Was uns im Januar bewegt hat – Aktuelles zu Open Science, FAIR Data, Digitalisierung …

Auf unserem Twitter-Kanal informieren wir über aktuelle Artikel, Blogposts, Podcasts etc., die sich mit Entwicklungen rund um Open Science, FAIR Data oder allgemein mit der Digitalisierung befassen. Einmal im Monat geben wir Ihnen an dieser Stelle einen kurzen Überblick mit Beiträgen, die uns besonders bewegt haben. Im Januar war das zum Beispiel der Plan S, der ZB MED-Workshop zu Persistenten Identifikatoren, die DEAL-Verträge oder die Aktion #1Lib1Ref.

https://twitter.com/thiaru/status/1088465678624047104

Bericht zum Vernetzungsworkshop zu Predatory Publishing bei ZB MED

Zusammenfassung der Gruppendiskussion zu den Kriterien zur Erkennung von „Predatory Journals“

von Jasmin Schmitz, Claudia Adolph, Ursula Arning, Eva Maria Hackenberg, Elisabeth Müller

Am 3. Dezember 2018 fand bei ZB MED – Informationszentrum Lebenswissenschaften am Standort Köln ein Vernetzungsworkshop zum Predatory Publishing statt. Der eintägige Erfahrungsaustausch richtete sich an alle Kolleginnen und Kollegen an wissenschaftlichen Bibliotheken aus den Bereichen Open Access und/oder Erwerbung. Während Predatory Publishing zunächst ein Thema war, mit dem sich – abgesehen von den betroffenen Autorinnen und Autoren – mit Open Access befasste Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigten, zeigte sich schnell, dass das Phänomen auch Relevanz für andere Bereiche in einer Bibliothek hat. Längst gilt es, nicht mehr nur Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vor einer Publikation in diesen Zeitschriften zu warnen, sondern es geht auch um die Frage, wie man mit verdächtigen Zeitschriften im Hinblick auf Katalogaufnahmen oder Aufnahmen in anderen Nachweissystemen umgeht. Können Nutzende davor bewahrt werden, zweifelhaften Content zu nutzen, indem entsprechende Zeitschriften gar nicht erst aufgenommen werden? Wie kann ein Kriterienkatalog zur Überprüfung von Zeitschriften aussehen? Welche Hilfsmittel können genutzt werden?

Neben Überblicks- und Detailvorträgen sowie Praxisberichten war ein Hauptbestandteil des Workshops die Gruppendiskussion am frühen Nachmittag. In fünf Arbeitsgruppen á 7-8 Teilnehmenden wurden zunächst folgende Leitfragen diskutiert:

  • Welche Kriterien zur Identifikation von Predatory Journals können im Rahmen der Erwerbung/Katalogisierung herangezogen werden? (Achtung: Verfahrensfragen/Grundsatzfragen/Workflow sollen hier ausgeklammert werden)
  • Welche Kriterien zur Identifikation von Predatory Journals können im Rahmen der Beratung von WissenschaftlerInnen herangezogen werden?
  • Welche Kriterien gelten für beide Kontexte?
  • Gibt es harte und weiche Kriterien? Markierung mit h=hart und w=weich

Anschließend wurden die verschiedenen Kriterien an eine Pinnwand geheftet und diskutiert. Hierbei wurde zunächst unterstellt, dass sich eine Kriterienliste im Rahmen der Erwerbung/Katalogisierung unterscheidet von einer Kriterienliste, die in der Open-Access-Publikationsberatung mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern als Adressaten zum Einsatz kommt. Eine Vermutung, die sich so nicht bestätigt hat! Die Detailergebnisse der Gruppendiskussionen zeigen: Ein Großteil der diskutierten Kriterien ist für beide Arbeitsbereiche relevant.

Abbildung 1: Ergebnis der Gruppendiskussion (Foto: U. Arning)

Abbildung 1: Ergebnis der Gruppendiskussion (Foto: U. Arning)

Die Auflistung zeigt ein methodisches Problem von Kriterienlisten bei der Beurteilung von Zeitschriften: Nicht immer kann jedes Kriterium angewendet werden und teilweise hängt es von den Fachdisziplinen ab, ob ein Kriterium gültig ist oder welche Wertigkeit es hat. In den Erläuterungen (s. unten) wird verdeutlicht, wie das Kriterium zur Identifikation von Predatory Journals und/oder zur Unterstreichung der Seriosität herangezogen werden kann.

Die Unterscheidung in harte und weiche Kriterien hat zum Ziel, jedes Kriterium noch einmal zu kategorisieren. Einige Kriterien zeigen relativ eindeutig an, ob eine Zeitschrift räuberisch oder seriös ist; diese wurden als harte Kriterien markiert. In Kombination mit wenigen weiteren Kriterien kann so schnell festgestellt werden, wie es um die Seriosität einer Zeitschrift bestellt ist. Bei weichen Kriterien handelt es sich um solche, die lediglich in gehäufter Anzahl auf (fehlende) Seriosität hindeuten. Grundsätzlich kann selten ein Kriterium alleine den Ausschlag geben, was wiederum den Sinn eines Kriterienkatalogs begründet. Mit einer entsprechenden Markierung wurde zudem versucht, dem Umstand Rechnung zu tragen, dass noch junge Open-Access-Zeitschriften entweder in einschlägigen Nachweissystemen noch nicht erfasst sind oder in punkto Professionalität der gängigen Praxis noch nicht entsprechen. Hier müssen gegebenenfalls viele (weiche) Kriterien herangezogen werden, um zu einer zuverlässigen Einschätzung zu kommen.

