Umfassende Informationen zu Elektronischen Laborbüchern: ZB MED veröffentlicht Wegweiser

ELN-Wegweiser

 

„Elektronische Laborbücher im Kontext von Forschungsdatenmanagement und guter wissenschaftlicher Praxis – ein Wegweiser für die Lebenswissenschaften“

von Beatrix Adam und Birte Lindstädt

 

 

 

Forschungsdaten-Lebenszyklus

Lebenszyklus von Forschungsdaten und ZB MED-Services dazu

Im Bereich Forschungsdatenmanagement orientieren sich die Informationsangebote und Services von ZB MED am Lebenszyklus von Forschungsdaten:Ein wichtiger Baustein ist das Elektronische Laborbuch, das Electronic Lab Notebook (ELN). Es dient der Dokumentation des Forschungsprozesses und der dabei erhobenen Rohdaten.

Über die Vorteile der Nutzung und die Herausforderung, ein geeignetes ELN zu finden, haben wir bereits in einem Blogbeitrag berichtet. Weitere aktuelle Informationen finden sich auf den PUBLISSO Webseiten zum Thema. Dort steht auch der neue ELN-Wegweiser zum Download zur Verfügung.

Mit dem ELN-Wegweiser verfolgen wir das Ziel, sowohl den Verantwortlichen für Informationsinfrastrukturen als auch Forschenden notwendige Informationen rund um ELNs an die Hand zu geben. Dies unterstützt sie darin, den Entscheidungsprozess zur Auswahl eines geeigneten Tools individuell und bedarfsgerecht gestalten zu können. Da es dafür keinen allgemeingültigen Weg gibt, entstand die Motivation zur Herausgabe unseres Leitfadens, der sowohl benötigtes Hintergrundwissen als auch konkrete Handlungsempfehlungen enthält.

Kernstück des Wegweisers ist die Darstellung von Best-Practice-Beispielen. Grundlage für die Erstellung der Fallbeispiele sind Interviews mit Expertinnen und Experten, die wir im Herbst 2018 geführt haben. Die Auswahl der Interviewpartnerinnen und -partner erfolgte unter dem Gesichtspunkt, Beispiele aus verschiedenen Sichtweisen darstellen zu können. Deshalb haben wir neben Forschenden selbst auch Personen befragt, die mit der Bereitstellung von IT-Services oder Infrastruktur betraut sind.

Anhand zweier Toolboxen gibt der Wegweiser darüber hinaus konkrete nachnutzbare Werkzeuge an die Hand: eine Bedarfsabfrage und eine Checkliste dienen als Grundlage für die Erstellung eigener Tools. Sie können individuell angepasst werden.

Neben der Beschreibung der wesentlichen Anforderungen, die an ein ELN gestellt werden, geben weitere Kapitel des Wegweisers greifbare Handlungsempfehlungen für Auswahl, Test und Einführung eines elektronischen Laborbuchs.

Den Kapiteln sind Infoboxen zugordnet, die Hinweise zu weiterführenden Informationen – größtenteils Webressourcen – enthalten. Beispielsweise informiert im Kapitel „Auswahl eines geeigneten ELN“ die gleichnamige Infobox über Fachartikel zum Auswahlprozess und enthält Links zu empfehlenswerten Übersichtsseiten mit Produktvergleichen, die regelmäßig aktualisiert werden.

Gerne treten wir in einen Dialog mit Ihnen sowohl zum ELN-Wegweiser als auch zum Thema insgesamt. Auch wenn Sie weiteren Beratungsbedarf haben, stehen wir gerne zur Verfügung. Wir freuen uns auf Ihre Kommentare und Fragen hier im Blog oder per E-Mail an forschungsdaten@zbmed.de.


