Pay What You Want: Autorinnen und Autoren legen die Höhe der Publikationsgebühren selbst fest

Von Jasmin Schmitz

Eine Variante der Finanzierung von Open-Access-Publikationen ist das Erheben von Publikationsgebühren (sogenannten Article Processing Charges, kurz APCs), die von wenigen Euro bis zu Beträgen im mittleren vierstelligen Bereich reichen können. Ein neues Modell erprobt derzeit der Thieme Verlag: Für seine im letzten Sommer gegründete Zeitschrift „The Surgery Journal“ möchte der Verlag die Autorinnen und Autoren selbst entscheiden lassen, wie hoch jeweils die Publikationsgebühr sein soll (Pay What You Want)(1). Das Geschäftsmodell wurde gemeinsam mit Betriebswirtschaftswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern der LMU München entwickelt. Laut Autorenrichtlinien der Zeitschrift kann nach dem Peer Review und Akzeptanz der Publikation die Höhe der Publikationsgebühr festgelegt werden (2). Thieme möchte mit diesem Versuch Fakten dahingehend sammeln, wie viel Autorinnen und Autoren der Übergang zu Open Access tatsächlich Wert ist und diese in die Diskussion über die Finanzierung von Open Access einbringen. Der Verlag betont, dass ein rigoroses Peer Review durchgeführt wird und die Veröffentlichung den hohen Qualitätsstandards des Verlages entspricht.

Durch die Festlegung der Publikationsgebühren am Ende des Peer-Review-Prozesses besteht nicht die Gefahr, dass die Autorinnen und Autoren sich durch die Bereitschaft zur Zahlung hoher Gebühren „einkaufen“ können. Den Informationen auf der Zeitschriften-Website nach zu urteilen, sind zudem feste Ausgaben geplant; das Konzept von Megajournals wie PLOS ONE wird folglich nicht aufgegriffen, so dass auch nicht über eine höhere Anzahl von Artikeln entsprechende Einnahmen generiert werden (3).

Thieme ist zuversichtlich, dass Autorinnen und Autoren angemessene Beträge zahlen, damit das Angebot aufrechterhalten werden kann. Allerdings fehlen ihnen konkrete Anhaltspunkte zur Festsetzung der APCs, dahingehend was die digitale Publikation wissenschaftlicher Artikel tatsächlich kostet, da die Verlage sich hier bedeckt halten (4).

Eine Möglichkeit wäre, sich an vergleichbare APCs im Feld zu orientieren. In der Medizin sind Beträge in der Größenordnung von 1.500-2.000 USD (ca. 1.300-1.700 Euro) durchaus üblich. Allerdings ist die Höhe der APCs auch an das Prestige einer Zeitschrift und der Höhe des Journal Impact Factors geknüpft (5.). Da es sich bei „The Surgery Journal“ um eine Zeitschriftenneugründung handelt, lassen sich nur schwerlich Aussagen über die Qualität der Zeitschrift machen. In diesem Fall muss sich auf das Prestige des Verlages verlassen werden.

Anhaltspunkte hinsichtlich der Bereitschaft zur Bezahlung von APCs und zur möglichen Höhe lassen sich Umfragen unter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern entnehmen. Eine Untersuchung, an der mehrere Einrichtungen aus dem Wissenschaftsbetrieb und Publikationswesen beteiligt waren, kommt zu dem Ergebnis, dass die Mehrheit der Autorinnen und Autoren maximal 500 Euro für eine Publikation bezahlen würden (6). Eine weitere Studie kommt zu ähnlichen Ergebnissen (7).

Erste Ergebnisse von der LMU München bestätigen diese Größenordnungen (8), wenngleich noch sehr wenige Daten zur Verfügung stehen. Durchschnittlich wurden 427,50 USD bezahlt, der Median liegt bei 250 USD. „Freeriding“ (also Autorinnen und Autoren, die nicht bezahlen) kommt vor, die Mehrheit bezahlt aber Publikationsgebühren.


 

(1) Thieme to launch new Pay What You Want Open Access Journal this spring, 03.06.2015.

(2) The Surgery Journal – Author Instructions.

(3) U. Herb: Open Access: Pay What You Want. Telepolis, 30.06.2015.