 

Kriterien für die Erwerbung/Katalogisierung

  • Fachgesellschaft: Ein Predatory Journal kann ausgeschlossen werden, wenn hinter der jeweiligen Zeitschrift eine Fachgesellschaft steht, die sich gut identifizieren lässt, einen eigenen Webauftritt hat und im Idealfall dort auch auf die Zeitschrift verlinkt. Steht eine renommierte Fachgesellschaft hinter der Zeitschrift, kann dies als hartes Kriterium für die Seriosität einer Zeitschrift gewertet werden. Steht keine Fachgesellschaft hinter einem Journal, handelt es sich um ein weiches Kriterium, weil nicht alle Zeitschriften gemeinsam mit einer Fachgesellschaft publiziert werden; eine Diskussionsgruppe kam zu dem Ergebnis, dass dieses Kriterium auch in der Open-Access-Beratung und bei der Beurteilung der Fördereignung von Artikeln bei Publikationsfonds angewendet werden kann.
  • Parallele Printausgabe: Wird eine parallele Printausgabe angeboten, so kann dies als hartes Kriterium für die Seriosität einer Zeitschrift gewertet werden, denn es kann davon ausgegangen werden, dass Predatory Journals den zusätzlichen Aufwand und die damit verbundenen Kosten scheuen.

 

Kriterien für die Open-Access-Beratung

  • Seriosität Herausgebergremium: Predatory Journals operieren häufig mit erfundenen Herausgebergremien, das heißt die benannten Personen wissen häufig nichts von ihrer Herausgebertätigkeit. Im Idealfall lässt sich auf den Profilseiten einzelner Herausgeberinnen oder Herausgeber ein Verweis auf die Zeitschrift finden oder die Angabe lässt sich mittels persönlicher Kontaktaufnahme validieren. Ist es offensichtlich, dass das Herausgebergremium erfunden ist, sollte dies als hartes Kriterium für fehlende Seriosität der Zeitschrift gewertet werden. Bei der Prüfung können unter anderem auch die Nationalitäten der Herausgebenden in den Blick genommen werden. Eine Konzentration auf ein Land findet sich in der Regel nur bei ausschließlich regional bedeutsamen Zeitschriften.
  • APC Transparenz: Publikationsgebühren (engl. article processing charges – APCs) werden bei seriösen Zeitschriften transparent dargestellt, das heißt die Höhe der gesamten APCs und gegebenenfalls die Auflistung einzelner Posten wird benannt. Hier liegt ein weiches Kriterium vor, da erst mit Erhalt der Rechnung geklärt werden kann, inwieweit sich an die Angaben gehalten wurde.
  • Kontaktdaten, Erfahrungen beim Einreichungs-Prozess: Gut auffindbare und validierbare Kontaktdaten unterstreichen die Seriosität einer Zeitschrift; positive oder negative Erfahrungen beim Einreichungsprozess können zur Bewertung herangezogen werden. Beim zweiten Punkt ergibt sich die Schwierigkeit, von entsprechenden Erfahrungswerten Kenntnis zu erlangen; eine Möglichkeit wäre die Konsultation der Datenbank Quality Open Access Market (2), die Erfahrungen mit einer Zeitschrift im Publikationsprozess sammelt. Allerdings liegen noch längst nicht für alle dort gelisteten Zeitschriften entsprechende Informationen vor. Wegen des Interpretationsspielraums handelt es sich eher um ein weiches Kriterium.
  • E-Mails an WissenschaftlerInnen – seriös/unseriös: Predatory Journals zeichnen sich dadurch aus, dass sie SPAM-Mails verschicken, um Autorinnen / Autoren und Herausgeberinnen / Herausgeber zu gewinnen. Oftmals lässt sich am Ton der E-Mail bereits erkennen, ob es sich um eine seriöse Zeitschrift handelt. Allerdings ist dies als eher weiches Kriterium zu sehen, da auch seriöse Zeitschriften E-Mails verschicken, um Autorinnen / Autoren beispielsweise für Special Issues zu gewinnen. Deshalb bleibt auch hier ein Interpretationsspielraum.
  • SHERPA/RoMEO: Auf der Plattform (3) lassen sich die Bedingungen für eine Zweitveröffentlichung von Verlagen und Zeitschriften nachschlagen. Ist eine Zeitschrift dort vertreten, deutet das auf seriöse Geschäftspraktiken hin; in Kombination mit der Vergabe von Creative-Commons-Lizenzen ein weiterer Indikator für Seriosität.
  • Policy: In der Regel geben sich seriöse Zeitschriften eine umfangreiche Policy, die unter anderem Auskunft über das Geschäftsgebaren und Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten gibt. Das Vorhandensein an sich kann als Kriterium für die Seriosität gewertet werden; allerdings ist der Inhalt ausschlaggebend bzw. interpretationswürdig, so dass die Diskutanten es in der Hinsicht als weiches positives Kriterium angesehen haben, wenn die branchenüblichen Punkte benannt werden.
  • DOI: Persistente Identifikatoren wie der Digital Object Identifier (DOI) werden von Zeitschriften vergeben, um die dauerhafte Verfügbarkeit von Artikeln zu gewährleisten. In den STM-Fächern kann die Vergabe von DOIs als hartes positives Kriterium angesehen werden, weil davon ausgegangen werden kann, dass Predatory Journals sich unter Umständen nicht die Mühe machen, eine DOI-Vergabe einzurichten. Für Zeitschriften aus den Geistes- und Sozialwissenschaften ist es eher ein weiches Kriterium, da hier die Praxis der DOI-Vergabe grundsätzlich noch nicht sehr verbreitet ist. Wird mit erfundenen Persistenten Indikatoren gearbeitet (z.B. DAI), ist dies ein hartes Kriterium, welches auf ein Predatory Journal verweist.

