Das Ziel ist das Ziel: Entwicklung und Kernergebnisse der Gesamtstrategie 2020-2025 für ZB MED und BIBI

Von Miriam Albers und Elke Roesner

„Der Weg ist das Ziel.“
Konfuzius

Kein Zweifel – jede Bibliothek, jedes Forschungsinstitut, jedes Unternehmen, jede öffentliche Einrichtung braucht ein Ziel: eine Vision, eine Mission – kurz eine Strategie. Für ZB MED, eine Einrichtung, die in den letzten Jahren viel Kritik, aber auch Unterstützung erfahren hat, wird dieses Ziel mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt.

Der Weg zu einer neuen Gesamtstrategie war für ZB MED allerdings durchaus mühevoll. Traditionelle Strukturen, neue Forschung, hohe Erwartungen, viele Meinungen und die nicht einfach zu beantwortenden Fragen: „Wer sind wir und wer wollen wir künftig sein?“ machten den Weg holprig. Während die grundsätzlichen Bestandteile von zentraler Fachbibliothek, Ausbau aller Aspekte rund um (Forschungs-)Daten sowie Open Science schnell klar waren, verloren sich viele Diskussionen in Detail- und Gewichtungsfragen: Sind wir mehr Bibliothek oder sind wir überwiegend Forschungsinstitut? Stellen wir gesicherte Zugänge zu Literatur her oder richten wir uns vollkommen auf Open Access aus? Sind wir Forschende der Data Science, der Informationswissenschaften oder der Service Science? Wenn der Weg allein das Ziel darstellen sollte, dann hätten wir dieses bereits erreicht – denn den Weg, mit dem wir das gegebene Ziel erreichen wollten, kannten wir gut.

Für eine kurze Zeitspanne schien allerdings das eigentliche Ziel wieder in die Ferne zu rücken – bis wir zu der entscheidenden Frage zurückkehrten: Wer sind unsere Kund:innen? Und vor allem: Was genau brauchen sie? Die Vision von ZB MED ist – da bestand umgehend Einigkeit –, mit Forschung und Infrastruktur Mensch und Umwelt zu stärken und unsere Kundinnen und Kunden in den Fokus zu stellen. Und um dies zu erreichen, konnte die Antwort auf die Frage, wer wir sind, nur lauten: Wir sind zweierlei in einem – Infrastruktur- und Forschungszentrum zugleich. Nur wenn wir beide Funktionen ausfüllen, können wir die Forschung umfassend unterstützen.

Ab diesem Punkt wurde der Weg gradliniger, obwohl wir uns weiterhin unseren Herausforderungen stellen müssen: Unsere Kund:innen zeichnen sich durch Heterogenität sowohl in der fachlichen Ausrichtung (Medizin, Gesundheitswesen, Ernährungs-, Umwelt- und Agrarwissenschaften sowie deren Grundlagenwissenschaften und Randgebiete) aus, in ihrer Rolle im Fachgebiet (Forschende, Lehrende, Studierende sowie Praktikerinnen und Praktiker) als auch dem örtlichen Bezug (lokal, regional und national). Die COVID-19-Pandemie, die uns auf dem Weg des Strategieprozesses überraschte, hat uns dann deutlich vor Augen geführt, wie wichtig Forschung in den Lebenswissenschaften ist und wofür unsere Kundinnen und Kunden uns brauchen.

Unterstützung der lebenswissenschaftlichen Forschung entlang des Forschungskreislaufs im Sinne von Open Science

Die heterogenen Fachdisziplinen, die wir unter dem Obergriff „Lebenswissenschaften“ zusammenfassen, bedienen sich zudem der unterschiedlichsten Forschungsmethoden: Literaturstudien, Befragungen, Laborexperimente, Vergleiche von Proben aus der Natur bis hin zu explorativen Analysen von Massendaten. Darauf basierend entstand als Grundlage der Strategie von ZB MED eine Darstellung des Forschungskreislaufes der Lebenswissenschaften, die all diese Forschungsmethoden vollumfänglich integriert (siehe Abb. 1). Er bezeichnet die verschiedenen Stationen nach den unterschiedlichen Methoden der Forschung, die komplett abgedeckt werden. Die Disziplinen können untereinander integriert werden, denn ihnen allen ist eins gemeinsam: die Zusammenführung von Daten und Literatur und deren effektive Nachnutzung.

