Das nehmen wir aber jetzt persönlich! – Analyse von SPAM-Mails von Zeitschriften und Konferenzen

Von Julia Bartlewski und Jasmin Schmitz

Einleitung: Warum sind SPAM-Mails ein Problem?

Wenn Betreibende von Zeitschriften und Organisator*innen von Konferenzen massenhaft E-Mails versenden, um Einreichungen einzuwerben oder um zur Mitarbeit als Herausgebende oder Begutachtende aufzufordern, dann handelt es sich möglicherweise um Predatory Journals und Predatory Conferences. Predatory Journals sind Open-Access-Zeitschriften, die Publikationsgebühren verlangen, aber keine verlegerische und/oder redaktionelle Leistung anbieten. Das „Geschäftsmodell“ wird mittlerweile auch auf Konferenzen übertragen. Hier geht es dann um die betrügerische Einnahme von Konferenzgebühren, die Konferenz findet entweder nicht statt oder in einem Rahmen, der einen fruchtbaren wissenschaftlichen Austausch unmöglich macht. Auch hier werden Beiträge meist nicht hinreichend begutachtet.
Wichtig mit Blick auf die Zeitschriften zu wissen: Das Gros der Open-Access-Zeitschriften ist seriös und wendet die in der jeweiligen Disziplin üblichen Qualitätssicherungsmaßnahmen (Peer Review) an. Daneben gibt es auch noch einen nicht quantifizierbaren Graubereich von Zeitschriften, die seriöse Absichten haben, die aber die Publikationsstandards nicht oder noch nicht erfüllen. Um diese nicht zu diskriminieren, bietet sich das Prüfen anhand eines Kriterienkatalogs an.

Analyse des E-Mailsaufkommens

Auch die PUBLISSO Publikationsberatung und andere nicht-wissenschaftliche Bereiche von ZB MED erhalten regelmäßig solche SPAM E-Mails, was umso verwunderlicher ist, da man hier eher punktuell im Rahmen von kleineren Projekten wissenschaftlich tätig ist und deshalb weniger publiziert als in den ZB MED Forschungsprojekten. Zwar ist die Zahl deutlich kleiner als bei Forschenden – manche berichten von mehr als 1.800 E-Mails in zwei Jahren[1]. Das hat umso mehr die Neugierde geweckt, zu analysieren, wie die, die die SPAM-Mails-versenden, Mailadressen auswählen und welche inhaltlichen Auffälligkeiten es gibt.

Hierzu wurden die E-Mails von Zeitschriften und Konferenzen, die im Zeitraum Januar 2019 bis Juni 2020 an die Mailadressen publikationsberatung [at] zbmed [punkt] de und an die persönliche Adresse der Abteilungsleitung für die Publikationsberatung schmitz [at] zbmed [punkt] de versendet wurden, systematisch erfasst. Ebenfalls in die Analyse eingeflossen sind E-Mails, die an die persönliche E-Mailadresse der PUBLISSO Programmbereichsleitung arning [at] zbmed [punkt] de geschickt wurden oder von anderen Bereichen stammten (z.B. Pressestelle/ Marketing, allgemeine Mailadresse für das Suchportal LIVIVO und für das Infocenter) und zwecks Überprüfung/ Konsultation an die Publikationsberatung weitergeleitet wurden. Diese wurden nicht systematisch gesammelt, so dass sich auch Lücken ergeben können.

Insgesamt wurden 124 E-Mails gesammelt.

Grafische Abbildung über die Verteilung der gesammelten E-Mails

Abbildung 1: Zeitliche Verteilung der gesammelten E-Mailsim Untersuchungszeitraum (Januar 2019 bis Juni 2020)
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Es zeigt sich, dass mehr E-Mails zu Zeitschriften (n=85) als zu Konferenzen (n=39) versendet wurden. Abbildung 2 zeigt das E-Mail-Aufkommen sortiert nach Mailkonten.

Grafische Abbildung über Verteilung der E-Mails nach Empfänger

Abbildung 2: Verteilung auf unterschiedliche E-Mailkonten
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Es zeigt sich, dass im Januar, Mai und im Hochsommer derartige SPAM-E-Mails Konjunktur haben. Deutlich zu sehen ist auch die Abnahme an SPAM-Mails mit Beginn der COVID-19-Krise: Während im Januar 2020 noch 13 E-Mails eingegangen sind, lässt mit Februar – also mit Beginn der Diskussion um die Notwendigkeit von Reisebeschränkungen und möglichen Lock-Downs – das Aufkommen deutlich nach. Obwohl nach Juni 2020 das Sammeln eingestellt wurde, lässt sich aus dem subjektiven Eindruck heraus feststellen, dass auch bislang nicht das Niveau von 2019 erreicht wurde. Insbesondere das Versenden von Einladungen zu Konferenzen wurde weitestgehend eingestellt. Seit den Berichten über Erfolge bei der Impfstoffentwicklung Ende Oktober/ Anfang November 2020 nehmen die Anfragen allerdings wieder zu.

Analyse der Mailinhalte

Acht (7%) der E-Mails (drei von Zeitschriften und fünf zu Konferenzen) sind im SPAM-Filter des E-Mailservers gelandet und wurden aus Sicherheitsgründen nicht komplett zugestellt. Wegen fehlender Informationen wurden diese aus der inhaltlichen Analyse ausgeklammert. In die inhaltliche Analyse sind somit 116 E-Mails eingeflossen. Es wurden zwischen den E-Mail-Konten keine nennenswerten Unterschiede festgestellt, weshalb die E-Mails gemeinsam analysiert wurden.