 

Kriterien für beide Arbeitsbereiche

  • STM (Liste)(4), COPE (Liste)(5): Ist der Verlag in Brancheninitiativen organisiert, die um Best Practices bemüht sind (und auf deren Websites benannt), so kann davon ausgegangen werden, dass die Absichten seriös sind. Hierbei handelt es sich um ein hartes Kriterium.
  • Verlag, renommierter Verlag; eventuell fachgebietsabhängig: Bei Verlagen, die bereits lange am Markt etabliert sind und die sich bereits im Open-Access-Bereich einen Namen gemacht haben, kann davon ausgegangen werden, dass die Zeitschriften seriös sind. Hierbei handelt es sich um ein hartes Kriterium.
  • DOAJ: Sind Zeitschriften im Directory of Open Access Journals (6) gelistet, so kann davon ausgegangen werden, dass es sich um seriöse Zeitschriften handelt. Die Zeitschriften müssen von den Betreibern dort angemeldet werden und werden anschließend von einem Gremium aus Expertinnen / Experten geprüft. Hierbei handelt es sich um ein hartes Kriterium, insbesondere wenn Zeitschriften das DOAJ-Siegel für Best Practice erhalten haben. Hilfreich kann auch die Konsultation der vom DOAJ zur Verfügung gestellten Tabelle mit Zeitschriften sein, die im Rahmen der Neubewertung aus der Datenbank entfernt wurden (7). Eine Diskussionsgruppe bewertete den fehlenden DOAJ-Eintrag zudem als hartes Kriterium insbesondere in Kombination mit fehlenden persistenten Identifikatoren, um eine Publikation in der Zeitschrift nicht über Publikationsfonds zu fördern. Zu beachten ist allerdings, dass neue Zeitschriften unter Umständen den DOAJ-Prüfprozess noch nicht durchlaufen haben.
  • Journal-Webseite: Abgesehen von einem Erstkontakt per E-Mail dürfte die Website die erste Anlaufstelle sein. Der berühmte „erste Eindruck“ kommt hier bei der Bewertung zum Tragen: Wirken Seite und Angaben seriös oder nicht?
  • Indexierung wo? Positive DBs: Dieses Kriterium zielt darauf ab, dass Predatory Journals häufig Falschangaben hinsichtlich der Indexierung in fachspezifischen (wie z.B. PubMed Central oder Medline) oder fachübergreifenden Datenbanken (Web of Science, Scopus) machen. Entweder werden hier Plattformen angegeben, bei denen es sich nicht um Instrumente für die wissenschaftliche Literaturrecherche handelt, weil keine gezielte und begründete Auswahl von Zeitschriften stattfindet (z.B. Google Scholar) oder Namen von Datenbanken werden erfunden. In Einzelfällen wird auch einfach behauptet, die Zeitschrift wäre entsprechend verzeichnet, obwohl das nicht der Fall ist. Dabei wird häufig auch auf die Möglichkeit der Verwechslung gesetzt, indem der Zeitschriftentitel eines Predatory Journals so gewählt wird, dass er sich nur marginal von einer bestehenden seriösen Zeitschrift unterscheidet. Können die Angaben zur Indexierung verifiziert werden und handelt es sich tatsächlich um eine existierende Literaturdatenbank, dann handelt es sich um ein hartes Kriterium, welches auf die Seriosität einer Zeitschrift deutet. Gefälschte Angaben bei der Indexierung wiederum deuten auf ein hartes Kriterium für Predatory Journals.
  • Impact Factor (echt!!): Predatory Journals werben zudem häufig mit einem erfundenen Journal Impact Factor, das heißt die Indikatorenbezeichnungen sind entweder erfunden und ähneln in der Bezeichnung den vom Clarivate Analytics herausgegebenen „Journal Impact Factor“ in den einmal jährlich erscheinenden „Journal Citation Reports“ oder es wird eine Listung in den Journal Citations Reports in unzutreffender Weise behauptet. Lässt sich der angegebene Journal Impact Factor über die Journal Citation Reports verifizieren, dann handelt es sich um ein hartes Kriterium im Hinblick auf die Bestätigung der Seriosität. Allerdings ist die JCR-Datenbank lizenzpflichtig.
    Ein gefälschter Journal Impact Factor wiederum ist ein hartes Kriterium, welches auf Predatory Journals deutet. Daneben spielen auch weitere Indikatoren wie SNIP (Source Normalized Impact per Paper) und SJR (Scimago Journal Rank) eine Rolle bei der Bewertung. Können diese verifiziert werden, so gelten diese als weiche Kriterien für die Seriosität einer Zeitschrift. Eine Diskussionsgruppe war der Auffassung, dass dieses Kriterium auch bei der Erwerbung/Katalogisierung herangezogen werden kann.
