Tipps & Tricks: Ermittlung von Zitationsraten für Zeitschriften, die nicht im Web of Science ausgewertet werden

Von Jasmin Schmitz

Für Herausgeber von wissenschaftlichen Zeitschriften stellt sich häufig die Frage: Wie wird meine Zeitschrift rezipiert? Abruf- und Downloadzahlen geben Aufschluss darüber, wie häufig Artikel angesehen wurden. Die „Währung“ im Wissenschaftsbetrieb sind allerdings Zitationen. Die Häufigkeit, mit der Artikel oder Zeitschriften zitiert werden, ist in unterschiedlichen Evaluierungskontexten von Interesse. Auch bei Zeitschriftenrankings wie den Journal Citation Reports (JCR) (1) spielen sie eine Rolle.

Für die Ermittlung von Zitationsraten benötigt man Zitationsdatenbanken wie Web of Science (2) und Scopus (3), die für die von ihnen aufgenommenen Zeitschriften auszählen, wie häufig die in dieser Zeitschrift erschienenen Artikel in den Referenzen anderer Artikel auftauchen. Google Scholar (4) erfasst ebenfalls Zitationsraten, ist aber aufgrund der fehlenden Transparenz und unzureichender Fehlerbereinigung nur bedingt zu empfehlen (5).

Doch was machen Zeitschriftenbetreiber, wenn ihre Zeitschriften nicht von den Zitationsdatenbanken indexiert werden? Dies betrifft häufig Zeitschriften-Neugründungen oder Zeitschriften, die aufgrund ihres speziellen thematischen Zuschnitts nicht in das „Auswertungsprofil“ der Zitationsdatenbanken passen. Entsprechende Zitatraten lassen sich mit etwas Aufwand ebenfalls mithilfe von Zitationsdatenbanken ermitteln. Hierzu kann in den Referenzen (engl. Cited References) der Artikel gesucht werden, die in Zeitschriften erscheinen, die in den Zitationsdatenbanken indexiert sind. Dort schaut man, wie häufig die gesuchte Zeitschrift zitiert wurde.

Das Vorgehen soll exemplarisch anhand des Web of Science erläutert werden.

 

Schritt 1 – Aufruf der „Cited Reference Search“:

Screenshot von Web of Science, Cited Reference Search

 

Schritt 2 – Suche nach der Zeitschrift im Feld „Cited Work“:

Screenshot von Web of Science, Cited Work

 

Schritt 3 – Durchsicht der Trefferliste:

Screenshot von Web of Science, Durchsicht der Trefferliste

Aufgelistet werden die Publikationen der gesuchten Zeitschrift, die zitiert wurden, alphabetisch sortiert nach dem Namen des Erstautors. In der Spalte „Citing Articles“ wird angegeben, wie häufig der entsprechende Artikel im Web of Science zitiert wurde. Um eine Zitationsrate für die gesamte Zeitschrift oder Jahrgänge zu ermitteln, müssten die Werte jeweils zusammengezählt werden. Da die Zeitschrift selbst nicht vom Web of Science indexiert wird, tauchen hier nur Artikel auf, die auch tatsächlich innerhalb des Web of Science zitiert werden.

Hakt man bei „Select“ einzelne Artikel an und geht anschließend auf „Finish Search“, so kann man die Artikel sehen, die die gesuchte Zeitschrift zitieren.

Grundsätzlich: Bei der Bewertung von sämtlichen Zitationszahlen sollte unbedingt beachtet werden, dass nur Referenzen innerhalb der jeweiligen Zitationsdatenbank ausgewertet werden (also Referenzen von Artikeln aus Zeitschriften, die in der Zitationsdatenbank indexiert werden). Die tatsächliche Anzahl der Zitationen kann daher höher sein.


 

(1) Thomson Reuters: Journal Citation Reports
(2) Thomson Reuters: Web of Science
(3) Elsevier: Scopus
(4) Google Scholar Help
(5) Jacso, Peter (2012): Using Google Scholar for journal impact factors and the h-index in nationwide publishing assessments in academia – Siren songs and air-raid sirens (final manuscript). Online Information Review, 36(3): 462-478. DOI: 10.1108/14684521211241503

„Beyond Metadata“ – Wir reichern LIVIVO semantisch an!

