Was macht ein FAMI in Schweden?

Von Martin Briel, Auszubildender bei ZB MED

Während ich in meinem gefühlt fünfzigsten und glücklicherweise letzten Praktikum in dieser Ausbildung sitze und diesen Artikel schreibe, erinnere ich mich gerne an ein Praktikum zurück, dass ich im Herbst 2016 absolviert habe. Damals habe ich für anderthalb Monate in Schweden gelebt und gearbeitet. Dass das nicht immer (aber meistens) schön war, erzähle ich jetzt.

Wie kommt man als Auszubildender an ein Auslandspraktikum?

Über das EU-Programm Erasmus+. Dieses wurde vor ein paar Jahren speziell für Auszubildende bzw. Berufstätige entwickelt. Der Name ist eine Anlehnung an das schon lange existierende Studentenaustauschprogramm Erasmus.

Im Falle eines Azubis wird der Kontakt zur Aufnahmeorganisation durch die Berufsschule des Azubis hergestellt. Da meine Berufsschule die Auslandspraktika zu dieser Zeit noch nicht anbot, haben wir Kontakt mit einer Schule in Essen aufgenommen. Eine Kollegin von mir ist dort zur Schule gegangen und hat im Laufe ihrer Ausbildung ein Praktikum in Kärnten gemacht.

Da mir Österreich zu bergig war, fragte ich, ob es nicht vielleicht noch ein bisschen weiter nördlich gehen würde. Tatsächlich wurde mir ein Praktikum in Westschweden angeboten.

Und warum Schweden?

Erstens: Warum nicht?

Zweitens: Deshalb:

Praktikumsbericht Schweden_Borås

Marktplatz Borås (Foto: Martin Briel)

Praktikumsbericht Schweden_Munksjön

Munksjön, Jönköping (Foto: Martin Briel)

Praktikumsbericht Schweden_Vättern

Vättern, Jönköping (Foto: Martin Briel)

Nach einem Vorbereitungsseminar und nie enden zu scheinendem Papierkram, ging es dann am 29. Oktober endlich los. Ich war entspannter, als ich angenommen hatte. Obwohl meine „längste“ Auslandserfahrung bis dato die 5 Tage waren, die ich alleine in England verbracht habe, um meinen ehemaligen Austauschschüler zu besuchen und ich in Schweden niemanden kannte, fiel die gesamte Anspannung von mir ab, als ich im IC nach Hamburg saß und mir bewusst wurde, dass es jetzt los gehen würde.

Und ja, ich bin nicht nach Schweden geflogen. Natürlich wäre es weitaus einfacher gewesen von Köln oder Düsseldorf nach Göteborg zu fliegen, aber bevor ich gesunden Geistes in ein Flugzeug steige, müsste die Welt untergehen.

Am nächsten Tag kam ich mittags in meiner über Airbnb gemieteten Wohnung in Borås (übrigens Buros gesprochen) an. Am Tag darauf ging es auch schon zum ersten Mal in die dortige Universität. Obwohl Borås „nur“ eine 100.000 Einwohner Stadt ist,  gibt es dort eine Universität. Sie gliedert sich in drei Fakultäten:

  • Fakultät für Textil, Technik und Wirtschaft
  • Fakultät für Gesundheit, Arbeit und Wohlfahrt
  • Fakultät für Bibliothek, Information, Bildung und IT

Lage von Borås in Schweden

Die dortige Bibliothek wird von den insgesamt ca. 13.000 Studierenden und Angestellten genutzt. Meine Aufgaben dort bezogen sich zum einen auf Tätigkeiten in der Bibliothek, wie zum Beispiel aussortieren (genannt makulieren) von Monographien, den Teilnahmen an Sitzungen und Meetings oder den Hospitationen bei allen Kolleginnen und Kollegen. Zum anderen gab es vorgegebene Aufgaben des ERASMUS+ Programms. Diese bestanden aus der regelmäßigen Führung eines Tagebuchs, dem Führen eines Interviews mit irgendeiner Person aus dem näheren ausländischen Umkreis, dem Erstellen von zwei großen PowerPoint-Präsentationen über die Qualitätssicherung im eigenen und dem ausländischen Betrieb und vielen, vielen anderen. Eigentlich unglaublich, wenn man bedenkt, dass alle diese Arbeiten nun für etliche Jahre auf einem Server in Brüssel vor sich hin vegetieren, bevor sie dann gelöscht werden …

Neben den ganzen Ausflügen ins Umland und nach Dänemark, der sehr abwechslungsreichen Arbeit und dem regelmäßigen „Fredags-Fika*“, gab es auch unschöne Seiten an dieser Zeit.