Zum ELN-Wegweiser


Weiterführende Links:

Aufbau einer Community für digitale Kompetenz bei ZB MED: Carpentries und HackyHours

Ein Ort, an dem alle zusammenkommen können, um sich auszutauschen und voneinander zu lernen

Von Eva Seidlmayer, Konrad Förstner, Silvia Di Giorgio, Chris Erdmann

Für ZB MED gehören Trainingsaktivitäten zum Aufbau datenwissenschaftlicher Fähigkeiten zu den zentralen Aufgaben und wichtigen Services. Dafür bietet das Informationszentrum Library und Software Carpentry Workshops an. Es spricht damit sowohl die Bibliotheks- als auch die lebenswissenschaftliche Community an. Inzwischen halten im ZB MED-Team drei zertifizierte Instruktorinnen und Instruktoren (Silvia Di Giorgio, Till Sauerwein, Konrad Förstner) die Workshops ab. Außerdem ist Konrad Förstner zertifizierter Trainer zur Ausbildung der Instruktoren. Darüber hinaus unterstützen weitere Teammitglieder die Durchführung und Weiterentwicklung der Carpentry Workshops:

Der erste Software Carpentry Workshop bei ZB MED mit Silvia di Giorgio.

First Software Carpentry Worshop at ZB MED with Silvia di Giorgio.

  • Git – Eva Seidlmayer und Silvia Di Giorgio
  • Python – Konrad Förstner
  • Wikidata – Muhammad Elhossary, Till Sauerwein und Konrad Förstner.

Seit Mitte 2018 hat das ZB MED-Team fünf interne Library Carpentry Workshops und einen externen Software Carpentry Workshop veranstaltet. Weitere Workshops fanden an der Universität zu Köln, dem ZBIW, der TIB Hannover, dem DRL Berlin, der FU Berlin und der TU Wien statt.

Nach der Veranstaltung stellt sich immer wieder eine Frage: Was passiert nach einem Library Carpentry Workshop?

Die Workshops geben den Teilnehmenden Starthilfe. Danach müssen sie selbst weiter machen und das Gelernte anwenden. Um diese kontinuierliche Weiterbildung zu unterstützen, veranstaltet ZB MED wöchentlich HackyHours – informelle Treffen, bei denen sich die Teilnehmenden über Code, Tools und Forschung austauschen können. Den Namen und das Konzept haben Till, Silvia und Konrad aus Würzburg mitgebracht, wo sie mehrere Software Carpentry Workshops mit anderen Dozentinnen und Dozenten gehalten haben. Bei den HackyHours wird Kaffee angeboten – natürlich kostenlos – und alle können Themen mitbringen. Es liegt an den Moderatorinnen und Moderatoren, die Interessen und Anforderungen der Teilnehmenden gleichermaßen zu beachten.

HackyHour am Standort Bonn von ZB MED

Die HackyHour findet meist am Standort Köln von ZB MED statt, gelegentlich aber auch am Standort Bonn.

Neben den unterschiedlichen Hintergründen und Kenntnissen müssen die HackyHour-Moderatorinnen und -Moderatoren bei ZB MED auch die Sprachbarrieren berücksichtigen. Während die Beschäftigten von ZB MED überwiegend Deutsch sprechen, sprechen die meisten wissenschaftlich Mitarbeitenden neben ihren jeweiligen Muttersprachen auch Englisch. Trotz dieser Herausforderungen ist das Team bestrebt, die HackyHours integrativ zu gestalten und allen die Teilnahme zu ermöglichen. Dabei wird Englisch gesprochen und bei Bedarf gibt es eine simultane Peer-to-Peer-Übersetzung ins Deutsche.

Die HackyHours-Themen sind sehr vielfältig und variieren von Woche zu Woche, da sie oft von Zeitplänen und Terminen beeinflusst werden. Seit November 2018 sind nicht nur Interne, sondern auch Kolleginnen und Kollegen aus anderen Institutionen beteiligt. Die Themen reichen von der Einführung in Python, Erfahrungen mit verschiedenen integrierten Entwicklungsumgebungen bis zu Single-Board-Computer-Arduino-Projekten und Docker-Containern.