Anrede

Mehr als ein Drittel der E-Mails (n=44; 38%) verzichtet auf eine Anrede oder verwendet eher ein unpersönliche Art der Ansprache wie „Dear Researchers/ Colleagues/ Authors“ o.ä., „Hello/Hi“; „Dear Sir/Madam“. Ebenfalls 38% (n=45) der E-Mails nehmen direkt Bezug auf Publikationen in bibliothekarischen Fachzeitschriften wie Information – Wissenschaft & Praxis, BIBLIOTHEK – Forschung und Praxis oder ZEITSCHRIFT FÜR BIBLIOTHEKSWESEN UND BIBLIOGRAPHIE und kopieren den Namen (einschließlich die der Ko-Autor*innen – falls vorhanden) auch direkt aus den Autor*inneninformationen des jeweiligen Artikels und setzen lediglich ein „Dear“ davor.  Ersichtlich wird dies, da Vornamen und Nachnamen vertauscht und durch ein Komma getrennt werden. Hieran wird deutlich, woher die Versender ihre Adressat*innen-Liste erhalten: Offenbar werden gezielt Zeitschriftenseiten durchforstet. Offensichtlich geschieht das automatisch, weil man bei einer intellektuellen Ermittlung erwarten würde, dass zumindest Vor- und Nachname in die richtige Reihenfolge gebracht werden. Interessanterweise werden hier wohl Seiten großer Verlage bevorzugt, weil ein Teil der Adressat*innen auch regelmäßig für Zeitschriften kleinerer Verlage schreibt, auf deren Artikel nicht Bezug genommen wird. 22% (n=25) wählen eine Anrede mit einer Kombination aus „Dear“ mit (Titel), Vornamen und Nachnamen: Hier liegt die Vermutung nahe, dass akademische Webseiten bzw. unsere institutionelle Website automatisch nach Namen und E-Mailadressen abgesucht werden.

E-Mails von Verlagen oder Einzelzeitschriften?

Analysiert wurde, ob die 82 E-Mails zu den Zeitschriften im Namen eines Verlages/einer Fachgesellschaft o.ä. versendet wurden. Hier stechen insbesondere zwei Institutionen hervor: Zum einen die „American Association for Science and Technology (AASCIT)“ mit 13 E-Mails (16%), die ausschließlich für Einreichungen bei der Zeitschrift „American Journal of Computation, Communication and Control“ wirbt und der Verlag „Science Publishing Group“, der mit insgesamt 32 E-Mails (39%) zu den Spitzenreitern an E-Mail-Versendern im Untersuchungsset gehört. Dieser wirbt insbesondere für Einreichungen für die Zeitschrift „American Journal of Information Science and Technology (AJIST)“ (14 E-Mails) und „Science Journal of Business and Management“ (17 E-Mails). Lediglich eine E-Mail wirbt für eine Einreichung beim „International Journal of Economics, Finance and Management Sciences“. Bei den Aktivitäten beider Verlage droht Verwechslungsgefahr. American Association for Science and Technology (AASCIT) aus unserem Untersuchungsset hat eine starke Ähnlichkeit mit der im Bereich Informationswissenschaft international sehr renommierten „The Association for Information Science and Technology (kurz: ASIS&T)“. Die vom Verlag „Science Publishing Group“ beworbene Zeitschrift „American Journal of Information Science and Technology (AJIST)“ weist wiederum vom Titel her starke Ähnlichkeiten mit der ASIS&T-Zeitschrift „The Journal of the Association for Information Science and Technology (abgekürzt: JASIST)“ auf. Alle übrigen 37 (45%) E-Mails verteilen sich auf Verlage, die lediglich maximal zwei bis drei E-Mails versendet haben oder bei denen die Zugehörigkeit der Zeitschrift nicht auf Anhieb ermittelbar ist.

Inhaltliche Analyse der E-Mails zu Zeitschriften

80 E-Mails zu Zeitschriften verteilen sich insgesamt auf 30 Zeitschriftentitel. Zwei weitere E-Mails wurden aus der Analyse ausgeschlossen, weil diese das komplette Zeitschriften-Portfolio bewerben. Bis auf wenige Zeitschriften, deren Betreibende häufiger um Einreichungen und Zusammenarbeit werben (siehe Analyse oben), haben 21 (26%) der Zeitschriften bzw. deren Betreibende nur eine E-Mail geschickt, für fünf der Zeitschriften wurden zwei oder drei E-Mails versendet (und auch immer an dasselbe E-Mail-Konto), lediglich für eine Zeitschrift wurden vier E-Mails verschickt und dabei auch unterschiedliche E-Mailkonten angeschrieben.

Grafische Abbildung über Verteilung der E-Mails nach Zeitschriftentitel

Abbildung 3: Verteilung des E-Mail-Aufkommens auf die Zeitschriften
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Des Weiteren fällt bei der Sichtung der E-Mails auf, dass der inhaltliche Zuschnitt der Zeitschriften eher breit ausfällt bzw. der fachliche Bezug zu der Arbeit der Adressat*innen nicht gegeben ist. Lediglich bei zwei Zeitschriften stimmt die fachliche Ausrichtung: DESIDOC Journal of Library and Information Technology (DRDO) und ITlib.Information Technologies and Libraries.

Auf eine endgültige Bewertung, ob die Zeitschriften tatsächlich Predatory Journals sind oder eher einem Graubereich zuzuordnen sind und somit über redliche Absichten verfügen, aber die gängigen Publikationsstandards noch nicht umgesetzt haben, wird verzichtet, weil aufgrund der fehlenden inhaltlichen Passfähigkeit ohnehin von einer Publikation dort unsererseits Abstand genommen wird. Dennoch werden einige wenige Kriterien abgeprüft und dokumentiert, um einen groben Eindruck zu erhalten. Für einige Angaben wurden die Websites der Zeitschriften konsultiert. Recherchen auf den Zeitschriften-Websites wurden im Juli und August 2020 durchgeführt.

Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass keine der Zeitschriften im Directory of Open Access Journals gelistet ist. Lediglich eine Zeitschrift behauptet, dort gelistet zu sein, die Angabe konnte aber nicht verifiziert werden. Bei noch jungen Zeitschriften ist es nicht verwunderlich, dass diese dort noch nicht gelistet sind. Das Aufnahmeverfahren braucht eine gewisse Zeit, so dass dies nicht als alleiniges Kriterium zur Bewertung von Zeitschriften herangezogen werden sollte. Dennoch ist das häufig ein wichtiges Kriterium für die Zeitschriftenbewertung, insbesondere um Publikationsgebühren finanziert zu bekommen. Allerdings wurden unsere Recherchen bei vielen der Zeitschriften einige Zeit nach Eingang der E-Mails durchgeführt, so dass doch verwunderlich ist, dass bis dato keine einzige Zeitschrift verzeichnet ist.