*Anmerkung des Autors: Fredags-Fika: Fredags heißt Freitag. Fika ist die schwedische Version einer Kaffeepause. Es ist eine soziale Institution! Neben übers Wetter reden und über das Kleid der Königin lästern … Jeden Freitag bringt jemand etwas zu essen mit; das ist meistens etwas Süßes. Man „feiert“ quasi, dass man die Woche erfolgreich hinter sich gebracht hat.

Praktikumsbericht Schweden_Bäckerei

Nein, das war keine der unschönen Seiten. In diesem Café habe ich regelmäßig zu Mittag gegessen, was meine Waage dann auch irgendwann gemerkt hat. Dieses Bild wollte ich nur hier reinbringen, um die Leserinnen und Leser hungrig zu machen. Hat’s geklappt? Gut! (Foto: Martin Briel)

Nun zu den wenigen unschönen Dingen:

Ich hatte in der regnerischsten Stadt Schwedens keinen Regenschirm dabei . Als ich mir dann einen kaufte, hat es natürlich nicht mehr geregnet.

Ich erkältete mich und hatte Medizin gegen ALLES dabei (wie Mütter eben so sind). Nur nichts gegen Schnupfen.

Ich habe meine Brille einmal in der Mitte durchgebrochen. Glücklicherweise hatte ich eine Ersatzbrille dabei. Dass Fika eine soziale Institution in Schweden ist, merkte ich am Tag darauf. Nachdem ich ein paar Kollegen erzählte, was mir widerfahren war, wussten es am Mittag alle.

Praktikumsbericht Schweden_Brille

(Foto: Martin Briel)

Nach 6 Wochen ging es Ende Oktober leider schon wieder zurück. Ein paar Monate wäre ich gerne noch geblieben. Wegen der Kolleginnen und Kollegen, dem Essen, der Natur und dem Land.  Aber ich werde zurückkommen. Definitiv!


Praktikumsbericht unserer Auszubildenden in Österreich:
http://www.zbmed.de/fileadmin/user_upload/Profil/PDFs/Hand_in_Hand_durch_die_Alpen-mit_Logo2.pdf

„Es kommt darauf an“ – Das nicht ganz so große Bibliotheks-Benutzungs-FAQ

Von Mareike Grisse (Juristin) und Martin Briel (Auszubildender Fachangesteller für Medien- und Informationsdienste)

Haben Sie sich schon mal gefragt, warum die bösen Bibliothekarinnen und Bibliothekare aus heiterem Himmel Geld von Ihnen verlangen, wenn das von Ihnen ausgeliehene Buch mal wieder in den brennenden Grill gefallen ist?
Nein?
Wäre aber doch mal gut zu wissen, oder?

In diesem FAQ, wollen wir Ihnen anhand von Beispielen diese und andere rechtliche Kleinfragen beantworten, die Ihnen bestimmt schon seit Jahren auf der Zunge liegen.

 

  • Dürfen Nutzerinnen / Nutzer ganze Bücher scannen oder kopieren?

Bernie Bücherwurm interessiert sich für die Geschichte der Behandlung von aufgekratzten Mückenstichen. Glücklicherweise findet er eine 9000-seitige Chronik zu diesem Thema. Da es leider keinen Volltext im Internet gibt, ist Bernie gezwungen sich die 9000-seitige Chronik zu kopieren. Darum sitzt er nun seit 7 Tagen und 7 Nächten im Lesesaal der Bibliothek und scannt das Buch. Spätestens nach dem er sich einen Flachbildfernseher in den Lesesaal stellt und „Scrubs“ guckt, ist den Angestellten jedoch klar was er macht. Aber darf er überhaupt ein ganzes Buch scannen?

Bernie Bücherwurm erstellt eine Kopie. Das Urheberrecht spricht in diesem Fall von einer Vervielfältigung. Das Recht zur Vervielfältigung ist in § 53 UrhG geregelt. Beim § 53 UrhG ist für die Unterscheidung wichtig, zu welchem Zweck Bernie die Kopie erstellt. Erlaubte Zwecke sind z.B. der private Gebrauch oder der eigene wissenschaftliche Gebrauch.

