Nachhaltigkeit in Bibliotheken – Wunsch oder absurdes Ziel?

von Lea Schindler, Auszubildende bei ZB MED als Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste im 3. Ausbildungsjahr

Es begab sich an einem Donnerstagmorgen am Joseph-DuMont-Berufskolleg, der Berufsschule für den Ausbildungsbereich Fachangestellte(r) für Medien und Informationsdienste (FaMI). Ich war noch richtig geschafft von der Zwischenprüfung, als uns unser Lehrer für Spezielle Betriebslehre – kurz SBL – in der ersten Schulstunde mitteilte: „So, Ihr habt euch jetzt wirklich genug erholt, es wird Zeit das ihr wieder was tut. Zeit für die Projektarbeit!“

Projektarbeit? Jetzt?

Nach mehreren Wochen intensivem Lernen und Wiederholen des Lehrstoffes der vergangenen anderthalb Jahre, in denen wir über Papieren und Unterlagen brüteten, sollten wir jetzt in Gruppenarbeiten ein Projekt erarbeiten? Hm… neee. Eigentlich hatte da keiner von uns Lust drauf. Zumindest waren wir alle unterschiedlich stark motiviert. Aber es ist für das zweite Halbjahr des zweiten Ausbildungsjahres nach der Zwischenprüfung so vorgesehen.

Ich gehörte im Übrigen eher der unmotivierten Gruppe an. Unser SBL-Lehrer versuchte gut gelaunt uns zu einer offenen Diskussion zu bewegen, um mögliche Themen zu erörtern. Zu seinem Verdruss blieben 18 Erwachsene vor ihm sitzende Menschen, sehr still. „Vielleicht stelle ich Ihnen einfach einige Projekte der vergangenen Jahre vor“, murmelte er, ging zur Tür und verschwand Richtung Lehrerzimmer.

Als hätte man einen Schalter umgelegt, fingen einige meiner Mitschülerinnen und Mitschüler an, laut zu überlegen. Wir durften uns jedes Thema aussuchen, was wir wollten. Es gab keinerlei Vorgaben, was es mir irgendwie schwer machte, mich für etwas zu erwärmen. Ich hatte mehrere Wochen vor der Zwischenprüfung Lern-Urlaub genommen, etwas, was vielleicht übertrieben gewesen war. Doch ich bin kein entspannter Prüfungsmensch, habe den größten Teil des Tages am Schreibtisch gesessen und versucht, mir alles Wissen einzuverleiben. Die restliche Zeit starrte ich aus dem Fenster und fragte mich, ob das alles überhaupt nötig ist.Ich fühlte mich schlapp und energielos. Einigen meiner Mitschülerinnen und Mitschülern ging es genauso. Sie schauten ebenso müde drein.

Unser SBL-Lehrer kam zurück, eine riesige Tüte in den Händen, aus der viel Papier und ein Karton heraus ragten. Er ließ alle Projektarbeiten herumgehen und wir konnten uns alles anschauen. Doch Ideen, was ich jetzt machen wollte, kamen mir daraufhin auch nicht in den Sinn. Gut, dass ein paar andere auf einmal gesprächig wurden. Wir bekamen letzten Endes fünf größere Themen an die Tafel geschrieben:

  • Nachhaltigkeit (etwas für die Welt tun)
  • Bienen, Natur
  • Schul-Chronik
  • Ein FaMI-Lehrbuch mit nützlichen Schaubildern, welche wir gerne vor der Zwischenprüfung gehabt hätten
  • FaMI-Werbung, um den Beruf bekannter zu machen mit Postern oder ähnlichem

Ein paar Leute wurden richtig euphorisch und planten Projekte im Bereich Nachhaltigkeit. Was kann man alles dafür tun, worauf verzichten? Reicht es, keine Wattestäbchen und Strohhalme mehr zu verwenden?

Mir war das zu weit weg von unserem Beruf. Es bildeten sich vier Gruppen. Ich arbeitete mit an der Gruppenbildung für das FaMI-Lernmaterial, doch es entwickelte sich in eine Richtung, die ich uninteressant fand. Eine der Parallelgruppen, zu der Zeit noch bestehend aus zwei Leuten, wollte irgendwas mit Nachhaltigkeit in Bibliotheken machen. Gut, dachte ich. Das klingt doch mal praxisnah. Ich wechselte zu Lisa und Tabea und blieb damit nicht alleine. Drei weitere Mädels schlossen sich dem ehemaligen Duo an. Und das waren wir: Lisa, Tabea, Kathrin, Lisa, Diana und ich.