Was die Angaben zum Peer-Review-Verfahren angeht, so sind bei den meisten Zeitschriften Informationen dazu vorhanden, bei mehr als der Hälfe der Zeitschriften wird aber entweder das Verfahren nicht genau ausgeführt oder die Angaben sind sehr vage. Die fehlende Transparenz hier ist deshalb ein Problem, da Publikationen in Peer-Review-Zeitschriften häufig zentral für das Fortkommen im Wissenschaftsbetrieb sind. Wenn Forschende erst nach der Publikation feststellen, dass die Publikation keine im Fach übliche Begutachtung durchlaufen hat, ist diese für den Aufbau der Reputation unbrauchbar. Es fällt auf, dass etwa bei einem Drittel der Zeitschriften keine Angaben zur Höhe der Publikationsgebühren gemacht werden und die Zeitschriften, zu denen konkrete Angaben gemacht werden, zu mehr als der Hälfte relativ niedrige Gebühren (0-300 USD) verlangen. Hier stellt sich die Frage, wie diese kostendeckend arbeiten können bzw. ob diese noch anderweitig – z.B. institutionell – finanziert werden.

Abbildung Tabelle über Zusammenstellung von Kriterien für einzelne Zeitschriften

Tabelle 1: Zusammenstellung von Kriterien für einzelne Zeitschriften im Untersuchungsset
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Bei drei der beworbenen Zeitschriften besteht der Verdacht, dass es sich um sogenannte „hijacked journals“ handelt. Darunter versteht man Zeitschriften, die im Titel und Internetauftritt einer anderen Zeitschrift stark ähneln, so dass es hier zu einer Verwechslung kommen kann. Konkret betrifft das in unserem E-Mail-Set folgende Zeitschriften:

Abbildung Tabelle über Zusammenstellung der Hijacked Journals

Tabelle 2: Zusammenstellung der Hijacked Journals
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Inhaltliche Analyse der E-Mails zur Konferenzen

Insgesamt sind 39 E-Mails mit Einladungen zu Konferenzen bzw. Aufforderungen, entsprechende Einreichungen zu machen, eingegangen. Fünf wurden aus der inhaltlichen Analyse ausgeschlossen, weil diese vom SPAM-Filter des E-Mailbetreibers abgefangen wurden und daher keine inhaltlichen Informationen zur Verfügung standen. Alleine 21 der 34 verbleibenden E-Mails (62%) wurden vom International Institute of Informatics and Systemics (IIIS) verschickt und bewerben unterschiedliche Konferenzen, die alle in Orlando, Florida (USA) stattfinden. Insgesamt werden über das IIIS zehn Konferenzen beworben (teilweise auch gemeinsam in einer E-Mail), die bei genauerer Analyse oftmals zeitgleich stattfinden. Zudem werden „Special Tracks“ im Zusammenhang mit den genannten Konferenzen beworben. Die Teilnahmegebühren für alle Konferenzen sind einheitlich (640 USD für Mitglieder, 690 USD für Nichtmitglieder). In der Konferenzgebühr inbegriffen ist die Veröffentlichung eines 6-seitigen Proceedingpapers. Darüberhinausgehende Seiten werden zusätzlich bepreist, ebenso kann mittels Zahlung von weiteren 400 USD ein weiterer Proceedingbeitrag publiziert werden. Die Angaben zum Peer-Review-Verfahren sind dabei eher allgemein (zweistufig: offen bzw. Non-blind und Double-blind). Die E-Mails erhalten auch eine Ankündigung, dass die besten Artikel in der Zeitschrift „Journal of Systemics, Cybernetics and Informatics“ veröffentlicht werden; einer Zeitschrift, die bis 2017 im DOAJ gelistet wurde, bei der allerdings als Verlag das „International Institute of Informatics and Cybernetics“ angegeben ist. Wenngleich es nicht ungewöhnlich ist, dass professionelle Veranstalter regelmäßig Konferenzen organisieren, so ist doch verwunderlich, dass die Gebühren einheitlich kalkuliert werden und ein wissenschaftliches Institut alleine gleich mehrere Konferenzen in einem Jahr organisiert. Zudem fehlen Angaben darüber, wer für die inhaltliche Ausrichtung der jeweiligen Konferenz verantwortlich ist (Fachgesellschaft, Programmkomitee oder das organisierende Institut alleine).

Abbildung Tabelle über von IIIS beworbene Konferenzen

Tabelle 3: Von International Institute of Informatics and Systemics (IIIS) beworbene Konferenzen
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In drei E-Mails (9%) wird die Konferenz “Global Protection Cluster World Summit On Gender-Based Violence (GBV) Involves Men and Women, Youth and Terrorism Organization” beworben. Jeweils mit unterschiedlichen Jahresangaben bzw. Zahl, zum wievielten Mal die Konferenz stattfindet. Es handelt sich hier um eine Konferenz, die hintereinander an einem Ort in den USA und im Senegal stattfindet. In allen E-Mails wird darauf hingewiesen, dass die Teilnahme kostenlos ist und Teilnehmende lediglich die Unterbringungskosten im Senegal tragen müssen. Für ein US-Visum sorgen laut E-Mails die Konferenzveranstalter, auch um die Flüge wird sich gekümmert. Um weitere Informationen zu erhalten soll eine E-Mail an eine Gmail-Adresse geschickt werden. Auf die inhaltliche Ausrichtung der Konferenz wird nur rudimentär eingegangen.

Die übrigen zehn E-Mails (29%) verteilen sich auf neun weitere Konferenzen:

Abbildung über Tabelle zu sonstigen Konferenzen

Tabelle 4: In den E-Mails erwähnten sonstigen Konferenzen
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Bei der Sichtung fällt auf, dass lediglich eine Konferenz einen fachlichen Bezug zur beruflichen Domäne der Empfängerinnen hat. Diese ist auch die einzige, die einen detaillierten Zeitplan und Themenschwerpunkte benennt. Insgesamt sind die E-Mails so heterogen, dass eine gemeinsame Analyse schwerfällt. Allerdings fällt auf, dass lediglich zwei weitere E-Mails Auskunft über den inhaltlichen Zuschnitt einer Konferenz machen. Hinweise zu den Konferenzgebühren finden sich lediglich in zwei E-Mails. Bei zwei Konferenzeinladungen ist unklar, wann die Konferenz überhaupt stattfindet, bei vier Einladungen wird nicht deutlich, wer die Konferenz veranstaltet/organisiert. Bei drei weiteren Konferenzen können zusätzliche Informationen per E-Mail über eine Gmail-Adresse eingeholt werden.

