forschungsdaten vergeben.

Wie wichtig die Verbreitung der PID-Anwendung für Forschungsdaten ist, demonstrierte Benedikt Hummel vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) am Beispiel der Animal Study Registry. Die Veröffentlichung von Tierversuchsdaten einschließlich Metadaten, die deren bestmögliche Auffindbarkeit und Referenzierbarkeit sichern sollen, ist die Voraussetzung, um unnötige Tierversuche zu reduzieren. Neben diesem ethischen Aspekt wird auch die Effizienz und Qualität der Forschung erhöht, indem redundante Studien vermieden und datenbasierte Plausibilitätsprüfungen ermöglicht werden.

Jens Dierkes stellte anschließend vor, welche Herausforderungen an der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln in puncto PIDs, insbesondere DOI (Digital Object Identifier), bestehen. Danach zeigte er auf, welche Lösungen aktuell entwickelt werden. Besonders interessant war die Entwicklung eines neuartigen Ansatzes, ein User-Interface auf der Basis von Unterdomains anzubieten. Dadurch sollen einzelne Institute in die Lage versetzt werden, selbstständig DOIs unter dem ihnen zugewiesenen DOI-Suffix einpflegen zu können.

Ulrike Wittig vom Heidelberger Institut für Theoretische Studien (HITS) präsentierte mehrere bereits operative Services. Auf großes Interesse stieß dabei die webbasierte Plattform fairdomhub, die auf der Open-Source-Software SEEK basiert. Diese Plattform ermöglicht zunächst den internen Austausch heterogener wissenschaftlicher Datensätze, Modelle, Simulationen, Prozesse und Forschungsergebnisse zwischen den Forschenden. Auf einer niedrigschwelligen Ebene können Forschende auf diese Weise in das Forschungsdatenmanagement einbezogen werden. Im Verlauf des Forschungsprojekts können Forschende selbstständig entscheiden, ob und wenn ja welche Forschungsdaten sie publizieren wollen. Darüber hinaus lässt sich frei wählen, auf welchen Plattformen die ausgewählten Datensätze publiziert werden und wie weitreichend die Datennutzungsrechte sein sollen (Lesezugriff, Downloadmöglichkeit, Editier- oder Administratorrechte). Die Möglichkeit einer automatischen DOI-Vergabe auf verschiedenen Granularitätsebenen eines Datensatzes ist in SEEK bereits implementiert.

Die Berichte aus der Praxis zeigten eindrücklich, wie die Forschung durch Infrastrukturangebote unterstützt werden kann. Zum Ende des Workshops wurde dargestellt, in welchen Bereichen des Datenlebenszyklus ZB MED eigene Services anbietet und entwickelt.


Workshop-Präsentation von ZB MED: PID-Workshop bei ZB MED_2019-01-23
Weitere Informationen zum Workshop