  • Dauer des Review-Verfahrens: Predatory Journals sind bekannt dafür, dass sie mit einer kurzen Frist von der Einreichung bis zur Veröffentlichung werben. Diese kurzen Fristen wiederum deuten darauf hin, dass kein gründliches Peer Review durchgeführt wird. Somit kann die Angabe einer Frist von wenigen Tagen ein hartes Kriterium für fehlende Seriosität sein. Ist die Frist angemessen, so kann dieses als weiches Signal für eine seriöse Zeitschrift gewertet werden. Weich ist das Kriterium deshalb, weil nicht genau bestimmt werden kann, was als angemessen gilt und es auch fachspezifische Varianten gibt; zudem besteht häufig kein Zugang zu den Erfahrungen von Autorinnen / Autoren.
  • INASP und AJOL – für „exotische Titel“: Hierbei handelt es sich um Nachweissysteme für Zeitschriften aus nicht-westlichen Ländern, deren Bedarf an adäquaten und regionalen Publikationskanälen in den letzten Jahren stark zugenommen hat. Sind Zeitschriften in diesen Nachweisinstrumenten (8) (9) gelistet, handelt es sich um ein hartes Kriterium, welches auf Seriosität deutet.
  • Blacklists: Die „schwarzen Schafe“ werden in Blacklists zusammengefasst. Die bekannteste Blacklist im Hinblick auf Predatory Publishing ist Beall’s List, die mittlerweile offline ist, aber in einem Webarchiv (10) weiterhin einsehbar ist bzw. unter einem neuen Webauftritt anonym weitergeführt wird (11). Mittlerweile gibt es auch ein kommerzielles Angebot (12). Blacklists sind hochumstritten. Ein wesentlicher Kritikpunkt ist, dass die Kriterien, die zu einer Listung geführt haben, nicht immer klar benannt werden, zum anderen können auch seriöse Zeitschriften, deren Geschäftsgebaren aber weniger professionell ist, dort gelistet sein. Das Attribut „predatory“ haftet diesen Zeitschriften dann möglicherweise noch sehr lange an, selbst wenn die Geschäftsprozesse längst verbessert wurden. Blacklists bleiben aber dennoch ein weiches Kriterium und ein erstes „Alarmsignal“, sich genauer mit der Zeitschrift auseinanderzusetzen.
  • Indexierung wo? Nur „dubiose“ DB’s negativ: Dieses Kriterium hat einen direkten Bezug zu „Indexierung wo? Positive DBs“. Wird die Zeitschrift lediglich auf Plattformen indexiert, die im bibliothekarischen Sinne nicht als Literaturdatenbanken gelten, so deutet das auf eine fehlende Seriosität hin. Das Kriterium gilt als weich, weil vereinzelt auch seriöse, aber unerfahrene/weniger professionelle Zeitschriften mit solchen Plattformen werben, um bei diesem Punkt etwas vorweisen zu können.
  • Look & feel Webseite: siehe Punkt „Journal-Webseite“. Hierbei handelt es sich um ein weiches Kriterium, weil die Einschätzung eher subjektiven Charakter hat. Unscharfe Graphiken oder fehlende Standardangaben können erste Anhaltspunkte sein.
  • ISSN: Das Vorhandensein einer verifizierbaren ISSN ist im Bereich der Katalogisierung ein hartes Kriterium, um die Seriosität festzustellen. Führt das Abprüfen der ISSN zu keinem Ergebnis und gar zu einem anderen Zeitschriftentitel, dann ist das ein hartes Kriterium für fehlende Seriosität.
  • Multidisziplinarität der Herausgebenden: Fällt im Rahmen des Prüfprozesses auf, dass Herausgeberinnen / Herausgeber für mehrere Zeitschriften tätig sind, deren inhaltlicher Zuschnitt ein breites fachliches Spektrum abbildet, dann ist dies ein weiches Kriterium, was auf eine fehlende Seriosität der Zeitschriften deutet. Es ist zu vermuten, dass die Herausgebenden gar nicht als solche fungieren und von den Zeitschriftenbetreibern ohne Rücksprache „eingesetzt“ wurden. Weich ist das Kriterium deshalb, da es viel Prüfaufwand bedeutet. Multidisziplinarität des Verlages wiederum ist als Kriterium irrelevant und gängige Branchenpraxis.
  • Google Maps: Lässt sich die Adresse des Zeitschriftenbetreibers und/oder des Verlags mittels Google Maps verifizieren bzw. erscheint der Standort sinnvoll, so kann dies als weiches Kriterium für die Seriosität einer Zeitschrift gewertet werden. Weich ist das Kriterium deshalb, weil die Bewertung eher subjektiven Charakter hat. Allerdings handelt es sich um ein hartes Kriterium und die Zeitschrift kann als räuberisch eingestuft werden, wenn sich der Standort beispielsweise in der Wüste befindet oder die angegebene Hausnummer nicht existiert.
  • Alternative Metriken: Die Einbindung von Altmetrics-Anwendungen seitens der Zeitschriftenbetreiber kann insofern ebenfalls zur Bewertung herangezogen werden, als sich die Frage stellt, inwieweit Predatory Journals diesen Aufwand betreiben würden.
  • Hijacked Journals: Zu den Geschäftspraktiken von Predatory Journals gehört es auch, Titel und Webauftritte bekannter Zeitschriften nachzuahmen, um dann auf Verwechslung zu setzen. Teil einer Prüfung sollte somit auch sein, inwieweit gleichlautende oder sehr ähnliche Titel auf dem Markt sind.

