Licht am Horizont – Update zu den Entwicklungen bei ZB MED

Seitdem wir nach Beendigung der Petition an dieser Stelle über die Entwicklungen rund um die Leibniz-Senatsempfehlung, die Bund-Länder-Förderung (gemäß den Ausführungsvereinbarung zum GWK-Abkommen über die gemeinsame Förderung der Mitgliedseinrichtungen der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e.V. – so die formale Bezeichnung) für ZB MED zu beenden, berichtet haben, ist viel passiert. Daher wird es höchste Zeit, wieder einmal über den aktuellen Stand zu informieren!

Petition
Am 12.5. hat Prof. Mumenthaler, Initiator der Petition, die Unterschriftenliste zur Petition #keepZBMED per Post und per E-Mail an alle Mitglieder der GWK geschickt. In der Petition gab es die Möglichkeit, die eigene Unterschrift zu kommentieren („Ich unterschreibe weil …“). Gerade diese Kommentare – insgesamt 99 Seiten! – machen sehr deutlich, was es für Folgen hätte, wenn ZB MED nicht weiter von Bund und Ländern finanziert werden würde und dadurch nicht länger als nationale zentrale Fachbibliothek in der jetzigen Form zur Verfügung stehen würde. Eine Auswahl der Kommentare wurde den Briefen und Mails an die GWK-Mitglieder beigefügt.

Stellungnahmen
Zu unserer Unterstützung haben inzwischen einige Verbände und Institutionen Stellungnahmen abgegeben. Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) hebt beispielsweise hervor, dass die Abhängigkeit der Forschung von kommerziellen Verlagsinteressen ohne ZB MED weiter wachsen würde. Die Arbeitsgemeinschaft für Medizinisches Bibliothekswesen (AGMB) stellt fest, dass ein Wegfall unserer Services die Medizinbibliotheken nachhaltig in der Arbeit behindern würde, da viele eigene Angebote auf ZB MED-Services aufbauen. Der Verein Deutscher Bibliothekarinnen und Bibliothekare (VDB) merkt an, dass die wegfallenden Leistungen an anderer Stelle erbracht werden müssten, so dass tatsächliche Einsparungen letztlich nicht stattfinden würden. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) weist in einem offenen Brief darauf hin, dass ZB MED dem Institut im Jahr 2015 fast 3.500 Volltexte geliefert habe. Diese seien zentrale Grundlagen für Gutachten zur Bewertung von Nutzen und Schaden für Patientinnen und Patienten bei medizinischen Maßnahmen. Und auch der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie e.V. (BPI) zeigt sich besorgt und erklärt, dass die schnelle und unkomplizierte Bereitstellung von Fachliteratur durch ZB MED nachhaltig der Patientensicherheit diene. Die Datenbanken und Recherchetools ermöglichen eine effiziente Bearbeitung und Beurteilung von Fällen unerwünschter Arzneimittelwirkungen. Der Verlust der Dienstleistungen von ZB MED würde die Möglichkeiten der Literaturbeschaffung für die gesamte pharmazeutische Industrie deutlich einschränken.

All diese Stellungnahmen appellieren an die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK), ZB MED zu erhalten, möglicherweise mit einem neuen, durch das zuständige Sitzland und das Bundesressort getragenen Finanzierungsmodell. Für diese Unterstützung bedanken wir uns ganz herzlich!

In diesem Zusammenhang ist auch die Kleine Anfrage der Fraktion „Die Linke“ an den Deutschen Bundestag erwähnenswert. Die Politikerinnen und Politiker stellen insgesamt 27 Fragen, die die Debatte um ZB MED aufgreifen. Darin geht es um die Entscheidungsfindung im Senat der Leibniz-Gemeinschaft und der GWK. Aber es wird auch nach der Bedeutung von ZB MED für die Lebenswissenschaften gefragt und wie die zukünftige Entwicklung aussehen könnte. Eine weitere Kleine Anfrage dieser Fraktion befasst sich mit der „Drohenden Verschlechterung des Zugangs zu medizinischem Wissen in Deutschland“ allgemein und welche Aufgaben im öffentlichen Interesse die Bundesregierung dort sieht. Wir dürfen alle sehr gespannt auf die Antworten sein!

Ausblick
Ob all diese Maßnahmen letztendlich Erfolg bringen, ist derzeit noch nicht absehbar. Aber inzwischen sehen wir wieder vorsichtig optimistisch in die Zukunft. Denn unsere Geldgeber aus Bund und Land stehen weiter hinter uns, wofür wir sehr dankbar sind! Sie haben in den vergangenen Wochen intensiv darauf hingewirkt, dass ZB MED auch nach einem möglichen Ausscheiden aus der Leibniz-Gemeinschaft seine national bedeutsamen Aufgaben wahrnehmen kann. Das nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerium (MIWF NRW) sieht sich dabei in der Verantwortung, die zukunftsorientierte Transformation von ZB MED fortzuführen und damit die bundesweite Informationsversorgung in den Lebenswissenschaften sicherzustellen. Dabei wird das MIWF NRW vom Bundesgesundheitsministerium nach wie vor unterstützt.

Zunächst warten wir aber die Entscheidung der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) ab. Über die Sitzung ihres Ausschusses am 24.5. haben wir bisher keine Details erfahren; eine Entscheidung wurde noch nicht getroffen. Die Konferenz selbst tagt nun am 24.6. und wird dann einen Beschluss fassen. Wir werden darüber durch ein Protokoll informiert, dass wir ca. vier Wochen nach der Sitzung erhalten. Es ist allerdings nicht damit zu rechnen, dass die GWK sich gegen die Empfehlung des Senates der Leibniz-Gemeinschaft stellt. Aber wenn die GWK die Aktivitäten von Bund und Land zur Transformation von ZB MED unterstützt, wäre das für uns ein entscheidendes Signal.

Ganz konkret würde dies bedeuten, dass wir die dreijährige Übergangsfinanzierung, die nach der Leibniz-Senatsempfehlung festgeschrieben ist (in den ersten beiden Jahren beträgt das Budget in der Regel 100% des Ansatzes von 2016, im dritten Jahr bis zu 100%), nutzen, um den begonnenen Transformationsprozess zu einem modernen Fachinformationszentrum fortzuführen und uns neu aufzustellen. Eine zentrale Rolle spielen dabei die Besetzungen der beiden Professuren in Bonn (W2) und Köln (W3, gleichzeitig neue Direktion von ZB MED), die nun zügig in Kooperation mit den jeweiligen Hochschulen erfolgen sollen. Die Universitäten haben bereits ihr Interesse daran signalisiert. Danach könnte uns dann der Weg zurück in die Bund-Länder-Förderung offen stehen.

Weitere Informationen:

Stellungnahmen :

Weitere Stellungnahmen liegen uns (teilweise als Entwurf) vor, sind jedoch nicht öffentlich. Diese Liste wird daher regelmäßig aktualisiert.

Kleinen Anfragen beim Deutschen Bundestag:

2 Gedanken zu “Licht am Horizont – Update zu den Entwicklungen bei ZB MED

  1. Pingback: Annotierte Linkliste #keepZBMED – Vierter Teil | Bibliothekarisch.de

  2. Pingback: Komplexes einfach visualisiert: Video-Tutorials von ZB MED | ZB MED-Blog

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