Die mögliche Vielfalt der Impact-Messung: Anbietervergleich von Aggregatoren von Altmetriken

Von Robin Rothe und Jasmin Schmitz

Die „klassische“ Impact-Messung basierend auf der Zählung von Zitationen wird zunehmend als unzureichend erachtet. Hauptkritikpunkte sind hierbei, dass die von kommerziellen Anbietern generierten Zitationszahlen nicht offen einsehbar und daher wenig transparent sind. Zudem stehen diese nicht für alle Produkte wissenschaftlichen Forschungsoutputs wie Forschungsdaten oder Software zur Verfügung. Außerdem stellt das Zählen von Zitationen nur eine Möglichkeit dar, Impact zu messen (1). Zentrale Forderungen von Initiativen wie San Francisco Declaration on Research Assessment (DORA) (2) und Altmetrics Manifesto (3) sind daher, die Impact-Messung auf eine breitere Basis zu stellen und auch auf andere Formen der Nutzung auszuweiten. Diese Ausweitung wird unter dem Schlagwort „Altmetriken“ (engl. Altmetrics) diskutiert, einer Zusammensetzung aus „alternativ“ und „Metriken“. Dabei verstehen sich Altmetriken aber eher als Ergänzung zur klassischen Impact-Messung, weniger als Ersatz. Häufig werden diese auch als „article level metrics“ bezeichnet, weil entsprechende Zahlen auf der Ebene der Publikationen (z.B. Zeitschriftenartikel, Forschungsdatenveröffentlichung, Softwarepublikation, Blogbeitrag, Veröffentlichung von Präsentationsfolien) selbst erhoben werden.

Neben der Ermittlung, wie häufig Veröffentlichungen zitiert werden, wird auch gemessen, wie häufig diese beispielsweise abgerufen, gespeichert, geteilt, kommentiert oder empfohlen wurden. Insbesondere die Erwähnung in Sozialen Medien spielt dabei eine große Rolle, die mittlerweile Einzug in sämtliche Lebensbereiche gehalten haben und daher auch bei der Impact-Messung berücksichtigt werden sollen. Viele der Plattformen bieten mittlerweile die Möglichkeit, über eine API altmetrische Kennzahlen für Publikationen abzurufen. Häufig wird hierbei mit einem persistenten Identifikator wie dem DOI gearbeitet. Zudem gibt es eine Reihe von Datenaggregationen, die entsprechende Anbieter abfragen und die Kennzahlen gebündelt präsentieren. Die bekannteste Darstellungsform ist hierbei der „Donut“ von altmetric.com (4).

Möchte man selbst altmetrische Kennzahlen für Publikationen erheben (z.B. für sich selbst oder für Publikationen im Repositorium oder Publikationsdienst), stellt sich die Frage nach einem geeigneten Anbieter. Hierbei ist nicht unerheblich, wie viele und welche Datenquellen ausgewertet werden.

Die nachfolgende Tabelle informiert über verschiedene Datenaggregatoren und die Datenquellen, die sie auswerten. Das Schema beruht auf einer Zusammenstellung in Jobmann et al. 2014 (5); dort findet sich auch eine kurze Beschreibung zu PlumX, ImpactStory, Altmetric Explorer von altmetric.com und Webmetric Analyst. Neben diesen kommerziellen Anbietern gibt es seit 2009 Lagotto (6). Dabei handelt es sich um eine freie Software, die flexibel konfigurierbar ist und von PLOS entwickelt und via GitHub bereitgestellt wurde. Es wird u.a. von PLOS ONE, Copernicus Publications und CrossRef verwendet (7).

Tabelle mit den Datenaggregatoren und Datenquellen

Datenaggregatoren und Datenquellen

Es ist zu erkennen, dass insbesondere PlumX, aber auch die anderen Aggregatoren von Altmetriken bemüht sind, eine möglichst große Vielfalt an Datenanbietern zu identifizieren und in ihr Produkt zu implementieren. Erkennbar ist auch, dass neben den klassischen Zitationen auch „comments“, „likes“, „mentions“, „views“, „follower“s, „readers“, etc. ausgewertet werden.

Was sich aus der Tabelle nicht ablesen lässt, ist, was sich hinter den einzelnen Datenquellen und deren Kennzahlen verbirgt. Auch kann die Fülle aus 35 Datenquellen und 58 dazugehörigen Auswertungsmerkmalen bei der erstmaligen Betrachtung in dieser reinen Auflistung für Überforderung sorgen. Um diesem vorzubeugen, erscheint es sinnvoll, die einzelnen Datenquelle näher zu betrachten und genauer zu überprüfen, was diese im Kontext von Impact-Messung zu bieten haben. Dieses wird in der nachfolgenden Tabelle versucht zu erläutern:

Tabelle mit Datenquellen und Impactmessung

Datenquellen und Impactmessung – Erläuterung

Die Diversität macht deutlich, wie vielfältig Impact-Messung sein kann. Neben Microblogging-Dienste wie Twitter, Soziale Medien wie Facebook und Bookmarking-Dienste wie Mendeley werden auch Erwähnungen auf Blogs, in Wikipedia, in Patentdokumenten oder in „policy documents“ in Betracht gezogen. Zudem werden Schnittstellen von „Sharing“-Plattformen wie Repository-Anbietern, Figshare, Github und Video-Plattformen „angezapft“ und Bewertungsseiten wie Reddit ausgewertet (8).