Prof. Rebholz-Schuhmann, Wissenschaftlicher Direktor von ZB MED, sagt: „HackyHours bei ZB MED geben den Menschen die Möglichkeit, sich zu treffen, verschiedene Themen auszutauschen und zu diskutieren und weiter zu lernen. Das ist eine wichtige Aufgabe für uns als Informationszentrum.“

ZB MED und seine Community sind gespannt, wie sich die HackyHours und die Teilnehmenden in naher Zukunft weiterentwickeln werden. Die Kombination aus den Carpentries Trainings und HackyHours bietet einen hilfreichen und sinnvollen Rahmen für den Ausbau der digitalen Kompetenz und die Vorbereitung des Informationszentrums auf die Weiterentwicklung der Forschungsdienstleistungen.


Dieser Artikel ist übertragen aus dem Englischen Blog-Beitrag
Building a Community for Digital Literacy at ZB MED: The Carpentries and HackyHours, erschienen im Blog der Library Carpentry am 19.6.2019.

Er ist unter einer Creative Commons Attribution 4.0 International License lizenziert.

Autorinnen und Autoren: Eva Seidlmayer, Konrad Förstner, Silvia Di Giorgio, Chris Erdmann
Übersetzung: Ulrike Ostrzinski


Weitere Informationen:

The Carpentries
Library Carpentry
HackyHour Cologne

Was uns im März bewegt hat – Aktuelles zu Open Science, FAIR Data und Digitalisierung …

Auf unserem Twitter-Kanal informieren wir über aktuelle Artikel, Blogposts, Podcasts etc., die sich mit Entwicklungen rund um Open Science, FAIR Data oder allgemein mit der Digitalisierung befassen. Einmal im Monat geben wir Ihnen an dieser Stelle einen kurzen Überblick mit Beiträgen, die uns besonders bewegt haben. Im März war das natürlich die Open Science Conference mit dem dazugehörigen Bar Camp und die Dokumentation dazu im Open Science Radio. Aber es gab auch noch anderes zu berichten:

Was uns im Februar bewegt hat – Aktuelles zu Open Science, FAIR Data, Digitalisierung …

Auf unserem Twitter-Kanal informieren wir über aktuelle Artikel, Blogposts, Podcasts etc., die sich mit Entwicklungen rund um Open Science, FAIR Data oder allgemein mit der Digitalisierung befassen. Einmal im Monat geben wir Ihnen an dieser Stelle einen kurzen Überblick mit Beiträgen, die uns besonders bewegt haben. Im Februar war das zum Beispiel das Thema FAIR Data und dazu auch der Sprint „Top 10 FAIR Data & Software Things“ oder der Plan S.

Was uns im Dezember bewegt hat – Aktuelles zu Open Science, FAIR Data, Digitalisierung …

Auf unserem Twitter-Kanal informieren wir über aktuelle Artikel, Blogposts, Podcasts etc., die sich mit Entwicklungen rund um Open Science, FAIR Data oder allgemein mit der Digitalisierung befassen. Einmal im Monat geben wir Ihnen an dieser Stelle einen kurzen Überblick mit Beiträgen, die uns besonders bewegt haben. Im Dezember war das zum Beispiel der World Digital Preservation Day, der ZB MED-Workshop zum Predatory Publishing oder Blogchain in der Wissenschaft.

https://twitter.com/Lambo/status/1075357791873830912

 

Was uns im November bewegt hat – Aktuelles zu Open Access, FAIR Data, Digitalisierung …