 

Prüfverfahren

  • Prüfungen dokumentieren / Prüfungen wiederholen: Zum einem können durch die Dokumentation der jeweiligen Prüfung Fälle nachvollzogen werden, insbesondere wenn es mehrere Anfragen zur gleichen Zeitschrift gibt. Gleichzeitig können solche „Prüfberichte“ auch im Rahmen der Beratung weitergegeben werden. In strittigen Fällen, bei denen keine eindeutige Entscheidung hinsichtlich der Seriosität getroffen werden kann, muss der Titel nach einiger Zeit erneut geprüft werden; noch junge oder noch weniger professionell wirkende Zeitschriften haben dann kritische Punkte vielleicht geändert oder Zeitschriften sind mittlerweile in Nachweissysteme wie DOAJ aufgenommen worden.
  • Quellen auflisten (wo kann was nachgeprüft werden): Gerade im Hinblick auf die Kommunikation mit Wissenschaftlerinnen / Wissenschaftlern im Rahmen der Open-Access-Beratung können diese Hinweise der Entscheidungsfindung dienlich sein. Zudem werden Prüfberichte damit transparenter und Wissenschaftlerinnen / Wissenschaftler entwickeln ein Bewusstsein und Verständnis dafür, auf welche Punkte es zu achten gilt.

Zudem waren sich die Diskussionsgruppen weitestgehend einig, dass die auf der Website Think – Check – Submit aufgeführte Checkliste (13) Wissenschaftlerinnen / Wissenschaftlern im Rahmen der Beratung als Informationsbasis an die Hand gegeben werden kann.

Einig war man sich am Schluss, dass trotz aller Kriterien Zeitschriften in Grauzonen verbleiben. Eine Beurteilung, ob es sich um eine junge Zeitschrift oder um ein Predatory Journal handelt, ist abschließend nicht immer möglich. Ein Weg damit umzugehen ist, die Prüfung zu dokumentieren und das Ergebnis den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mit den positiven und negativen Kriterien an die Hand zu geben. Diese haben letztlich die Entscheidungshoheit darüber, in welchem Organ sie publizieren möchten.

Wir danken allen Teilnehmenden des Workshops für die rege Beteiligung und engagierten Diskussionen, die die Veranstaltung zu einem fruchtbaren Erfahrungsaustausch gemacht haben!


(1) Informationen zum Workshop-Programm
(2) Quality Open Access Market 
(3) SHERPA/RoMEO
(4) STM (Liste)
(5) COPE (Liste)
(6) Directory of Open Access Journals
(7) DOAJ: Tabelle mit Zeitschriften, die im Rahmen der Neubewertung aus der Datenbank entfernt wurden
(8) INASP
(9) AJOL
(10) Beall´s List Webarchiv
(11) Beall´s List anonyme Weiterführung
(12) CABELLS – The journal blacklist
(13) Think – Check – Submit

Was uns im August bewegt hat – Aktuelles zu Open Access, FAIR Data, Digitalisierung …

Auf unserem Twitter-Kanal informieren wir über aktuelle Artikel, Blogposts, Podcasts etc., die sich mit Entwicklungen rund um Open Access und FAIR Data oder allgemein mit der Digitalisierung befassen. Einmal im Monat geben wir Ihnen an dieser Stelle eine Zusammenfassung der Themen, die uns besonders bewegt haben. Im August war das natürlich der erste Library Carpentry Workshop bei ZB MED, erneut das Predatory Publishing und mal was sehr unterhaltsames: die #librarylife challenge one #bwphoto each day for a week.

Was uns im Juli bewegt hat – Aktuelles zu Open Access, FAIR Data, Digitalisierung …

Auf unserem Twitter-Kanal informieren wir über aktuelle Artikel, Blogposts, Podcasts etc., die sich mit Entwicklungen rund um Open Access und FAIR Data oder allgemein mit der Digitalisierung befassen. Einmal im Monat geben wir Ihnen an dieser Stelle eine Zusammenfassung der Themen, die uns besonders bewegt haben. Im Juni war das natürlich unter anderem das Predatory Publishing, das in den Medien große Wellen geschlagen hat. Unter anderem hat unsere Open-Access-Expertin Dr. Ursula Arning dazu ein Gespräch mit dem Deutschlandfunk geführt.

Was uns im März bewegt hat – Aktuelles zu Open Access, Open Science und Digitalisierung

Auf unserem Twitter-Kanal informieren wir über aktuelle Artikel, Blogposts, Podcasts etc., die sich mit Entwicklungen rund um Open Access und Open Science oder allgemein mit der Digitalisierung befassen. Einmal im Monat geben wir Ihnen an dieser Stelle eine Zusammenfassung all der Themen, die uns bewegt haben!

Im März ging es unter anderem um die European Open Science Cloud, Berichte von der Open Science Conference und dem damit verbundenen Barcamp in Berlin und den Geburtstag des World Wide Web!

https://twitter.com/Lambo/status/973303409565630464

 

 

PUBLISSO? – Isso! ZB MED macht sich stark für Open Access

ZB MED gehört seit der ersten Stunde zu den Unterstützern des Open-Access-Gedankens. Die Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen haben wir als Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft bereits 2003 anerkannt (1). Unsere Publikationsplattform German Medical Science (2), die wir gemeinsam mit dem DIMDI (Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information) und der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften) betreiben, ging bereits 2002 in die Planung. Seitdem haben wir unser Open-Access-Portfolio sukzessive erweitert. Ein wichtiger Schritt folgte im Jahr 2015 mit dem Online-Gang unserer Publikationsplattform PUBLISSO (3). Dort bündeln wir seither alle unsere Open-Access-Aktivitäten. Aktuell hat das BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung) einen Drittmittelantrag von uns genehmigt und rund 300.000,- € für den weiteren Ausbau von Open-Access-Infrastrukturen unter anderem am Fallbeispiel PUBLISSO bereitgestellt (4).

