Aufbau einer qualitätsgesicherten Open-Access-Publikationsplattform – die drei wichtigsten Überlegungen aus Sicht einer Publikationsmanagerin

von Ursula Arning

Konkrete Hilfestellungen beim Aufbau einer qualitätsgesicherten Open-Access-Publikationsplattform stellen bisher ein Desiderat in der Praxis vieler wissenschaftlicher Bibliotheken dar. Fragen wie „Was muss ich beachten, wenn ich eine Publikationsplattform aufbauen möchte?“, „Welche Ressourcen habe ich dazu zur Verfügung?“ und „Wie kann ich zeigen, dass die Plattform vertrauenswürdig ist und allen qualitativen Ansprüchen genügt?“ tauchen bei allen auf, die sich mit dem Gedanken tragen, eine OA-Publikationsplattform aufzubauen. Dieser Blogbeitrag stellt die drei wichtigsten Überlegungen dazu dar.

1) Projektmanagement:

Wie bei jedem Projekt sind auch hier die Grundsätze des Projektmanagements anwendbar. Ganz zu Beginn sollten daher die Konzeptionierung und damit die Festlegung des Verwendungszwecks der Plattform stehen. Dazu zählt zwingend auch eine Zeitplanung:

Inhaltlich: Beim Aufbau einer Plattform ist zuallererst die Frage zu stellen, ob die Institution den Grünen Weg, also insbesondere Zweitveröffentlichungen, unterstützten möchte oder mit ihrer Plattform Erstveröffentlichungen im Open Access Gold ermöglichen wird. Sollen eventuell auch Forschungsdaten veröffentlicht werden? Kann es Gründe geben, nicht sofort alles offen (Open Access) zur Verfügung zu stellen? Ist in dem Falle eine Embargo-Funktion anzubieten, so dass die Artikel nach dieser Zeit automatisch freigeschaltet werden? Welchen Zeitraum soll diese Frist umfassen? Weitergehend ist zu entscheiden, welche Publikationsarten veröffentlicht werden – handelt es sich also um Zeitschriften, Bücher oder Kongresse? Und welche Besonderheiten sind dementsprechend beim Publikationsprozess zu erwarten? Je nach Disziplin verläuft das Review-Verfahren unterschiedlich. Auch die Frage der Lizenzvergabe (z.B. Creative Commons) für die Publikationen sollte möglichst zu Anfang geklärt werden. Um allen Beteiligten auf einen Blick ihre Rechte und Pflichten darzustellen, ist es hilfreich, diese Punkte in einer öffentlich zugänglichen Policy transparent zusammenzufassen.

Technisch: Die konzeptionellen Inhalte wirken sich auf die Wahl der zur nutzenden Infrastruktur aus. Welches System ist dafür am besten geeignet? Soll es ein Open-Source-System sein? Gibt es Gründe, warum man lieber ein System einkaufen möchte? Welche technischen Entwicklungen sind bereits vorhanden? Dazu gehören Überlegungen zur Stabilität bzw. Leistungsfähigkeit des Systems. Ist z.B. mit einer Expansion des Publikationsverhaltens zu rechnen, so dass eine Skalierbarkeit der Server notwendig ist? Wenn nur eine Zeitschrift publiziert wird oder nur Text sind die benötigten Speicherplatzkapazitäten andere, als wenn man plant, mehrere Zeitschriften oder zusätzlich dazugehörige Forschungsdaten zu veröffentlichen. Wie sieht es mit der Langzeitarchivierung der Veröffentlichungen aus? Gibt es schon Lösungen dazu im Haus? Welche Schnittstellen dazu muss die Plattform aufweisen? Auch Überlegungen zur Barrierefreiheit sowie der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) sollten von Anfang an mit bedacht werden, um entsprechende und kompatible Publikationsformate zu erstellen.

Zeitplan: Umso konkreter der Zeitplan erstellt wird, umso valider ist die Kalkulation beispielsweise bezüglich des benötigten Personals. Viele zu erledigende Schritte hängen miteinander zusammen und sind bei einem guten Projektmanagement miteinander in Verbindung zu bringen und zu überwachen: Bis zu welchem Zeitpunkt sind welche Meilensteine beim technischen Aufbau der Plattform abgeschlossen? Ab wann kann mit den ersten Veröffentlichungen gerechnet werden? Ab wann sind erste Marketingmaßnahmen und Akquise der Publikationen sinnvoll? Wer ist wann über die Plattform und deren Entwicklung in Kenntnis zu setzen? Müssen Workshops zur Nutzung der Plattform eingeplant werden?

Tipp: Allgemein ist bei Entwicklungsprojekten von einer Verzögerung der Entwicklungsplanungen auszugehen und somit ein größerer Zeitpuffer einzuplanen.

2) Ressourcen

Unumgänglich sind auch Überlegungen zu den finanziellen Möglichkeiten. Dazu gehört eine möglichst genaue Kalkulation aller Kosten und die Gegenüberstellung aller vorhandenen und eventuell zusätzlicher benötigter Ressourcen, also sowohl Personal- als auch Sachkosten.

Personal: Die Planung der personellen Ressourcen baut auf der vorherigen konzeptionellen Entscheidung auf: Möchten Sie (nur) das technische System zur Verfügung stellen? Müssen Sie zumindest zeitliche Aufwände für den technischen Support berechnen? Bauen Sie zusätzlich eine Redaktion auf, die z.B. das Korrektorat übernimmt und eventuell auch das Management des Review-Prozesses, ist dieser Personalbedarf gesondert zu kalkulieren. Vielleicht möchten Sie über diese Services hinaus auch Beratungen rund um den Publikationsprozess wie auch zu urheberrechtlichen Fragen anbieten und ganz nah an den Forschenden arbeiten? Dafür benötigen Sie einen sogenannten Publikationsmanager, der die Akquise betreibt und den Publikationsworkflow begleitet. Während der Aufbauphase der Plattform sollten Sie einen Projektmanager einplanen, der den Fortgang des Aufbaus der Publikationsplattform überwacht und alle Beteiligten jeweils zusammenbringt, um möglichst zeitnah bei Problemen eingreifen zu können. Sie müssen sich bei den Planungen auch darüber klarwerden, welche Kompetenzen im Sinne von Fähigkeiten und (Fach-)Kenntnissen die einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben sollten. Können Sie dafür Personal aus der Belegschaft gewinnen, das sich für diese neue Arbeit engagieren möchte (eventuell nach einer Fortbildung oder Zusatzqualifikation) oder benötigen Sie neue Kolleginnen und Kollegen für die entsprechend Ausschreibungen vorbereitet werden müssen?

Sachkosten: Die Kosten für die aufzubauende Infrastruktur sind nicht zu unterschätzen. Auch wenn man sich für eine Open-Source-Lösung entscheidet, die kostenlos zur Verfügung steht, werden kleinere Entwicklungsarbeiten für institutionelle Anpassungen anfallen. Auch wird man sich um Lösungen bezüglich Wartung und Hosting der Plattform kümmern müssen. Wie viele Server oder virtuelle Maschinen sowie Lizenzen müssen eingeplant werden? Und schon in kleinere Details gehend: Gibt es ein Sicherheitszertifikat für die Webseiten?

Wie hoch die finanziellen Aufwände dafür einzurechnen sind, hängt davon ab, ob eine Auftragsvergabe an einen Drittanbieter (Entwicklungsfirma außer Haus nach einem entsprechenden Ausschreibungsverfahren) erfolgt oder man auf spezifische Kompetenzen im Haus zurückgreifen kann, die eventuell intern verrechnet werden.

Tipp: In Betracht zu ziehen ist, dass für den Aufbau der Infrastruktur eventuell Fördermittel (z.B. durch die DFG) zur Verfügung stehen.[1]

3) Qualität

Schon beim Aufbau von Publikationsplattformen, sei es Gold oder Grün, sollte auf die Qualitätssicherung geachtet werden. Dazu stehen z.B. die Vorgaben bzw. Empfehlungen der DINI e.V. (Deutsche Initiative für Netzwerkinformation e.V.)[2] quasi als Anleitung zur Verfügung, die im besten Fall in der Zertifizierung der Plattform münden. Zu den bekanntesten internationalen Entwicklern von Qualitätskriterien und deren Standards gehören die Open Access Scholarly Publishing Association (OASPA)[3], bei der man Mitglied werden kann, wenn man deren Kriterien erfüllt. Die Mitgliedschaft bedeutet damit quasi ein Qualitätssiegel. Im Bereich der Publikationsethik ist die Initiative Committee on Publication Ethics (COPE)[4] zu nennen, auf deren Kriterien man zumindest auf den Webseiten oder in den Policies verweisen sollte. Des Weiteren haben die Initiativen OpenAIRE[5] und Plan S[6] Qualitätskriterien herausgegeben, die für die Plattformen verbindlich zu beachten sind, sollten auf ihnen Publikationen veröffentlicht werden, die von den Partnern gefördert wurden.