Auf unserem Twitter-Kanal informieren wir über aktuelle Artikel, Blogposts, Podcasts etc., die sich mit Entwicklungen rund um Open Access und FAIR Data oder allgemein mit der Digitalisierung befassen. Einmal im Monat geben wir Ihnen an dieser Stelle eine Zusammenfassung der Themen, die uns besonders bewegt haben. Im November war das zum Beispiel die Nationale Forschungsdateninfrastruktur, insbesondere NFDI4Life, das Konsortium für die Lebenswissenschaften, oder der Top 10 FAIR Data Things Sprint. Und dann waren auch noch der Tag der Computersicherheit und der World Digital Preservation Day …

https://twitter.com/libcce/status/1068051674646945792

“All librarians speek the same language, the language of access to information”: World Library and Information Congress der IFLA 2018

Von Dr. Ursula Arning

“Alle Bibliothekar*innen sprechen die gleiche Sprache, die Sprache des Zugangs zur Information”, sagte Glòria Pérez-Salmerón, die Präsidentin der IFLA, in der Closing Session des World Library and Information Congress (WLIC) der International Federation of Library Associations (IFLA) 2018. Es handelt sich um die Internationale Konferenz des Bibliothekswesens, auf der sich Kolleginnen und Kollegen (aller Bibliothekstypen) der ganzen Welt eine Woche lang sowohl über ganz alltägliche Fragen als auch über strategische Fragen zur Zukunft der Bibliotheken austauschen. Die Konferenz fand dieses Jahr vom 23.8. bis zum 30.8. in Kuala Lumpur/Malaysia statt. Jedes Jahr wieder ist es beeindruckend und überaus bereichernd, wenn die globale “bibliothekarische” Welt mit ihrer Diversität an einem Ort zusammenkommt. So war die Zusammenfassung von Glòria Pérez-Salmerón, dass „alle Bibliothekar*innen die gleiche Sprache sprechen, die Sprache des Zugangs zur Information”, durchaus ein bemerkenswerter Satz. Bei allen Unterschieden, alle verbindet ein Ziel: Der Zugang zur Information.

Willkommensschild auf der IFLA 2018

Willkommensschild auf der IFLA 2018 © Ursula Arning

Dies zeigte sich auch am letzten Tag des Kongresses, an dem Interessierte an Bibliotheksführungen teilnehmen konnten (1). Ich hatte mich – in der Deutschen Zentralbibliothek für Medizin beheimatet – für die angebotene Tour zu den Bibliotheken in Pahang entschieden. Ziel war unter anderem die dortige Medizinische Bibliothek, die Dar Al-Hikmah Library an der International Islamic University Malaysia. So konnte ich für die Kolleginnen und Kollegen Impressionen einer „Schwester-Bibliothek“ mit nach Hause nehmen. Die offene Architektur des Gebäudes erfordert eine gute Organisation: Oben, im 3. OG, Stillarbeit mit zahlreichen, gut ausgestatteten Kabinen mit Flipchart und Gruppentischen bzw. Kabinen zur Einzelarbeit. Unten, offene Gruppentische, entweder nur für „Sisters“, für „Brothers“ oder für gemischte Gruppen sowie eine ausgezeichnete erste Anlaufstelle, an der einem mittels eines großen Ansicht-Bildschirms die benötigte Information vermittelt wird.

Leseecke im Erdgeschoss der Dar Al-Hikmah Library in Kuala Lumpur.

Im Erdgeschoss der Dar Al-Hikmah Library. © Ursula Arning

Blick vom 3. Obergeschoss der Dar Al-Hikmah Library in Kuala Lumpur ins 2. Obergeschoss.

Blick vom 3. Obergeschoss der Dar Al-Hikmah Library ins 2. Obergeschoss. © Ursula Arning

Zu der Besuchstour gehörten auch zwei Öffentliche Bibliotheken: Um die fehlenden Personalkapazitäten auszugleichen, die den Nutzenden bei der Suche helfen können, hat die Bentong Public Library eine App entwickelt, mit der man die Büchertitel in den jeweiligen Regalen über einen QR Code auf sein Handy scannen kann.