Vor der Auswahl einer Datenquelle bzw. eines Aggregators empfiehlt es sich, die eigene Zielsetzung zu definieren (Welche Zahlen möchte ich für wen erheben und zu welchem Zweck?). Bei Nutzung aller möglichen Quellen und allen dort auswertbaren Daten kann es passieren, dass die eigenen Nutzerinnen und Nutzer auf Grund der Masse an Informationen überfordert sind. Gleichzeitig besteht die Gefahr der Beliebigkeit und damit der möglichen Einschränkung des Impact von Altmetriken. Andererseits ist es ja gerade der Sinn von alternativen Metriken, neben der klassischen Zählung von Zitationen auch andere Nutzungsdaten auszuwerten, weswegen eine zu starke Beschränkung auf wenige Werte das Potenzial missachten würde. Inwieweit alle hier dargestellten Kennzahlen tatsächlich dauerhaft in die altmetrische Impact-Messung Eingang finden, darüber lässt sich nur spekulieren. Vielfach ist noch unklar, wie sich Erwähnungen und deren Häufigkeit tatsächlich interpretieren lassen. Insbesondere dadurch, dass sowohl der Kontext, als auch der Inhalt nicht in die Auswertung mit einfließen, fehlt häufig ein Anhaltspunkt für die Qualität z.B. einer Erwähnung auf Twitter, einem Like bei Facebook oder aber auch einer Erwähnung auf einem Blog von WordPress. Auch ist bislang noch nicht geklärt, wie mit den Messwerten von „Views“ auf Videoplattformen wie Youtube und Vimeo umgegangen wird und was diese aussagen. Möglich wäre dabei auch eine unterschiedliche Gewichtung der Quellen. Es darf aber auch nicht vergessen werden, dass es gerade die Idee von alternativen Metriken ist, die bisherige Beschränkung auf wenige renommierte Quellen aufzubrechen und Nutzung viel genereller und offener darstellbar zu machen. Daraus ergibt sich auch die große Möglichkeit, dass für unterschiedliche Fachdisziplinen unterschiedliche Metriken Einfluss auf den jeweiligen Impact haben und damit fachspezifische Faktoren entworfen werden können.

ZB MED prüft derzeit die Möglichkeiten der Einbindung von Altmetriken in seine PUBLISSO-Publikationsplattformen, um Herausgeberinnen / Herausgeber und Autorinnen /Autoren, Informationen zur Nutzung der Publikationen bereitzustellen.


(1) Siehe auch: J. Schmitz (2016): Messung von Forschungsleistungen. Altmetrics: Auf dem Weg zur Standardisierung. In: Open Password Pushdienst vom 10.06.2016
(2) San Francisco Declaration on Research Assessment
(3) J. Priem, D. Taraborelli, P. Groth, C. Neylon (2010), Altmetrics: A manifesto, 26.10.2010
(4) Altmetric Badges
(5) A. Jobmann, Ch. P. Hoffmann, S. Künne, I. Peters, J. Schmitz, G. Wollnik-Korn (2014): Altmetrics for large, multidisciplinary research groups: Comparison of current tools. In: Bibliometrie: Praxis und Forschung. Band 3, urn:nbn:de:bvb:355-bpf-205-9
(6) Lagotto
(7) ALM – Article-Level Metrics
(8) Siehe hierzu auch S. Haustein (2016): Grand challenges in altmetrics: heterogeneity, data quality and dependencies. In: Scientometrics 108: 413-423. DOI:10.1007/s11192-016-1910-9.

Tipps & Tricks: Ermittlung von Zitationsraten für Zeitschriften, die nicht im Web of Science ausgewertet werden

Von Jasmin Schmitz

Für Herausgeber von wissenschaftlichen Zeitschriften stellt sich häufig die Frage: Wie wird meine Zeitschrift rezipiert? Abruf- und Downloadzahlen geben Aufschluss darüber, wie häufig Artikel angesehen wurden. Die „Währung“ im Wissenschaftsbetrieb sind allerdings Zitationen. Die Häufigkeit, mit der Artikel oder Zeitschriften zitiert werden, ist in unterschiedlichen Evaluierungskontexten von Interesse. Auch bei Zeitschriftenrankings wie den Journal Citation Reports (JCR) (1) spielen sie eine Rolle.

Für die Ermittlung von Zitationsraten benötigt man Zitationsdatenbanken wie Web of Science (2) und Scopus (3), die für die von ihnen aufgenommenen Zeitschriften auszählen, wie häufig die in dieser Zeitschrift erschienenen Artikel in den Referenzen anderer Artikel auftauchen. Google Scholar (4) erfasst ebenfalls Zitationsraten, ist aber aufgrund der fehlenden Transparenz und unzureichender Fehlerbereinigung nur bedingt zu empfehlen (5).

Doch was machen Zeitschriftenbetreiber, wenn ihre Zeitschriften nicht von den Zitationsdatenbanken indexiert werden? Dies betrifft häufig Zeitschriften-Neugründungen oder Zeitschriften, die aufgrund ihres speziellen thematischen Zuschnitts nicht in das „Auswertungsprofil“ der Zitationsdatenbanken passen. Entsprechende Zitatraten lassen sich mit etwas Aufwand ebenfalls mithilfe von Zitationsdatenbanken ermitteln. Hierzu kann in den Referenzen (engl. Cited References) der Artikel gesucht werden, die in Zeitschriften erscheinen, die in den Zitationsdatenbanken indexiert sind. Dort schaut man, wie häufig die gesuchte Zeitschrift zitiert wurde.

Das Vorgehen soll exemplarisch anhand des Web of Science erläutert werden.

 

Schritt 1 – Aufruf der „Cited Reference Search“:

Screenshot von Web of Science, Cited Reference Search

 

Schritt 2 – Suche nach der Zeitschrift im Feld „Cited Work“:

Screenshot von Web of Science, Cited Work

 

Schritt 3 – Durchsicht der Trefferliste:

Screenshot von Web of Science, Durchsicht der Trefferliste

Aufgelistet werden die Publikationen der gesuchten Zeitschrift, die zitiert wurden, alphabetisch sortiert nach dem Namen des Erstautors. In der Spalte „Citing Articles“ wird angegeben, wie häufig der entsprechende Artikel im Web of Science zitiert wurde. Um eine Zitationsrate für die gesamte Zeitschrift oder Jahrgänge zu ermitteln, müssten die Werte jeweils zusammengezählt werden. Da die Zeitschrift selbst nicht vom Web of Science indexiert wird, tauchen hier nur Artikel auf, die auch tatsächlich innerhalb des Web of Science zitiert werden.

Hakt man bei „Select“ einzelne Artikel an und geht anschließend auf „Finish Search“, so kann man die Artikel sehen, die die gesuchte Zeitschrift zitieren.

Grundsätzlich: Bei der Bewertung von sämtlichen Zitationszahlen sollte unbedingt beachtet werden, dass nur Referenzen innerhalb der jeweiligen Zitationsdatenbank ausgewertet werden (also Referenzen von Artikeln aus Zeitschriften, die in der Zitationsdatenbank indexiert werden). Die tatsächliche Anzahl der Zitationen kann daher höher sein.