Zu den Begutachtungskriterien gehören allgemein die Zugänglichkeit der Plattform, die Sichtbarkeit, die Zurverfügungstellung von Schnittstellen und Statistiken sowie die Beachtung rechtlicher Bestimmungen, die (Langzeit-)Archivierung wie auch die Nachhaltigkeit des Angebots. Die Plattformen entsprechen bei Erfüllung den höchsten Qualitätskriterien und Standards und werden von den Herausgeberinnen und Herausgebern sowie den Autorinnen und Autoren somit als vertrauenswürdig wahrgenommen.

Weiterführend

ZB MED – Informationszentrum Lebenswissenschaften hat 2020 einen „Leitfaden zum Aufbau von Open-Access-Publikationsplattformen für den Goldenen und Grünen Weg“ [7] herausgebracht, der den oben vorgestellten Fragen detailliert nachgeht. Zusätzlich zu den konzeptionellen und finanziellen Überlegungen sind im Leitfaden auch nachnutzbare Open-Access-Gold- (bzw. -Grün) Softwarelösungen und Publikationstools verzeichnet, mit denen bereits einige Plattform-Betreiberinnen und -Betreiber arbeiten. Zusätzlich werden technische Anforderungen an OAI- und OpenAIRE-Schnittstellen dargestellt, da es für Plattformen essentiell ist, dass die Veröffentlichungen auch sichtbar sind und in die gängigen Datenbanken eingespeist werden. Darüber hinaus helfen die Definitionen wichtiger Begriffe – dargestellt in farblich gekennzeichneten Boxen – Einsteigerinnen und Einsteigern beim Einarbeiten in die Thematik.

Wenn Sie selber mit ein bisschen technischem Know-how ein System testen möchten, steht Ihnen z.B. die VirtualBox des hbz NRW (Hochschulbibliothekszentrum des Landes NRW) zur Verfügung: https://github.com/hbz/to.science/tree/master/vagrant/ubuntu-14.04

Fazit:

Der Aufbau einer Publikationsplattform muss gut überlegt sein, da er einiges an Ressourcen bindet. Dafür kann man seinen Forschenden eine qualitätsgesicherte, vertrauenswürdige Publikationsplattform anbieten. Inzwischen gibt es aber auch viele Partner im öffentlichen Bereich, die z.B. Open-Source-Systeme als kooperative Lösung anbieten und das Hosting und die Wartung übernehmen. Dazu zählt neben dem PUBLISSO-System z.B. auch das Open Journal System (OJS)[9].

Um bei den konzeptionellen Planungen nicht alleine zu stehen, empfiehlt sich der Austausch. Wertvolle Unterstützung können in diesem Bereich beispielsweise Mitglieder der AG Universitätsverlage oder der DINI AG elektronisches Publizieren (DINI e-Pub) durch ihre eigene jahrelange Arbeit und Erfahrung leisten.

* Dieser Blogbeitrag ist auch im Blog der DINI AG FIS & E-Pub erschienen sowie in der englischen Version im Blog der IFLA Section Academic and Research Libraries


Quellen:

[1] Vgl. https://www.dfg.de/foerderung/programme/infrastruktur/lis/index.html [zuletzt abgerufen: 24.02.2021].
[2] Siehe https://dini.de/dienste-projekte/dini-zertifikat/ [zuletzt abgerufen: 24.02.2021].[3] https://oaspa.org/ [zuletzt abgerufen am 24.02.2021].
[4] https://publicationethics.org/ [zuletzt abgerufen am 24.02.2021].
[5] Siehe https://www.openaire.eu/ [zuletzt abgerufen am 24.02.2021].
[6] Siehe https://www.coalition-s.org/ [zuletzt abgerufen: 24.02.2021].
[7] Der Leitfaden ist im Rahmen des vom BMBF geförderten Projekts „SynOA-Pub“ entstanden und gründet auf Interviews mit Software-EntwicklerInnen von Publikationsplattformen sowie auf den eigenen Erfahrungen beim Aufbau der PUBLISSO – Publikationsplattform Gold und dem PUBLISSO – Fachrepositorium Lebenswissenschaften. Hinzugezogen wurden Standards, wie sie im Hinblick auf die Erlangung des DINI-Zertifikats bereits etabliert wurden oder für die Erfüllung der Vorgaben aus Plan S wichtig sind. S. Beringer, C, Arning, U (2020), Leitfaden zum Aufbau von Open-Access- Publikationsplattformen für den Goldenen und Grünen Weg, DOI: 10.4126/FRL01-006419770.
[8] https://www.publisso.de/open-access-publizieren/ [zuletzt abgerufen: 24.02.2021].
[9] https://ojs-de.net/start [zuletzt abgerufen: 24.02.2021].

ELN-Filter hilft bei der Auswahl von ELNs für die Lebenswissenschaften – neuer Service von PUBLISSO

von Beatrix Adam und Birte Lindstädt

In Ergänzung zum ELN-Wegweiser, der für das nötige Hintergrundwissen zum Thema Auswahl und Einführung eines Elektronischen Laborbuchs sorgt, stellt PUBLISSO den ELN-Filter im Excel-Format zum Download zur Verfügung. Es handelt sich dabei um fünfzehn Tools, die anhand folgender Fragestellungen ausgewählt wurden:

  • Ist das Tool auf die Lebenswissenschaften zugeschnitten oder kann es entsprechend konfiguriert werden?
  • Kann mit einer ausreichenden Stabilität im Hinblick auf Marktpräsenz und Weiterentwicklung gerechnet werden?
    • Hat das Tool bereits einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt?
    • Existieren Veröffentlichungen zu seinem Einsatz?
  • Ist das Tool für die Einbindung in ein Forschungsdatenmanagement geeignet?

Eine Abfrage für die ELN-Auswahl maßgeblicher Kriterien fand Ende 2019 bei den Anbietern statt. Die Ergebnisse wurden in mehreren Tabellenblättern aufbereitet und analysiert.

Tabellenblatt Filterung nach Kriterien
In 18 Kategorien, von Bereitstellungsmodell bis Workflows, stehen circa 150 Kriterien zur Verfügung. Dabei kann, wenn nötig, eine bessere Übersichtlichkeit erzielt werden, indem für die eigene Auswahl nicht relevante Kriterien/Kategorien ausgeblendet oder gelöscht werden.

Tabellenblatt Filterung nach Kategorien

Abb.1: Auszug aus dem Tabellenblatt „Filterung nach Kategorien“

Das Tabellenblatt Erläuterungen zu den Kategorien enthält Informationen, die die Einschätzung ihrer Relevanz für die Nutzenden erleichtern sollen und enthalten wo nötig weitere Erläuterungen. So wurde zum Beispiel vorausgesetzt, dass alle Produkte einen Text- und Tabelleneditor haben, sodass dieses Merkmal nicht als Kriterium in der Kategorie Dateneingabe auftaucht.

Tabellenblatt Erfüllungsgrad der ELN-Tools
Das Datenblatt stellt dar, wie viele der abgefragten Merkmale die einzelnen Produkte aufweisen. Dabei kann der Erfüllungsgrad pro Kriterium, pro Kategorie und insgesamt betrachtet werden.

Auszug Tabellenblatt Erfüllungsgrad der ELN-Tools

Abb.2: Erläuterung des Tabellenblatt „Erfüllungsgrad der ELN-Tools“

Schließlich bietet das Tabellenblatt Übersicht ELN-Tools Links zur Webseite des jeweiligen Angebots und zur Nutzung im akademischen Rahmen. Ergänzend werden Referenzen aufgelistet und zu Praxisbeispielen verlinkt. Preismodelle für die akademische Nutzung sowie Informationen der Anbieter zur Nutzung der Tools im akademischen Bereich finden sich in weiteren Spalten.