Im Gegensatz zu der traditionellen Darstellung des Forschungskreislaufes als geschlossener Kreis, sind die einzelnen Stationen hier an einer offenen und vor allem weiterführenden Linie platziert. Damit rücken wir die Verbreitung der Forschungsergebnisse, deren Wiederverwendung und die Vernetzung der Forschenden als wesentlichen Teil dieses Kreislaufes in den Fokus.

Abbildung 1: Forschungskreislauf der Lebenswissenschaften

Service for Science – Science for Services

Die Beschreibung der Arbeitsweise der Forschenden machte schnell deutlich, dass das Ziel von ZB MED kein „entweder oder“, sondern nur ein „sowohl als auch“ sein kann. ZB MED vereint zwei Aufgaben in einer Einrichtung: zum einen die einer Zentralen Fachbibliothek in der Informations- und Literaturversorgung als einer Infrastruktureinrichtung für Literatur, Daten und deren Analyse („Service for Science“), zum anderen die eines anwendungsorientierten Forschungsinstituts, welches neue Dienste zur Nutzung von Daten in den Lebenswissenschaften entwickelt („Science for Services“).

Datenwissenschaften für die Lebenswissenschaften

Gerade für die Expertise in Bezug auf die ergänzende Bearbeitung von Daten ist die strategische Allianz mit dem Bielefelder Institut für Bioinformatik-Infrastruktur (BIBI) zielführend. Durch die Verknüpfung von Inhalten, Data Science, Cloud-Infrastrukturen und die Erweiterung der Zielgruppen engagieren sich die Einrichtungen gemeinsam im Sinne von Open Science für die Lebenswissenschaften.

Abbildung 2: Die strategische Allianz von ZB MED und BIBI führt zu zahlreichen neuen sowie dem Ausbau bestehender Services.

ZB MED und BIBI begleiten die Vielfalt in den Lebenswissenschaften mit einer Fülle an Diensten. Die unterschiedlichen Angebote decken alle Aspekte des Forschungskreislaufes mit den jeweiligen Daten ab: vom Zugang zu einem breiten Literaturangebot durch die spezialisierte Suchmaschine LIVIVO über elektronische Laborbücher, professionelles Forschungsdatenmanagement und Cloud-Infrastrukturen bis hin zu einem strukturierten Publikationsangebot im Open-Access-Publikationsportal PUBLISSO und begleitet von passgenauer Beratung sowie Aus- und Weiterbildungen.

Die ausdifferenzierte Mission ist unterteilt in fünf Leitlinien, die den Weg aufzeigen, den ZB MED und BIBI gehen, um die heterogene Zielgruppe im Blick zu behalten und den facettenreichen Aufgaben gerecht zu werden:

  • Forschen + vernetzen: Wir forschen gemeinsam mit der regional, national, europäisch und weltweit vernetzten Forschungsgemeinschaft.
  • Data Science: Wir ermöglichen Datenanalysen und generieren neue Erkenntnisse durch Forschung.
  • Zugang zu Informationen: Wir stellen den Zugang zu Information, Literatur und Daten als zentrale Informationsinfrastruktur nachhaltig bereit.
  • Open + FAIR: Wir fördern die offene und reproduzierbare Wissenschaft im Sinne von Open Science und FAIR-Prinzipien.
  • Wissens- und Kompetenzvermittlung: Wir vermitteln aktiv Wissen, Kompetenzen und Fähigkeiten.