(4) Ebenda

(5) D. J. Solomon/ B.-C. Björk: A study of open access journals using article processing charges. Journal of the American Society for Information Science and Technology, 63 (8), 2012: 1485-1495. Doi: 10.1002/asi.22673

(6) Suenje Dallmeier-Tiessen et al.: Open Access Publishing Today: What scientists do and why. SOAP Symposium, January 13th, 2011, Berlin (presented by Salvatore Mele).

(7) D. J. Solomon/ B.-C. Björk: Publication fees in open access publishing: Sources of funding and factors influencing choice of journal. Journal of the American Society for Information Science and Technology, 63(1): 98-107. Doi: 10.1002/asi.21660.

(8) M. Spann: Open Access Pricing: Pay what you want. Vortrag im Rahmen des EC Workshop on Alternative Open Access Publishing Models am 12.10.2016 in Brüssel: ab 05:17:00.

Frauenberuf? Männerberuf? Tschüss, Klischee! Teil II

 

ZB MED engagiert sich beim Girls'Day.

ZB MED engagiert sich beim Girls’Day.

Wir möchten junge Frauen und Männer bei der Berufswahlorientierung unterstützen. Was 2011 mit unseren Boys’Day-Aktionen begann, wurde 2014 erstmals auch für Schülerinnen mit unserem Girls’Day-Angebot realisiert.

Unter dem Slogan „Clevere Girls machen sich stark für die Technik von morgen“ engagiert ZB MED sich 2016 zum dritten Mal mit großer Einsatzbereitschaft für Mädchen beim Girls’Day, dem Mädchen-Zukunftstag, der am 28.4.2016 stattfindet. Ein Leitungswechsel im Querschnittsbereich IT machte es vor drei Jahren möglich, an diesem Aktionstag unsere Türen auch für Schülerinnen zu öffnen. Leider kam bisher keine Kooperation mit der Technischen Hochschule Köln, Campus IT in Gummersbach, zu Stande. So informieren wir bislang nur theoretisch über das Studienangebot Informatik. Umso intensiver ist unser Praxisteil. 2016 starten wir mit einer Bibliotheksführung. Daran schließt sich ein gemeinsames Frühstück zum gegenseitigen Kennenlernen mit belegten Brötchen, Obst, Joghurt und Getränken an.

Im Praxisteil 1 „Der Weg vom Buch zum Digitalisat“  werden jeweils zwei Schülerinnen von je einer Kollegin der Abteilung Retrodigitalisierung betreut. Die Schülerinnen lernen die Abläufe in dieser Abteilung kennen, die Medien für die digitalen Sammlungen von ZB MED digitalisiert: An einem Buchscanner sind genau auf das Buch abgestimmte Einstellungen (Licht, Kamera, Rahmen …) vorzunehmen. Danach erfolgt der Scanvorgang. Mit dem Visual Library Manager, einem Computerprogramm, wird der gescannte Buchinhalt strukturiert. Eine weitere Software, die später eine automatische Texterkennung möglich macht, kommt danach zum Einsatz. Nach einer intensiven Qualitätskontrolle erfolgt die Online-Stellung des Buches in den Digitalen Sammlungen von ZB MED.

Im Praxisteil 2 haben zwei Schülerinnen die Möglichkeit bei einer Informatikerin die Programmiersprache Perl kennen zu lernen. Zum Ende diesen Teils wird ein kleines Programm mit einem Fragebogenalgorithmus zur Internetnutzung erstellt. Die beiden anderen Schülerinnen hospitieren bei einer Computerlinguistin und beschäftigen sich mit dem Thema „Automatische Extraktion von Protagonisten aus einem literarischen Werk mithilfe der Programmiersprache Python“. In anderen Worten: Die Schülerinnen dürfen sich ein Märchen ihrer Wahl aussuchen und dann extrahieren sie maschinell die Personen, die in diesem Märchen interagieren. Zum Ende dieses Praxisteils sind sie darüber informiert, was die Thesauri im Hintergrund unseres Suchportals LIVIVO bewirken und wie sie die Suchergebnisse verbessern. Wenn die Girls abschließend ihre Praxiserlebnisse mit den anderen teilen, liegt ein abwechslungsreicher Vormittag hinter ihnen.