Die entwickelte Tabelle stellt lediglich einen Auszug aus dem vielfältigen Angebot an kommerziellen sowie Open-Source-Tools dar. Die hohe Dynamik, mit der sich der Markt entwickelt, erschwert die Zusammenstellung von Informationen, die für einen längeren Zeitraum verlässlich sind. Die Anbieter entwickeln ihre Produkte weiter und ergänzen häufig nachgefragte Features. Daher kann es sich zum Beispiel lohnen, ein Produkt, das aufgrund der Usability favorisiert wird, aber nicht alle Kriterien erfüllt, nochmals eingehend zu prüfen. Viele Anbieter sind auch bereit, auf Kundenwünsche zu reagieren und Funktionen zu entwickeln, wenn die Anforderung für die akademische Landschaft insgesamt von Nutzen ist. Bei Open-Source-Produkten kann man selbst aktiv an der Entwicklungscommunity teilnehmen oder spezielle Lösungen für die eigene Institution entwickeln.

Haben Sie Fragen? Brauchen Sie weitere Informationen? Gerne beraten wir Sie hinsichtlich der Auswahl und Einführung eines Elektronischen Laborbuchs.

Kontakt: forschungsdaten@zbmed.de

Weiterführende Links:

Zum Download-Link des ELN-Filters

Informationen zu ELNs auf der PUBLISSO Website: https://www.publisso.de/forschungsdatenmanagement/fd-dokumentieren/

PUBLISSO Website zum Forschungsdatenmanagement: https://www.publisso.de/forschungsdatenmanagement/

 

ZB MED Wegweiser zu Elektronischen Laborbüchern in aktualisierter und erweiterter Fassung

von Beatrix Adam und Birte Lindstädt

Das Thema Elektronische Laborbücher (Electronic Lab Notebook ELN) gewinnt in der deutschen und internationalen Forschungslandschaft zunehmend an Bedeutung. Immer mehr Forschungseinrichtungen nutzen die Vorteile eines ELN. Im Videopodcast Nachgefragt erklärt Birte Lindstädt, Leitung Forschungsdatenmanagement bei ZB MED, welche Vorteile die Einführung eines ELN hat, worauf zu achten ist und warum die gute wissenschaftliche Praxis und Elektronische Laborbücher Hand in Hand gehen:

Erfahrungen mit Elektronischen Laborbüchern

Dort, wo es bereits eingeführt wurde, stellen sich Herausforderungen hinsichtlich des Monitoring und der Integration des ELN in das Forschungsdatenmanagement (FDM). In Einrichtungen, in denen das ELN der Initialfunke zur Etablierung eines FDM war, werden im Anschluss an seine Einführung unter anderem Lösungen zur zentralen Datenspeicherung, zur Langzeitarchivierung und zur Verknüpfung mit einem Repositorium, aufgebaut.

Daneben rücken auch rechtliche Rahmenbedingungen in den Fokus, wie zum Beispiel die Einbeziehung des Personalrats bei der Einführung. Je nach Bundesland gibt es unterschiedliche gesetzliche Regelungen in welcher Form der Personalrat einzubeziehen ist.

Titelseite ELN-Wegweiser zweite AuflageParallel dazu zeigt sich der Markt für Elektronische Laborbücher sehr dynamisch: die Anbieter bauen ihre Produkte aus und gehen Allianzen ein, um den wachsenden Anforderungen, beispielsweise hinsichtlich Usability, Features, Konnektivität, Beweissicherheit, gerecht zu werden.

Vor diesem Hintergrund ist die zweite aktualisierte und erweiterte Fassung des ELN-Wegweisers in neuem Layout erschienen.

Die Neuerungen im Überblick:

Neues Kapitel: Rechtliche Rahmenbedingungen Infobox zu rechtlichen Rahmenbedingungen für ELN

In einem neuen Kapitel wird die Einbeziehung des Personalrats bei der Einführung eines ELN behandelt. Neben Hintergrundinformationen zur Gesetzgebung werden praktische Tipps zur Umsetzung und Planung an die Hand gegeben.

Eine dazu gehörige Infobox enthält Links zu weiteren Informationen.

Neue Best-Practice-Beispiele

Wir freuen uns, dass wir weitere Interviewpartner gewinnen konnten, die die Einführung eines ELN an ihrer Einrichtung maßgeblich mitgestaltet haben:

  • Universität und Universitätsklinikum zu Köln – lizensiertes Produkt: eLabJournal
  • Leibniz-Institut für Alternsforschung, Jena – lizensiertes Produkt: RSpace

Alle Fallbeispiele in der Übersicht:

Alle Fallbeispiele zur Einführung von ELNs auf einen Bilck

 

Infoboxen mit aktualisierten und neuen Links

  • Umstieg vom Papierlaborbuch zum ELN/Einführung in das Thema ELN
  • Das ELN als Baustein im Lebenszyklus von Forschungsdaten
  • Literatur zu Best-Practice-Beispielen
  • Ausschreibungen für ELNs können Impulse geben

Infoboxen zu Einführung und Ausschreibung zu ELNs

Gerne treten wir in einen Dialog mit Ihnen sowohl zum ELN-Wegweiser als auch zum Thema insgesamt. Auch wenn Sie weiteren Beratungsbedarf haben, stehen wir gerne zur Verfügung. Wir freuen uns auf Ihre Kommentare und Fragen hier im Blog oder per E-Mail: forschungsdaten@zbmed.de.

Weiterführende Links:

Zum Inhaltsverzeichnis und Download des ELN-Wegweisers:
https://www.publisso.de/forschungsdatenmanagement/fd-dokumentieren/eln-wegweiser/

Informationen zu ELNs auf der PUBLISSO Website: https://www.publisso.de/forschungsdatenmanagement/fd-dokumentieren/

PUBLISSO Website zum Forschungsdatenmanagement: https://www.publisso.de/forschungsdatenmanagement/

Das nehmen wir aber jetzt persönlich! – Analyse von SPAM-Mails von Zeitschriften und Konferenzen

Von Julia Bartlewski und Jasmin Schmitz

Einleitung: Warum sind SPAM-Mails ein Problem?

Wenn Betreibende von Zeitschriften und Organisator*innen von Konferenzen massenhaft E-Mails versenden, um Einreichungen einzuwerben oder um zur Mitarbeit als Herausgebende oder Begutachtende aufzufordern, dann handelt es sich möglicherweise um Predatory Journals und Predatory Conferences. Predatory Journals sind Open-Access-Zeitschriften, die Publikationsgebühren verlangen, aber keine verlegerische und/oder redaktionelle Leistung anbieten. Das „Geschäftsmodell“ wird mittlerweile auch auf Konferenzen übertragen. Hier geht es dann um die betrügerische Einnahme von Konferenzgebühren, die Konferenz findet entweder nicht statt oder in einem Rahmen, der einen fruchtbaren wissenschaftlichen Austausch unmöglich macht. Auch hier werden Beiträge meist nicht hinreichend begutachtet.
Wichtig mit Blick auf die Zeitschriften zu wissen: Das Gros der Open-Access-Zeitschriften ist seriös und wendet die in der jeweiligen Disziplin üblichen Qualitätssicherungsmaßnahmen (Peer Review) an. Daneben gibt es auch noch einen nicht quantifizierbaren Graubereich von Zeitschriften, die seriöse Absichten haben, die aber die Publikationsstandards nicht oder noch nicht erfüllen. Um diese nicht zu diskriminieren, bietet sich das Prüfen anhand eines Kriterienkatalogs an.

Analyse des E-Mailsaufkommens

Auch die PUBLISSO Publikationsberatung und andere nicht-wissenschaftliche Bereiche von ZB MED erhalten regelmäßig solche SPAM E-Mails, was umso verwunderlicher ist, da man hier eher punktuell im Rahmen von kleineren Projekten wissenschaftlich tätig ist und deshalb weniger publiziert als in den ZB MED Forschungsprojekten. Zwar ist die Zahl deutlich kleiner als bei Forschenden – manche berichten von mehr als 1.800 E-Mails in zwei Jahren[1]. Das hat umso mehr die Neugierde geweckt, zu analysieren, wie die, die die SPAM-Mails-versenden, Mailadressen auswählen und welche inhaltlichen Auffälligkeiten es gibt.

Hierzu wurden die E-Mails von Zeitschriften und Konferenzen, die im Zeitraum Januar 2019 bis Juni 2020 an die Mailadressen publikationsberatung [at] zbmed [punkt] de und an die persönliche Adresse der Abteilungsleitung für die Publikationsberatung schmitz [at] zbmed [punkt] de versendet wurden, systematisch erfasst. Ebenfalls in die Analyse eingeflossen sind E-Mails, die an die persönliche E-Mailadresse der PUBLISSO Programmbereichsleitung arning [at] zbmed [punkt] de geschickt wurden oder von anderen Bereichen stammten (z.B. Pressestelle/ Marketing, allgemeine Mailadresse für das Suchportal LIVIVO und für das Infocenter) und zwecks Überprüfung/ Konsultation an die Publikationsberatung weitergeleitet wurden. Diese wurden nicht systematisch gesammelt, so dass sich auch Lücken ergeben können.