 

(1) Thomson Reuters: Journal Citation Reports
(2) Thomson Reuters: Web of Science
(3) Elsevier: Scopus
(4) Google Scholar Help
(5) Jacso, Peter (2012): Using Google Scholar for journal impact factors and the h-index in nationwide publishing assessments in academia – Siren songs and air-raid sirens (final manuscript). Online Information Review, 36(3): 462-478. DOI: 10.1108/14684521211241503

„Beyond Metadata“ – Wir reichern LIVIVO semantisch an!

Von Alexandra Hagelstein

Das ZB MED-Suchportal LIVIVO enthält Metadaten aus 55 Millionen Publikationen der Lebenswissenschaften. Typische Metadaten sind beispielsweise Titel, Namen der Autorinnen / Autoren oder das Erscheinungsjahr. Mit unserer neuen Methode extrahieren wir nun Titel und Abstract der Publikationen aus LIVIVO und annotieren die Texte mit den Begriffen der Ontologien. Volltexte durchsuchen wir aktuell noch nicht.

Was ist eigentlich eine Ontologie?

Ontologien enthalten semantische Informationen zu Begriffen, die sie beinhalten. Eine Ontologie repräsentiert Wissen über bestimmte definierte Fachbereiche. Dabei werden Entitäten, also die einzelnen Begriffe, und ihre strukturellen Beziehungen zueinander modelliert. Diese Beziehungen werden in der Regel hierarchisch dargestellt. Bei einer hierarchischen Darstellung sind die Elemente ausgehend von einer Wurzel wie Äste in einem Baum einander über- und untergeordnet.

Nehmen wir passend zum Sommer und zur Kirschzeit den englischen Begriff „cherries“ aus dem agrarwissenschaftlichen Thesaurus Agrovoc. „Cherries“ ist sowohl ein Oberbegriff von „sour cherries“ und „sweet cherries“, als auch Unterbegriff von „stone fruits“. Der Begriff „stone fruits“ ist wiederum Unterbegriff von „fruits“ usw. Auch gleichrangige Begriffe werden dargestellt. So ist „fruits“ in Agrovoc auf der selben Ebene wie beispielsweise „spices“, „legumes“, „cereals“ annotiert.

Der Agrovoc-Thesaurus ist Teil der „Linked Open Data Cloud“. Die LOD Cloud besteht aus offen zugänglichen und maschinenlesbaren Ontologien von verschiedenen Wissensdomänen. Eine der bekanntesten Ontologien aus der LOD Cloud ist zum Beispiel DBpedia. Neben Agrovoc gibt es weitere Ontologien, die den spezifischen Bereich der Lebenswissenschaften abdecken, aus denen wir aktuell noch zwei weitere benutzen. Medical Subject Headings (Akronym: MeSH) enthält Begriffe aus dem Bereich Medizin und semantische Informationen derselben. DrugBank enthält bedeutungstragende Informationen zu Medikamenten und Proteinen.

Woran forschen wir von ZB MED?

Üblicherweise erfolgt die Annotation von Schlagwörtern in Dokumenten manuell. Seit einiger Zeit beschäftigen wir uns mit Methoden, unsere LIVIVO-Metadaten automatisiert semantisch anzureichern, damit wir die Metadaten auch inhaltlich erschließen können. In einer Publikation, die auch bereits zur Veröffentlichung bei einer Konferenz (1) eingereicht wurde, stellen wir einen Ansatz vor, wie wir Metadaten mit Entitäten aus den Ontologien MeSH, Agrovoc und DrugBank semantisch verknüpfen. Die drei Ontologien decken schon ein breites Spektrum im Bereich der Lebenswissenschaften ab. Für die automatisierte Anreicherung benutzen wir ein JAVA-Framework, dass von IBM entwickelte wurde und als Open Source mit dem Namen UIMA (Unstructured Information Management Architecture) verfügbar ist. Das Framework ist beliebig mit weiteren Ontologien erweiterbar.

Die Entitäten der LOD Cloud werden mithilfe des Apache UIMA Frameworks aus den Metadaten extrahiert. Im ersten Schritt lesen wir Titel und Abstract aus unserer Wissensdatenbank, danach erfolgt mit einem sogenannten Offset-Tokenizer die Zerlegung der Sätze in einzelne Wörter. Dabei berücksichtigt der Offset-Tokenizer sowohl einzelne Wörter wie „brain“, als auch zusammengesetzte Nomen wie „epileptic seizures“ oder „Long QT Syndrome“ als jeweils ein Token. Die einzelnen Tokens werden mit dem Conceptmapper semantisch mit den entsprechenden Einträgen aus den Ontologien annotiert. Zum Schluss werden die annotierten Daten in die Wissensdatenbank aufgenommen.

In den Metadaten von LIVIVO wurden mehr als 1 Milliarde Entitäten gefunden. Die meisten von ihnen stammen aus MeSH (531 Millionen), gefolgt von Begriffen aus Agrovoc (447 Millionen) und Drugbank (50 Millionen).

Unsere ersten Ergebnisse

Als erste Anwendung haben wir die Ergebnisse unserer Arbeit als Wordcloud grafisch dargestellt. Dazu haben wir aus jeder Ontologie die 100 am häufigsten gefundenen Begriffe aus der Wissensdatenbank extrahiert und mit Wordclouds visualisiert. Mit Hilfe eines Schiebereglers lässt sich die Grafik in der Anwendung skalieren. Auf Basis dieser Wordclouds können dann Services entwickelt werden.

Wordcloud

Diese Wordcloud zeigt die 100 am häufigsten gefundenen Begriffe mit Agrovoc.

Der Prototyp der Applikation ist bereits online verfügbar. Mithilfe des Ansatzes, Begriffe automatisch aus unseren Metadaten zu extrahieren, wollen wir in Zukunft neue Funktionen für LIVIVO anbieten. Sobald es dort Neuigkeiten gibt – und diese werden auch nicht lange auf sich warten lassen – erfahren Sie es zuerst hier im ZB MED-Blog!