Bernie darf, wenn er zum privaten Gebrauch kopiert, die gesamte 9000-seitige Chronik scannen.

Wenn Bernie zum eigenen wissenschaftlichen Gebrauch kopiert, dann kommt es darauf an, ob es wirklich geboten ist, das gesamte 9000-seitige Werk zu kopieren. Hierbei geht es um eine Abwägung des wissenschaftlichen Bedarfs und dem Grad der Beeinträchtigung des Urhebers. Dies kann in jedem Fall anders beurteilt werden.

 

  • In welchen Situationen kann einer Nutzerin / einem Nutzer Hausverbot erteilt werden?

Nachdem das geklärt ist, entfernt Bernie sein Feldlager, das er in der Bibliothek zum Scannen aufgestellt hat, wieder. Da er allerdings den Massagesessel, den Flatscreen, den Induktionsherd und die Waschmaschine nicht alleine tragen kann, hat er beschlossen, ein paar Freunde zur Hilfe zu rufen. Praktisch, dass es im Lesesaal so schön ruhig ist und er so in aller Seelenruhe mit den Umzugshelfern telefonieren kann. Leider ist telefonieren im Lesesaal strengstens verboten. Auch nach mehrfachen Aufforderungen der Bibliothekarin Susi Superstolz lässt Bernie das Telefonieren nicht sein. Und dann kommt auch noch die ganze Truppe zum Transport! Die Bibliotheksleiterin droht allen mit Hausverbot. Ab wann kann eine Nutzerin oder ein Nutzer der Bibliothek verwiesen werden?

Wenn die Bibliothek eine Benutzungsordnung hat, dann kann sich Susi Superstolz bei der Erteilung des Hausverbots darauf berufen. Auch ohne Benutzungsordnung hat sie ein Hausrecht von dem sie Gebrauch machen kann. Es ist nur viel schwieriger, das der Nutzerin / dem Nutzer zu erklären, als einfach zu sagen: „Ist so, steht da so, hängt am Eingang aus“.

Wenn Susi Superstolz das Hausverbot erteilt, dann muss dabei der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit gewahrt werden.

Durch das Hausverbot muss ein legitimer Zweck verfolgt werden. Die Sicherstellung des ordentlichen Bibliotheksbetriebs kann ein solcher legitimer Zweck sein.

Das Hausverbot muss geeignet sein, den legitimen Zweck zu erfüllen. Wenn Bernie und seine Kumpels nicht mehr da sind, dann können alle wieder in Ruhe vor sich hindöse-ääh-arbeiten.

Es darf kein milderes, gleich wirksames Mittel geben. Susi Superstolz hat bereits Bernie und seine Freunde vergeblich gebeten ruhig zu sein. Alle in schalldichte Stoffe zu wickeln, ist sicherlich kein milderes geeignetes Mittel. Deshalb ist das Hausverbot erforderlich.

Als letztes muss geprüft werden, ob das Hausverbot angemessen ist. Dabei werden die geschützten Interessen miteinander abgewogen. Bernies Kumpel sind nur zum Aufräumen in die Bibliothek gekommen. Sie stören die anderen Benutzerinnen und Benutzer, die ihr in Art. 5 GG verbürgtes Recht, sich frei zu informieren und frei zu forschen, ausüben wollen. Hier können kreative Bibliothekarinnen und Bibliothekare noch einiges an Argumenten finden, weshalb ein Hausverbot erteilt werden darf.

Übrigens: Wenn man die Benutzungsordnung schreibt, dann muss man auch diese Verhältnismäßigkeitsprüfung im Hinterkopf durchspielen.

 

  • Warum und ab wann kann eine Bibliothek Schadensersatz verlangen?

Trotz all dem möchte Bernie mehr über das Thema herausfinden und leiht sich noch ein paar Bücher mehr aus. Ungeschickt wie er nun mal ist, fällt ihm das erste Buch in den brennenden Grill, das zweite wird mit Bier überschüttet und das dritte wird versehentlich bei 165° C frittiert. Die Angestellten in der Bibliothek sind außer sich – aber nicht vor Freude. Bernie weiß gar nicht was die haben. Lesbar sind die meisten Seiten doch noch, höchstens ein bisschen angesengt und verklebt. Trotzdem soll Bernie nun dafür bezahlen. Warum und wann darf eine Bibliothek überhaupt Schadensersatz verlangen?