ZB MED und BIBI haben sich auf dem Weg zu einer neuen Gesamtstrategie intensiv mit verschiedenen Alternativen und unterschiedlichen Optionen auseinandergesetzt. Nicht jeder Weg hat sich dabei direkt als zielführend herausgestellt – teilweise waren es Umwege, die uns weiter gebracht haben. Letztendlich haben ZB MED und BIBI die gemeinsame Strategie aufgrund der Ausrichtung auf das Ziel erarbeitet, nämlich mit Forschung und Infrastruktur Mensch und Umwelt zu stärken. Somit ist das Ziel – die Entwicklung einer zukunftsweisenden Gesamtstrategie –  für ZB MED/BIBI nicht über den Weg, sondern über die konsequente Ausrichtung auf das Ziel erreicht worden. Dass die Strategie als der vorbestimmte „Weg zum zukünftigen Erfolg“[1] umgesetzt wird, bringt eine hohe Erwartung mit sich und macht die nächsten Schritte umso spannender.


Dieser Text erscheint parallel im ZB MED-Jahresbericht 2020.


[1] Fühles-Ubach, Simone: Mittendrin oder nur dabei? Welche Rolle spielen Bibliotheken und ihre Strategien im Gesamtkontext ihrer Träger?. In: BIBLIOTHEK – Forschung und Praxis, 2018, Preprint, S. 5. URL: https://edoc.hu-berlin.de/bitstream/handle/18452/20018/AR_3228_Fuehles-Uhbach_Preprint_BFP_2018.pdf?sequence=1.

#wenigerHashtagswirkenwissenschaftlicher oder: Was sollten Forschende beachten, wenn sie auf Twitter auch als solche wahrgenommen werden möchten?

von Jasmin Schmitz

Eine Online-Befragung hat untersucht, welche Eigenschaften von Tweets wissenschaftlich wirken. Eines der Hauptergebnisse: Bilder und Links haben keine Auswirkungen, die Anzahl der Hashtags aber sehr wohl.

Die Befragung wurde im Rahmen des Projekts „KlawiT: Klassifizierung wissenschaftlicher Tweets“ mit finanzieller Unterstützung des Leibniz-Forschungsverbundes Open Science zwischen April und Oktober 2018 durchgeführt. Die Ergebnisse des Projekts haben die Projektbeteiligten Athanasios Mazarakis, Isabella Peters (beide ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft und Universität Kiel) und Jasmin Schmitz (ZB MED – Informationszentrum Lebenswissenschaften) in einem gemeinsamen Beitrag auf dem 16th International Symposium for Information Science (ISI) vorgestellt.

Ziel des Projekts war es herauszufinden:

  1. Wann wird ein Tweet als wissenschaftlich eingestuft?
  2. Welche Eigenschaften bei Tweets wirken sich auf die wahrgenommene Wissenschaftlichkeit aus?

Warum haben wir uns mit dieser Frage beschäftigt? Die informelle Kommunikation von wissenschaftlichen Ergebnissen unter anderem über Social Media wird im Zuge von Open Science immer stärker propagiert. Damit ist die Idee verbunden, dass so das Verständnis der Gesellschaft für wissenschaftliche Prozesse verbessert wird; gleichzeitig wird dieser „Impact“ in die Gesellschaft hinein über alternative Metriken, die sogenannten Altmetrics, in gewisser Weise messbar. Wir wollten daher wissen, was Forschende tun können, um auf Social-Media-Kanälen wie Twitter auch „wissenschaftlich“ zu wirken.

Hashtags zu medizinischen Fachbezeichnungen als Grundlage für die Datensammlung

Für die Online-Befragung wurde nach Hashtags mit einschlägigen medizinischen Fachbezeichnungen (z.B. Urologie) in deutscher und englischer Sprache gesucht. Diese haben wir deshalb ausgewählt, weil wir davon ausgegangen sind, dass sich damit ein heterogenes Datenset zusammenstellen lässt, an dem sich Unterschiede zwischen wissenschaftlich und nicht-wissenschaftlich wirkenden Tweets herausarbeiten lassen. Erstes überraschendes Ergebnis der Datensammlung: Für die englischsprachigen Hashtags gab es deutlich mehr Treffer bei der Suche.