Bei unserem ersten Zusammentreffen Ende März standen wir bald vor einer sehr entscheidenden Frage:

Was verstehen wir eigentlich unter dem Begriff „Nachhaltigkeit“?

Wir waren sehr überrascht, was wir alles damit verbanden. Von Bäumchen pflanzen, Recyclingpapier und digitaler Verwaltung bis hin zur Solaranlage auf dem Dach war alles vertreten, sodass uns schnell bewusst wurde, dass bei der Definition des Begriffs Nachhaltigkeit besonders die Aspekte Forst- und Landwirtschaft sowie die Energiegewinnung eine Rolle spielen.

Nachhaltigkeit ist ein präsentes und umstrittenes Thema, welches in allen Branchen unterschiedlich definiert und umgesetzt wird – dadurch wirkt es gleichermaßen oft etwas vage. Durch den Marketingfaktor Nachhaltigkeit kommen wir im Alltag mit den verschiedensten Pseudonymen wie “Go/Think Green”, “Fair Trade” oder Kombinationen mit dem Wort “Öko”, “Up/Down-Cycling” in Kontakt. Man könnte fast davon sprechen, dass einige dieser Begriffe von der Werbebranche zunehmend missbraucht werden.

Uns wurde klar: Wir brauchen mehr Informationen und Anregungen.

Zwei aus unserer Gruppe widmeten sich der Monografie „The Green Library“, dem von der International Federation of Library Associations and Institutions verfassten „Toolkit“, um Bibliotheken dazu zu motivieren, an der UN Agenda 2030 mitzuarbeiten. Uns gefiel der Aufruf der IFLA, mit dem sie Bibliotheken dazu auffordert, sich national zusammenzuschließen, um zu der Entwicklung beizutragen und zu zeigen, dass sie auch wirtschaftlich wertvolle Partner sind. Doch die sehr kompakte Agenda der IFLA war nach unserem Geschmack etwas zu kompakt und es gab keine konkreten Umsetzungsvorschläge.

Das wäre doch eine Idee! Wir könnten einen Leitfaden verfassen, mit praktischen Ideen und Anregungen, um nachhaltig in den Einrichtungen zu arbeiten.

Nun fragten wir uns, ob es Bibliotheken gab, die sich bereits für das Thema engagierten. Wir verfassten einen Fragebogen. Dann begannen wir, Listen zu erstellen mit Öffentlichen und Wissenschaftlichen Bibliotheken und diesen unseren Fragebogen zuzusenden. Gemeinsam erstellten wir ein Email-Konto. Von nun an sollte alles über „projekt.nachhaltigkeit.jdbk.com“ laufen, damit unsere Anfrage nicht direkt in einem Spam-Ordner landet. Die Deadline betrug drei Wochen, denn viel Zeit hatten wir nicht. Ende Mai war bereits Projektabgabe. Der Fragebogen wurde anonym behandelt, denn wir wollten nicht, dass die Teilnehmenden mit ihrem Namen eine Position beziehen müssen, sonst würden nicht viele mitmachen.

Einladungsbrief zur Umfrage über Anregungen und Ideen zum Thema Nachhaltigkeit in Bibliotheken

Gut. Nun hatten wir eine feste Vorstellung davon, zu was das Ganze führen sollte. Bei sechs Leuten war die Einteilung in Zweier-Gruppen am einfachsten. Wir korrespondierten über eine Messenger App und legten unsere Dateien in einer Cloud ab, telefonierten auch ab und an. Jedes Duo hatte seinen Arbeits- und Recherchebereich. Zwischendurch beschäftigten uns natürlich auch Fragen wie „Was haben wir denn in Bibliotheken damit zu tun?” oder „Glauben wir, dass Bibliotheken in Sachen Nachhaltigkeit eine Rolle spielen können und / oder sollten?“ Die meisten solcher Fragen packten wir auch in den Fragebogen.

Von den knapp 300 angefragten Bibliotheken antworteten uns etwas über 50. Das kam mir unglaublich wenig vor, fast schon mickrig. Interessierten sich unsere „Kolleginnen und Kollegen“ denn nicht für die Umwelt? Ein Gespräch mit einer Freundin, welche im Bereich Kunden- und Produkt-Akquise tätig ist, machte mir bewusst, dass es eigentlich sogar eine sehr hohe Rate für Rückantworten war. Denn wie häufig klickt man bei Umfragen – noch dazu per Mail – nicht einfach nur auf den Papierkorb?