(1) Bernd Müller / Alexandra Hagelstein: Beyond Metadata – Enriching life science publications in LIVIVO with semantic entities from the linked data cloud. Köln, 2016. Wissenschaftliche Publikation eingereicht zur Konferenz „Semantics“, Leipzig


Links zu Ontologien:
Agrovoc
MeSH
DrugBank
DBpedia

 

ZB MED begibt sich in einen Transformationsprozess

Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) hat am 24. Juni beschlossen, dass die Bund-Länder-Förderung für ZB MED zum 31. Dezember 2016 beendet wird. Damit verbunden ist dann der Abschied aus der Leibniz-Gemeinschaft. Aber zugleich begrüßten die Bund- und Länder-Vertreterinnen und -Vertreter in der GWK, dass das Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen (MIWF NRW) und das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) sich gemeinsam bemühen wollen, den Erhalt der überregionalen Informationsversorgung in den Lebenswissenschaften sicherzustellen. Dass die GWK dieses Vorhaben nicht nur zur Kenntnis nimmt, sondern ausdrücklich begrüßt, ist nach dem Beschluss, aus der Leibniz-Gemeinschaft auszuscheiden, ungewöhnlich und daher für uns ein entscheidendes und positives Signal. Konkret heißt das für ZB MED, dass BMG und MIWF uns dabei unterstützen wollen, auf den erreichten Teilerfolgen aufzubauen und einen Transformationsprozess durchzuführen, aus dem ZB MED als modernes Fachinformationszentrum hervorgehen soll. Am Ende dieses Prozesses steht dann hoffentlich die Wiederaufnahme in die reguläre Bund-Länder-Förderung. In der Zwischenzeit – bis zum Ende des Jahres 2019 – erhalten wir eine sogenannte Auslauffinanzierung, die zunächst in Höhe unserer bisherigen Förderung bereitgestellt wird. Die Fraktion DIE LINKE hatte zwei Kleine Anfragen an die Bundesregierung zum Thema ZB MED und DIMDI gestellt. In der Antwort, die in einer Vorabfassung bereits veröffentlicht wurde, heißt es dazu: „Die Bundesregierung würde es begrüßen, wenn dieser Prozess so erfolgreich beendet wird, dass für die ZB MED die Wiederaufnahme in die Leibniz-Gemeinschaft nach erfolgreicher wissenschaftlicher Begutachtung unter Einhaltung der bestehenden Verfahrensregelungen beantragt werden kann.“ (1)

Unterstützung

Zahlreiche Stellungnahmen und auch die Online-Petition #keepZBMED haben sich an die Politik gerichtet, mit dem Ziel den Fortbestand von ZB MED zu sichern. All das hat zum einen allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hier bei der täglichen Arbeit in schwieriger Zeit den Rücken gestärkt. Aber zum anderen hatte es auch politisches Gewicht! Denn wenn nicht so viele Mitglieder der Wissenschaftscommunity die überregionale Bedeutung von ZB MED als wichtiger Informationsversorger in den Lebenswissenschaften auf unterschiedliche Weise hervorgehoben hätten, stellt sich die Frage, ob dieses Ergebnis erzielt worden wäre. Denn mit dem nun aufgezeigten Weg ist der Erhalt von ZB MED als das zentrale Servicezentrum für Fachinformationen und Forschungsunterstützung in den Lebenswissenschaften in Deutschland in Sichtweite.
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(1) Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage: Drohende Verschlechterung des Zugangs zu medizinischem Wissen in Deutschland (Vorabfassung), S. 14

Weiterführende Informationen:
Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage: Debatte um die Zentralbibliothek Medizin (Vorabfassung)
Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage: Drohende Verschlechterung des Zugangs zu medizinischem Wissen in Deutschland (Vorabfassung)

Warum gibt es uns eigentlich zwei Mal? Von USB und ZBL zu ZB MED!

Von Martin Briel (Auszubildender bei ZB MED)

ZB MED versorgt Kundinnen und Kunden in Köln mit Literatur und anderen Medien aus den Bereichen Medizin und Gesundheit und in Bonn mit Informationen rund um die Ernährungs-, Umwelt- und Agrarwissenschaften. Alle diese Themen zusammen sind die Lebenswissenschaften. Aber warum machen wir es uns selbst so kompliziert? Wäre es nicht praktischer, alles an einem gemeinsamen Standort zu haben? Und warum sind die Themengebiete ausgerechnet in Medizin und Gesundheit sowie Ernährungs-, Umwelt- und Agrarwissenschaften aufgeteilt?

Als ich hier vor zwei Jahren meine Ausbildung zum Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste (kurz FaMI) anfing und meiner Familie und meinen Freunden erzählte, dass ich sowohl in Köln als auch in Bonn arbeiten werde, haben sie mich das auch gefragt. Kurz nach der Frage, was denn ein FaMI eigentlich ist und ob man sich damit anstecken könnte, aber das ist eine andere Geschichte …

Dass ZB MED eigentlich aus zwei Bibliotheken besteht, hängt mit unserer bzw. der Geschichte unserer Vorgängereinrichtungen zusammen.

ZB MED in Köln

Foto des Gebäudes der damaligen medizinischen Abteilungsbibliothek

Gebäude der damaligen medizinischen Abteilungsbibliothek (Foto von 1970) Quelle: ZB MED

Im Jahre 1908 wurde in Köln die „Bibliothek der Akademie für praktische Medizin“ gegründet. Sie hatte als Krankenhausbibliothek die Aufgabe, das Krankenhauspersonal der damaligen Krankenanstalt Lindenburg mit Fachliteratur zu versorgen. Zunächst gab es einen Bestand von 75 laufenden Zeitschriften und 5000 Büchern. Durch den gezielten Erwerb von Medien, Nachlässen und verschiedenen Sammlungen wuchs der Bestand schnell auf über 30.000 Medien an. Als 1920 die Universitäts- und Stadtbibliothek Köln (USB) neugegründet wurde, wurde die damalige Vorgängerin von ZB MED als medizinische Abteilungsbibliothek dort eingegliedert. Das Bibliotheksgebäude befand sich in der Joseph-Stelzmann-Straße.