Von Alexandra Hagelstein

Das ZB MED-Suchportal LIVIVO enthält Metadaten aus 55 Millionen Publikationen der Lebenswissenschaften. Typische Metadaten sind beispielsweise Titel, Namen der Autorinnen / Autoren oder das Erscheinungsjahr. Mit unserer neuen Methode extrahieren wir nun Titel und Abstract der Publikationen aus LIVIVO und annotieren die Texte mit den Begriffen der Ontologien. Volltexte durchsuchen wir aktuell noch nicht.

Was ist eigentlich eine Ontologie?

Ontologien enthalten semantische Informationen zu Begriffen, die sie beinhalten. Eine Ontologie repräsentiert Wissen über bestimmte definierte Fachbereiche. Dabei werden Entitäten, also die einzelnen Begriffe, und ihre strukturellen Beziehungen zueinander modelliert. Diese Beziehungen werden in der Regel hierarchisch dargestellt. Bei einer hierarchischen Darstellung sind die Elemente ausgehend von einer Wurzel wie Äste in einem Baum einander über- und untergeordnet.

Nehmen wir passend zum Sommer und zur Kirschzeit den englischen Begriff „cherries“ aus dem agrarwissenschaftlichen Thesaurus Agrovoc. „Cherries“ ist sowohl ein Oberbegriff von „sour cherries“ und „sweet cherries“, als auch Unterbegriff von „stone fruits“. Der Begriff „stone fruits“ ist wiederum Unterbegriff von „fruits“ usw. Auch gleichrangige Begriffe werden dargestellt. So ist „fruits“ in Agrovoc auf der selben Ebene wie beispielsweise „spices“, „legumes“, „cereals“ annotiert.

Der Agrovoc-Thesaurus ist Teil der „Linked Open Data Cloud“. Die LOD Cloud besteht aus offen zugänglichen und maschinenlesbaren Ontologien von verschiedenen Wissensdomänen. Eine der bekanntesten Ontologien aus der LOD Cloud ist zum Beispiel DBpedia. Neben Agrovoc gibt es weitere Ontologien, die den spezifischen Bereich der Lebenswissenschaften abdecken, aus denen wir aktuell noch zwei weitere benutzen. Medical Subject Headings (Akronym: MeSH) enthält Begriffe aus dem Bereich Medizin und semantische Informationen derselben. DrugBank enthält bedeutungstragende Informationen zu Medikamenten und Proteinen.

Woran forschen wir von ZB MED?

Üblicherweise erfolgt die Annotation von Schlagwörtern in Dokumenten manuell. Seit einiger Zeit beschäftigen wir uns mit Methoden, unsere LIVIVO-Metadaten automatisiert semantisch anzureichern, damit wir die Metadaten auch inhaltlich erschließen können. In einer Publikation, die auch bereits zur Veröffentlichung bei einer Konferenz (1) eingereicht wurde, stellen wir einen Ansatz vor, wie wir Metadaten mit Entitäten aus den Ontologien MeSH, Agrovoc und DrugBank semantisch verknüpfen. Die drei Ontologien decken schon ein breites Spektrum im Bereich der Lebenswissenschaften ab. Für die automatisierte Anreicherung benutzen wir ein JAVA-Framework, dass von IBM entwickelte wurde und als Open Source mit dem Namen UIMA (Unstructured Information Management Architecture) verfügbar ist. Das Framework ist beliebig mit weiteren Ontologien erweiterbar.