Auf unsere Umfrage kamen die unterschiedlichsten Antworten zurück. Wir erstellten Ordner, um die Übersicht zu bewahren und um sie nach und nach auszuwerten. Dies nahm mit die meiste Zeit in Anspruch: Das Einteilen und sich vor Augen führen, ob uns das, was da stand, nutzte. Bei der Analyse konnten wir hilfreiche von „nicht-so-hilfreichen“ Mails unterscheiden. Wir diskutierten auch einige der Antworten offen in der Gruppe und erstellten für uns eine Treppchenvergabe:

  1. Richtig tolle Antworten – die uns nur in Staunen versetzten.
  2. Hilfreiche Antworten – die sich wiederholten aber auch dadurch nützlich waren.
  3. Einfach nur: nicht hilfreich.

Es machte uns sprachlos, welche schönen nachhaltigen Ideen bereits im Bibliotheksalltag integriert worden sind.

Wir bewunderten auch die Fotografien, die teilweise mitgesendet worden waren. Zum Beispiel einen Tannenbaum aus alten Büchern als Weihnachtsdekoration zu nutzen, anstatt neue Deko-Artikel zu kaufen und die Bücher einfach zu entsorgen. Oder die Tütenkugel! Mehr dazu im Leitfaden… Uns wurde vieles bereitwillig zur Verfügung gestellt. Einige Bibliotheken waren neugierig, wie wir auf die Idee kamen. Und doch waren auch Mails dabei, wo man sich bei der Beantwortung bedeckt gehalten hat. Uns als angehendes Bibliothekspersonal fiel leider auch auf, wie häufig wir Absagen aufgrund von Personalmangel erhielten. Überraschenderweise bekamen wir sogar richtig unfreundliche Kommentare zurück, die unser Projekt für absolut überflüssig erklärten. Wir nahmen es mit Humor, denn es war schließlich die Ausnahme und nicht die Regel.

Die Struktur des Leitfadens war schnell ausgearbeitet. Mitte der vierten Woche begannen wir mit dem Formulieren. Wir diskutierten über Bilder, die wir dafür nutzen wollten, und fanden Gefallen am Stöbern auf verschiedenen Stockfoto-Seiten.

Nachwort und Danksagung des Leitfadens „Nachhaltigkeit in Bibliotheken“

Zum Ende des Projektes gehörte es dazu, das Erarbeitete nicht nur abzugeben, sondern den Verlauf des Schaffens in einer Präsentation vor der Klasse vorzustellen. Ich hatte das Vergnügen, mit meiner Partnerin Kathrin die PowerPoint-Präsentation vorzubereiten. Um ehrlich zu sein, ich hasste PowerPoint. Ich musste zuvor nie groß damit arbeiten und fühlte mich überfordert. Kathrin dagegen war ein Ass! Sie brachte mir viel bei und ich bin dankbar, für die Geduld, die sie mir entgegenbrachte. Ich war keine einfache Schülerin!

Bevor wir den Leitfaden an die zuvor angeschriebenen Bibliotheken senden wollten, las jede von uns ihn bestimmt noch zehn Mal durch. Wir nahmen an, dass wir unser Projekt zur Zufriedenheit fertig gestellt hatten und ihn stolz unserem SBL-Lehrer übergeben konnten. Doch Überraschungen gibt es immer. Tatsächlich fiel erst einige Wochen nach Abgabe des Leitfadens auf, dass uns ein urheberrechtlich geschütztes Bild durchgegangen ist. Hui, war das peinlich. Nachdem wir das Foto entfernt hatten, beschlossen wir, ein gemeinsames Bild an die Stelle zu setzen sowie ein Gruppenbild im Impressum zu positionieren und sind jetzt stolzer als zuvor.

Nie hätten wir erwartet, dass unser kleines Schulprojekt großes Aufsehen erregen würde. Ein begeistertes Mitglied des Netzwerkes Grüne Bibliothek sendete unseren Leitfaden an die Chefredaktion von „BuB – Forum Bibliothek und Information“ mit einer Publikationsempfehlung. So bekamen wir die Chance, Autorinnen in einem waschechten Fachmagazin für Bibliotheken zu werden. Der Artikel erscheint in einer der nächsten Ausgaben. Und hiermit nochmal Dank an alle, die uns so fantastisch unterstützt haben!