Foto des Neubaus der ZB MED

Neubau von ZB MED auf dem Gelände der Kölner Unikliniken (Foto von 1996) Quelle: ZB MED

1964 empfahlen DFG und Wissenschaftsrat, die medizinische Abteilungsbibliothek der USB Köln zur Zentralbibliothek für Medizin auszubauen. Diese wurde 1969 gegründet. Am 3. Juli 1973 erhielt sie ihre erste Satzung. Dieses Datum gilt heute als das eigentliche Gründungsdatum von ZB MED.

1994 wurde der Name in „Deutsche Zentralbibliothek für Medizin“ geändert; ZB MED zog 1999 in ein eigens errichtetes Gebäude auf dem Gelände der Unikliniken.

In den Jahren 2001 bzw. Jahr 2003 hat ZB MED die fachlich passenden Spezialgebiete Ernährungs-, Umwelt- und Agrarwissenschaften und den neuen Standort Bonn hinzugewonnen. Wie kam es dazu? Ein Rückblick auf die Geschichte des ZB MED-Standortes Bonn, der viele interessante Details bereithält, gibt die Erklärung.

Geschichte der Bibliothek in Bonn

Gemälde der Königlich Landwirtschaftlichen Akademie in Bonn

Hans Joseph Becker: Königl. Landwirtschaftliche Akademie Bonn=Poppelsdorf aus der Vogelschau. Gouache m. Farb- und Bleistiften auf Papier, 124,5 x 219,5 cm, 1907

 

Im Jahre 1847 wird in Bonn-Poppelsdorf die „Höhere landwirtschaftliche Lehranstalt“ gegründet. Da es noch keine Literaturbasis gab, stellte der damalige Direktor der Lehranstalt, Dr. Schweitzer, Bücher aus seiner privaten Bibliothek zu Verfügung. Die noch junge Bibliothek befand sich in zwei (Zitat Schweizer: „dürftigen“) Räumen des 1889 abgerissenen Gutsgebäudes.

1852 zieht die Bibliothek, der jährlich etliche Bücher verloren gehen, in zwei Zimmer des Dachgeschosses des Direktorial- oder Dekanatsgebäudes in der Meckenheimer Allee um. Erreichen können Studierende sie nur, wenn sie durch die Wohnung des Direktors gehen. In der Folgezeit wird die Bibliothek nur selten genutzt, da es in den Räumen weder künstliche Beleuchtung noch eine Heizung gibt.

Foto des Hauptlehrgebäudes der Königlich Landwirtschaftlichen Akademie in Bonn

Im Hauptlehrgebäude der Königlich Landwirtschaftlichen Akademie (in Poppelsdorf) in der Meckenheimer Allee belegte die Bibliothek von 1907 bis 1983 Erdgeschoß und Kellerräume (Foto von 1949) Quelle: ZB MED

1861 wird die Lehranstalt vom preußischen Staat zur „Königlich Preußischen Landwirtschaftlichen Akademie“ erhoben. Die Bibliotheksangestellten können nun leichter Literatur aus dem Ausland und Nachlässe erwerben. Ab 1900 umfasst der Bibliotheksbestand über 10.000 Bände. Die Studierenden kritisieren die ungünstigen Ausleih- und Benutzungszeiten, sowie die Räumlichkeiten (inzwischen gibt es unglaublicherweise eine Hängelampe, die 1852 angeschafft wurde). 

Foto des Lesesaals in Bonn

Erster großer Lesesaal der Bibliothek in der Meckenheimer Allee (Foto von 1949) Quelle: ZB MED

Der Bestand wächst weiterhin. Nachdem viele der Bücher aus Platzmangel teilweise gestapelt werden mussten, zieht die Bibliothek 1907 ins Erdgeschoss des Hauptlehrgebäudes um. 1934 wird die Landwirtschaftliche Hochschule der Universität Bonn als siebente Fakultät angegliedert. Die Bibliothek wird zur „Abteilung Landwirtschaft“ der Universitätsbibliothek Bonn.

 

Foto des Lesesaals in Bonn

Gemeinsamer Lesesaal von ZB MED und ULB in Bonn-Poppelsdorf Quelle: ZB MED / Marcus Gloger

 

Im Jahr 1950 bekommt sie von der Deutschen Forschungsgemeinschaft das Sondersammelgebiet Landwirtschaft zugewiesen und wird 1962 von ihr zur Zentralbibliothek der Landbauwissenschaft ernannt. Somit war die Bibliothek verpflichtet, landwirtschaftliche Fachliteratur zu sammeln.

Zusammen mit den naturwissenschaftlichen und medizinischen Beständen der Universitätsbibliothek umfasste der Bestand der ZBL 470.000 Bände und 6.150 Zeitschriften. 1983 bezogen die beiden Bibliotheken das gemeinsame Gebäude und den heutigen Standort von ZB MED in Bonn in der Nußallee 15a.

Da die ZBL in die sogenannte „Blaue Liste“ (heute Leibniz-Gemeinschaft) eingetragen war und Gelder von Bund und Ländern bekam, änderte sie 1995 ihren Namen in „Deutsche Zentralbibliothek für Landbauwissenschaften“.

Zusammenführung der beiden Bibliotheken

1999: Der Wissenschaftsrat empfiehlt die Einstellung der Förderung der ZBL als Blaue-Liste-Einrichtung.
2001: Die Abwicklung der ZBL wird beschlossen. Geschlossen wird sie jedoch nicht. Sie wird in das Fachgebiet Ernährung und Umwelt und in das Fachgebiet Agrarwissenschaften aufgeteilt. Die Fächer Ernährung und Umwelt werden Teil von ZB MED Köln, da diese die Themengebiete Medizin und Gesundheit ergänzen.

Im Jahr 2003 entscheidet man sich dazu, das Fachgebiet Agrarwissenschaften ebenfalls ins Sammelspektrum von ZB MED aufzunehmen. Damit ist die Einrichtung von ZB MED als heutiges Informationszentrum Lebenswissenschaften an zwei Standorten vollzogen!

Licht am Horizont – Update zu den Entwicklungen bei ZB MED

Seitdem wir nach Beendigung der Petition an dieser Stelle über die Entwicklungen rund um die Leibniz-Senatsempfehlung, die Bund-Länder-Förderung (gemäß den Ausführungsvereinbarung zum GWK-Abkommen über die gemeinsame Förderung der Mitgliedseinrichtungen der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e.V. – so die formale Bezeichnung) für ZB MED zu beenden, berichtet haben, ist viel passiert. Daher wird es höchste Zeit, wieder einmal über den aktuellen Stand zu informieren!