In der Open-Access-Community sind wir natürlich gut vernetzt, nehmen regelmäßig aktiv an Konferenzen teil, richten eigene Workshops und Veranstaltungen gemeinsam mit Kooperationspartnern aus. Allerdings war unser Eindruck, dass bei der Bekanntheit unserer Plattform PUBLISSO bei den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern noch Luft nach oben ist! Zudem hat sich Open Access bei den Forschenden noch nicht in allen lebenswissenschaftlichen Communities so etabliert, wie es wünschenswert ist. Im Herbst 2016 – also ein Jahr nach dem Launch von PUBLISSO – haben wir daher begonnen zu überlegen, wie wir das ändern können. Ergebnis ist eine Kampagne mit dem Ziel, die Aufmerksamkeit der Lebenswissenschaftlerinnen und Lebenswissenschaftler zu wecken, mehr Open-Access-Autorinnen und -Autoren zu gewinnen und insgesamt die Akzeptanz von Open Access zu steigern. In einem ersten Schritt haben wir eine Anzeigenkampagne in wissenschaftlichen Zeitschriften durchgeführt, im nächsten Schritt sind unter anderem gedruckte Postkarten und Social-Media-Aktionen geplant. Da die Anzeigen sowohl im Print- als auch im Online-Bereich auffallen sollen, haben wir uns für Cartoons zu Open-Access-Themen und PUBLISSO-Services entschieden. Die Cartoons kommen von dem Comiczeichner Leo Leowald. Einige davon haben wir schon außerhalb der Anzeigenkampagne verwendet. In der nächsten Zeit posten wir nun nach und nach alle Zeichnungen und sind gespannt auf Ihre Kommentare dazu!

Eine Frau zeigt einem Mann ihr Smartphone. Er fragt: "Publisso?", sie antwortet ihm: "Isso!".

Comic zur ZB MED-Open-Access-Kampagne für PUBLISSO, das Publikationsportal Lebenswissenschaften

Motiv aus der PUBLISSO-Werbekampagne

Evolutionärer Fortschritt: Open Access Publizieren! Motiv aus der PUBLISSO-Werbekampagne.

Im Hintergrund steht ein brennendes Gebäude. Davor ein weinender Wissenschaftler und einen Wissenschaftlerin, die in der einen Hand ein Device hält, an der anderen ein Monster. sie sagt: Laborfreuer? Na und? Den hier konnte ich retten. Und alle Forschungsergebnisse sind online bei PUBLISSO!

Forschungsergebnisse sind bei PUBLISSO nicht nur frei verfügbar, sondern auch feuerfest 😉

Wissenschaftler beschriftet eine Kuh mit Forschungsergebnissen. Kollegin sagt: Wir könnten die Ergebnisse der Feldforschung ja auch online bei PUBLISSO veröffentlichen.

Feldforschung mal wörtlich genommen in diesem Comic aus der PUBLISSO-Kampagne

Bienen fliegen im Schwarm, der das Wort PUBLISSO bildet. Eine Biene erklärt: Ein kleines Tänzchen zu Ehren der Schwarmintelligenz!

… da tanzen sie wieder! Schwarmintelligenz mit Open Access im Comic aus der Kampagne

Zombi durchbricht Bürotür. Wissenschaftlerin sagt: Ach, sie an. Der Kollege Maier hat noch nicht mitbekommen, dass der Zombi-Impfstoff online steht.

Open Access hilft auch gegen Zombies!

Patient liegt auf der Couch, ein Therapeut (Ähnlichkeit mit Siegmund Freund) schreibt online mit. Patient sagt: Können Sie Ihre Fallstudie über mich bitte erst veröffentlichen, wenn ich ausgeredet habe?

Keine Sorge – Veröffentlichung nur mit Peer Review 😉

Wissenschaftlerin am Computer, davor steht ein unischtbarer Forscher. Sie sagt: Hauptsache Ihre Forschungsergebnisse sind sichtbar!

Forschungsergebnisse Open Access sichtbar machen!

Ein Mann zeigt einem anderen sein Smartphone. Er fragt: "Publisso?", der andere antwortet: "Isso!".

Die ganze Kampagne stand unter dem Motto: PUBLISSO? Isso!

Wissenschaftler liest auf seinem Tablet. Dahinter ist eine lachende Weltkugel. Text: Die Welt liest mit!

Open Access garantiert eine gute Sichtbarkeit.

In den Adern fahren neben Blutkörperchen kleine U-Boote. In einem sitzt eine Forscherin und sagt: Seit ich meine "Reise ins Körperinnere" bei PUBLISSO veröffentlicht habe, ist hier echt was los.

Noch ein Urlaubsziel gesucht? Vielleicht mal bei PUBLISSO gucken 😉

Ein Forscher und eine Forscherin stehen vor einem Versuchsfeld. Sie hält eine sehr dicke Kartoffel in der Hand, er ein Device. Er sagt: Dank PUBLISSO haben jetzt die klügsten Bauern die dicksten Kartoffeln!