Die rasanten technologischen Veränderungen und die Globalisierung der Märkte erhöhen gerade in einem Informationszentrum den Bedarf an hoch qualifizierten Fach- und Führungskräften. Dies gilt vor allem für den MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Vorbehalte abzubauen und „Clevere Girls“ für MINT-Karrieren zu begeistern, das sehen wir als unsere Aufgabe. Ich meine, dass uns das bei den jungen Frauen durch die praktische Erfahrung in der Lösung komplexer Aufgabenstellungen und vor allem, dem persönlichen Gespräch mit einer Vorbildfrau gelingen kann.

Kontakt:
Claudia Weßler
Gleichstellungsbeauftragte
Tel: +49 (0)221 478-5609
gleichstellung@zbmed.de

Chancengleichheit bei ZB MED

Frauenberuf? Männerberuf? Tschüss, Klischee! Teil I

ZB MED beteiligt sich am Boys'Day 2016

ZB MED beteiligt sich am Boys’Day 2016

Den passenden Beruf zu finden ist keine einfache Aufgabe. Jugendliche, die durch Praktika oder das Projekt Boys‘ und Girls’Day mehr über einige Berufe erfahren haben, fällt die Wahl oft schon leichter. Aber noch immer lassen sich junge Frauen und Männer von Geschlechterklischees und Rollenerwartungen einschränken und in ihrer Berufswahl beeinflussen. Dabei stehen beiden Geschlechtern viel mehr Möglichkeiten offen, die es zu entdecken gilt.

Unter dem Slogan „Starke Typen machen sich stark fürs Wissen von morgen“ engagiert ZB MED sich 2016 bereits zum sechsten Mal mit großem Enthusiasmus beim Boys’Day, dem Jungen-Zukunftstag, der am 28.4.2016 stattfindet. Was 2011 mit meiner Idee eines zweigeteilten Angebotes (Kennenlernen des Studiengangs Bibliothekswissenschaft und ZB MED-Praxisteil) begann, entwickelte sich schnell zu einem großen, gemeinschaftlichen Erfolg. Prof. Dr. Tom Becker (Institut für Informationswissenschaft der Technischen Hochschule Köln) gestaltet seit meiner Anfrage den Boys’Day-Vormittag mit einem Workshop zum Thema
„Mehr als nur Lesen!  Einblick in den Studiengang Bibliothekswesen auf die etwas andere Art: lesBAR: Worte;   hörBAR: Töne;  recherchierBAR: Daten;  erfahrBAR: Informationen; verstehBAR: Wissen.Eine kleine Reise durch die Medien- und Informationsgesellschaft.“ 

Mit der Erkenntnis, dass die Vermittlung von Informationskompetenz ein brandaktuelles Thema ist, treten die Jungen kurz nach 11 Uhr den Weg vom Ubierring zu ZB MED mit öffentlichen Verkehrsmitteln an. Hier eingetroffen können sie sich mit belegten Brötchen, Obst, Joghurt und Kaltgetränken stärken. Abgerundet wird das Kennenlernen durch einen Austausch mit unseren Auszubildenden, die Informationen rund um den Beruf des Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste (FaMI) weitergeben. Danach starten die Jungen in den Boys’Day-Nachmittag, der ganz im Zeichen der praktischen Arbeit eines Informationsvermittlers steht. Nach einer Bibliotheksführung gehen die Jugendlichen 2016 in eine Eins-zu-Eins-Betreuung in folgende Abteilungen: Dokumentlieferung, Lizenzen, Current Contents, Zeitschriften/Bestandserhaltung sowie die Stabsstelle Produkt- und Innovationsmanagement. Hier sind es fünf Kollegen, die jeweils einen Jungen bei der praktischen Arbeit unterstützen, die von ihrer Berufswahl berichten und ihre Erfahrungen in einem eher frauendominierten Berufsfeld weitergeben. Wenn die Jungen abschließend ihre Praxiserlebnisse mit den anderen teilen, liegt ein abwechslungsreicher Tag hinter ihnen. Ob wir mit unserem gemeinschaftlichen Engagement etwas in den Köpfen der Jungen bewegen konnten? Vielleicht haben wir bei ihnen die Neugier an alternativen Berufsbildern geweckt. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Menschen, die ein Berufsziel haben, ein Gespür dafür entwickeln, ob sie auf dem richtigen Weg sind. Dann fällt auch meist das Lernen leichter. Wir als Kooperationspartner des Boys’Day-Projekts möchten den „Starken Typen“ auf jeden Fall die Motivation zum Lernen mit auf ihren Weg geben.