Die Leihe ist ein in §§ 598 ff BGB geregelter Vertrag. Dabei wird der Entleiher Bernie verpflichtet, die entliehenen Bücher zurückzugeben. Wenn Bernie die Bücher schuldhaft beschädigt, dann muss er Schadensersatz leisten. Einzige Ausnahme: Verschlechterungen, die durch den vertragsmäßigen Gebrauch herbeigeführt werden, hat Bernie nicht zu vertreten (§602 BGB). Einzelne fettige Fingerabdrücke und gelegentliche Eselsohren entstehen beim vertragsmäßigen Gebrauch von Büchern. Brandflecken und Frittier-Schäden gehören nicht zum vertragsmäßigen Gebrauch und sind deshalb von Bernie zu ersetzen.

 

  • Soll bei „schwierigen“ Nutzerinnen / Nutzern sofort die Polizei eingeschaltet werden?

Bernie sieht immer noch nicht ein, dass er bezahlen muss und fängt eine Diskussion an, in der er nicht nur die Grundfesten unserer Gesellschaft anprangert, sondern auch alle anwesenden Angestellten verbal auf blumige Art und Weise beleidigt. Soll man in so einem Fall schon die Polizei holen?

Eine Beleidigung ist eine Straftat, die angezeigt und strafrechtlich verfolgt werden kann (§ 185 StGB). Eine Beleidigung ist die Kundgabe eigener Missachtung, Geringschätzung oder Nichtachtung. Wenn der Adressat durch die Äußerung verletzt wird, dann ist die Äußerung nicht mehr durch die allgemeine Meinungsfreiheit gedeckt. Sollten sich die Angestellten verletzt und in ihrer Ehre angegriffen fühlen, dann können sie natürlich die Polizei kontaktieren. Die Polizei kann eine Anzeige aufnehmen und die Personalien von Bernie Bücherwurm festhalten. Wann das Fass überläuft, ist in jeder Situation anders und von jedem einzelnen abhängig.

Die Polizei wird auch Bibliothekarinnen und Bibliothekare beschützen – das ist ihr Job.

 

Data Journals als Publikationsform in den Lebenswissenschaften

Von Birte Lindstädt und Robin Rothe

Neben den klassischen wissenschaftlichen Zeitschriften gibt es einen Journaltypus, der sich ausschließlich auf Daten bezieht, dabei vielleicht aber eher unbekannt geblieben ist. In diesem Blogbeitrag geht es darum, diese Data Journals vorzustellen und näher zu beleuchten.

Was ist ein Data Journal?

Data Journals veröffentlichen sogenannte „Data Papers“ – Veröffentlichungen, die sich mit der Beschreibung von Datensätzen befassen. Im Gegensatz zu den wissenschaftlichen Artikeln, die Forschungsergebnisse zum Inhalt haben, geht es in den Data Papers hauptsächlich um die Darstellung und Beschreibung von Methoden, die zur Erstellung von Datensätzen eingesetzt wurden. Dies beinhaltet beispielsweise welche Messgeräte an welchem Ort in  welchem Zeitraum verwendet wurden, wie groß die jeweilige Grundgesamtheit an untersuchten Objekten ist und welche Berechnungen anhand welcher Formeln durchgeführt wurden. Zudem verweisen Data Papers auf den Speicherort, an dem sich die Datensätze befinden (in der Regel ein institutionelles oder fachbezogenes Repositorium). Zu beachten ist dabei, dass nur eine kleine Anzahl an Journals reine Data Journals sind. Wie in einer Studie von 2015 bezüglich Data Journals festgestellt wurde, sind die meisten Journals Mischformen, die sowohl normale Artikel als auch Data Papers publizieren (1). Zum anderen besteht zwischen den Journals nicht zwingend Einigkeit in der Benennung. Dies betrifft vor allem die Artikel. Diese werden z.B. als data article, dataset paper, data in brief, data note oder data original article bezeichnet (2).

Warum wurden Data Journals entwickelt?

Die Idee hinter Data Journals war ursprünglich, Forschungsergebnisse in Form von Datensätzen, die auf einem institutionellen Repositorium zwischen unzähligen anderen Daten versteckt lagen, bekannter zu machen, damit diese auch beachtet und gelesen werden (3). Es sollten also Forschungsergebnisse durch die Publikation von Beschreibungen von Datensätzen transparenter und besser sichtbar gemacht werden. Grundsätzlich ging es den Pionieren der Data Journals – das International Journal of Robotics Research erschien 2009 als erstes Data Journal – darum, die Datensätze zitierfähig zu machen und damit zu ihrer Verbreitung beizutragen. Zudem bieten sie eine Möglichkeit, die Ergebnisse von Forschung anhand einer Beschreibung der Vorgehensweise zur Erstellung der Daten zusätzlich inhaltlich aufzubereiten und für die Nachnutzung besser nachvollziehbar zu machen.