Vorab-Analyse und Kategorisierung von Tweets

Insgesamt sind 162 Tweets in die Analyse eingeflossen. Im nächsten Schritt wurden die Merkmale der Tweets erfasst, d.h. Vorhandensein von Bildern, Hashtags, Links, Videos sowie Anzahl der Likes und Retweets. Die Mehrheit der Tweets (jeweils über 70%) enthielt Links und Bilder. Zusätzlich wurden die Tweets auf Basis ihres Inhalts einem von sieben unterschiedlichen Themengebieten – Artikel, Methodik, Job, Meinung, Publicity, Spaß, Verständnis – zugeordnet. Der überwiegende Teil der Tweets in unserem Untersuchungsset beschäftigte sich mit „Publicity” (N=59, 36 %), zu denen auch Tweets zu Konferenzen gehören, gefolgt von Tweets über wissenschaftliche Artikel (N=35, 22 %). Abschließend haben wir die Tweets vorab von Kodierern mit Blick auf die Wissenschaftlichkeit bewerten lassen, um die Ergebnisse der anschließenden Online-Befragung besser einordnen zu können.

Online-Befragung mit 109 Teilnehmenden

Insgesamt haben 109 Personen an der Online-Studie teilgenommen, die über Teilnahmeaufrufe auf den Institutsseiten und auf Twitter sowie Facebook rekrutiert wurden. Sie wurden darin nach ihrer Einschätzung gefragt, ob ein Tweet ihrer Meinung nach als wissenschaftlich eingestuft werden kann. Sie konnten darauf ausschließlich mit „Ja“ oder „Nein“ antworten. 41% der Tweets wurden als „wissenschaftlich“ bewertet, wobei es keine nennenswerten Unterschiede zwischen der Kodierer- und Probandenbeurteilung gegeben hat. Bei der anschließenden Auswertung hat sich gezeigt, dass die Anzahl der Hashtag einen Einfluss auf die Bewertung hat: Je mehr Hashtags ein Tweet hat, umso seltener wird er als wissenschaftlich wahrgenommen.

Am ehesten wurden Tweets aus der Kategorie „Methodik“ als wissenschaftlich bewertet, Tweets in den Kategorien „Artikel“ und „Verständnis“ mindestens zur Hälfte. Tweets, die den übrigen Kategorien zugeordnet waren, wurden mehrheitlich als „nicht-wissenschaftlich“ bewertet. Bei den Kategorien „Artikel“ und „Publicity“ konnten wir eine starke Streuung feststellen, was darauf hindeutet, dass die Teilnehmenden der Online-Befragung bei der Bewertung eher ambivalent waren.

Interessanterweise zeigt sich, dass die Teilnehmenden der Online-Befragung bei den Kategorien „Methodik“, „Job“ und „Spaß“ weniger uneins waren, wobei – wie oben bereits dargestellt – lediglich Tweets in der Kategorie „Methodik“ als wissenschaftlich bewertet wurden.

Was macht einen Tweet nun wissenschaftlich?

Eine anschließende Gegenüberstellung von Tweets, die als eindeutig „wissenschaftlich“ und „nicht-wissenschaftlich“ bewertet wurden, zeigte, dass solche Tweets als „wissenschaftlich“ bewertet werden, die sich auf wissenschaftliche Arbeitsprozesse beziehen, also auf Publikationen, Berichte oder Kongresse. Zudem konnte die Gegenüberstellung die Ergebnisse aus der statistischen Analyse direkt bestätigen, dass solche Tweets als wissenschaftlich wahrgenommen werden, die maximal drei Hashtags aufweisen.

Empfehlungen für twitternde Forschende

Was können wir nun Forschenden empfehlen, die Twitter und Twitterbeiträge im wissenschaftlichen Kontext nutzen möchten und sicherstellen wollen, dass diese als „wissenschaftlich“ wahrgenommen werden?