Weitere Informationen zum Thema

FAQ zu Predatory Publishing: Predatory Publishing oder „Schwarze Schafe“ bei Open-Access-Zeitschriften auf publisso.de/open-access-beraten/faqs/predatory-publishing/

Danksagung

Wir danken unseren Kolleginnen Ursula Arning, Ulrike Ostrzinski, Elke Roesner und Heike Schmidt für die Weiterleitung der E-Mails.

 

 

[1] Burggren, W., Madasu, D.K., Hawkins, K.S. and Halbert, M., 2018. Marketing via Email Solicitation by Predatory (and Legitimate) Journals: An Evaluation of Quality, Frequency and Relevance. Journal of Librarianship and Scholarly Communication, 6(1), p.eP2246. DOI: http://doi.org/10.7710/2162-3309.2246

Bericht zum Workshop „Was tun, wenn es passiert ist? Umgang mit Publikationen, die bei einem Predatory Journal eingereicht wurden.“

von Jasmin Schmitz, ZB MED – Informationszentrum Lebenswissenschaften  und
Stefan Schmeja, TIB – Leibniz Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften.
Zugleich veröffentlicht im TIB Blog.

Der Workshop wurde im Rahmen der Open-Access-Tage 2019 veranstaltet, die vom 20.09.-02.10. in Hannover stattfanden.

Motivation für den Workshop war das Identifizieren von möglichen Handlungsoptionen, wenn Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftler in einer Zeitschrift mit zweifelhaftem Geschäftsgebaren publiziert haben.

Leitfragen der Veranstaltung waren:

  • Mit welchen Fragestellungen oder Erwartungen wenden sich betroffene Organisationseinheiten und/oder Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an die Open-Access-Verantwortlichen in Bezug auf Predatory Publishing?
  • Welche Strategien haben sich im Umgang mit Publikationen in Predatory Journals als erfolgreich herausgestellt?
  • Gibt es institutionelle Policies zu dem Thema oder gibt es Institutionen mit einer einheitlichen Praxis beim Umgang mit Publikationen in Predatory Journals?
  • Wie erfolgt die hochschulinterne Abstimmung bei divergierenden Interessen der Beteiligten (Forschende, Präsidium, Bibliothek, Forschungsdezernat…)?

Die Diskutanten waren sich einig, dass Artikel in Predatory Journals deshalb ein Problem sind, weil man nicht weiß, ob ein Peer-Review-Verfahren stattgefunden hat. Grundsätzlich herrscht sowohl in den Einrichtungen als auch bei den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Haltung vor: Die Publikation ist passiert! Damit verbunden das Bewusstsein, dass diese Publikation nicht weiter zum Reputationsaufbau genutzt werden kann.

Somit war man sich einig, dass es gilt, Einreichungen bei Predatory Journals im Vorfeld durch Aufklärung zu verhindern. Insbesondere Doktorandinnen und Doktoranden sollten als Nachwuchsforschende sensibilisiert werden, weil diese zumeist noch über wenig Publikationserfahrung verfügen.

Eine Herausforderung hierbei ist zu vermitteln, dass es sich bei Open-Access-Zeitschriften mit Professionalitätsmängeln nicht zwingend um Predatory Journals handelt, es also auch einen großen Graubereich an Zeitschriften gibt, die redliche Absichten haben, aber einen gewissen Professionalisierungsgrad noch nicht erreicht haben und somit auch Merkmale aufweisen könnten, die man eigentlich einem Predatory Journal zuschreiben würde.

Ein weiteres Ergebnis der Veranstaltung war, dass es:

  1. bislang keine Strategie gibt, die sich als „Goldstandard“ identifizieren lässt und übergreifend empfohlen werden kann
  2. nur selten einrichtungsweites abgestimmtes Vorgehen oder eine Art „Workflow“ für dem Umgang mit dem Thema gibt.

Dennoch kristallisiert sich an einzelnen Einrichtungen regelmäßige Vorgehensweisen im Umgang mit den Publikationen heraus wie zum Beispiel: Verweis auf die Rechtsabteilung, Erhöhung der Sichtbarkeit der Artikelversion in einem legitimen Publikationskanal oder vorherige Genehmigung der Publikation durch die Direktion.

Wir danken allen Workshopteilnehmerinnen und -teilnehmern für die engagierte Diskussion.


Ein ausführlicher Bericht zum Workshop mit Ausführungen zu den möglichen Strategien und weitere Diskussionspunkte ist auf Zenodo abrufbar.

Was uns im Januar bewegt hat – Aktuelles zu Open Science, FAIR Data, Digitalisierung …

Auf unserem Twitter-Kanal informieren wir über aktuelle Artikel, Blogposts, Podcasts etc., die sich mit Entwicklungen rund um Open Science, FAIR Data oder allgemein mit der Digitalisierung befassen. Einmal im Monat geben wir Ihnen an dieser Stelle einen kurzen Überblick mit Beiträgen, die uns besonders bewegt haben. Im Januar war das zum Beispiel der Plan S, der ZB MED-Workshop zu Persistenten Identifikatoren, die DEAL-Verträge oder die Aktion #1Lib1Ref.

https://twitter.com/thiaru/status/1088465678624047104

Bericht zum Vernetzungsworkshop zu Predatory Publishing bei ZB MED

Zusammenfassung der Gruppendiskussion zu den Kriterien zur Erkennung von „Predatory Journals“

von Jasmin Schmitz, Claudia Adolph, Ursula Arning, Eva Maria Hackenberg, Elisabeth Müller