Insgesamt wurden 124 E-Mails gesammelt.

Grafische Abbildung über die Verteilung der gesammelten E-Mails

Abbildung 1: Zeitliche Verteilung der gesammelten E-Mailsim Untersuchungszeitraum (Januar 2019 bis Juni 2020)
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Es zeigt sich, dass mehr E-Mails zu Zeitschriften (n=85) als zu Konferenzen (n=39) versendet wurden. Abbildung 2 zeigt das E-Mail-Aufkommen sortiert nach Mailkonten.

Grafische Abbildung über Verteilung der E-Mails nach Empfänger

Abbildung 2: Verteilung auf unterschiedliche E-Mailkonten
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Es zeigt sich, dass im Januar, Mai und im Hochsommer derartige SPAM-E-Mails Konjunktur haben. Deutlich zu sehen ist auch die Abnahme an SPAM-Mails mit Beginn der COVID-19-Krise: Während im Januar 2020 noch 13 E-Mails eingegangen sind, lässt mit Februar – also mit Beginn der Diskussion um die Notwendigkeit von Reisebeschränkungen und möglichen Lock-Downs – das Aufkommen deutlich nach. Obwohl nach Juni 2020 das Sammeln eingestellt wurde, lässt sich aus dem subjektiven Eindruck heraus feststellen, dass auch bislang nicht das Niveau von 2019 erreicht wurde. Insbesondere das Versenden von Einladungen zu Konferenzen wurde weitestgehend eingestellt. Seit den Berichten über Erfolge bei der Impfstoffentwicklung Ende Oktober/ Anfang November 2020 nehmen die Anfragen allerdings wieder zu.

Analyse der Mailinhalte

Acht (7%) der E-Mails (drei von Zeitschriften und fünf zu Konferenzen) sind im SPAM-Filter des E-Mailservers gelandet und wurden aus Sicherheitsgründen nicht komplett zugestellt. Wegen fehlender Informationen wurden diese aus der inhaltlichen Analyse ausgeklammert. In die inhaltliche Analyse sind somit 116 E-Mails eingeflossen. Es wurden zwischen den E-Mail-Konten keine nennenswerten Unterschiede festgestellt, weshalb die E-Mails gemeinsam analysiert wurden.

Anrede

Mehr als ein Drittel der E-Mails (n=44; 38%) verzichtet auf eine Anrede oder verwendet eher ein unpersönliche Art der Ansprache wie „Dear Researchers/ Colleagues/ Authors“ o.ä., „Hello/Hi“; „Dear Sir/Madam“. Ebenfalls 38% (n=45) der E-Mails nehmen direkt Bezug auf Publikationen in bibliothekarischen Fachzeitschriften wie Information – Wissenschaft & Praxis, BIBLIOTHEK – Forschung und Praxis oder ZEITSCHRIFT FÜR BIBLIOTHEKSWESEN UND BIBLIOGRAPHIE und kopieren den Namen (einschließlich die der Ko-Autor*innen – falls vorhanden) auch direkt aus den Autor*inneninformationen des jeweiligen Artikels und setzen lediglich ein „Dear“ davor.  Ersichtlich wird dies, da Vornamen und Nachnamen vertauscht und durch ein Komma getrennt werden. Hieran wird deutlich, woher die Versender ihre Adressat*innen-Liste erhalten: Offenbar werden gezielt Zeitschriftenseiten durchforstet. Offensichtlich geschieht das automatisch, weil man bei einer intellektuellen Ermittlung erwarten würde, dass zumindest Vor- und Nachname in die richtige Reihenfolge gebracht werden. Interessanterweise werden hier wohl Seiten großer Verlage bevorzugt, weil ein Teil der Adressat*innen auch regelmäßig für Zeitschriften kleinerer Verlage schreibt, auf deren Artikel nicht Bezug genommen wird. 22% (n=25) wählen eine Anrede mit einer Kombination aus „Dear“ mit (Titel), Vornamen und Nachnamen: Hier liegt die Vermutung nahe, dass akademische Webseiten bzw. unsere institutionelle Website automatisch nach Namen und E-Mailadressen abgesucht werden.

E-Mails von Verlagen oder Einzelzeitschriften?

Analysiert wurde, ob die 82 E-Mails zu den Zeitschriften im Namen eines Verlages/einer Fachgesellschaft o.ä. versendet wurden. Hier stechen insbesondere zwei Institutionen hervor: Zum einen die „American Association for Science and Technology (AASCIT)“ mit 13 E-Mails (16%), die ausschließlich für Einreichungen bei der Zeitschrift „American Journal of Computation, Communication and Control“ wirbt und der Verlag „Science Publishing Group“, der mit insgesamt 32 E-Mails (39%) zu den Spitzenreitern an E-Mail-Versendern im Untersuchungsset gehört. Dieser wirbt insbesondere für Einreichungen für die Zeitschrift „American Journal of Information Science and Technology (AJIST)“ (14 E-Mails) und „Science Journal of Business and Management“ (17 E-Mails). Lediglich eine E-Mail wirbt für eine Einreichung beim „International Journal of Economics, Finance and Management Sciences“. Bei den Aktivitäten beider Verlage droht Verwechslungsgefahr. American Association for Science and Technology (AASCIT) aus unserem Untersuchungsset hat eine starke Ähnlichkeit mit der im Bereich Informationswissenschaft international sehr renommierten „The Association for Information Science and Technology (kurz: ASIS&T)“. Die vom Verlag „Science Publishing Group“ beworbene Zeitschrift „American Journal of Information Science and Technology (AJIST)“ weist wiederum vom Titel her starke Ähnlichkeiten mit der ASIS&T-Zeitschrift „The Journal of the Association for Information Science and Technology (abgekürzt: JASIST)“ auf. Alle übrigen 37 (45%) E-Mails verteilen sich auf Verlage, die lediglich maximal zwei bis drei E-Mails versendet haben oder bei denen die Zugehörigkeit der Zeitschrift nicht auf Anhieb ermittelbar ist.

Inhaltliche Analyse der E-Mails zu Zeitschriften

80 E-Mails zu Zeitschriften verteilen sich insgesamt auf 30 Zeitschriftentitel. Zwei weitere E-Mails wurden aus der Analyse ausgeschlossen, weil diese das komplette Zeitschriften-Portfolio bewerben. Bis auf wenige Zeitschriften, deren Betreibende häufiger um Einreichungen und Zusammenarbeit werben (siehe Analyse oben), haben 21 (26%) der Zeitschriften bzw. deren Betreibende nur eine E-Mail geschickt, für fünf der Zeitschriften wurden zwei oder drei E-Mails versendet (und auch immer an dasselbe E-Mail-Konto), lediglich für eine Zeitschrift wurden vier E-Mails verschickt und dabei auch unterschiedliche E-Mailkonten angeschrieben.

Grafische Abbildung über Verteilung der E-Mails nach Zeitschriftentitel

Abbildung 3: Verteilung des E-Mail-Aufkommens auf die Zeitschriften
– zum Vergrößern bitte das Bild anklicken

Des Weiteren fällt bei der Sichtung der E-Mails auf, dass der inhaltliche Zuschnitt der Zeitschriften eher breit ausfällt bzw. der fachliche Bezug zu der Arbeit der Adressat*innen nicht gegeben ist. Lediglich bei zwei Zeitschriften stimmt die fachliche Ausrichtung: DESIDOC Journal of Library and Information Technology (DRDO) und ITlib.Information Technologies and Libraries.

Auf eine endgültige Bewertung, ob die Zeitschriften tatsächlich Predatory Journals sind oder eher einem Graubereich zuzuordnen sind und somit über redliche Absichten verfügen, aber die gängigen Publikationsstandards noch nicht umgesetzt haben, wird verzichtet, weil aufgrund der fehlenden inhaltlichen Passfähigkeit ohnehin von einer Publikation dort unsererseits Abstand genommen wird. Dennoch werden einige wenige Kriterien abgeprüft und dokumentiert, um einen groben Eindruck zu erhalten. Für einige Angaben wurden die Websites der Zeitschriften konsultiert. Recherchen auf den Zeitschriften-Websites wurden im Juli und August 2020 durchgeführt.

Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass keine der Zeitschriften im Directory of Open Access Journals gelistet ist. Lediglich eine Zeitschrift behauptet, dort gelistet zu sein, die Angabe konnte aber nicht verifiziert werden. Bei noch jungen Zeitschriften ist es nicht verwunderlich, dass diese dort noch nicht gelistet sind. Das Aufnahmeverfahren braucht eine gewisse Zeit, so dass dies nicht als alleiniges Kriterium zur Bewertung von Zeitschriften herangezogen werden sollte. Dennoch ist das häufig ein wichtiges Kriterium für die Zeitschriftenbewertung, insbesondere um Publikationsgebühren finanziert zu bekommen. Allerdings wurden unsere Recherchen bei vielen der Zeitschriften einige Zeit nach Eingang der E-Mails durchgeführt, so dass doch verwunderlich ist, dass bis dato keine einzige Zeitschrift verzeichnet ist.

Was die Angaben zum Peer-Review-Verfahren angeht, so sind bei den meisten Zeitschriften Informationen dazu vorhanden, bei mehr als der Hälfe der Zeitschriften wird aber entweder das Verfahren nicht genau ausgeführt oder die Angaben sind sehr vage. Die fehlende Transparenz hier ist deshalb ein Problem, da Publikationen in Peer-Review-Zeitschriften häufig zentral für das Fortkommen im Wissenschaftsbetrieb sind. Wenn Forschende erst nach der Publikation feststellen, dass die Publikation keine im Fach übliche Begutachtung durchlaufen hat, ist diese für den Aufbau der Reputation unbrauchbar. Es fällt auf, dass etwa bei einem Drittel der Zeitschriften keine Angaben zur Höhe der Publikationsgebühren gemacht werden und die Zeitschriften, zu denen konkrete Angaben gemacht werden, zu mehr als der Hälfte relativ niedrige Gebühren (0-300 USD) verlangen. Hier stellt sich die Frage, wie diese kostendeckend arbeiten können bzw. ob diese noch anderweitig – z.B. institutionell – finanziert werden.

Abbildung Tabelle über Zusammenstellung von Kriterien für einzelne Zeitschriften

Tabelle 1: Zusammenstellung von Kriterien für einzelne Zeitschriften im Untersuchungsset
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Bei drei der beworbenen Zeitschriften besteht der Verdacht, dass es sich um sogenannte „hijacked journals“ handelt. Darunter versteht man Zeitschriften, die im Titel und Internetauftritt einer anderen Zeitschrift stark ähneln, so dass es hier zu einer Verwechslung kommen kann. Konkret betrifft das in unserem E-Mail-Set folgende Zeitschriften:

Abbildung Tabelle über Zusammenstellung der Hijacked Journals

Tabelle 2: Zusammenstellung der Hijacked Journals
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Inhaltliche Analyse der E-Mails zur Konferenzen

Insgesamt sind 39 E-Mails mit Einladungen zu Konferenzen bzw. Aufforderungen, entsprechende Einreichungen zu machen, eingegangen. Fünf wurden aus der inhaltlichen Analyse ausgeschlossen, weil diese vom SPAM-Filter des E-Mailbetreibers abgefangen wurden und daher keine inhaltlichen Informationen zur Verfügung standen. Alleine 21 der 34 verbleibenden E-Mails (62%) wurden vom International Institute of Informatics and Systemics (IIIS) verschickt und bewerben unterschiedliche Konferenzen, die alle in Orlando, Florida (USA) stattfinden. Insgesamt werden über das IIIS zehn Konferenzen beworben (teilweise auch gemeinsam in einer E-Mail), die bei genauerer Analyse oftmals zeitgleich stattfinden. Zudem werden „Special Tracks“ im Zusammenhang mit den genannten Konferenzen beworben. Die Teilnahmegebühren für alle Konferenzen sind einheitlich (640 USD für Mitglieder, 690 USD für Nichtmitglieder). In der Konferenzgebühr inbegriffen ist die Veröffentlichung eines 6-seitigen Proceedingpapers. Darüberhinausgehende Seiten werden zusätzlich bepreist, ebenso kann mittels Zahlung von weiteren 400 USD ein weiterer Proceedingbeitrag publiziert werden. Die Angaben zum Peer-Review-Verfahren sind dabei eher allgemein (zweistufig: offen bzw. Non-blind und Double-blind). Die E-Mails erhalten auch eine Ankündigung, dass die besten Artikel in der Zeitschrift „Journal of Systemics, Cybernetics and Informatics“ veröffentlicht werden; einer Zeitschrift, die bis 2017 im DOAJ gelistet wurde, bei der allerdings als Verlag das „International Institute of Informatics and Cybernetics“ angegeben ist. Wenngleich es nicht ungewöhnlich ist, dass professionelle Veranstalter regelmäßig Konferenzen organisieren, so ist doch verwunderlich, dass die Gebühren einheitlich kalkuliert werden und ein wissenschaftliches Institut alleine gleich mehrere Konferenzen in einem Jahr organisiert. Zudem fehlen Angaben darüber, wer für die inhaltliche Ausrichtung der jeweiligen Konferenz verantwortlich ist (Fachgesellschaft, Programmkomitee oder das organisierende Institut alleine).

Abbildung Tabelle über von IIIS beworbene Konferenzen

Tabelle 3: Von International Institute of Informatics and Systemics (IIIS) beworbene Konferenzen
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In drei E-Mails (9%) wird die Konferenz “Global Protection Cluster World Summit On Gender-Based Violence (GBV) Involves Men and Women, Youth and Terrorism Organization” beworben. Jeweils mit unterschiedlichen Jahresangaben bzw. Zahl, zum wievielten Mal die Konferenz stattfindet. Es handelt sich hier um eine Konferenz, die hintereinander an einem Ort in den USA und im Senegal stattfindet. In allen E-Mails wird darauf hingewiesen, dass die Teilnahme kostenlos ist und Teilnehmende lediglich die Unterbringungskosten im Senegal tragen müssen. Für ein US-Visum sorgen laut E-Mails die Konferenzveranstalter, auch um die Flüge wird sich gekümmert. Um weitere Informationen zu erhalten soll eine E-Mail an eine Gmail-Adresse geschickt werden. Auf die inhaltliche Ausrichtung der Konferenz wird nur rudimentär eingegangen.

Die übrigen zehn E-Mails (29%) verteilen sich auf neun weitere Konferenzen:

Abbildung über Tabelle zu sonstigen Konferenzen

Tabelle 4: In den E-Mails erwähnten sonstigen Konferenzen
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Bei der Sichtung fällt auf, dass lediglich eine Konferenz einen fachlichen Bezug zur beruflichen Domäne der Empfängerinnen hat. Diese ist auch die einzige, die einen detaillierten Zeitplan und Themenschwerpunkte benennt. Insgesamt sind die E-Mails so heterogen, dass eine gemeinsame Analyse schwerfällt. Allerdings fällt auf, dass lediglich zwei weitere E-Mails Auskunft über den inhaltlichen Zuschnitt einer Konferenz machen. Hinweise zu den Konferenzgebühren finden sich lediglich in zwei E-Mails. Bei zwei Konferenzeinladungen ist unklar, wann die Konferenz überhaupt stattfindet, bei vier Einladungen wird nicht deutlich, wer die Konferenz veranstaltet/organisiert. Bei drei weiteren Konferenzen können zusätzliche Informationen per E-Mail über eine Gmail-Adresse eingeholt werden.

Weitere Informationen zum Thema

FAQ zu Predatory Publishing: Predatory Publishing oder „Schwarze Schafe“ bei Open-Access-Zeitschriften auf publisso.de/open-access-beraten/faqs/predatory-publishing/

Danksagung

Wir danken unseren Kolleginnen Ursula Arning, Ulrike Ostrzinski, Elke Roesner und Heike Schmidt für die Weiterleitung der E-Mails.

 

 

[1] Burggren, W., Madasu, D.K., Hawkins, K.S. and Halbert, M., 2018. Marketing via Email Solicitation by Predatory (and Legitimate) Journals: An Evaluation of Quality, Frequency and Relevance. Journal of Librarianship and Scholarly Communication, 6(1), p.eP2246. DOI: http://doi.org/10.7710/2162-3309.2246

ZB MED Twitter-Challenge for the Open Access Week 2020

Like every year in October the international Open Access Week is taking place and for this year’s Open Access Week, held October 19-25, we started a challenge on Twitter asking: “Why are you supporting Open Access?”

For ZB MED, Open Access, the unlimited and free access to scientific information, and Open Science, the opening of the entire research process, are important fields of action: We promote open, reproducible research based on the principles of open science and FAIR data.