Kontakt:
Claudia Weßler
Gleichstellungsbeauftragte
Tel: +49 (0)221 478-5609
gleichstellung@zbmed.de

Chancengleichheit bei ZB MED

Aktueller Stand des Protests

Fotograf: Gaetan Bally

Fotograf: Gaetan Bally

Der Protest gegen die Empfehlung der Leibniz-Gemeinschaft, ZB MED nicht weiter zu fördern, geht weiter. Inzwischen haben über 4.500 Menschen die Petition unterschrieben und wir sind überwältigt von der Unterstützung. Die Petition wird noch bis zum 30.4.2016 online sein und wir gehen davon aus, dass wir bis dahin noch viel mehr erreichen können. Das von Rudolf Mumenthaler angestrebte Ziel von 5.000 Unterschriften hoffen wir bis dahin weit zu übertreffen!

An dieser Stelle möchten wir Herrn Mumenthaler noch einmal unseren Dank dafür aussprechen, dass er uns so sehr unterstützt! Ebenso geht unser Dank an Willi Bredemeier für sein kontinuierliches Engagement über Password-Online sowie an infobroker.de (Michael Klems), der immer wieder über den Stand der Dinge berichtet und auch das sehr hörenswerte Podcast mit Rudolf Mumenthaler veröffentlicht. Diese Liste könnten wir unendlich fortsetzen. Daher noch einmal: Herzlichen Dank an alle unsere Unterstützerinnen und Unterstützer.

Inzwischen haben sich auch verschiedene Institutionen zu Wort gemeldet, darunter die AWMF, die in einer am Montag veröffentlichten Erklärung schreibt:

„Aus Sicht der AWMF ist es auch nicht sinnvoll, Einrichtungen der Forschungsinfrastruktur anhand derselben Kriterien wie Forschungsinstitute zu evaluieren. Hier unterschätzt der Senat der Leibniz-Gemeinschaft die Funktion und Rolle von wissenschaftlichen Bibliotheken. Sie spielen eine entscheidende Rolle bei der Aufbereitung, Suche und Bereitstellung von wissenschaftlicher Information als Grundlage für wissenschaftliche Forschung. Ohne Bibliotheken würden Forschende noch stärker von kommerziellen Verlagen abhängig und erhielten außerhalb von Universitäten nur beschränkt (oder mit hohen Kosten) Zugang zu aktueller Literatur. Diese Aufgaben werden mit einer Schließung von ZBMED nicht verschwinden – dies würde nur dazu führen, dass der nach wie vor bestehende Bedarf über eine andere Organisation abgedeckt werden müsste. Fast zeitgleich hat nämlich das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) im Januar 2016 bekannt gegeben, dass ab 2017 dort keine Recherchen in den großen internationalen Datenbanken mehr durchgeführt werden, dies solle zukünftig allein bei ZB MED möglich sein.“ (zur Stellungnahme)

Außerdem haben verschiedene Medien das Thema inzwischen aufgegriffen, allen voran der Spiegel. Dort schreibt Hilmar Schmundt: „Sparen wir heute an den medizinischen Bibliotheken, lassen wir morgen Mitbürger dafür bluten, im wörtlichen Sinne: zum Beispiel durch überflüssige Eingriffe, die einem ahnungslosen Arzt von Lobbyisten der Industrie aufgeschwatzt werden. Operation erfolgreich, Patient totgespart.“

Auch das Deutsche Ärzteblatt und die Ernährungs Umschau berichteten inzwischen über die drohende Schließung von ZB MED. Welche Blogs, Bibliotheken etc. das Thema sonst noch aufgegriffen haben, finden Sie in der annotierten Linkliste von Dörte Böhner. Und auch für diese hervorragende Sammlung bedanken wir uns ganz herzlich. (Update vom 7.4.: Inzwischen gibt es einen dritten Teil der annotierten Linkliste)

Wir werden weiterhin dafür kämpfen, dass ZB MED erhalten bleibt! Bis zum 30.4. sorgen  wir für weitere Unterstützung der Petition. Außerdem mobilisieren wir Verbände und Institutionen dafür, sich ähnlich der AWMF für uns stark zu machen.