Am 3. Dezember 2018 fand bei ZB MED – Informationszentrum Lebenswissenschaften am Standort Köln ein Vernetzungsworkshop zum Predatory Publishing statt. Der eintägige Erfahrungsaustausch richtete sich an alle Kolleginnen und Kollegen an wissenschaftlichen Bibliotheken aus den Bereichen Open Access und/oder Erwerbung. Während Predatory Publishing zunächst ein Thema war, mit dem sich – abgesehen von den betroffenen Autorinnen und Autoren – mit Open Access befasste Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigten, zeigte sich schnell, dass das Phänomen auch Relevanz für andere Bereiche in einer Bibliothek hat. Längst gilt es, nicht mehr nur Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vor einer Publikation in diesen Zeitschriften zu warnen, sondern es geht auch um die Frage, wie man mit verdächtigen Zeitschriften im Hinblick auf Katalogaufnahmen oder Aufnahmen in anderen Nachweissystemen umgeht. Können Nutzende davor bewahrt werden, zweifelhaften Content zu nutzen, indem entsprechende Zeitschriften gar nicht erst aufgenommen werden? Wie kann ein Kriterienkatalog zur Überprüfung von Zeitschriften aussehen? Welche Hilfsmittel können genutzt werden?

Neben Überblicks- und Detailvorträgen sowie Praxisberichten war ein Hauptbestandteil des Workshops die Gruppendiskussion am frühen Nachmittag. In fünf Arbeitsgruppen á 7-8 Teilnehmenden wurden zunächst folgende Leitfragen diskutiert:

  • Welche Kriterien zur Identifikation von Predatory Journals können im Rahmen der Erwerbung/Katalogisierung herangezogen werden? (Achtung: Verfahrensfragen/Grundsatzfragen/Workflow sollen hier ausgeklammert werden)
  • Welche Kriterien zur Identifikation von Predatory Journals können im Rahmen der Beratung von WissenschaftlerInnen herangezogen werden?
  • Welche Kriterien gelten für beide Kontexte?
  • Gibt es harte und weiche Kriterien? Markierung mit h=hart und w=weich

Anschließend wurden die verschiedenen Kriterien an eine Pinnwand geheftet und diskutiert. Hierbei wurde zunächst unterstellt, dass sich eine Kriterienliste im Rahmen der Erwerbung/Katalogisierung unterscheidet von einer Kriterienliste, die in der Open-Access-Publikationsberatung mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern als Adressaten zum Einsatz kommt. Eine Vermutung, die sich so nicht bestätigt hat! Die Detailergebnisse der Gruppendiskussionen zeigen: Ein Großteil der diskutierten Kriterien ist für beide Arbeitsbereiche relevant.

Abbildung 1: Ergebnis der Gruppendiskussion (Foto: U. Arning)

Abbildung 1: Ergebnis der Gruppendiskussion (Foto: U. Arning)

Die Auflistung zeigt ein methodisches Problem von Kriterienlisten bei der Beurteilung von Zeitschriften: Nicht immer kann jedes Kriterium angewendet werden und teilweise hängt es von den Fachdisziplinen ab, ob ein Kriterium gültig ist oder welche Wertigkeit es hat. In den Erläuterungen (s. unten) wird verdeutlicht, wie das Kriterium zur Identifikation von Predatory Journals und/oder zur Unterstreichung der Seriosität herangezogen werden kann.

Die Unterscheidung in harte und weiche Kriterien hat zum Ziel, jedes Kriterium noch einmal zu kategorisieren. Einige Kriterien zeigen relativ eindeutig an, ob eine Zeitschrift räuberisch oder seriös ist; diese wurden als harte Kriterien markiert. In Kombination mit wenigen weiteren Kriterien kann so schnell festgestellt werden, wie es um die Seriosität einer Zeitschrift bestellt ist. Bei weichen Kriterien handelt es sich um solche, die lediglich in gehäufter Anzahl auf (fehlende) Seriosität hindeuten. Grundsätzlich kann selten ein Kriterium alleine den Ausschlag geben, was wiederum den Sinn eines Kriterienkatalogs begründet. Mit einer entsprechenden Markierung wurde zudem versucht, dem Umstand Rechnung zu tragen, dass noch junge Open-Access-Zeitschriften entweder in einschlägigen Nachweissystemen noch nicht erfasst sind oder in punkto Professionalität der gängigen Praxis noch nicht entsprechen. Hier müssen gegebenenfalls viele (weiche) Kriterien herangezogen werden, um zu einer zuverlässigen Einschätzung zu kommen.

 

Kriterien für die Erwerbung/Katalogisierung

  • Fachgesellschaft: Ein Predatory Journal kann ausgeschlossen werden, wenn hinter der jeweiligen Zeitschrift eine Fachgesellschaft steht, die sich gut identifizieren lässt, einen eigenen Webauftritt hat und im Idealfall dort auch auf die Zeitschrift verlinkt. Steht eine renommierte Fachgesellschaft hinter der Zeitschrift, kann dies als hartes Kriterium für die Seriosität einer Zeitschrift gewertet werden. Steht keine Fachgesellschaft hinter einem Journal, handelt es sich um ein weiches Kriterium, weil nicht alle Zeitschriften gemeinsam mit einer Fachgesellschaft publiziert werden; eine Diskussionsgruppe kam zu dem Ergebnis, dass dieses Kriterium auch in der Open-Access-Beratung und bei der Beurteilung der Fördereignung von Artikeln bei Publikationsfonds angewendet werden kann.
  • Parallele Printausgabe: Wird eine parallele Printausgabe angeboten, so kann dies als hartes Kriterium für die Seriosität einer Zeitschrift gewertet werden, denn es kann davon ausgegangen werden, dass Predatory Journals den zusätzlichen Aufwand und die damit verbundenen Kosten scheuen.