Impression von einem Messestand auf der IFLA 2018 in Kuala Lumpur.

Impression von der IFLA 2018. © Ursula Arning

Die State Library of Pahang, gerade erst in ein neues Gebäude gezogen, überzeugt mit einem vielfältigen interaktiven Angebot für alle Bevölkerungsgruppen: Sie verfügt über einen abgetrennten, gut ausgestatteten Baby-Raum, der nicht mit Schuhen betreten werden darf, eine weiträumige Kinderbibliothek, in der auch (wissenschaftliche) Experimente durchgeführt werden: So zeigten Studierende einer jüngeren Schulklasse, wie sich Papier aus Bananenfasern schöpfen lässt.

Einer jüngeren Schulklasse wird von Älteren in der State Library of Pahang erklärt, wie aus Bananenfasern Papier geschöpft werden kann.

Einer jüngeren Schulklasse wird von Älteren in der State Library of Pahang erklärt, wie aus Bananenfasern Papier geschöpft werden kann. © Ursula Arning

Weiter ging es zu einem Musik/Tonstudio, zu einem 3-D-Kino, einem Computer Lab, einer kleinen, ruhigen Blindenbibliothek mit Büchern in Brailleschrift. Aber nicht nur diese Bilder und gestalterischen Ideen habe ich mitgenommen. Neben dem Zugang zur Information sind die Wärme und der Stolz der Gastgeber*innen, „ihre“ Bibliothek vorstellen zu dürfen, wohl auch allen Bibliothekar*innen auf der Welt gemeinsam. In diesem Sinne sollten sich alle Bibliotheken an der IFLA Library Map beteiligen, um aufzuzeigen, wo Bibliotheken sich überall zum Wohle der Gesellschaft und Wissenschaft engagieren.

Als Gremienmitglied der Section for Academic and Research Libraries (der Sektion der Akademischen und Wissenschaftlichen Bibliotheken), habe ich auch einen aktiven Part auf dem WLIC. Alle Mitglieder sind aufgerufen, in ca. fünf Bullet Points die wichtigsten Entwicklungen im Bibliothekswesen ihres Landes im letzten Jahr darzustellen. Dadurch entsteht ein schneller Vergleich, der Themen identifiziert, die weltweit für wichtig erachtet werden. In diesem Jahr waren Wissensmanagement, Kooperationen und System Sharing, Transformation und damit Herausforderungen für das Bibliothekspersonal, Forschungsdatenmanagement sowie Erwerbungsstrategien die meist genannten Themen. Des Weiteren geht es bei den Sektionen auch um die Planung von Aktivitäten für den nächsten World Library and Information Congress der IFLA. Jede Sektion hat einen Slot von zwei Stunden, um z.B. die Entwicklungen der akademischen und wissenschaftlichen Bibliotheken weltweit aufzugreifen und zu besprechen. In diesem Jahr umfassten die Hot Topics die Themenbereiche Open Access, Künstliche Intelligenz und automatische (bzw. computerunterstützte) Sacherschließung. Alle drei Themen wurden durch einen dreiminütigen Impulsvortrag eingeleitet und dann in Gruppen intensiv diskutiert. Über das Jahr verteilt werden diese und andere Themen auch im Blog der Sektion weiter vertieft. Die Themen können länderspezifisch oder von generellem Interesse sein. Im August 2018 waren die Beiträge sehr divers und reichten von „Predatory Publishing“ bis zur Vorstellung der Lernplattform der Joint University Librarians Advisory Committee (JULAC) von Hong Kong. Jede und Jeder auch außerhalb des Gremiums ist dazu eingeladen, einen Beitrag zu veröffentlichen oder sich über aktuelle Themen in der Facebook-Gruppe IFLAARL auszutauschen. Um die Themen aus der Sektion auch in die Communities zu tragen, sind als neues Angebot Webinare geplant, die im Laufe des Jahres konzipiert werden.