Petition
Am 12.5. hat Prof. Mumenthaler, Initiator der Petition, die Unterschriftenliste zur Petition #keepZBMED per Post und per E-Mail an alle Mitglieder der GWK geschickt. In der Petition gab es die Möglichkeit, die eigene Unterschrift zu kommentieren („Ich unterschreibe weil …“). Gerade diese Kommentare – insgesamt 99 Seiten! – machen sehr deutlich, was es für Folgen hätte, wenn ZB MED nicht weiter von Bund und Ländern finanziert werden würde und dadurch nicht länger als nationale zentrale Fachbibliothek in der jetzigen Form zur Verfügung stehen würde. Eine Auswahl der Kommentare wurde den Briefen und Mails an die GWK-Mitglieder beigefügt.

Stellungnahmen
Zu unserer Unterstützung haben inzwischen einige Verbände und Institutionen Stellungnahmen abgegeben. Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) hebt beispielsweise hervor, dass die Abhängigkeit der Forschung von kommerziellen Verlagsinteressen ohne ZB MED weiter wachsen würde. Die Arbeitsgemeinschaft für Medizinisches Bibliothekswesen (AGMB) stellt fest, dass ein Wegfall unserer Services die Medizinbibliotheken nachhaltig in der Arbeit behindern würde, da viele eigene Angebote auf ZB MED-Services aufbauen. Der Verein Deutscher Bibliothekarinnen und Bibliothekare (VDB) merkt an, dass die wegfallenden Leistungen an anderer Stelle erbracht werden müssten, so dass tatsächliche Einsparungen letztlich nicht stattfinden würden. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) weist in einem offenen Brief darauf hin, dass ZB MED dem Institut im Jahr 2015 fast 3.500 Volltexte geliefert habe. Diese seien zentrale Grundlagen für Gutachten zur Bewertung von Nutzen und Schaden für Patientinnen und Patienten bei medizinischen Maßnahmen. Und auch der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie e.V. (BPI) zeigt sich besorgt und erklärt, dass die schnelle und unkomplizierte Bereitstellung von Fachliteratur durch ZB MED nachhaltig der Patientensicherheit diene. Die Datenbanken und Recherchetools ermöglichen eine effiziente Bearbeitung und Beurteilung von Fällen unerwünschter Arzneimittelwirkungen. Der Verlust der Dienstleistungen von ZB MED würde die Möglichkeiten der Literaturbeschaffung für die gesamte pharmazeutische Industrie deutlich einschränken.

All diese Stellungnahmen appellieren an die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK), ZB MED zu erhalten, möglicherweise mit einem neuen, durch das zuständige Sitzland und das Bundesressort getragenen Finanzierungsmodell. Für diese Unterstützung bedanken wir uns ganz herzlich!

In diesem Zusammenhang ist auch die Kleine Anfrage der Fraktion „Die Linke“ an den Deutschen Bundestag erwähnenswert. Die Politikerinnen und Politiker stellen insgesamt 27 Fragen, die die Debatte um ZB MED aufgreifen. Darin geht es um die Entscheidungsfindung im Senat der Leibniz-Gemeinschaft und der GWK. Aber es wird auch nach der Bedeutung von ZB MED für die Lebenswissenschaften gefragt und wie die zukünftige Entwicklung aussehen könnte. Eine weitere Kleine Anfrage dieser Fraktion befasst sich mit der „Drohenden Verschlechterung des Zugangs zu medizinischem Wissen in Deutschland“ allgemein und welche Aufgaben im öffentlichen Interesse die Bundesregierung dort sieht. Wir dürfen alle sehr gespannt auf die Antworten sein!

Ausblick
Ob all diese Maßnahmen letztendlich Erfolg bringen, ist derzeit noch nicht absehbar. Aber inzwischen sehen wir wieder vorsichtig optimistisch in die Zukunft. Denn unsere Geldgeber aus Bund und Land stehen weiter hinter uns, wofür wir sehr dankbar sind! Sie haben in den vergangenen Wochen intensiv darauf hingewirkt, dass ZB MED auch nach einem möglichen Ausscheiden aus der Leibniz-Gemeinschaft seine national bedeutsamen Aufgaben wahrnehmen kann. Das nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerium (MIWF NRW) sieht sich dabei in der Verantwortung, die zukunftsorientierte Transformation von ZB MED fortzuführen und damit die bundesweite Informationsversorgung in den Lebenswissenschaften sicherzustellen. Dabei wird das MIWF NRW vom Bundesgesundheitsministerium nach wie vor unterstützt.

Zunächst warten wir aber die Entscheidung der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) ab. Über die Sitzung ihres Ausschusses am 24.5. haben wir bisher keine Details erfahren; eine Entscheidung wurde noch nicht getroffen. Die Konferenz selbst tagt nun am 24.6. und wird dann einen Beschluss fassen. Wir werden darüber durch ein Protokoll informiert, dass wir ca. vier Wochen nach der Sitzung erhalten. Es ist allerdings nicht damit zu rechnen, dass die GWK sich gegen die Empfehlung des Senates der Leibniz-Gemeinschaft stellt. Aber wenn die GWK die Aktivitäten von Bund und Land zur Transformation von ZB MED unterstützt, wäre das für uns ein entscheidendes Signal.

Ganz konkret würde dies bedeuten, dass wir die dreijährige Übergangsfinanzierung, die nach der Leibniz-Senatsempfehlung festgeschrieben ist (in den ersten beiden Jahren beträgt das Budget in der Regel 100% des Ansatzes von 2016, im dritten Jahr bis zu 100%), nutzen, um den begonnenen Transformationsprozess zu einem modernen Fachinformationszentrum fortzuführen und uns neu aufzustellen. Eine zentrale Rolle spielen dabei die Besetzungen der beiden Professuren in Bonn (W2) und Köln (W3, gleichzeitig neue Direktion von ZB MED), die nun zügig in Kooperation mit den jeweiligen Hochschulen erfolgen sollen. Die Universitäten haben bereits ihr Interesse daran signalisiert. Danach könnte uns dann der Weg zurück in die Bund-Länder-Förderung offen stehen.