Reasons for supporting Open Access:

  • ZB MED – Information Centre for Life Sciences:

“We support #OpenAccess because #OpenScience needs good infrastructures.”

 

  • Prof. Dr. Ursula Arning, Head of the Department Open Science at ZB MED:

„I support OA because because it brings together researchers worldwide.“

 

On Twitter Moments we have collected a bunch of responses. But even though we couldn’t put all the answers in one place, you still can get an impression of how important supporting Open Access is by looking at all these reasons:

https://twitter.com/i/events/1321437954712211459

https://twitter.com/ZB_MED/status/1321822721991413763

 

 

Or take a look at some particular tweets:

 

Electronic Lab Notebooks in der Lehre

von Beatrix Adam und Birte Lindstädt

Gerade in Zeiten, in denen Präsenzunterricht nicht oder nur eingeschränkt möglich ist, stellt sich die Frage, ob Elektronische Laborbücher (ELN) dazu beitragen können, Forschende in ihrer Lehrtätigkeit, zum Beispiel bei der Erstellung von Online-Kursen und -Lehrmaterialien, zu unterstützen. Dabei kommen einige grundsätzliche Vorteile elektronischer Laborbücher auch in der Lehre zum Tragen. Das sind zum Beispiel die Verwendung von Vorlagen, der Import von Forschungsdaten und ihre Verlinkung mit der Dokumentation, die direkte Verbindung mit Messgeräten, möglicherweise der Zugriff auf Materialdatenbanken, die Möglichkeiten kollaborativen Arbeitens.

Darüber hinaus kann die Nutzung eines ELN an Stelle eines papiergeführten Laborbuchs mögliche Hürden hinsichtlich der Dokumentation der Forschungstätigkeit bei den Studierenden abbauen. Eine große Mehrheit nutzt bereits im Alltag die Möglichkeiten elektronischer Kommunikation, beispielsweise durch soziale Medien, sodass die Studierenden sozusagen im vertrauten Umfeld ihre fachliche Dokumentations- und Kommunikationsfähigkeit schulen können.1)

Verschiedenste Lehrmaterialien können direkt im ELN erstellt oder importiert werden, zum Beispiel standardisierte Vorlagen, Video- und Audiodateien, Bilder, Dokumente oder Links zu Online-Ressourcen. Dozierende können die Funktionen zum kollaborativen Arbeiten nutzen, um Materialien und angelegte Projekte zur Bearbeitung freizugeben. Dabei kommt die Möglichkeit der Vergabe spezifischer Nutzerrechte zum Tragen: es können beispielsweise Rollen mit Lese- und/oder Schreibrechten auf Dateien und Einträge definiert und Nutzenden zugewiesen werden.Einträge von Studierenden und bearbeitete Aufgaben können zeitnah und kollaborativ kommentiert, diskutiert und/oder benotet werden. Studierende können nach Abschluss des Projekts ihr Laborbuch ausdrucken oder elektronisch speichern (zum Beispiel als pdf-Export).Durch die genannten Vorteile einer computergestützten Vermittlung der Arbeitsschritte und Arbeitsweise im Labor kann die Qualität der Dokumentation von Forschungsprojekten durch Studierende verbessert werden.2) Darüber hinaus können Studierende an wichtige Inhalte des Forschungsdatenmanagements, wie etwa sinnvolle und richtige Vergabe von Metadaten, zielführende Nutzung von Such- und Filterfunktionen, Sinn und Zweck zentraler Speicherorte und der Langzeitarchivierung herangeführt werden. Die Möglichkeiten des kooperativen Arbeitens im ELN machen die Chancen wissenschaftlichen Austauschs erlebbar. Die Bedeutung Guter Wissenschaftlicher Praxis kann durch die Nutzung des ELN vermittelt werden anhand von Funktionen wie Versionskontrolle, Audit-Trail, elektronische Signatur.

Beispiel: Nutzung der Classroom Edition des ELN LabArchives

Beispiel: Nutzung der Classroom Edition des ELN LabArchives 3)

Einige Tools bieten eine (manchmal kostenlose) Classroom-Edition, z. B. LabArchives, eLabJournal, Labfolder, Rspace. (Diese Liste ist nicht vollständig und die Nennung der Produkte stellt keine Bewertung durch ZB MED dar.) Sicherlich kann aber auch bereits die „normale“ Version eines ELN mit den genannten Funktionalitäten in der Lehre gewinnbringend eingesetzt werden.

 

Quellen

1) Monica Dominique Okon, Tanya M. Nocera: Electronic Lab Notebooks Impact Biomedical Engineering Students’ Quality of Documentation and Technical Communication (2017), S. 2

https://peer.asee.org/electronic-lab-notebooks-impact-biomedical-engineering-students-quality-of-documentation-and-technical-communication.pdf

2) Sofia Robb, James M. Burnette, Alexandra Chaposkya, Krista Palmer, Susan R Wessler: An Open Source, Collaborative Electronic Notebook for Undergraduate Laboratory Classes (2015), S. 1

https://www.coursesource.org/courses/an-open-source-collaborative-electronic-notebook-for-undergraduate-laboratory-classes

3) Mary Muhlenhaupt, Mary Ann Wagner-Graham, Gary E. Kaplan: Electronic Notebooks to Facilitate Student Learning Within and Beyond the Classroom Poster (2019): https://jdc.jefferson.edu/tjufacultydays/54/

Weiterführende Informationen

Dr. Tracy Jane Puccinelli, John Murphy: Bringing technology to the First Year Design Experience through the use of Electronic Design Notebooks (2015)

https://www.asee.org/public/conferences/56/papers/14145/download

Amani Magid: Is It Worth It? Implementation of Electronic Lab Notebook Software Among the STEM Community at an American University in the UAE (2018)

https://www.asee.org/public/conferences/106/papers/23165/view

Miles A. Pufall  Anne M. Wilson: An idea to explore: A collaboration and cross training in an extended classroom‐based undergraduate research experience between primarily undergraduate and research‐intensive institutions

https://iubmb.onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/bmb.21340

Monica Dominique Okon, Tanya M. Nocera: The Student Educational Experience with Electronic Laboratory Notebooks (Work in Progress) (pdf)

https://www.asee.org/public/conferences/78/papers/19973/download

Nutzung der Classroom Edition des ELN LabArchives an der Columbia University (Video): https://eln.site.drupaldisttest.cc.columbia.edu/content/classroom-edition

Liste von 12 Videos zur Classroom Editon des ELN LabArchives: https://www.youtube.com/playlist?list=PLB32BF93AEA6F9DA7

Informationen zu Elektronischen Laborbüchern bietet der ELN-Wegweiser von ZB MED:

Elektronische Laborbücher im Kontext von Forschungsdatenmanagement und guter wissenschaftlicher Praxis – ein Wegweiser für die Lebenswissenschaften

ZB MED bietet Information und Beratung für Auswahl, Test und Einführung eines Electronic Lab Notebook (ELN/Elektronischen Laborbuchs).

Inhalt und Download:

https://bit.ly/2S02JeM

 

Sprechen Sie uns gerne an.

Kontakt: Birte Lindstädt (lindstaedt@zbmed.de) und Beatrix Adam (adam@zbmed.de)

Informationen in Zeiten von Corona

Coronavirus SARS-CoV-2: Hinweise auf verlässliche Quellen

Von Prof. Dr. Dietrich Rebholz-Schuhmann, Wissenschaftliche Leitung von ZB MED und Elke Roesner, Marketing und Kommunikation

  • Update 03.04.2020

Neu: LIVIVO hat eine spezielle COVID-19 / SARS-CoV-2 Collection: https://www.livivo.de/covid19

Die Spezialsuche ermöglicht die Recherche in rund 50.000 spezifischen Einträgen aus verschiedenen Quellen. In die LIVIVO COVID-19 Collection ist unter anderem das Open Research Dataset integriert. Zudem lassen sich auch die ganz aktuell relevanten Preprints aus bioRxiv und medRxiv finden.

ZB MED unterstützt mit diesem Angebot die dringende Forschung an COVID-19/SARS-CoV-2.