You know – Communication is key!

Zum Leitfaden „Nachhaltigkeit in Bibliotheken“

 


Weiterführende Links:

„The Green Library – die Grüne Bibliothek“, IFLA Publications Series 161
Netzwerk Grüne Bibliothek

International Open Access Week 2019 unter dem Motto „Open for Whom? Equity in Open Knowledge!“

von Constanze Beringer und Ulrike Ostrzinski

Jedes Jahr im Oktober findet die International Open Access Week statt. Weltweit organisieren Bibliotheken und andere Wissenschaftseinrichtungen Aktionen, um auf das Thema Open Access aufmerksam zu machen. In diesem Jahr lautet das Motto „Open for Whom? Equity in Open Knowledge!“ und nimmt die Gerechtigkeit, die die Offene Wissenschaft ermöglicht, in den Fokus.

Für ZB MED sind Open Access, der unbeschränkte und kostenlose Zugang zu wissenschaftlicher Information, und Open Science, die Öffnung des gesamten Forschungsprozesses, wichtige Handlungsfelder. Daher nutzen wir die Open Access Week, um über Open Access, Open Science und unsere Angebote dazu zu informieren.

Auf PUBLISSO, dem Open-Access-Publikationsportal für die Lebenswissenschaften, stellt ZB MED alle Informationen und Services bereit. Das Portal richtet sich an lebenswissenschaftlich Forschende, die ihre Veröffentlichungen und Forschungsdaten frei zugänglich publizieren wollen, und an informationswissenschaftlich Tätige. Wir bieten Beratung und Workshops zu allen Fragen rund um Open Access und Open Science an.

Mit den PUBLISSO-Publikationsplattformen ermöglicht ZB MED Autorinnen und Autoren, die Dissertationen, Forschungsdaten oder Journalartikel veröffentlichen möchten, die Publikation sowohl für den Goldenen als auch für den Grünen Weg des Open Access.

Mit PUBLISSO bietet ZB MED eine Publikationsinfrastruktur für Open Science

Seit über 15 Jahren publizieren wir in Kooperation mit DIMDI und AWMF wissenschaftliche Fachzeitschriften unter dem Dach von German Medical Science und blicken damit auf eine lange Open-Access-Tradition zurück. Herausgebende sowie Autorinnen und Autoren profitieren daher beim Ausbau von PUBLISSO von der umfassenden Expertise der Redaktion. In vier bei der DFG und dem BMBF eingeworbenen Drittmittelprojekten wird gezielt der Bedarf in verschiedenen Fachcommunities ermittelt, um unter anderem darauf aufbauend die Systeme kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Falls Sie sich fragen, was mit dem Goldenen und Grünen Weg des Open Access gemeint ist, hilft Ihnen PUBLISSO auch da weiter. Denn diese und viele andere Fragen beantworten die FAQs.

Kontakt: publisso@zbmed.de


Weiterführende Infos

„Open science: just science done right“ – Auftaktveranstaltung zum Fellow-Programm „Freies Wissen“

von Eva Seidlmayer

Rima-Maria Rahal von der Tilburg University (Niederlande)

Rima-Maria Rahal von der Tilburg University hält die Keynote bei der Auftaktveranstaltung zum Fellow-Programm „Freies Wissen“

Obwohl Wissenschaftler*innen an sehr unterschiedlichen Themen arbeiten, teilen sie doch ein Ziel: die Suche nach der Wahrheit als gerechtfertigte wahre Meinung. Sie kann an dem Anspruch gemessen werden, Aussagen über einen Sachverhalt zu treffen, die dann eintreffen. Darauf wies auch Rima-Maria Rahal von der Tilburg University (Niederlande) in ihrer Keynote bei der Auftaktveranstaltung zum Fellow-Programm „Freies Wissen“ in den Räumen der Wikimedia Deutschland am Tempelhofer Ufer in Berlin hin. Doch dieser eigene Anspruch sei, so Rahal, derzeit in eine akute Schieflage geraten. Es bestehe eine Spannung zwischen „Mission“ und „Praxis“ der Wissenschaft. Die Gründe für diese Problematik seien vielfältig. Einen sieht sie in der „Publish or Perish“-Mentalität, die in vielen Wissenschaftsbereichen herrsche. Sie setze die Wissenschaftler*innen unter Druck, eher auf Masse statt Klasse ihrer Publikationen zu setzen. Die verschobene Schwerpunktsetzung – weg von einer inhaltsgetriebenen Qualität hin zu einer Orientierung an der Verwertbarkeit – ist eng mit den Arbeitsbedingungen und Finanzierungsmodellen in der Wissenschaft verbunden.