 

Kriterien für die Open-Access-Beratung

  • Seriosität Herausgebergremium: Predatory Journals operieren häufig mit erfundenen Herausgebergremien, das heißt die benannten Personen wissen häufig nichts von ihrer Herausgebertätigkeit. Im Idealfall lässt sich auf den Profilseiten einzelner Herausgeberinnen oder Herausgeber ein Verweis auf die Zeitschrift finden oder die Angabe lässt sich mittels persönlicher Kontaktaufnahme validieren. Ist es offensichtlich, dass das Herausgebergremium erfunden ist, sollte dies als hartes Kriterium für fehlende Seriosität der Zeitschrift gewertet werden. Bei der Prüfung können unter anderem auch die Nationalitäten der Herausgebenden in den Blick genommen werden. Eine Konzentration auf ein Land findet sich in der Regel nur bei ausschließlich regional bedeutsamen Zeitschriften.
  • APC Transparenz: Publikationsgebühren (engl. article processing charges – APCs) werden bei seriösen Zeitschriften transparent dargestellt, das heißt die Höhe der gesamten APCs und gegebenenfalls die Auflistung einzelner Posten wird benannt. Hier liegt ein weiches Kriterium vor, da erst mit Erhalt der Rechnung geklärt werden kann, inwieweit sich an die Angaben gehalten wurde.
  • Kontaktdaten, Erfahrungen beim Einreichungs-Prozess: Gut auffindbare und validierbare Kontaktdaten unterstreichen die Seriosität einer Zeitschrift; positive oder negative Erfahrungen beim Einreichungsprozess können zur Bewertung herangezogen werden. Beim zweiten Punkt ergibt sich die Schwierigkeit, von entsprechenden Erfahrungswerten Kenntnis zu erlangen; eine Möglichkeit wäre die Konsultation der Datenbank Quality Open Access Market (2), die Erfahrungen mit einer Zeitschrift im Publikationsprozess sammelt. Allerdings liegen noch längst nicht für alle dort gelisteten Zeitschriften entsprechende Informationen vor. Wegen des Interpretationsspielraums handelt es sich eher um ein weiches Kriterium.
  • E-Mails an WissenschaftlerInnen – seriös/unseriös: Predatory Journals zeichnen sich dadurch aus, dass sie SPAM-Mails verschicken, um Autorinnen / Autoren und Herausgeberinnen / Herausgeber zu gewinnen. Oftmals lässt sich am Ton der E-Mail bereits erkennen, ob es sich um eine seriöse Zeitschrift handelt. Allerdings ist dies als eher weiches Kriterium zu sehen, da auch seriöse Zeitschriften E-Mails verschicken, um Autorinnen / Autoren beispielsweise für Special Issues zu gewinnen. Deshalb bleibt auch hier ein Interpretationsspielraum.
  • SHERPA/RoMEO: Auf der Plattform (3) lassen sich die Bedingungen für eine Zweitveröffentlichung von Verlagen und Zeitschriften nachschlagen. Ist eine Zeitschrift dort vertreten, deutet das auf seriöse Geschäftspraktiken hin; in Kombination mit der Vergabe von Creative-Commons-Lizenzen ein weiterer Indikator für Seriosität.
  • Policy: In der Regel geben sich seriöse Zeitschriften eine umfangreiche Policy, die unter anderem Auskunft über das Geschäftsgebaren und Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten gibt. Das Vorhandensein an sich kann als Kriterium für die Seriosität gewertet werden; allerdings ist der Inhalt ausschlaggebend bzw. interpretationswürdig, so dass die Diskutanten es in der Hinsicht als weiches positives Kriterium angesehen haben, wenn die branchenüblichen Punkte benannt werden.
  • DOI: Persistente Identifikatoren wie der Digital Object Identifier (DOI) werden von Zeitschriften vergeben, um die dauerhafte Verfügbarkeit von Artikeln zu gewährleisten. In den STM-Fächern kann die Vergabe von DOIs als hartes positives Kriterium angesehen werden, weil davon ausgegangen werden kann, dass Predatory Journals sich unter Umständen nicht die Mühe machen, eine DOI-Vergabe einzurichten. Für Zeitschriften aus den Geistes- und Sozialwissenschaften ist es eher ein weiches Kriterium, da hier die Praxis der DOI-Vergabe grundsätzlich noch nicht sehr verbreitet ist. Wird mit erfundenen Persistenten Indikatoren gearbeitet (z.B. DAI), ist dies ein hartes Kriterium, welches auf ein Predatory Journal verweist.

 