  • Update 31.03.2020

Die Anzahl an wissenschaftlichen Veröffentlichungen rund um das Coronavirus SARS-CoV-2 und die Erkrankung COVID-19 steigt stetig. Daher sichtet ZB MED frei zugängliche wissenschaftliche Veröffentlichungen und stellt sie auf der Website systematisiert zusammen. Die Liste wird regelmäßig aktualisiert.

https://www.zbmed.de/covid-19/publikationen/

Außerdem hat ZB MED eine Reihe von Services aufgebaut, um die Forschung zu unterstützen. Alles dazu finden Sie hier:

https://www.zbmed.de/covid-19/uebersicht/

  • Update 20.03.2020

Frei verfügbarer Content, der speziell für Medizinerinnen und Mediziner und Forschende von Interesse ist:

American Association for the Advancement of Science – neueste Nachrichten und Forschung zu COVID-19: https://bit.ly/2xadgfJ

American Medical Association – Informationen des JAMA Netzwerks über COVID-19: https://bit.ly/2U6vl7G

American Society of Clinical Oncology – Allgemeine Ressourcen und Informationen: https://bit.ly/3a95UHZ

American Society of Nephrology – Ressourcen für ambulante Dialyseeinrichtungen: https://bit.ly/2QwPYHP

American Society for Microbiology – Freier Zugang zu Forschungsartikeln über COVID-19 und Toolkit zur Verbreitung von Informationen: https://bit.ly/2wqwY6R

BioOne und ihre Verleger haben für das Jahr 2020 Artikel zum Thema SARS-CoV-2 über den offenen Zugang verfügbar gemacht: https://bit.ly/2WqgPJo

DUKE Uniiversity Press – Informationen darüber, wie wir die Verbreitung von übertragbaren Krankheiten steuern. Aufgeführte Bücher können bis zum 1.Juni 2020 online gelesen werden, und Zeitschriftenartikel sind bis zum 1.Oktober kostenlos: https://bit.ly/2WuLyFe

Microbiology Society – hat Artikel aus ihrem gesamten Portfolio zusammengestellt und diese Inhalte frei zugänglich gemacht: https://bit.ly/39cfFnH

New England Journal of Medicine – Sammlung von Artikeln und anderen Ressourcen über den Ausbruch des Coronavirus Sars-CoV-2: https://bit.ly/2QygQXP

The Royal Society – Austausch von Forschungsdaten und -ergebnissen, die für den Ausbruch des neuartigen Coronavirus relevant sind: https://bit.ly/2UoedJh

Springer Nature – Fernzugriff auf Inhalte von Springer Nature: https://bit.ly/2QwXN0i

JSTOR und partizipierende Verlage haben zeitlich begrenzt bis zum 30.6.2020 frei verfügbare Inhalte zur Verfügung gestellt: https://about.jstor.org/covid19/

University of Michigan Press hebt die Zugangsbeschränkungen für alle Titel der  University of Michigan Press Ebook Collection (UMP EBC)  ab dem 20.3. bis Ende April auf: https://bit.ly/33Fhuby

Evidenzbasierte Informationen:

Ein Team von Kolleginnen und Kollegen der Universitätsbibliothek Mainz hat evidenzbasierte Informationen zu SARS-CoV-2 zusammengestellt: https://bit.ly/2xMAOrh

Freie Inhalte von Amboss – der Lernplattform für Medizinstudierende:

AMBOSS, die Lernplattform für Medizinstudierende stellt Kapitel zu COVID-19 aus aktuellem Anlass frei zur Verfügung. Es kann auch ohne einen aktiven AMBOSS-Zugang genutzt werden: https://bit.ly/2QufugD

  • Update 19.03.2020

Sammlung von Preprint-Artikeln zu COVID-19

Die täglich wachsende Sammlung aller Artikel zu COVID-19 der Preprint-Server bioRxiv und medRxiv ist hier verfügbar:

https://bit.ly/2TZqoxb

Emerald Publishing unterstützt Forschende bei Veröffentlichung von Forschungsartikeln

Um Forschende dabei zu unterstützen, ihre Forschung weltweit zugänglich zu machen, nutzt Emerald Open Research eine innovative Open-Access-Forschungsplattform, die eine schnelle Veröffentlichung, eine offene Datenpolitik und einen offenen Peer-Review-Prozess unterstützt und hat einen Fond zur Deckung der Publikationskosten eingerichtet.Mehr dazu hier:

https://bit.ly/2TZnfxk

  • Update 18.03.2020

Videos zu COVID-19:

Corona-spezifische freie Videos sind hier zu finden: https://bit.ly/2x8guAg

Lernen von zu Hause – JoVE Education:

Unter dem folgenden Link kann man sich für JoVE Education freischalten lassen. Zielgruppe sind alle, die jetzt zu Hause lernen wollen/müssen (keine SARS-CoV-2-spezifischen Inhalte).

https://bit.ly/3a03f3r

  • Update: 17.03.2020

Artikelsammlung aus dem Portfolio von Mary Ann Liebert:

Die Artikelsammlung enthält wichtige akademische Forschungsarbeiten, die sich mit mit der Fragestellung zu globalen Ausbrüchen wie den des Coronavirus SARS-CoV-2 beschäftigen und ist bis Ende April kostenlos online verfügbar. https://bit.ly/2Qn6lH0

  • Update: 16.03.2020

Literatursammlungen aus dem Bibliotheksbereich:

Bibliothekarinnen und Bibliothekare weltweit haben in einem Dokument derzeit kostenlose von ansonsten lizenzierten Angeboten zu #Covid-19 zusammengestellt.

http://bit.ly/38OGKgk

Blogbeitrag vom 11.03.2020

In diesen Tagen kursieren viele Informationen – aber auch Fehlinformationen – zum Coronavirus SARS-CoV-2 und der dadurch ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19. Es entstehen Probleme allein dadurch, dass ein Teil der Informationen als widersprüchlich oder sogar als schädlich eingestuft werden müssen, im Gegensatz zu nützlichen Informationen.

Wir bei ZB MED – Informationszentrum Lebenswissenschaften haben eine medizinische Leitung und weisen hohe klassische bibliothekarische Kernkompetenz im Bereich der Medizin und den Lebenswissenschaften aus: Wir können seriöse Quellen aufzeigen. Wir sind keine ausgewiesenen Expertinnen und Experten für Pandemien.

Daher haben wir eine Reihe nützlicher Links zusammengestellt.

Weltweit registrierte Fälle in Echtzeit:

Zahlen zur Verbreitung des Virus mittels eines interaktiven webbasierten Dashboards – erstellt von der renommierten John Hopkins Universität –, das COVID-19 in Echtzeit trackt, finden Sie hier:

http://bit.ly/3aXnHSw

Der Blick auf die interaktive Karte zeigt auch, dass die Zahlen sich schnell ändern können und als situative Bestandsaufnahmen zu verstehen sind. Die Karte ermöglicht einen faktenbasiert Überblick über die Gesamtlage und die Relation zu anderen Ländern.

Zahlen aus Europa:

Das European Centre for Disease, Prevention and Control liefert tägliche Updates zur Situation in Europa: http://bit.ly/38P2RmJ

80% der infizierten Personen haben einen milden Verlauf der Krankheit, während die Krankheit für 6% kritisch ist: http://bit.ly/39Uk7bv

Zusammenfassung der Verbreitung von COVID-19:

Eine aktuelle Zusammenfassung der tatsächlichen Todesfälle in einem kurzen Überblick seit Ausbruch des Coronavirus findet sich hier:

http://bit.ly/2xC5QlC

Bewertung des Infektionsrisikos: Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts:

Das Robert-Koch-Institut hat Kontaktpersonen, die einen näher definierten Kontakt zu einem bestätigten Fall von COVID-19 hatten, in verschiedene Risikokategorien eingeteilt – von höheres bis geringes Infektionsrisiko – und listet empfohlenen Maßnahmen auf:

http://bit.ly/38VpFl0

Infektionsschutz für alle:

Die Zahlen zu COVID-19 und Influenza zeigen, dass grundsätzlich Infektionen vorgebeugt werden sollte. Nützliche Tipps für Bürgerinnen und Bürger bietet die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung unter: https://www.infektionsschutz.de/

Podcasts zu Corona SARS-CoV-2:

Aktueller Hörtipp: www.leibniz-gemeinschaft.de/tonspur-wissen mit der Folge:

„Corona-Virus – was kann die Wissenschaft tun?“

Die Moderatorin Ursula Weidenfeld spricht mit den Wissenschaftlern Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg und Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS in Bremen. Die Experten erläutern, was die Wissenschaft inzwischen über das neuartige Virus weiß, was die Forschung tun kann, um die Ausbreitung einzudämmen und die Menschen zu schützen, sowie die brennende Frage, wann wir mit einem Impfstoff rechnen können und wie der Weg dahin ist.