  • Verwendet maximal drei einschlägige Hashtags, die den Inhalt beschreiben: Hashtags erleichtern die Auffindbarkeit und erlauben es, unterschiedliche Gruppen zu adressieren, von denen man wahrgenommen werden möchte. Eine große Anzahl an unspezifischen Hashtags führt dazu, dass Tweets eher als unwissenschaftlich eingestuft werden.
  • Vermeidet spaßige Tweets oder solche mit Stellenangeboten. Diese werden sehr häufig als nicht-wissenschaftlich eingeschätzt.
  • Meldungen aus einem wissenschaftlichen Kontext wie einem Kongress steigern die Akzeptanz. Allerdings solltet ihr euch auch hier auf wissenschaftliche Publikationen und Vorträge fokussieren.

Wie geht es weiter?

In künftigen Studien wollen wir zum einen die Hashtags um Krankheitsbilder sowie auch auf Sets aus dem nicht-medizinischen Bereich erweitern, um die Ergebnisse zu generalisieren.

Links

Short Paper „#wenigerHashtagswirkenwissenschaftlicher. Der Zusammenhang von Tweet-Eigenschaften und wahrgenommener Wissenschaftlichkeit“ im ISI-Proceedingsband online (S. 44-63): https://files.mi.ur.de/f/b11233047d864a1d822b/?dl=1

Projektbericht zu „KlawiT: Klassifizierung wissenschaftlicher Tweets“ auf Zenodo: http://doi.org/10.5281/zenodo.4033357

Ausbildung während der COVID-19-Pandemie: Funktioniert das überhaupt?

Von Joshua Klostermann, Auszubildender bei ZB MED

Als die COVID-19-Pandemie im Februar und März Deutschland erreichte, haben wir schnell festgestellt, dass nicht nur das Alltagsleben, sondern auch das Arbeitsleben davon betroffen ist.

In diesem Blogbeitrag berichte ich, Joshua Klostermann, Fachangestellter für Medien- und Informationsdienste der Fachrichtung Bibliothek im dritten Ausbildungsjahr bei ZB MED, von meinen persönlichen Erfahrungen und wie sich die Pandemie auf meine Ausbildung bei ZB MED ausgewirkt hat.

Die Pandemie erreichte uns im März. Viele Geschäfte hatten genau wie ZB MED selbst geschlossen. Um das Infektionsrisiko mit Covid-19 zu begrenzen, hat die Geschäftsleitung den Mitarbeitenden die Möglichkeit gegeben, im Homeoffice zu arbeiten. Auch die Auszubildenden waren davon betroffen.

Das größte Problem bestand darin, Aufgaben für uns zu finden. Da es kaum ZB MED-Laptops gab, mit denen ein Remotezugriff auf den ZB MED-Account möglich ist, konnten wir auch nicht mit der Software von ZB MED arbeiten.

Demzufolge brauchten wir Aufgaben, die ausschließlich mit einem Internetzugang und den Standardprogrammen wie Word, Excel etc. bearbeitet werden konnten. Daher haben wir Auszubildenden eine Rechercheaufgabe erhalten, die wir in ca. ein bis zwei Wochen bearbeitet haben. Der Rest der Zeit stand für Schulaufgaben zur Verfügung, die wir per Mail zugeschickt bekommen haben. Mehr zur schulischen Situation folgt später.

Diese Phase des Home Office dauerte ca. 2 Monate. Mitte Mai kam die Nachricht, dass wir in den Betrieb zurückkehren können.

Aber die Ausbildung konnte natürlich immer noch nicht regulär weiter laufen. Denn es kam die Frage auf, wo man uns unterbringen sollte. In die eigentlich eingeplanten Abteilungen konnten wir aufgrund von Hygiene-Vorschriften nicht gehen. Die Auszubildende im ersten Lehrjahr hat daraufhin Dissertationen eingearbeitet. Ich selbst habe in der Ausleihe mitgeholfen, da man sich dort gut an die Abstandsregelungen halten konnte und auch vieles selbstständig machen kann.