Als Mitglied der AG Universitätsverlage mit zurzeit 28 Mitgliedern aus dem deutschsprachigen Raum habe ich mich auf dem diesjährigen Kongress insbesondere bei den Planungen einer Special Interest Group „Library Publishing“ engagiert. Es haben sich ca. 15 Interessierte aus aller Welt gefunden, die die Gründung vorbereiten werden. Für die Umsetzung unserer ZB MED eigenen Plattformen PUBLISSO – Gold und PUBLISSO – Fachrepositorium Lebenswissenschaften können durch den kollegialen Austausch wichtige Synergien entstehen. Die Gruppe ist erst in der Findungsphase, doch wollen wir auf der nächsten Tagung der IFLA in Athen bereits einen Workshop anbieten, um unser Interessengebiet auch einer breiteren Öffentlichkeit vertraut zu machen. Die Erkenntnisse, die ich durch die Gruppe gewinne, kann ich sowohl in den weiteren Aufbau der institutseigenen Plattform einfließen lassen als auch weitergeben an die Kolleg*innen der AG Universitätsverlage und anderer Gremien.

Des Weiteren ist der Weltkongress der IFLA auch eine gute Plattform, eigenes Wissen und Erfahrungen zu teilen und die Kolleginnen und Kollegen aus der ganzen Welt bei bestimmten Themen zu unterstützen. Eigene Projekte und Ideen können besonders gut in den beiden Poster Sessions vorgestellt werden. Der Trend geht wohl zu Poster-Formaten mit 3-D-Gegenständen. Letztes Jahr konnte z.B. ein Poster mit einer herausragenden Kaffeetasse überzeugen, dieses Jahr waren es Infoboxen, in denen man Kommentare hinterlassen konnte.

Poster in der State Library of Pahang in Kuala Lumpur, auf dem "Libraries are for everyone" steht.

Poster in der State Library of Pahang. © Ursula Arning

Seit einigen Jahren ist Open Access ein Thema, das auf dem WLIC immer mehr Gehör findet. Neben der ARL-Sektion ist insbesondere auch die Sektion „Science & Technology Libraries“ in dem Bereich aktiv. So umfasste die Session „Libraries as Drivers for Open Access“ Vorträge, die sich auf die soziale Grundidee des Open Access rückbesinnen und den sogenannten „Diamantenen Weg“ propagieren, also kostenfreie Publikationen für die Autor*innen. Ebenfalls interessant war in derselben Session auch die komparative Studie zum Monitoring und den Geschäftsmodellen in Lateinamerika und dem Mittleren Osten (2). Des Weiteren wurde u.a. die Entwicklung einer App vorgestellt, die beim Entlanggehen an Regalen die E-books anzeigt, die zu diesem Themenkreis gehören (3). Ein weiteres Thema, das in diesem Jahr Eingang in die IFLA-Tagung fand, war z.B. der Bereich der digitalen Langzeitarchivierung (dLZA) (4). Bereits in der Session wurde der Wunsch geäußert, dass es neben der Vorstellung von Systemanbietern auch sinnvoll wäre, Beispiele aus der Praxis zu hören. Der WLIC ist also gerade auch für das deutsche Bibliothekswesen mit seinen Aktivitäten in der dLZA eine mögliche Plattform, sich mit den Kolleg*innen aus dem In- und Ausland auszutauschen. Immer größere Beachtung findet auf dem World Library and Information Congress auch der Themenbereich „Forschungsdatenmanagement“. In diesem Jahr lag der Fokus auf Data Librarians und darauf, welche Qualifikationen diese mitbringen sollten (5).