Rima-Maria Rahal von der Tilburg University

Rima-Maria Rahal ist Alumna des Fellow-Programms. Sie appelliert in der Keynote: Change the Game!

Dem düsteren Bild, das die Keynote vom status quo der wissenschaftlichen Praxis entwarf, wurden während des Veranstaltungswochenendes vielfältige Möglichkeiten für eine Wissenschaft entgegengestellt, die ihren Zielen besser gerecht wird: Bei Offener Wissenschaft werden die verwendeten Daten und Quellen transparent offen gelegt, wodurch eine Nachnutzung in anderen Forschungsprojekten gewährleistet ist. Zudem wird auch die Überprüfung der angestellten Studien oder Argumentationen überhaupt erst möglich. Auch die Dokumentation der Methoden und des Forschungsprozesses über verschiedene Kanäle – von Datenmanagementplänen bis hin zu sozialen Netzwerken – gehört zur Offenen Wissenschaft. Die Veröffentlichung der Ergebnisse in Open-Access-Journalen und -Monographien ist ebenso ein wichtiger Baustein für eine Wissenschaft, die nur der Wahrheitsfindung gerecht werden möchte, zu der eben auch eine Verbreitung dieser Inhalte gehört. Diese Gleichsetzung von authentischer Wissenschaft und offener Wissenschaft wurde an diesem Wochenende in Workshops und im direkten Austausch oft gezogen: „Open science: just science done right.“

Eva Seidlmayer, ZB MED - Informationszentrum Lebenswissenschaften

Eva Seidlmayer stellt ihr Projekt vor, bei dem es um die Nachnutzung von Autor*innen-Informationen aus Wikidata geht.

In diesem Sinne haben beim Auftaktwochenende des Fellow-Porgramms „Freies Wissen“, das von der Wikimedia-Deutschland, der Volkswagenstiftung und dem Stifterverband nun schon zum vierten Mal ausgerichtet wird, zwanzig Fellows ihre Projekte vorgestellt. Ich bin eine davon. Bei ZB MED arbeite ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Informationsdienste in der Forschungsgruppe von Prof. Dr. Konrad Förstner im Projekt Q-Aktiv. Im Projekt beschäftigen wir uns mit Dynamiken von Wissensfeldern, ihren Konvergenzen und Divergenzen auf Grundlage von Publikationsdaten. Q-Aktiv wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Förderlinie “Quantitative Wissenschaftsforschung” ermöglicht. Hier kooperieren wir mit dem Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft (ZBW) in Kiel und der Christian-Albrechts-Universität (CAU) in Kiel.

Am Fellow-Programm “Freies Wissen” nehme ich mit einem Projekt zu einem Teilaspekt von Q-Aktiv teil: Mein gefördertes Projekt ermöglicht eine Nachnutzung von Autor*innen-Informationen aus Wikidata, einer Linked-Open-Data-Plattform der Wikimedia Foundation, für eine Anreicherung von Publikationsdaten.

Unsere bibliometrischen Analysen von wissenschaftlichen Publikations-Netzwerken bei Q-Aktiv profitieren von dieser Erweiterung um die soziale Dimension von Forschungstätigkeit. Wir erhoffen uns dadurch, besser zu verstehen, warum Wissenschaftler*innen mit wem zusammenarbeiten oder welche Wissenschaftler*innen sich für welche Themen interessieren und damit zu einer Konversion unterschiedlicher Wissensfelder beitragen. Das anvisierte Tool kann dabei insgesamt Analysen der Scientometrie, die stark auf Co-Zitations-Netzwerke und Co-Autor*innen-Netzwerke setzt, zum Einsatz kommen und die Analysen um eine soziale Dimension ergänzen.

In den nächsten Monaten entwickle ich ein Tool für die Programmiersprache Python, die häufig in den Data Science eingesetzt wird. Unterstützt werde ich dabei von meinem Fellow-Mentor Jakob Voß vom Gemeinsamen Bibliotheksverbund (GBV) in Göttingen. Außerdem werden wir im Rahmen von WikiCite, einer Wikipedia-Initiative, die eine offene Sammlung von Bibliographie- und Zitationsdaten entwickelt, Mitte nächsten Jahres eine Veranstaltung organisieren.