Wer bietet Data Journals an?

Neben vielen kleinen Anbietern von einzelnen Data Journals, welche zum Teil aus Fachgesellschaften entstanden sind, sind hier BioMed Central, Pensoft  und SpringerOpen als namhafte Verlage mit drei oder mehr Data Journals zu nennen, welche allerdings teilweise nur gemischte Journals anbieten (4). Dazu kommt Ubiquity Press (5) als kleinerer Verlag, welcher reine Data Journals anbietet.

Welche Beispiele aus den Lebenswissenschaften gibt es?

Für eine Betrachtung über die Lebenswissenschaften hinaus empfiehlt sich die Liste von Pauline Ward im Wiki der University of Edinburgh (6). Des Weiteren hat das Wiki forschungsdaten.org eine Liste mit Data Journals begonnen, welche zur Ergänzung herangezogen werden kann (7).

Wo liegen Problemfelder der Data Journals?

Da Data Journals noch recht neu sind, haben sich noch keine einheitlichen Regelungen für Autorinnen und Autoren gebildet. Insbesondere in Bezug auf inhaltliche Beschreibungen, die beispielsweise die Qualität der Messungen inklusive Benennung eventuell aufgetretener Anomalien oder die Informationen zur Nachnutzung betreffen, fehlen bei sehr vielen Data Journals Regeln. Dies kann zu erheblichen Qualitätsschwankungen von Data Papers innerhalb desselben Data Journals führen. Durch Peer-Review-Verfahren ist dies nur dann zu verändern, wenn der Peer-Review-Bogen den neuen Anforderungen angepasst wird und zum Beispiel bei Auslassungen von Messergebnissen, Ungenauigkeiten und anderen nicht dokumentierten Vorfällen gegebenenfalls ein Data Paper abgelehnt wird.

Darüber hinaus nimmt die Publikation von Forschungsdaten in eigens dafür vorgesehenen Repositorien zu, die die Ergänzung der Daten durch Metadaten fordern, um die Auffindbarkeit zu verbessern. Dadurch steigt der Anreiz, Forschungsdaten mit beschreibenden Metadaten aufzubereiten. Wenn dies nicht in den Metadaten direkt geschieht, dann gegebenenfalls über eine Art Read-me-Datei, die angefügt wird. Damit werden genau die Informationen abgebildet, die ein Data Paper beinhaltet. Dies gewährleistet die direkte Zitierung und den Zugriff auf die Forschungsdaten ohne den Umweg über ein Data Journal.

Trotzdem können Data Journals und die Idee dahinter eine Basis zur Diskussion sein, wie und in welchem (Mindest-)Maß Informationen zur Nachnutzung von Forschungsdaten mit eben diesen verknüpft werden.


 

(1) Vgl. Candela, Leonardo; Castelli, Donatella; Manghi, Paolo; Tani, Alice (2015): Data journals. A survey. In: J Assn Inf Sci Tec 66 (9), S. 1747–1762.  S.1750. Abgerufen am 01.02.2017

(2) Vgl. ebd. S.1752- 7153. Abgerufen am 01.02.2017

(3) Vgl. Pfeiffenberger, H., & Carlson, D. (2011). “Earth System Science Data” (ESSD)—A peer reviewed journal for publication of data. D-Lib Magazine, 17(1/2). Abgerufen am 01.02.2017

(4) Vgl. GBIF (o.J.): Journals that publish data papers. Abgerufen am 01.02.2017

(5) Vgl. Ubiquity Press (o.J.): UPmetajournals. Abgerufen am 01.02.2017

(6) Vgl. Ward, Pauline (29.09.2016): Sources of dataset peer review. Abgerufen am 01.02.2017

(7) Vgl. forschungsdaten.org (09.12.2016): Data Journals. Abgerufen am 01.02.2017

Video-Tutorials zu Open Access und Open Data – Tabelle online

Von Jasmin Schmitz, PUBLISSO Publikationsberatung

Video-Tutorials erfreuen sich schon seit längerem enormer Beliebtheit, da sie die Möglichkeit bieten, komplexe Inhalte audio-visuell aufzubereiten und somit Nutzerbedürfnissen nachkommen.