Weitere Informationen:

Stellungnahmen :

Weitere Stellungnahmen liegen uns (teilweise als Entwurf) vor, sind jedoch nicht öffentlich. Diese Liste wird daher regelmäßig aktualisiert.

Kleinen Anfragen beim Deutschen Bundestag:

Das perfekte Webinar – Ergebnisse einer ZB MED-Umfrage

Bequem vom Arbeitsplatz oder von zuhause aus, am PC oder Tablet, zeitlich flexibel den beruflichen oder privaten Horizont erweitern und in den direkten Austausch mit Fachexperten kommen? Webinare machen’s möglich.

Auch wir bei ZB MED möchten zukünftig mit Webinaren über unsere Produkte und Services informieren. Das Format wird für alle Interessierten zur Verfügung stehen, sich aber in erster Linie an multiplizierende Personen wie Bibliothekarinnen und Bibliothekare richten. Studierende und Forschende, so ein Ergebnis einer Befragung im Rahmen einer Usability-Studie an LIVIVO 2015, bevorzugen statt Webinaren kurze Online-Videos wie ZB MED sie bereits für Ihre Services GMS, DOI-Vergabe & Co. anbietet (zum YouTube-Channel von ZB MED).

Wir möchten dabei unsere Angebote möglichst nah an den Wünschen und Erwartungen unserer Nutzerinnen und Nutzer entwickeln. Daher haben wir Personen aus unserer Zielgruppe zu einer Online-Umfrage eingeladen, um mehr über deren Vorstellungen zu erfahren. 59 Personen füllten die Umfrage vollständig aus und erlaubten uns teils sehr detaillierte Einblicke in ihre Ansichten.

Zunächst ein bisschen Demographie:Sozio-Demographie_kleinDie Befragten waren zwischen 29 und 64 Jahre alt und kamen aus ganz Deutschland, nur 4% aus dem direkten ZB MED-Einzugsgebiet (Köln/Bonn). 86% waren Bibliothekarinnen und Bibliothekare, der Rest entstammte der Wissenschaft (z.B. Lehrende an Hochschulen). Es beteiligten sich Vertreter aller ZB MED-Fachgebiete Medizin, Gesundheitswesen, Ernährungs-, Umwelt- und Agrarwissenschaften. Das Fachgebiet Medizin war dabei mit 72% am häufigsten vertreten, dafür waren aber auch Personen aus dem Bereich der Naturwissenschaften (7%), wie Biologie oder Chemie unter den Befragten.

Die Befragung hat interessante Ansätze für die Ausgestaltung von ZB MED-Webinaren ergeben:
Das ideale Webinar findet demnach am Vormittag oder frühen Nachmittag statt, der Termin vermeidet dabei Montage und Freitage. Mit 30 bis maximal 45 Minuten ist es kurz gehalten. Eingeladen wird per E-Mail, bei produktbezogenen Webinaren auch gerne über einen Hinweis beim Produkt selbst, wie z.B. in LIVIVO. Das Webinar verwendet interaktive Elemente wie Chat und Downloadmöglichkeiten, sowie Umfragen und Feedback-Buttons (z.B. für „Hand heben“, „Applaus“). Im Nachgang steht eine Aufzeichnung des Webinars als Download zur Verfügung, Chat & Co. sind dabei jedoch anonymisiert.

Themen ZB MED-WebinareGefragte Themen für ZB MED-Webinare sind in erster Linie das ZB MED-Suchportal LIVIVO, sowie die Beratung zum Thema Open-Access-Publizieren und das Publikationsportal PUBLISSO. Nach Ansicht der Befragten sollte das Format von ZB MED quartalsweise oder bei Bedarf zu unterschiedlichen Themen angeboten werden.

Freitext-Felder in der Befragung wurden rege genutzt, um auch konkrete Fragestellungen anzusprechend. Einige dieser Anregungen sind bereits in Hilfetexte und Schulungen für LIVIVO oder PUBLISSO eingeflossen, z.B. zur Transparenz der Suche und der Rankingkriterien.

Auf Basis dieser Ergebnisse wird nun ein passendes Angebot entwickelt. Die ersten Webinare für die ZB MED-Produkte PUBLISSO und LIVIVO gehen in Kürze an den Start.

Frauenberuf? Männerberuf? Tschüss, Klischee! Teil II

 

Foto des Begrüßungsschilds beim Girls'Day.

ZB MED engagiert sich beim Girls’Day.

Wir möchten junge Frauen und Männer bei der Berufswahlorientierung unterstützen. Was 2011 mit unseren Boys’Day-Aktionen begann, wurde 2014 erstmals auch für Schülerinnen mit unserem Girls’Day-Angebot realisiert.

Unter dem Slogan „Clevere Girls machen sich stark für die Technik von morgen“ engagiert ZB MED sich 2016 zum dritten Mal mit großer Einsatzbereitschaft für Mädchen beim Girls’Day, dem Mädchen-Zukunftstag, der am 28.4.2016 stattfindet. Ein Leitungswechsel im Querschnittsbereich IT machte es vor drei Jahren möglich, an diesem Aktionstag unsere Türen auch für Schülerinnen zu öffnen. Leider kam bisher keine Kooperation mit der Technischen Hochschule Köln, Campus IT in Gummersbach, zu Stande. So informieren wir bislang nur theoretisch über das Studienangebot Informatik. Umso intensiver ist unser Praxisteil. 2016 starten wir mit einer Bibliotheksführung. Daran schließt sich ein gemeinsames Frühstück zum gegenseitigen Kennenlernen mit belegten Brötchen, Obst, Joghurt und Getränken an.

Im Praxisteil 1 „Der Weg vom Buch zum Digitalisat“  werden jeweils zwei Schülerinnen von je einer Kollegin der Abteilung Retrodigitalisierung betreut. Die Schülerinnen lernen die Abläufe in dieser Abteilung kennen, die Medien für die digitalen Sammlungen von ZB MED digitalisiert: An einem Buchscanner sind genau auf das Buch abgestimmte Einstellungen (Licht, Kamera, Rahmen …) vorzunehmen. Danach erfolgt der Scanvorgang. Mit dem Visual Library Manager, einem Computerprogramm, wird der gescannte Buchinhalt strukturiert. Eine weitere Software, die später eine automatische Texterkennung möglich macht, kommt danach zum Einsatz. Nach einer intensiven Qualitätskontrolle erfolgt die Online-Stellung des Buches in den Digitalen Sammlungen von ZB MED.