 


Auftaktveranstaltung Fellow-Programm Freies Wissen 2019/2020 vom 13. bis 15. September 2019 in Berlin, Gruppenbild

Auftaktveranstaltung Fellow-Programm Freies Wissen 2019/2020 vom 13. bis 15. September 2019 in Berlin

Weiterführende Infos:

Die Versorgungsstrategie von ZB MED

von Dr. Elisabeth Müller

ZB MED ist das überregionale deutsche Zentrum für Informationen und Literatur in den Lebenswissenschaften. Vor dem Hintergrund der Digitalisierung hat sich das Nutzungs- und Publikationsverhalten gewandelt. Dies bietet Chancen zu einer leichteren Zusammenarbeit in der Literaturversorgung. ZB MED agiert daher jetzt auf der Grundlage von Bedarf und Literaturversorgung im „Gesamtsystem Deutschland“ und nicht mehr nur auf der Grundlage des eigenen Bestandes. Das Poster stellt diesen Paradigmenwechsel vor und zeigt den Stand der Umstellung auf die neue Strategie auf.

Versorgungsstrategie von ZB MED

Die Versorgungsstrategie von ZB MED – Poster präsentiert auf der Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für medizinisches Bibliothekswesen vom 16. bis 18. September 2019 in Göttingen.

 

Umfassende Informationen zu Elektronischen Laborbüchern: ZB MED veröffentlicht Wegweiser

ELN-Wegweiser

 

„Elektronische Laborbücher im Kontext von Forschungsdatenmanagement und guter wissenschaftlicher Praxis – ein Wegweiser für die Lebenswissenschaften“

von Beatrix Adam und Birte Lindstädt

 

 

 

Forschungsdaten-Lebenszyklus

Lebenszyklus von Forschungsdaten und ZB MED-Services dazu

Im Bereich Forschungsdatenmanagement orientieren sich die Informationsangebote und Services von ZB MED am Lebenszyklus von Forschungsdaten:Ein wichtiger Baustein ist das Elektronische Laborbuch, das Electronic Lab Notebook (ELN). Es dient der Dokumentation des Forschungsprozesses und der dabei erhobenen Rohdaten.

Über die Vorteile der Nutzung und die Herausforderung, ein geeignetes ELN zu finden, haben wir bereits in einem Blogbeitrag berichtet. Weitere aktuelle Informationen finden sich auf den PUBLISSO Webseiten zum Thema. Dort steht auch der neue ELN-Wegweiser zum Download zur Verfügung.

Mit dem ELN-Wegweiser verfolgen wir das Ziel, sowohl den Verantwortlichen für Informationsinfrastrukturen als auch Forschenden notwendige Informationen rund um ELNs an die Hand zu geben. Dies unterstützt sie darin, den Entscheidungsprozess zur Auswahl eines geeigneten Tools individuell und bedarfsgerecht gestalten zu können. Da es dafür keinen allgemeingültigen Weg gibt, entstand die Motivation zur Herausgabe unseres Leitfadens, der sowohl benötigtes Hintergrundwissen als auch konkrete Handlungsempfehlungen enthält.

Kernstück des Wegweisers ist die Darstellung von Best-Practice-Beispielen. Grundlage für die Erstellung der Fallbeispiele sind Interviews mit Expertinnen und Experten, die wir im Herbst 2018 geführt haben. Die Auswahl der Interviewpartnerinnen und -partner erfolgte unter dem Gesichtspunkt, Beispiele aus verschiedenen Sichtweisen darstellen zu können. Deshalb haben wir neben Forschenden selbst auch Personen befragt, die mit der Bereitstellung von IT-Services oder Infrastruktur betraut sind.

Anhand zweier Toolboxen gibt der Wegweiser darüber hinaus konkrete nachnutzbare Werkzeuge an die Hand: eine Bedarfsabfrage und eine Checkliste dienen als Grundlage für die Erstellung eigener Tools. Sie können individuell angepasst werden.

Neben der Beschreibung der wesentlichen Anforderungen, die an ein ELN gestellt werden, geben weitere Kapitel des Wegweisers greifbare Handlungsempfehlungen für Auswahl, Test und Einführung eines elektronischen Laborbuchs.

Den Kapiteln sind Infoboxen zugordnet, die Hinweise zu weiterführenden Informationen – größtenteils Webressourcen – enthalten. Beispielsweise informiert im Kapitel „Auswahl eines geeigneten ELN“ die gleichnamige Infobox über Fachartikel zum Auswahlprozess und enthält Links zu empfehlenswerten Übersichtsseiten mit Produktvergleichen, die regelmäßig aktualisiert werden.