Ein neues, sehr interessantes Format auf dem Kongress war das Angebot der Sektion „Continual Professional Development and Workplace Learning“. Je nach Interessensgebiet setzte man sich zusammen und konnte diverse Themen wie Zeitmanagement, Zielsetzungen, Burn out, Karriereplanung etc. diskutieren und aus der eigenen Praxis berichten bzw. eigene Lösungswege aufzeigen. Auch wenn es einen „Coach“ pro Tisch gab, war es letztlich ein kollegialer Austausch von Ideen, Ratschlägen und Problemlösungen über Ländergrenzen und Bibliothekstypen hinweg und gleichzeitig eine Möglichkeit, sich kennen zu lernen. Dabei wurde in dem knappen Format von 15–30 Minuten nichts zerredet, sondern präzise auf die unterschiedlichen Fragen geantwortet (6).

Die Twin Towers in Kuala Lumpur.

Die Twin Towers in Kuala Lumpur. © Ursula Arning

Ich danke BII, dass es mir durch die großzügige Unterstützung die Fahrt zum World Library and Information Congress der IFLA 2018 und damit auch die Mitarbeit in Gremien und Gruppen ermöglicht hat, deren Ideen und Strategien in meine direkte tägliche Arbeit einfließen und damit der wissenschaftlichen Community Deutschlands zur Verfügung stehen werden.


(1) Zur Situation des Bibliothekswesens in Malaysia vgl. den Beitrag von Andreas Degkwitz (https://media02.culturebase.org/data/docs-bideutschland/Degkwitz_Bericht_IFLA_2018.pdf).

(2) Session 092 Libraries as Drivers for Open Access – Science & Technology Libraries with Serials and other Continuing Resources.

(3) Session 113 Celebrating IT Innovations in libraries – Information Technology.

(4) Session 160 Planning digital preservation: in for the long run – Preservation and Conservation with Information Technology.

(5) Session 139 Data Librarian: Needs and Qualifications – Education and Training, Science and Technology and Continuing Professional Development and Workplace Learning.

(6) Session 196 Knowledge Café 2018: Continuous Learning for Successful Info Pros in the Knowledge Economy – Knowledge Management with Continuing Professional Development and Workplace Learning and Library and Research Services for Parliaments.

 

Was uns im September bewegt hat – Aktuelles zur Uni Bonn, Open Access, FAIR Data, Digitalisierung …

Auf unserem Twitter-Kanal informieren wir über aktuelle Artikel, Blogposts, Podcasts etc., die sich mit Entwicklungen rund um Open Access und FAIR Data oder allgemein mit der Digitalisierung befassen. Einmal im Monat geben wir Ihnen an dieser Stelle eine Zusammenfassung der Themen, die uns besonders bewegt haben. Im September haben wir unter anderem zwei Beiträge geteilt, in denen es darum geht, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler davon zu überzeugen, Open Data zu praktizieren und zu zeigen, wie einfach Open Access sein kann.

Electronic Lab Notebooks als Teil des Forschungsdatenmanagements

Von Beatrix Adam und Birte Lindstädt

ZB MED unterstützt die Etablierung eines institutionellen Forschungsdatenmanagements vor dem Hintergrund wachsender Anforderungen sowohl seitens der Förderer als auch der Forschenden. Eine zentrale Rolle im Lebenszyklus von Forschungsdaten kommt dem Elektronischen Laborbuch (ELN – Electronic Lab(oratory) Notebook) insbesondere in der medizinischen Forschung zu. Es löst in immer mehr Forschungseinrichtungen das bisher verwendete Laborbuch in Papierform ab, da sich Forschende zunehmend den technischen Fortschritt für ihre Arbeit zunutze machen wollen.

Vorteile des Elektronischen Laborbuchs:

  • Direkte Einbindung/Verlinkung bereits digital vorliegender Daten (z. B. Messergebnisse, Bild-, Video-, Audiodateien)
  • Kein Informationsverlust durch unleserliche Handschrift
  • Such- und Filterfunktionen
  • Funktionen zum kollaborativen Arbeiten (Rechte-, Rollenmanagement)
  • Erstellung und Verwendung von Vorlagen (Templates, z. B. für sich wiederholende Prozesse)
  • Einbettung in eine vernetzte digitale Forschungsumgebung (API, Standardschnittstellen, Import-, Exportfunktionen, Anbindung an Repositorien, u. a.)