Mit Open Access müssen auch Bauernregeln umgeschrieben werden 😉

 


(1) Berlin Declaration on Open Access to Knowledge in the Sciences and Humanities. Abgerufen am 02.02.2018
(2)  German Medical Science
(3) PUBLISSO
(4) ZB MED Pressemitteilung: Fördermittel für Open-Access-Infrastrukturen – BMBF unterstützt ZB MED-Projekt

 

Was uns im Februar bewegt hat – Aktuelles zu Open Access, Open Science und Digitalisierung

Auf unserem Twitter-Kanal informieren wir immer wieder über aktuelle Artikel, Blogposts, Podcasts etc., die sich mit Entwicklungen rund um Open Access und Open Science oder allgemein mit der Digitalisierung befassen. Einmal im Monat bekommen Sie in Zukunft an dieser Stelle eine Zusammenfassung all dieser Themen, die uns bewegt haben!

Im Februar ging es unter anderem um Predatory Journals, die digitale Agenda der neuen Bundesregierung und Blockchain.

 

 

Video-Tutorials zu Peer Review

Von Jasmin Schmitz

Wissenschaftliche Artikel durchlaufen in der Regel einen Begutachtungsprozess, im Rahmen dessen über die Publikationswürdigkeit eines Manuskripts entschieden wird. Diese Begutachtung wird auch Peer Review genannt. Peer Review spielt somit für die Qualitätssicherung in der Wissenschaft eine wichtige Rolle. Mit dem Thema sind aber auch eine Reihe von Fragen verknüpft: Wie läuft es ab? Welche Bedeutung hat es für die Wissenschaftskommunikation? Was sind die Probleme?

ZB MED hat hierzu eine Auswahl von Video-Tutorials zusammengestellt, die über die unterschiedlichen Aspekte informieren und die unter anderem in der Open-Access-Publikationsberatung eingesetzt werden:

Auswahl von Video-Tutorials zu Peer Review, die über die unterschiedlichen Aspekte informieren und die unter anderem in der Open-Access-Publikationsberatung eingesetzt werden.

 

Bei der Auflistung oben handelt es sich um einen Auszug einer Zusammenstellung von Video-Tutorials auf der ZB MED Webpräsenz, die über unterschiedliche Themen im Bereich Open Access und Open Data informieren. Die Tabelle wurde kürzlich um aktuelle Videos ergänzt und enthält mittlerweile mehr als 100 Videos. Derzeit ist in Planung, die Tabelle stärker thematisch zu strukturieren, damit Nutzerinnen und Nutzer schneller relevante Videos zur Nachnutzung finden.


Weitere Informationen:

Ausgewählte Video-Tutorials zu Open Access und Open Data auf PUBLISSO
Ursula Arning: Peer Review und Qualitätssicherung bei PUBLISSO gold, der Open-Access-Publikationsplattform von ZB MED. ZB MED-Blog vom 11. September 2017

Peer Review und Qualitätssicherung bei PUBLISSO gold, der Open-Access-Publikationsplattform von ZB MED

Von Ursula Arning (Leiterin Open-Access-Publizieren und -Beraten)

Peer Review bedeutet im spezifischen Kontext wissenschaftlicher Publikationen die Begutachtung von Texten und ihrer Anhänge durch Forschende des entsprechenden Fachgebietes. Diese Begutachtung, das Review, soll die Qualität der zu publizierenden Artikel garantieren und kann in verschiedenen Ausführungen erfolgen.

Es gibt unterschiedliche Varianten des Peer Reviews. Eine ist das Blind Review, das wiederum zwei Spielarten hat: Wenn sowohl die Autorinnen und Autoren als auch die Begutachterinnen und Begutachter keine Kenntnis voneinander haben, spricht man vom Double Blind Review, das heißt beiden Parteien werden gegenseitig keine Namen genannt, so dass weder die Reviewer wissen, wer den Artikel geschrieben hat, noch die Autorinnen und Autoren, wer ihren Artikel begutachtet. Dieses Verfahren soll größtmögliche Objektivität ermöglichen. Beim Single-Blind-Verfahren haben die Gutachterinnen und Gutachter Kenntnis der Autorinnen und Autoren, letztere sehen aber nicht, wer sie begutachtet hat. Die Anonymität ermöglicht den Reviewern, ihre Gutachten frei zu formulieren.

Eine eher neuere Variante, die in der Wissenschaftspublikation zurzeit noch keine ausgeprägte Rolle spielt, ist das Open Review: In dem Fall werden die Texte publiziert und die Gutachten veröffentlicht. In einer weiteren Spielart, kann es den Leserinnen und Lesern ermöglicht werden, die Texte öffentlich zu kommentieren. Dabei kann sowohl Forschenden als auch – je nach Verfahren – interessierten Laien die Kommentarfunktion ermöglicht werden. Die notwendige Moderation der Kommentare bedeutet oft allerdings einen enormen Aufwand für die Herausgeberinnen und Herausgeber oder Autorinnen und Autoren. Andererseits hat es sich in einzelnen Fachdisziplinen wie der Physik bewährt, Forschungserkenntnisse als Pre-Prints zu veröffentlichen und sie später unter Berücksichtigung der Kommentare, also in einer redigierten Form, in Zeitschriften mit einem Peer-Review-Verfahren zu publizieren (1).

ZB MED mit seinen Publikationsplattformen German Medical Science (GMS) und der daraus entwickelten Plattform PUBLISSO gold für die Lebenswissenschaften legt größten Wert auf die Qualitätssicherung seiner Publikationen und arbeitet dabei eng mit den jeweiligen Fachgesellschaften zusammen. Zurzeit ist das Peer Review auf der Basis des Single-Blind-Verfahrens organisiert, d.h. die Gutachterinnen und Gutachter erfahren die Namen der Autorin oder des Autors, ohne selber der Verfasserin bzw. dem Verfasser genannt zu werden. Das Verfahren kann jedoch innerhalb des Systems auf Wunsch der Herausgeber einzelner Zeitschriften auf alle anderen Formen (Double Blind oder Open Peer Review) umgestellt werden.