 

In der Ausleihe sind durch die Hygienevorschriften und Schutzmaßnahmen einige zusätzliche Aufgaben entstanden:

 

Schutzmaßnahmen:

  • Kein Zugang zu den Lesesälen
  • Öffentlicher Zugang nur im Foyer bis zur Ausleihtheke
  • Bestellung von Büchern aus dem Lesesaal ausschließlich über E-Mail und Abholung an der Ausleihe

 

Zusätzliche Aufgaben:

  • Heraussuchen sämtlicher Lesesaal- und Zeitschriftenbestellungen
  • Bedienung der Bücherrückgabebox: Medien entnehmen, zurückbuchen und einstellen
  • Benutzerausweise können nach Beantragung per E-Mail (o.ä.) ausgestellt werden

 

Bei ZB MED hat sich inzwischen alles eingespielt. Die Kolleginnen und Kollegen arbeiten häufig abwechselnd zu Hause und vor Ort, da die Büros nur einzeln besetzt werden. Mit dem Videokonferenztool Zoom gibt es ein gutes Mittel, um effektiv miteinander zu kommunizieren.

Nun zur Situation in der Berufsschule: Von Mitte März an waren auch die Schulen komplett geschlossen. Der Unterrichtsstoff wurde uns überwiegend per Mail mitgeteilt und wir bekamen Schulaufgaben. Die Themen wurden wenn möglich in den Fächern Allgemeine Wirtschaftslehre (AWL), Spezielle Betriebslehre (SBL), Deutsch und Politik bearbeitet, wodurch der normale Unterrichtsfortschritt erzielt werden sollte. In SBL lief zu dieser Zeit eine Projektphase, die in der Regel als Überbrückungszeit bis zum dritten Lehrjahr genutzt wird. Reguläre Unterrichtsinhalte sind für diese Zeit nicht vorgesehen. Eine Bewertung entfiel – was natürlich Einfluss auf die Erledigung der Aufgaben hatte! In Deutsch wurde zwar relevanter Stoff vermittelt, aber die Aufgaben wurden auch hier nicht bewertet.

Anders in AWL und Politik – hier war das Ziel, mit der Thematik innerhalb der Fächer fortzufahren. Um dies zu erreichen, erhielten wir hier regelmäßig Texte und Aufgaben. Zwar wurden auch hier die Ergebnisse der Hausaufgaben nicht bewertet, dennoch war es wichtig, sie zu erledigen, da die Themen relevant sind für die Abschlussprüfungen. Für mich war es kein Problem, die Aufgaben im Homeoffice neben denen für ZB MED zu bearbeiten. Aber viele der Schülerinnen und Schüler hatten einfach keine Zeit dafür, da sie an fünf Tagen in der Woche arbeiten mussten.

Aber wie haben wir uns abgestimmt, wenn wir Fragen hatten oder etwas besprochen werden sollte? Hierfür hat uns die Stadt Köln das Programm Teams von Microsoft für Videokonferenzen zur Verfügung gestellt. Leider kam es bei uns nur selten zur Verwendung. Ich habe es fast nur genutzt, um mich mit den Mitgliedern meiner Gruppe vom SBL-Projekt auszutauschen.

Auch für die Schule gab es im Mai die Nachricht, dass wir zurückkehren können. Wenn es auch nur an einem Tag alle zwei Wochen war, durften wir wieder mit geteilter Klasse in den Unterricht gehen. In der Klasse saßen wir dann an Einzeltischen, damit wir den Mindestabstand einhalten konnten. Für die Zeit zwischen den Schultagen haben wir dann wieder Aufgaben bekommen, die wir dann in den nächsten Stunden besprochen haben.

Wir hatten dann bis zu den Sommerferien ungefähr 4 Schultage. Auch wenn das nicht sonderlich viel ist, war es dennoch sehr hilfreich. Im Präsenzunterricht ist es wesentlich einfacher Fragen zu klären und sich Themen auszusuchen, die wiederholt werden sollten.

Nach den Sommerferien findet der Unterricht dann wieder im gesamten Klassenverband und an allen Schultagen statt. Allerdings müssen wir die ganze Zeit Masken tragen.