Auf der ZB MED-Publikationsplattform PUBLISSO findet sich eine Tabelle mit Video-Tutorials zu Open Access und Open Data (1). Zusätzlich wurden auch Videos zu Creative-Commons-Lizenzierung, Peer Review, Journal Impact Factor, h-Index und Altmetrics aufgenommen.

Tabelle mit Video-Tutorials

Die Tabelle bildete die Grundlage einer Untersuchung, deren Ergebnisse im März auf dem Bibliothekskongress in Leipzig vorgestellt wurden und in ausführlicher Form kürzlich in o-bib – dem offenen Bibliotheksjournal erschienen sind (2).

Auch ZB MED setzt im Rahmen der Open-Access-Publikationsberatung neben FAQs, persönlicher Beratung sowie Workshops und Vorträgen Video-Tutorials ein. Die Ergebnisse der oben genannten Untersuchung dienen der Entscheidungsfindung, zu welchen Themen Tutorials nachgenutzt werden können, beziehungsweise wo Lücken mit selbst produzierten Tutorials geschlossen werden können. Näheres zum Konzept von ZB MED findet sich in dem Beitrag „Komplexes einfach visualisiert: Video-Tutorials von ZB MED“(3).

In der Tabelle finden sich neben Links zu den Video-Tutorials noch einige Zusatzinformationen über die bereitstellende Institution/Person, das Thema, näheres zum Inhalt, Angaben zur Lizenz (sofern vorhanden), Länge, Sprache und inwieweit die Tutorials frei von institutionellen Bezügen sind.

Die Tabelle wird regelmäßig aktualisiert und ergänzt. Nutzerinnen und Nutzer sind eingeladen, eigene Vorschläge einzureichen. Die vorgeschlagenen Tutorials sollten sich mit den genannten Themen beschäftigen und idealerweise eine maximale Länge von fünf Minuten haben.


 

(1) Video-Tutorials zu Open Access und Open Data

(2) Schmitz, J.: Video-Tutorials zu Open Access und Open Data – Analyse und mögliche Nachnutzbarkeit. o-bib, das Offene Bibliotheksjournal, 2016

(3) Kullmer, B., Schmitz, J.: Komplexes einfach visualisiert: Video-Tutorials von ZB MED. ZB MED-Blog, 2016

Verlag stellt Creative-Commons-Lizenzen in Frage: Warum (liberale) Open-Content-Lizenzen doch sinnvoll für Autorinnen und Autoren sind

Von Jasmin Schmitz

Die Creative-Commons-Lizenz CC-BY ist die laut Directory of Open Access Journals (DOAJ) mit Abstand am häufigsten genutzte Lizenz. Ein Blogbeitrag von De Gruyter Open stellt nun in Frage, ob die Lizenzbedingungen tatsächlich im Sinne der wissenschaftlichen Autorinnen und Autoren sind [1].

Dabei stützt man sich auf die Ergebnisse einer Befragung. Autorinnen und Autoren wurde die Frage gestellt, ob sie ohne persönliche Zustimmung Lesern erlauben würden, ihre Publikation zu übersetzen, in einen Sammelband zu übernehmen, automatische Extraktion von Daten mittels Software durchzuführen oder die Arbeit von einer kommerziellen Firma noch einmal zu veröffentlichen. Zweifelsohne sind dies alles Nutzungsmöglichkeiten, die von der CC-BY-Lizenz gestattet werden. Während beim letzten Aspekt (kommerzielle Wiederverwendung) die Zustimmung bei unter 10% liegt, erreichen sie bei den übrigen Punkten unter 40% Zustimmung. Daraus wird geschlossen, dass die Mehrheit der Autorinnen und Autoren mit den Grundsätzen der CC-BY-Lizenz nicht einverstanden ist.