Die Einführung eines geeigneten Electronic Lab Notebook gliedert sich grob in drei Phasen, die jeweils ihre besonderen Herausforderungen bergen. Am Anfang steht die Auswahl eines oder mehrerer möglicherweise geeigneter Produkte. Daran schließt sich eine Testphase an, während der sich im Idealfall ein Produkt als passend herauskristallisiert. Sobald ein ELN lizensiert und implementiert ist, folgt die Verbreitung in den Forschungsgruppen.

Auswahlprozess

Eine große Hürde im Auswahlprozess stellt die Produktvielfalt dar. Es existiert ein breites Angebot von fast hundert Produkten mit unterschiedlichen Schwerpunkten, Ausstattungsmerkmalen und Preisstrukturen. Wichtig ist hierbei, sich nicht im Dschungel der Möglichkeiten zu verlieren, sondern sich zunächst darauf zu konzentrieren, die eigenen Bedürfnisse zu definieren („Muss-Kriterien“). Diese können dann mit den Produktmerkmalen angebotener Elektronischer Laborbücher abgeglichen werden.

ZB MED kann bei der Auswahl eines geeigneten Elektronischen Laborbuchs auf der Grundlage einer eigens erstellten Informationsbasis unterstützen, die Produkte anhand ihrer Merkmale filterbar macht. Die Informationsbasis enthält Details zu den folgenden Kernfunktionen eines ELN:

  • Kernfunktionen Datenverarbeitung
    (zum Beispiel Import- und Exportformate, Vorlagen)
  • Kernfunktionen Publizieren & Sharing
    (zum Beispiel Metadatenerstellung, Beweissicherheit)
  • Kernfunktionen IT & Datenschutz
    (zum Beispiel Datenspeicherung, Bereitstellungsmodell)
  • Informationen zu Herstellersupport, Kosten, Referenzen

Herausforderungen ergeben sich aber nicht nur im Auswahlprozess. Auch während der Test- und Einführungsphase ist eine gute Planung und Begleitung essentiell für die spätere allgemeine Akzeptanz und breite Nutzung des Elektronischen Laborbuchs.

Testphase

Neuerungen – so tiefgreifend sie auch die tägliche Arbeit erleichtern und effizienter machen – gehen oft zunächst mit Mehrarbeit und der Notwendigkeit einher, alte Gewohnheiten anzupassen. Aus diesem Grund kann es hilfreich sein, für die Testphase Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen, die sowohl „computeraffin“ sind als auch Veränderungen gegenüber aufgeschlossen. Darüber hinaus empfehlen wir die Entwicklung eines testbegleitenden Fragebogens, in dem die Testpersonen ihre Eindrücke festhalten können. Deren Auswertung kann wichtige Hinweise zur Eignung eines Produktes geben.

Einführungsphase

Für die Einführungsphase ist ein spezielles Supportangebot empfehlenswert. Die Erfahrung zeigt, dass der Bedarf an Unterstützung zu Beginn am höchsten ist. Auch ist eine Person, die sich einmal von der Nutzung eines ELN abgewandt hat, weil es für ein Problem keine zeitnahe Hilfestellung gab, nur sehr schwierig wiederzugewinnen. Eine Möglichkeit, dem vorzubeugen, könnten zum Beispiel vorherige Testpersonen sein, die mit ihrem Erfahrungswissen als Ansprechpersonen zur Verfügung stehen.

ZB MED bietet Information und Beratung für Auswahl, Test und Einführung eines Electronic Lab Notebook (ELN/Elektronischen Laborbuchs). Sprechen Sie uns gerne an!


Kontakt:
Birte Lindstädt
Beatrix Adam