Im Praxisteil 2 haben zwei Schülerinnen die Möglichkeit bei einer Informatikerin die Programmiersprache Perl kennen zu lernen. Zum Ende diesen Teils wird ein kleines Programm mit einem Fragebogenalgorithmus zur Internetnutzung erstellt. Die beiden anderen Schülerinnen hospitieren bei einer Computerlinguistin und beschäftigen sich mit dem Thema „Automatische Extraktion von Protagonisten aus einem literarischen Werk mithilfe der Programmiersprache Python“. In anderen Worten: Die Schülerinnen dürfen sich ein Märchen ihrer Wahl aussuchen und dann extrahieren sie maschinell die Personen, die in diesem Märchen interagieren. Zum Ende dieses Praxisteils sind sie darüber informiert, was die Thesauri im Hintergrund unseres Suchportals LIVIVO bewirken und wie sie die Suchergebnisse verbessern. Wenn die Girls abschließend ihre Praxiserlebnisse mit den anderen teilen, liegt ein abwechslungsreicher Vormittag hinter ihnen.

Die rasanten technologischen Veränderungen und die Globalisierung der Märkte erhöhen gerade in einem Informationszentrum den Bedarf an hoch qualifizierten Fach- und Führungskräften. Dies gilt vor allem für den MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Vorbehalte abzubauen und „Clevere Girls“ für MINT-Karrieren zu begeistern, das sehen wir als unsere Aufgabe. Ich meine, dass uns das bei den jungen Frauen durch die praktische Erfahrung in der Lösung komplexer Aufgabenstellungen und vor allem, dem persönlichen Gespräch mit einer Vorbildfrau gelingen kann.

Kontakt:
Claudia Weßler
Gleichstellungsbeauftragte
Tel: +49 (0)221 478-5609
gleichstellung@zbmed.de

Chancengleichheit bei ZB MED

Frauenberuf? Männerberuf? Tschüss, Klischee! Teil I

Foto des Begrüßungsschilds am Boys'Day 2016

ZB MED beteiligt sich am Boys’Day 2016

Den passenden Beruf zu finden ist keine einfache Aufgabe. Jugendliche, die durch Praktika oder das Projekt Boys‘ und Girls’Day mehr über einige Berufe erfahren haben, fällt die Wahl oft schon leichter. Aber noch immer lassen sich junge Frauen und Männer von Geschlechterklischees und Rollenerwartungen einschränken und in ihrer Berufswahl beeinflussen. Dabei stehen beiden Geschlechtern viel mehr Möglichkeiten offen, die es zu entdecken gilt.

Unter dem Slogan „Starke Typen machen sich stark fürs Wissen von morgen“ engagiert ZB MED sich 2016 bereits zum sechsten Mal mit großem Enthusiasmus beim Boys’Day, dem Jungen-Zukunftstag, der am 28.4.2016 stattfindet. Was 2011 mit meiner Idee eines zweigeteilten Angebotes (Kennenlernen des Studiengangs Bibliothekswissenschaft und ZB MED-Praxisteil) begann, entwickelte sich schnell zu einem großen, gemeinschaftlichen Erfolg. Prof. Dr. Tom Becker (Institut für Informationswissenschaft der Technischen Hochschule Köln) gestaltet seit meiner Anfrage den Boys’Day-Vormittag mit einem Workshop zum Thema
„Mehr als nur Lesen!  Einblick in den Studiengang Bibliothekswesen auf die etwas andere Art: lesBAR: Worte;   hörBAR: Töne;  recherchierBAR: Daten;  erfahrBAR: Informationen; verstehBAR: Wissen.Eine kleine Reise durch die Medien- und Informationsgesellschaft.“ 

Mit der Erkenntnis, dass die Vermittlung von Informationskompetenz ein brandaktuelles Thema ist, treten die Jungen kurz nach 11 Uhr den Weg vom Ubierring zu ZB MED mit öffentlichen Verkehrsmitteln an. Hier eingetroffen können sie sich mit belegten Brötchen, Obst, Joghurt und Kaltgetränken stärken. Abgerundet wird das Kennenlernen durch einen Austausch mit unseren Auszubildenden, die Informationen rund um den Beruf des Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste (FaMI) weitergeben. Danach starten die Jungen in den Boys’Day-Nachmittag, der ganz im Zeichen der praktischen Arbeit eines Informationsvermittlers steht. Nach einer Bibliotheksführung gehen die Jugendlichen 2016 in eine Eins-zu-Eins-Betreuung in folgende Abteilungen: Dokumentlieferung, Lizenzen, Current Contents, Zeitschriften/Bestandserhaltung sowie die Stabsstelle Produkt- und Innovationsmanagement. Hier sind es fünf Kollegen, die jeweils einen Jungen bei der praktischen Arbeit unterstützen, die von ihrer Berufswahl berichten und ihre Erfahrungen in einem eher frauendominierten Berufsfeld weitergeben. Wenn die Jungen abschließend ihre Praxiserlebnisse mit den anderen teilen, liegt ein abwechslungsreicher Tag hinter ihnen. Ob wir mit unserem gemeinschaftlichen Engagement etwas in den Köpfen der Jungen bewegen konnten? Vielleicht haben wir bei ihnen die Neugier an alternativen Berufsbildern geweckt. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Menschen, die ein Berufsziel haben, ein Gespür dafür entwickeln, ob sie auf dem richtigen Weg sind. Dann fällt auch meist das Lernen leichter. Wir als Kooperationspartner des Boys’Day-Projekts möchten den „Starken Typen“ auf jeden Fall die Motivation zum Lernen mit auf ihren Weg geben.

Kontakt:
Claudia Weßler
Gleichstellungsbeauftragte
Tel: +49 (0)221 478-5609
gleichstellung@zbmed.de

Chancengleichheit bei ZB MED