Allerdings ist die Art, wie die Fragen gestellt wurden, problematisch (wie auch in den Kommentaren angemerkt [2]), weil der insbesondere für die Wissenschaft relevante Kernaspekt der „Pflicht zur Namensnennung“ (Attribution), die Bestandteil aller Creative-Commons-Lizenzen ist,  in der Fragestellung nicht auftaucht. Wissenschaftliche Autorinnen und Autoren sind insbesondere daran interessiert, dass die von ihnen generierten Ergebnisse und Erkenntnisse auch mit ihrem Namen in Verbindung gebracht werden. Zudem sind sie an deren Verbreitung interessiert. Die CC-BY-Lizenz ist hier ideal, weil sie in ihren Lizenzbedingungen vorsieht, dass ein Werk genutzt und verbreitet werden darf, ohne dass jeweils die Zustimmung der Autorinnen und Autoren eingeholt werden, wohl aber deren Namen genannt werden muss. Letzteres ist im Übrigen auch ein Gebot der wissenschaftlichen Redlichkeit.

Zudem wird den Befragten nicht näher erklärt, was mit „Extraktion mittels automatischer Software“ und „Nutzung durch kommerzielle Firmen“ gemeint ist.  Beides wird nicht allen Autorinnen und Autoren bekannt sein. Ersteres meint in erster Linie Text und Data Mining, welches zum Ziel hat, auf der Basis größerer Text- und Datenmengen Muster oder Zusammenhänge zu finden, die unter Umständen auf neue Erkenntnisse deuten. Also eigentlich Verfahren, gegen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nicht ernsthaft Einwände haben können. Im Rahmen der Auslegung des NC-(Non-Commercial-) Bestandteils von Creative-Commons-Lizenzen gelten selbst gemeinnützige Plattformen wie Wikipedia als kommerziell, wenn sie eine Textauswahl als CD/DVD vertreibt. Zur kommerziellen Nutzung würde auch die Aufnahme in Fachdatenbanken gehören, die dann unter Umständen gegen Gebühr lizenziert werden. Beides dient aber auch schlussendlich wieder der Verbreitung. Mit der Frage nach unautorisierter Übersetzung und Aufnahme in Sammelbänden werden Nutzungsszenarien angesprochen, die im wissenschaftlichen Kontext nicht unbedingt alltagsüblich sind, wenngleich sie auch in Einzelfällen vorkommen.

Was wäre die Alternative zur Creative-Commons-Lizenzierung? Ohne eine Open-Content-Lizenz gilt das Urheberrecht. Verschwiegen wird, dass klassische Verlags-/Autorenverträge häufig vorsehen, dass Autorinnen und Autoren das ausschließliche Nutzungsrecht an den Verlag abtreten und somit im schlimmsten Fall selbst von der Nutzung ihres eigenen Werkes ausgeschlossen werden [3].

Mit ausschließlichem Nutzungsrecht kann der Verlag ebenfalls den Artikel auf vielfältige Weise weiter nutzen, ohne Autorinnen und Autoren um Erlaubnis zu fragen. Bei einer Creative-Commons-Lizenzierung hingegen behalten Autorinnen und Autoren ihre Nutzungsrechte.

Die Vergabe von Creative-Commons-Lizenzen für Open-Access-Publikationen in eigenen Zeitschriften bedeutet schlussendlich für Verlage, dass sie den von ihnen veröffentlichten Content nicht exklusiv besitzen. Aus wirtschaftlicher Sicht mag das ein Nachteil sein. Doch auch Verlage sind an einer möglichst großen Verbreitung interessiert und die damit einhergehende Möglichkeit, häufiger rezipiert und zitiert zu werden.

Die Studie zeigt lediglich, wie wenig Autorinnen und Autoren tatsächlich über Urheberrecht, Nutzungsrechte und die Vorteile, die Open-Content-Lizenzen wie Creative Commons bieten, wissen [4]. Hier ist dringend Aufklärung vonnöten! Die Ergebnisse taugen aber nicht dazu, die bisherige Praxis in Bezug auf Vergabe von Open-Content-Lizenzen bei Open-Access-Zeitschriftenbetreibern in Frage zu stellen.


Weitere Informationen zum Thema Creative-Commons-Lizenzen finden sich in unserem FAQ „Creative-Commons-Lizenzen: Was ist darunter zu verstehen?“ 


[1] Blogbeitrag von De Gruyter Open, 25. April 2016

[2] Siehe Kommentar von Bernhard Mittermaier vom 1. Mai 2016.

[3] Siehe Kommentare von Sebastian Nordhoff vom 26. April 2016 und Richard W vom 2. Mai 2016.

[4] Siehe Kommentare von Sebastian Nordhoff vom 26. April 2016, Nicholas Goncharoff vom 29. April 2016 und Richard W vom 2. Mai 2016.