Kriterien für beide Arbeitsbereiche

  • STM (Liste)(4), COPE (Liste)(5): Ist der Verlag in Brancheninitiativen organisiert, die um Best Practices bemüht sind (und auf deren Websites benannt), so kann davon ausgegangen werden, dass die Absichten seriös sind. Hierbei handelt es sich um ein hartes Kriterium.
  • Verlag, renommierter Verlag; eventuell fachgebietsabhängig: Bei Verlagen, die bereits lange am Markt etabliert sind und die sich bereits im Open-Access-Bereich einen Namen gemacht haben, kann davon ausgegangen werden, dass die Zeitschriften seriös sind. Hierbei handelt es sich um ein hartes Kriterium.
  • DOAJ: Sind Zeitschriften im Directory of Open Access Journals (6) gelistet, so kann davon ausgegangen werden, dass es sich um seriöse Zeitschriften handelt. Die Zeitschriften müssen von den Betreibern dort angemeldet werden und werden anschließend von einem Gremium aus Expertinnen / Experten geprüft. Hierbei handelt es sich um ein hartes Kriterium, insbesondere wenn Zeitschriften das DOAJ-Siegel für Best Practice erhalten haben. Hilfreich kann auch die Konsultation der vom DOAJ zur Verfügung gestellten Tabelle mit Zeitschriften sein, die im Rahmen der Neubewertung aus der Datenbank entfernt wurden (7). Eine Diskussionsgruppe bewertete den fehlenden DOAJ-Eintrag zudem als hartes Kriterium insbesondere in Kombination mit fehlenden persistenten Identifikatoren, um eine Publikation in der Zeitschrift nicht über Publikationsfonds zu fördern. Zu beachten ist allerdings, dass neue Zeitschriften unter Umständen den DOAJ-Prüfprozess noch nicht durchlaufen haben.
  • Journal-Webseite: Abgesehen von einem Erstkontakt per E-Mail dürfte die Website die erste Anlaufstelle sein. Der berühmte „erste Eindruck“ kommt hier bei der Bewertung zum Tragen: Wirken Seite und Angaben seriös oder nicht?
  • Indexierung wo? Positive DBs: Dieses Kriterium zielt darauf ab, dass Predatory Journals häufig Falschangaben hinsichtlich der Indexierung in fachspezifischen (wie z.B. PubMed Central oder Medline) oder fachübergreifenden Datenbanken (Web of Science, Scopus) machen. Entweder werden hier Plattformen angegeben, bei denen es sich nicht um Instrumente für die wissenschaftliche Literaturrecherche handelt, weil keine gezielte und begründete Auswahl von Zeitschriften stattfindet (z.B. Google Scholar) oder Namen von Datenbanken werden erfunden. In Einzelfällen wird auch einfach behauptet, die Zeitschrift wäre entsprechend verzeichnet, obwohl das nicht der Fall ist. Dabei wird häufig auch auf die Möglichkeit der Verwechslung gesetzt, indem der Zeitschriftentitel eines Predatory Journals so gewählt wird, dass er sich nur marginal von einer bestehenden seriösen Zeitschrift unterscheidet. Können die Angaben zur Indexierung verifiziert werden und handelt es sich tatsächlich um eine existierende Literaturdatenbank, dann handelt es sich um ein hartes Kriterium, welches auf die Seriosität einer Zeitschrift deutet. Gefälschte Angaben bei der Indexierung wiederum deuten auf ein hartes Kriterium für Predatory Journals.
  • Impact Factor (echt!!): Predatory Journals werben zudem häufig mit einem erfundenen Journal Impact Factor, das heißt die Indikatorenbezeichnungen sind entweder erfunden und ähneln in der Bezeichnung den vom Clarivate Analytics herausgegebenen „Journal Impact Factor“ in den einmal jährlich erscheinenden „Journal Citation Reports“ oder es wird eine Listung in den Journal Citations Reports in unzutreffender Weise behauptet. Lässt sich der angegebene Journal Impact Factor über die Journal Citation Reports verifizieren, dann handelt es sich um ein hartes Kriterium im Hinblick auf die Bestätigung der Seriosität. Allerdings ist die JCR-Datenbank lizenzpflichtig.
    Ein gefälschter Journal Impact Factor wiederum ist ein hartes Kriterium, welches auf Predatory Journals deutet. Daneben spielen auch weitere Indikatoren wie SNIP (Source Normalized Impact per Paper) und SJR (Scimago Journal Rank) eine Rolle bei der Bewertung. Können diese verifiziert werden, so gelten diese als weiche Kriterien für die Seriosität einer Zeitschrift. Eine Diskussionsgruppe war der Auffassung, dass dieses Kriterium auch bei der Erwerbung/Katalogisierung herangezogen werden kann.
  • Dauer des Review-Verfahrens: Predatory Journals sind bekannt dafür, dass sie mit einer kurzen Frist von der Einreichung bis zur Veröffentlichung werben. Diese kurzen Fristen wiederum deuten darauf hin, dass kein gründliches Peer Review durchgeführt wird. Somit kann die Angabe einer Frist von wenigen Tagen ein hartes Kriterium für fehlende Seriosität sein. Ist die Frist angemessen, so kann dieses als weiches Signal für eine seriöse Zeitschrift gewertet werden. Weich ist das Kriterium deshalb, weil nicht genau bestimmt werden kann, was als angemessen gilt und es auch fachspezifische Varianten gibt; zudem besteht häufig kein Zugang zu den Erfahrungen von Autorinnen / Autoren.
  • INASP und AJOL – für „exotische Titel“: Hierbei handelt es sich um Nachweissysteme für Zeitschriften aus nicht-westlichen Ländern, deren Bedarf an adäquaten und regionalen Publikationskanälen in den letzten Jahren stark zugenommen hat. Sind Zeitschriften in diesen Nachweisinstrumenten (8) (9) gelistet, handelt es sich um ein hartes Kriterium, welches auf Seriosität deutet.
  • Blacklists: Die „schwarzen Schafe“ werden in Blacklists zusammengefasst. Die bekannteste Blacklist im Hinblick auf Predatory Publishing ist Beall’s List, die mittlerweile offline ist, aber in einem Webarchiv (10) weiterhin einsehbar ist bzw. unter einem neuen Webauftritt anonym weitergeführt wird (11). Mittlerweile gibt es auch ein kommerzielles Angebot (12). Blacklists sind hochumstritten. Ein wesentlicher Kritikpunkt ist, dass die Kriterien, die zu einer Listung geführt haben, nicht immer klar benannt werden, zum anderen können auch seriöse Zeitschriften, deren Geschäftsgebaren aber weniger professionell ist, dort gelistet sein. Das Attribut „predatory“ haftet diesen Zeitschriften dann möglicherweise noch sehr lange an, selbst wenn die Geschäftsprozesse längst verbessert wurden. Blacklists bleiben aber dennoch ein weiches Kriterium und ein erstes „Alarmsignal“, sich genauer mit der Zeitschrift auseinanderzusetzen.
  • Indexierung wo? Nur „dubiose“ DB’s negativ: Dieses Kriterium hat einen direkten Bezug zu „Indexierung wo? Positive DBs“. Wird die Zeitschrift lediglich auf Plattformen indexiert, die im bibliothekarischen Sinne nicht als Literaturdatenbanken gelten, so deutet das auf eine fehlende Seriosität hin. Das Kriterium gilt als weich, weil vereinzelt auch seriöse, aber unerfahrene/weniger professionelle Zeitschriften mit solchen Plattformen werben, um bei diesem Punkt etwas vorweisen zu können.
  • Look & feel Webseite: siehe Punkt „Journal-Webseite“. Hierbei handelt es sich um ein weiches Kriterium, weil die Einschätzung eher subjektiven Charakter hat. Unscharfe Graphiken oder fehlende Standardangaben können erste Anhaltspunkte sein.
  • ISSN: Das Vorhandensein einer verifizierbaren ISSN ist im Bereich der Katalogisierung ein hartes Kriterium, um die Seriosität festzustellen. Führt das Abprüfen der ISSN zu keinem Ergebnis und gar zu einem anderen Zeitschriftentitel, dann ist das ein hartes Kriterium für fehlende Seriosität.
  • Multidisziplinarität der Herausgebenden: Fällt im Rahmen des Prüfprozesses auf, dass Herausgeberinnen / Herausgeber für mehrere Zeitschriften tätig sind, deren inhaltlicher Zuschnitt ein breites fachliches Spektrum abbildet, dann ist dies ein weiches Kriterium, was auf eine fehlende Seriosität der Zeitschriften deutet. Es ist zu vermuten, dass die Herausgebenden gar nicht als solche fungieren und von den Zeitschriftenbetreibern ohne Rücksprache „eingesetzt“ wurden. Weich ist das Kriterium deshalb, da es viel Prüfaufwand bedeutet. Multidisziplinarität des Verlages wiederum ist als Kriterium irrelevant und gängige Branchenpraxis.
  • Google Maps: Lässt sich die Adresse des Zeitschriftenbetreibers und/oder des Verlags mittels Google Maps verifizieren bzw. erscheint der Standort sinnvoll, so kann dies als weiches Kriterium für die Seriosität einer Zeitschrift gewertet werden. Weich ist das Kriterium deshalb, weil die Bewertung eher subjektiven Charakter hat. Allerdings handelt es sich um ein hartes Kriterium und die Zeitschrift kann als räuberisch eingestuft werden, wenn sich der Standort beispielsweise in der Wüste befindet oder die angegebene Hausnummer nicht existiert.
  • Alternative Metriken: Die Einbindung von Altmetrics-Anwendungen seitens der Zeitschriftenbetreiber kann insofern ebenfalls zur Bewertung herangezogen werden, als sich die Frage stellt, inwieweit Predatory Journals diesen Aufwand betreiben würden.
  • Hijacked Journals: Zu den Geschäftspraktiken von Predatory Journals gehört es auch, Titel und Webauftritte bekannter Zeitschriften nachzuahmen, um dann auf Verwechslung zu setzen. Teil einer Prüfung sollte somit auch sein, inwieweit gleichlautende oder sehr ähnliche Titel auf dem Markt sind.