Der Einreichungs- und Reviewprozess durchläuft bei PUBLISSO unterschiedliche Stadien und Verantwortlichkeiten. Während der Einreichungsprozess und die spätere Publikation größtenteils in den Händen der ZB MED-Redaktion liegen (2), wird das Review der einzelnen Publikationen in Verantwortung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler durchgeführt; bei ZB MED handelt es sich dabei um Mitglieder einzelner Fachgesellschaften. Absprachegemäß bekommen jeweils zwei Wissenschaftlerinnen bzw. Wissenschaftler denselben Artikel zugewiesen. Das folgende Schema veranschaulicht den Prozess:

Review-Prozess bei ZB MED-Publikationsplattform PUBLISSO gold

Während des Reviews entstehen drei Möglichkeiten:

  1. Der Artikel wird abgelehnt; die Autorin / der Autor wird entsprechend benachrichtigt.
  2. Der Artikel wird grundsätzlich akzeptiert, wenn bestimmte Kriterien zur Korrektur erfüllt werden; die Autorin oder der Autor müssen noch einige Korrekturen am Text durchführen und der Beitrag ein zweites Mal das Review durchlaufen.
  3. Der Artikel wird akzeptiert, evtl. werden kleinere Korrekturen vorgeschlagen.

War der Review-Prozess erfolgreich, das heißt Reviewer und Herausgeber haben den Artikel akzeptiert, werden die Artikel wieder an die ZB MED-Redaktion gesendet, die die Artikel mit äußerster Sorgfalt formal redigiert, Referenzen überprüft, Artikel zur Publikation vorbereitet und die abschließende Einverständniserklärung des Autors bzw. der Autorin zur Publikation einholt. Eine Qualitätssicherung bei PUBLISSO erfolgt damit also auf mehreren Ebenen.


(1) Zu den verschiedenen Review-Verfahren und ihren Auswirkungen bzw. möglichen Kritikpunkten vgl. auch PUBLISSO FAQ zum Peer Review.

(2) Es gibt drei unterschiedliche Servicestufen und damit Preismodelle bei ZB MED. Während in der einfachsten und kostengünstigsten Variante die Herausgeber die Einreichung und das Review selber organisieren, übernimmt die ZB MED-Redaktion im zweiten Modell die Einreichung und organisiert in der dritten Stufe zusätzlich den Review-Prozess mit den eventuell anfallenden Erinnerungen und Mahnungen. Inhaltlich liegt die Verantwortung des Reviews und damit der Qualitätssicherung in allen drei Varianten bei den Fachgesellschaften.

Video-Tutorials zu Open Access und Open Data – Tabelle online

Von Jasmin Schmitz, PUBLISSO Publikationsberatung

Video-Tutorials erfreuen sich schon seit längerem enormer Beliebtheit, da sie die Möglichkeit bieten, komplexe Inhalte audio-visuell aufzubereiten und somit Nutzerbedürfnissen nachkommen.

Auf der ZB MED-Publikationsplattform PUBLISSO findet sich eine Tabelle mit Video-Tutorials zu Open Access und Open Data (1). Zusätzlich wurden auch Videos zu Creative-Commons-Lizenzierung, Peer Review, Journal Impact Factor, h-Index und Altmetrics aufgenommen.

Tabelle mit Video-Tutorials

Tabelle mit Video-Tutorials

Die Tabelle bildete die Grundlage einer Untersuchung, deren Ergebnisse im März auf dem Bibliothekskongress in Leipzig vorgestellt wurden und in ausführlicher Form kürzlich in o-bib – dem offenen Bibliotheksjournal erschienen sind (2).

Auch ZB MED setzt im Rahmen der Open-Access-Publikationsberatung neben FAQs, persönlicher Beratung sowie Workshops und Vorträgen Video-Tutorials ein. Die Ergebnisse der oben genannten Untersuchung dienen der Entscheidungsfindung, zu welchen Themen Tutorials nachgenutzt werden können, beziehungsweise wo Lücken mit selbst produzierten Tutorials geschlossen werden können. Näheres zum Konzept von ZB MED findet sich in dem Beitrag „Komplexes einfach visualisiert: Video-Tutorials von ZB MED“(3).

In der Tabelle finden sich neben Links zu den Video-Tutorials noch einige Zusatzinformationen über die bereitstellende Institution/Person, das Thema, näheres zum Inhalt, Angaben zur Lizenz (sofern vorhanden), Länge, Sprache und inwieweit die Tutorials frei von institutionellen Bezügen sind.

Die Tabelle wird regelmäßig aktualisiert und ergänzt. Nutzerinnen und Nutzer sind eingeladen, eigene Vorschläge einzureichen. Die vorgeschlagenen Tutorials sollten sich mit den genannten Themen beschäftigen und idealerweise eine maximale Länge von fünf Minuten haben.


 

(1) Video-Tutorials zu Open Access und Open Data

(2) Schmitz, J.: Video-Tutorials zu Open Access und Open Data – Analyse und mögliche Nachnutzbarkeit. o-bib, das Offene Bibliotheksjournal, 2016

(3) Kullmer, B., Schmitz, J.: Komplexes einfach visualisiert: Video-Tutorials von ZB MED. ZB MED-Blog, 2016