Das waren im Wesentlichen alle Ereignisse bis Mitte August. Es wird wohl noch einige Zeit dauern, bis die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie gänzlich verschwunden sind. Aber dank der technischen Möglichkeiten und der wachsenden Erfahrung hat sich inzwischen alles recht gut eingependelt und die Arbeit ist relativ gut zu bewältigen.

Bericht zum Workshop „Was tun, wenn es passiert ist? Umgang mit Publikationen, die bei einem Predatory Journal eingereicht wurden.“

von Jasmin Schmitz, ZB MED – Informationszentrum Lebenswissenschaften  und
Stefan Schmeja, TIB – Leibniz Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften.
Zugleich veröffentlicht im TIB Blog.

Der Workshop wurde im Rahmen der Open-Access-Tage 2019 veranstaltet, die vom 20.09.-02.10. in Hannover stattfanden.

Motivation für den Workshop war das Identifizieren von möglichen Handlungsoptionen, wenn Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftler in einer Zeitschrift mit zweifelhaftem Geschäftsgebaren publiziert haben.

Leitfragen der Veranstaltung waren:

  • Mit welchen Fragestellungen oder Erwartungen wenden sich betroffene Organisationseinheiten und/oder Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an die Open-Access-Verantwortlichen in Bezug auf Predatory Publishing?
  • Welche Strategien haben sich im Umgang mit Publikationen in Predatory Journals als erfolgreich herausgestellt?
  • Gibt es institutionelle Policies zu dem Thema oder gibt es Institutionen mit einer einheitlichen Praxis beim Umgang mit Publikationen in Predatory Journals?
  • Wie erfolgt die hochschulinterne Abstimmung bei divergierenden Interessen der Beteiligten (Forschende, Präsidium, Bibliothek, Forschungsdezernat…)?

Die Diskutanten waren sich einig, dass Artikel in Predatory Journals deshalb ein Problem sind, weil man nicht weiß, ob ein Peer-Review-Verfahren stattgefunden hat. Grundsätzlich herrscht sowohl in den Einrichtungen als auch bei den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Haltung vor: Die Publikation ist passiert! Damit verbunden das Bewusstsein, dass diese Publikation nicht weiter zum Reputationsaufbau genutzt werden kann.

Somit war man sich einig, dass es gilt, Einreichungen bei Predatory Journals im Vorfeld durch Aufklärung zu verhindern. Insbesondere Doktorandinnen und Doktoranden sollten als Nachwuchsforschende sensibilisiert werden, weil diese zumeist noch über wenig Publikationserfahrung verfügen.

Eine Herausforderung hierbei ist zu vermitteln, dass es sich bei Open-Access-Zeitschriften mit Professionalitätsmängeln nicht zwingend um Predatory Journals handelt, es also auch einen großen Graubereich an Zeitschriften gibt, die redliche Absichten haben, aber einen gewissen Professionalisierungsgrad noch nicht erreicht haben und somit auch Merkmale aufweisen könnten, die man eigentlich einem Predatory Journal zuschreiben würde.

Ein weiteres Ergebnis der Veranstaltung war, dass es:

  1. bislang keine Strategie gibt, die sich als „Goldstandard“ identifizieren lässt und übergreifend empfohlen werden kann
  2. nur selten einrichtungsweites abgestimmtes Vorgehen oder eine Art „Workflow“ für dem Umgang mit dem Thema gibt.

Dennoch kristallisiert sich an einzelnen Einrichtungen regelmäßige Vorgehensweisen im Umgang mit den Publikationen heraus wie zum Beispiel: Verweis auf die Rechtsabteilung, Erhöhung der Sichtbarkeit der Artikelversion in einem legitimen Publikationskanal oder vorherige Genehmigung der Publikation durch die Direktion.

Wir danken allen Workshopteilnehmerinnen und -teilnehmern für die engagierte Diskussion.


Ein ausführlicher Bericht zum Workshop mit Ausführungen zu den möglichen Strategien und weitere Diskussionspunkte ist auf Zenodo abrufbar.