Gerne treten wir in einen Dialog mit Ihnen sowohl zum ELN-Wegweiser als auch zum Thema insgesamt. Auch wenn Sie weiteren Beratungsbedarf haben, stehen wir gerne zur Verfügung. Wir freuen uns auf Ihre Kommentare und Fragen hier im Blog oder per E-Mail an forschungsdaten@zbmed.de.


Zum ELN-Wegweiser


Weiterführende Links:

Aufbau einer Community für digitale Kompetenz bei ZB MED: Carpentries und HackyHours

Ein Ort, an dem alle zusammenkommen können, um sich auszutauschen und voneinander zu lernen

Von Eva Seidlmayer, Konrad Förstner, Silvia Di Giorgio, Chris Erdmann

Für ZB MED gehören Trainingsaktivitäten zum Aufbau datenwissenschaftlicher Fähigkeiten zu den zentralen Aufgaben und wichtigen Services. Dafür bietet das Informationszentrum Library und Software Carpentry Workshops an. Es spricht damit sowohl die Bibliotheks- als auch die lebenswissenschaftliche Community an. Inzwischen halten im ZB MED-Team drei zertifizierte Instruktorinnen und Instruktoren (Silvia Di Giorgio, Till Sauerwein, Konrad Förstner) die Workshops ab. Außerdem ist Konrad Förstner zertifizierter Trainer zur Ausbildung der Instruktoren. Darüber hinaus unterstützen weitere Teammitglieder die Durchführung und Weiterentwicklung der Carpentry Workshops:

Der erste Software Carpentry Workshop bei ZB MED mit Silvia di Giorgio.

First Software Carpentry Worshop at ZB MED with Silvia di Giorgio.

  • Git – Eva Seidlmayer und Silvia Di Giorgio
  • Python – Konrad Förstner
  • Wikidata – Muhammad Elhossary, Till Sauerwein und Konrad Förstner.

Seit Mitte 2018 hat das ZB MED-Team fünf interne Library Carpentry Workshops und einen externen Software Carpentry Workshop veranstaltet. Weitere Workshops fanden an der Universität zu Köln, dem ZBIW, der TIB Hannover, dem DRL Berlin, der FU Berlin und der TU Wien statt.

Nach der Veranstaltung stellt sich immer wieder eine Frage: Was passiert nach einem Library Carpentry Workshop?

Die Workshops geben den Teilnehmenden Starthilfe. Danach müssen sie selbst weiter machen und das Gelernte anwenden. Um diese kontinuierliche Weiterbildung zu unterstützen, veranstaltet ZB MED wöchentlich HackyHours – informelle Treffen, bei denen sich die Teilnehmenden über Code, Tools und Forschung austauschen können. Den Namen und das Konzept haben Till, Silvia und Konrad aus Würzburg mitgebracht, wo sie mehrere Software Carpentry Workshops mit anderen Dozentinnen und Dozenten gehalten haben. Bei den HackyHours wird Kaffee angeboten – natürlich kostenlos – und alle können Themen mitbringen. Es liegt an den Moderatorinnen und Moderatoren, die Interessen und Anforderungen der Teilnehmenden gleichermaßen zu beachten.

HackyHour am Standort Bonn von ZB MED

Die HackyHour findet meist am Standort Köln von ZB MED statt, gelegentlich aber auch am Standort Bonn.

Neben den unterschiedlichen Hintergründen und Kenntnissen müssen die HackyHour-Moderatorinnen und -Moderatoren bei ZB MED auch die Sprachbarrieren berücksichtigen. Während die Beschäftigten von ZB MED überwiegend Deutsch sprechen, sprechen die meisten wissenschaftlich Mitarbeitenden neben ihren jeweiligen Muttersprachen auch Englisch. Trotz dieser Herausforderungen ist das Team bestrebt, die HackyHours integrativ zu gestalten und allen die Teilnahme zu ermöglichen. Dabei wird Englisch gesprochen und bei Bedarf gibt es eine simultane Peer-to-Peer-Übersetzung ins Deutsche.

Die HackyHours-Themen sind sehr vielfältig und variieren von Woche zu Woche, da sie oft von Zeitplänen und Terminen beeinflusst werden. Seit November 2018 sind nicht nur Interne, sondern auch Kolleginnen und Kollegen aus anderen Institutionen beteiligt. Die Themen reichen von der Einführung in Python, Erfahrungen mit verschiedenen integrierten Entwicklungsumgebungen bis zu Single-Board-Computer-Arduino-Projekten und Docker-Containern.