Ein tägliches Update zum Coronavirus SARS-CoV-2 und Covid-19 gibt auch Christian Drosten, Leiter der Virologie an der Charité, im Podcast von NDR Info:

https://www.ndr.de/nachrichten/info/podcast4684.html

 

Ein Ritt durch die Geschichte Wuppertals

von Joshua Klostermann Auszubildender bei ZB MED als Fachangestellter für Medien- und Informationsdienste im 2. Ausbildungsjahr

Hinter der alten Fassade versteckt sich mehr als man denkt. Im Gebäude des Stadtarchivs steckt die Kultur und die Geschichte Wuppertals. Auf über mehr als sechs Regalkilometern befinden sich Akten, Bilder und viele andere Archivalien rund um Wuppertal und die umliegenden Orte.

In diesen Blog möchte ich von meinen Erfahrungen in dem Stadtarchiv erzählen und über die Tätigkeiten berichten, die ich dort ausgeführt habe.

Das Stadtarchiv archiviert alles, was sich auf Wuppertal bezieht und bewahrt es für die Nachwelt dauerhaft auf. Auch für Nutzerinnen und Nutzer ist das Archiv zugänglich, um dort zu recherchieren. In der Regel sind es Erbenermittlerinnen und -ermittler, aber es kommen auch manchmal Schülerinnen und Schüler, Studierende und viele andere Interessierte ins Archiv, um etwas für eine Arbeit zu recherchieren. Für die Nutzerinnen und Nutzer hat das Archiv auch einen kleinen Lesesaal. Hier können sie sich über ein Bestellformular unter anderem Geburts-, Heirats-, und Sterberegister bestellen. Manche Nutzerinnen und Nutzer sehen sich auch mal alte Zeitschriften an, die zum Teil verfilmt im Archiv zu finden sind. Die verfilmten Zeitschriften bestehen zum größten Teil aus dem Generalanzeiger und der Wuppertaler Rundschau. Jeden zweiten Mittwoch kommen außerdem Familienforscherinnen und -forscher sowie Erbenermittlerinnen und -ermittler, die dann außerhalb der Öffnungszeiten ebenfalls in den Registern und Urkunden recherchieren.

Mein erster Tag begann mit der Besichtigung des Archivs selbst, das sich über vier Etagen erstreckt. Der größte Bestand ist den Sterbe-, Heirats- und Geburtsurkunden vorbehalten. Um in dieser Masse etwas finden zu können, gibt es zu den meisten Urkunden auch Register. Desweitern befinden sich auch noch Plakate, Bilder und diverse andere Medien in dem Archiv, wie auch die verschiedenen Akten aus den Verwaltungsabteilungen der Stadt Wuppertal.

Die Verzeichnung bzw. die Erfassung dieser Akten gehörte unter anderem zu meinen Aufgaben. Ich habe ausschließlich die Akten aus dem Kulturamt verzeichnet. Bei der Verzeichnung werden alle relevanten Themen aus der Akte in einer Access-Datenbank erfasst.

Wie schon vorher erwähnt gibt es auch Personen, die gerne etwas über ihre Vorfahren erfahren wollen, oder im Auftrag bestimmte Infos zu Personen brauchen. Diese Anfragen bearbeitet die Familienforschung. In der Regel erhalten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Briefe oder E-Mails mit den Anfragen. Oft werden die Adressen oder die Geburt-, Heirats- oder Sterbedaten einer oder mehrerer Personen erfragt. Für die Adressrecherche werden verfilmte oder digitalisierte Adressbücher oder Meldekarten benutzt. Die Adressbücher ab 1950 wurden digitalisiert und können am Computer eingesehen werden. Die Jahrgänge davor sind auf Mikrofichen am dazugehörigen Lesegerät einsehbar. Bei den Meldekarten waren alle vorhandenen Jahrgänge auf Mikrofilmen vorhanden. Die Recherche begann man immer mit den Adressbüchern, da man da grobe erste Infos erhalten konnte. Wenn dort nichts zu finden war, nahm man sich die verfilmten Meldekarteien vor. Hier gab es aber das Problem, dass aufgrund der Qualität oft nicht lesbar war, was darauf stand. Daher musste ich auch manchmal an die Originale dran gehen, die ebenfalls im Archiv zu finden waren. Wenn dann aber auch nichts gefunden wurde, bekam der Kunde eine Nachfrage nach weiteren Infos hat, die helfen könnten das Gesuchte zu finden. Aber wenn von Anfang an nur unzureichende Infos vorhanden sind, wird erst gar nicht recherchiert, sondern der Kontakt zum Kunden direkt aufgenommen. Manchmal kam es vor, dass auch Anfragen kamen, die nichts mit der Familienforschung zu tun hatten. Einmal hatte ich zum Beispiel eine Anfrage zu dem so genannten Frontkämpferbund.

Eine andere Aufgabe, die nur das eine Mal gemacht werden musste und sonst nicht zu den üblichen Aufgaben gehört, war das Entsorgen alter Gesetzestexte. Denn diese hatte das Archiv bereits doppelt in seinem Bestand. Und da man sie nicht veräußern konnte, mussten diese leider weggeworfen werden.

Außerdem gab es noch eine eher ungewöhnliche Aufgabe. Aufgrund eines Wasserschadens sind einige der Heiratsurkunden beschädigt worden. Deswegen werden diese nach und nach an eine Restaurationsstätte in Trier gebracht. Bei dem Verpacken der Urkunden habe ich ebenfalls mitgemacht.

Ein Teil des Archives beinhaltet die Zeitgeschichtliche Sammlung. In dieser sind Zeitschriften, Flyer und andere Informationsquellen rund um Ereignisse in Wuppertal enthalten. Die Wuppertaler Rundschau oder Zeitschriften anderer Stadtteile dienen hier unter anderem als Informationsquellen. Aus diesen werden alle interessanten Artikel herausgesucht und wie bei der Verzeichnung der Akten in eine Access-Datenbank eingetragen. Jeder Artikel wird aber nur in einem kleinen Absatz zusammengefasst. Anschließend werden die Zeitschriften und andere Quellen noch anhand einer Liste nach Zahlen sortiert und dann in ihre passenden Kartons in das Magazin gebracht.
Eine andere, sehr interessante Aufgabe war das Bewerten von Akten. Ich habe diese Tätigkeit nur einmal miterlebt, aber allgemein wird dies des Öfteren getan. Wir sind dann zum Wuppertaler Rathaus gefahren, um Akten aus dem Gewerbeamt einzusehen. In dem Fall wurden verfilmte Gewerbeanmeldungen und welche auf Papier bewertet. Am Ende wurde beschlossen, dass diese dann ins Archiv aufgenommen werden, um die Geschichte Wuppertaler Firmen und Geschäfte besser nachvollziehen zu können.
Dem Archiv wurden auch Bauakten übergeben, obwohl diese eigentlich nicht in das Sammelgebiet des Archivs fallen. Aber da diese nun mal im Archivgut sind, müssen sie auch verwaltet werden. Diese wurden aber leider unsortiert und ohne eine vorgegebene Sortierung ins Archiv gebracht und mussten deswegen komplett neu sortiert werden. Einmal habe ich dabei geholfen. Wir haben einen Teil der Akten nach den Namen der Straße sortiert, wo der Bau stattfand. Aber da es mehrere Regale sind, wird dies eine längere Aufgabe sein.

Dies waren die wichtigsten Aufgaben, die ich in den vier Wochen im Archiv ausgeführt habe. Am letzten Tag habe ich noch eine kleine Übungsaufgabe bearbeitet. Ich habe einige Infotexte über die Kurrentschrift erhalten. Dies ist die alte Deutsche Schrift. Da viele der Dokumente in dieser Schrift geschrieben sind, sollte ich mich mal daran probieren einen Brief von Friedrich Engels in unsere Schrift zu übertragen.

Im Allgemeinen konnte ich mir ein gutes Bild davon machen, was die grundlegenden Aufgaben eines FaMIs der Fachrichtung Archiv sind:

  • Akten verzeichnen
  • Akten bewerten
  • Archivgut verwalten
  • Nutzeraufträge bearbeiten
  • Unterstützung im Lesesaal

Hier sollte man noch erwähnen, dass es sich um ein Kommunalarchiv handelt und die Aufgaben in anderen Archivarten entsprechend variieren können. Ich fand die Erfahrung im Archiv sehr interessant und abwechslungsreich. Auch wenn das Verzeichnen der Akten mit der Zeit etwas einseitig wurde, waren die anderen Aufgaben immer sehr interessant.

Wer also Interesse an Geschichte hat, sich für Medien aller Art interessiert, findet hier eine gute Ausbildungsmöglichkeit und ein spannendes Tätigkeitsfeld.