 

Prüfverfahren

  • Prüfungen dokumentieren / Prüfungen wiederholen: Zum einem können durch die Dokumentation der jeweiligen Prüfung Fälle nachvollzogen werden, insbesondere wenn es mehrere Anfragen zur gleichen Zeitschrift gibt. Gleichzeitig können solche „Prüfberichte“ auch im Rahmen der Beratung weitergegeben werden. In strittigen Fällen, bei denen keine eindeutige Entscheidung hinsichtlich der Seriosität getroffen werden kann, muss der Titel nach einiger Zeit erneut geprüft werden; noch junge oder noch weniger professionell wirkende Zeitschriften haben dann kritische Punkte vielleicht geändert oder Zeitschriften sind mittlerweile in Nachweissysteme wie DOAJ aufgenommen worden.
  • Quellen auflisten (wo kann was nachgeprüft werden): Gerade im Hinblick auf die Kommunikation mit Wissenschaftlerinnen / Wissenschaftlern im Rahmen der Open-Access-Beratung können diese Hinweise der Entscheidungsfindung dienlich sein. Zudem werden Prüfberichte damit transparenter und Wissenschaftlerinnen / Wissenschaftler entwickeln ein Bewusstsein und Verständnis dafür, auf welche Punkte es zu achten gilt.

Zudem waren sich die Diskussionsgruppen weitestgehend einig, dass die auf der Website Think – Check – Submit aufgeführte Checkliste (13) Wissenschaftlerinnen / Wissenschaftlern im Rahmen der Beratung als Informationsbasis an die Hand gegeben werden kann.

Einig war man sich am Schluss, dass trotz aller Kriterien Zeitschriften in Grauzonen verbleiben. Eine Beurteilung, ob es sich um eine junge Zeitschrift oder um ein Predatory Journal handelt, ist abschließend nicht immer möglich. Ein Weg damit umzugehen ist, die Prüfung zu dokumentieren und das Ergebnis den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mit den positiven und negativen Kriterien an die Hand zu geben. Diese haben letztlich die Entscheidungshoheit darüber, in welchem Organ sie publizieren möchten.

Wir danken allen Teilnehmenden des Workshops für die rege Beteiligung und engagierten Diskussionen, die die Veranstaltung zu einem fruchtbaren Erfahrungsaustausch gemacht haben!


(1) Informationen zum Workshop-Programm
(2) Quality Open Access Market 
(3) SHERPA/RoMEO
(4) STM (Liste)
(5) COPE (Liste)
(6) Directory of Open Access Journals
(7) DOAJ: Tabelle mit Zeitschriften, die im Rahmen der Neubewertung aus der Datenbank entfernt wurden
(8) INASP
(9) AJOL
(10) Beall´s List Webarchiv
(11) Beall´s List anonyme Weiterführung
(12) CABELLS – The journal blacklist
(13) Think – Check – Submit

Was uns im August bewegt hat – Aktuelles zu Open Access, FAIR Data, Digitalisierung …

Auf unserem Twitter-Kanal informieren wir über aktuelle Artikel, Blogposts, Podcasts etc., die sich mit Entwicklungen rund um Open Access und FAIR Data oder allgemein mit der Digitalisierung befassen. Einmal im Monat geben wir Ihnen an dieser Stelle eine Zusammenfassung der Themen, die uns besonders bewegt haben. Im August war das natürlich der erste Library Carpentry Workshop bei ZB MED, erneut das Predatory Publishing und mal was sehr unterhaltsames: die #librarylife challenge one #bwphoto each day for a week.

Was uns im Juli bewegt hat – Aktuelles zu Open Access, FAIR Data, Digitalisierung …

Auf unserem Twitter-Kanal informieren wir über aktuelle Artikel, Blogposts, Podcasts etc., die sich mit Entwicklungen rund um Open Access und FAIR Data oder allgemein mit der Digitalisierung befassen. Einmal im Monat geben wir Ihnen an dieser Stelle eine Zusammenfassung der Themen, die uns besonders bewegt haben. Im Juni war das natürlich unter anderem das Predatory Publishing, das in den Medien große Wellen geschlagen hat. Unter anderem hat unsere Open-Access-Expertin Dr. Ursula Arning dazu ein Gespräch mit dem Deutschlandfunk geführt.