Prof. Rebholz-Schuhmann, Wissenschaftlicher Direktor von ZB MED, sagt: „HackyHours bei ZB MED geben den Menschen die Möglichkeit, sich zu treffen, verschiedene Themen auszutauschen und zu diskutieren und weiter zu lernen. Das ist eine wichtige Aufgabe für uns als Informationszentrum.“

ZB MED und seine Community sind gespannt, wie sich die HackyHours und die Teilnehmenden in naher Zukunft weiterentwickeln werden. Die Kombination aus den Carpentries Trainings und HackyHours bietet einen hilfreichen und sinnvollen Rahmen für den Ausbau der digitalen Kompetenz und die Vorbereitung des Informationszentrums auf die Weiterentwicklung der Forschungsdienstleistungen.


Dieser Artikel ist übertragen aus dem Englischen Blog-Beitrag
Building a Community for Digital Literacy at ZB MED: The Carpentries and HackyHours, erschienen im Blog der Library Carpentry am 19.6.2019.

Er ist unter einer Creative Commons Attribution 4.0 International License lizenziert.

Autorinnen und Autoren: Eva Seidlmayer, Konrad Förstner, Silvia Di Giorgio, Chris Erdmann
Übersetzung: Ulrike Ostrzinski


Weitere Informationen:

The Carpentries
Library Carpentry
HackyHour Cologne

Was uns im März bewegt hat – Aktuelles zu Open Science, FAIR Data und Digitalisierung …

Auf unserem Twitter-Kanal informieren wir über aktuelle Artikel, Blogposts, Podcasts etc., die sich mit Entwicklungen rund um Open Science, FAIR Data oder allgemein mit der Digitalisierung befassen. Einmal im Monat geben wir Ihnen an dieser Stelle einen kurzen Überblick mit Beiträgen, die uns besonders bewegt haben. Im März war das natürlich die Open Science Conference mit dem dazugehörigen Bar Camp und die Dokumentation dazu im Open Science Radio. Aber es gab auch noch anderes zu berichten:

Was uns im Februar bewegt hat – Aktuelles zu Open Science, FAIR Data, Digitalisierung …

Auf unserem Twitter-Kanal informieren wir über aktuelle Artikel, Blogposts, Podcasts etc., die sich mit Entwicklungen rund um Open Science, FAIR Data oder allgemein mit der Digitalisierung befassen. Einmal im Monat geben wir Ihnen an dieser Stelle einen kurzen Überblick mit Beiträgen, die uns besonders bewegt haben. Im Februar war das zum Beispiel das Thema FAIR Data und dazu auch der Sprint „Top 10 FAIR Data & Software Things“ oder der Plan S.

Was uns im Dezember bewegt hat – Aktuelles zu Open Science, FAIR Data, Digitalisierung …

Auf unserem Twitter-Kanal informieren wir über aktuelle Artikel, Blogposts, Podcasts etc., die sich mit Entwicklungen rund um Open Science, FAIR Data oder allgemein mit der Digitalisierung befassen. Einmal im Monat geben wir Ihnen an dieser Stelle einen kurzen Überblick mit Beiträgen, die uns besonders bewegt haben. Im Dezember war das zum Beispiel der World Digital Preservation Day, der ZB MED-Workshop zum Predatory Publishing oder Blogchain in der Wissenschaft.

https://twitter.com/Lambo/status/1075357791873830912

 

Was uns im November bewegt hat – Aktuelles zu Open Access, FAIR Data, Digitalisierung …

Auf unserem Twitter-Kanal informieren wir über aktuelle Artikel, Blogposts, Podcasts etc., die sich mit Entwicklungen rund um Open Access und FAIR Data oder allgemein mit der Digitalisierung befassen. Einmal im Monat geben wir Ihnen an dieser Stelle eine Zusammenfassung der Themen, die uns besonders bewegt haben. Im November war das zum Beispiel die Nationale Forschungsdateninfrastruktur, insbesondere NFDI4Life, das Konsortium für die Lebenswissenschaften, oder der Top 10 FAIR Data Things Sprint. Und dann waren auch noch der Tag der Computersicherheit und der World Digital Preservation Day …

https://twitter.com/libcce/status/1068051674646945792