Die Entitäten der LOD Cloud werden mithilfe des Apache UIMA Frameworks aus den Metadaten extrahiert. Im ersten Schritt lesen wir Titel und Abstract aus unserer Wissensdatenbank, danach erfolgt mit einem sogenannten Offset-Tokenizer die Zerlegung der Sätze in einzelne Wörter. Dabei berücksichtigt der Offset-Tokenizer sowohl einzelne Wörter wie „brain“, als auch zusammengesetzte Nomen wie „epileptic seizures“ oder „Long QT Syndrome“ als jeweils ein Token. Die einzelnen Tokens werden mit dem Conceptmapper semantisch mit den entsprechenden Einträgen aus den Ontologien annotiert. Zum Schluss werden die annotierten Daten in die Wissensdatenbank aufgenommen.

In den Metadaten von LIVIVO wurden mehr als 1 Milliarde Entitäten gefunden. Die meisten von ihnen stammen aus MeSH (531 Millionen), gefolgt von Begriffen aus Agrovoc (447 Millionen) und Drugbank (50 Millionen).

Unsere ersten Ergebnisse

Als erste Anwendung haben wir die Ergebnisse unserer Arbeit als Wordcloud grafisch dargestellt. Dazu haben wir aus jeder Ontologie die 100 am häufigsten gefundenen Begriffe aus der Wissensdatenbank extrahiert und mit Wordclouds visualisiert. Mit Hilfe eines Schiebereglers lässt sich die Grafik in der Anwendung skalieren. Auf Basis dieser Wordclouds können dann Services entwickelt werden.

Wordcloud

Diese Wordcloud zeigt die 100 am häufigsten gefundenen Begriffe mit Agrovoc.

Der Prototyp der Applikation ist bereits online verfügbar. Mithilfe des Ansatzes, Begriffe automatisch aus unseren Metadaten zu extrahieren, wollen wir in Zukunft neue Funktionen für LIVIVO anbieten. Sobald es dort Neuigkeiten gibt – und diese werden auch nicht lange auf sich warten lassen – erfahren Sie es zuerst hier im ZB MED-Blog!


(1) Bernd Müller / Alexandra Hagelstein: Beyond Metadata – Enriching life science publications in LIVIVO with semantic entities from the linked data cloud. Köln, 2016. Wissenschaftliche Publikation eingereicht zur Konferenz „Semantics“, Leipzig


Links zu Ontologien:
Agrovoc
MeSH
DrugBank
DBpedia

 

ZB MED begibt sich in einen Transformationsprozess

Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) hat am 24. Juni beschlossen, dass die Bund-Länder-Förderung für ZB MED zum 31. Dezember 2016 beendet wird. Damit verbunden ist dann der Abschied aus der Leibniz-Gemeinschaft. Aber zugleich begrüßten die Bund- und Länder-Vertreterinnen und -Vertreter in der GWK, dass das Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen (MIWF NRW) und das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) sich gemeinsam bemühen wollen, den Erhalt der überregionalen Informationsversorgung in den Lebenswissenschaften sicherzustellen. Dass die GWK dieses Vorhaben nicht nur zur Kenntnis nimmt, sondern ausdrücklich begrüßt, ist nach dem Beschluss, aus der Leibniz-Gemeinschaft auszuscheiden, ungewöhnlich und daher für uns ein entscheidendes und positives Signal. Konkret heißt das für ZB MED, dass BMG und MIWF uns dabei unterstützen wollen, auf den erreichten Teilerfolgen aufzubauen und einen Transformationsprozess durchzuführen, aus dem ZB MED als modernes Fachinformationszentrum hervorgehen soll. Am Ende dieses Prozesses steht dann hoffentlich die Wiederaufnahme in die reguläre Bund-Länder-Förderung. In der Zwischenzeit – bis zum Ende des Jahres 2019 – erhalten wir eine sogenannte Auslauffinanzierung, die zunächst in Höhe unserer bisherigen Förderung bereitgestellt wird. Die Fraktion DIE LINKE hatte zwei Kleine Anfragen an die Bundesregierung zum Thema ZB MED und DIMDI gestellt. In der Antwort, die in einer Vorabfassung bereits veröffentlicht wurde, heißt es dazu: „Die Bundesregierung würde es begrüßen, wenn dieser Prozess so erfolgreich beendet wird, dass für die ZB MED die Wiederaufnahme in die Leibniz-Gemeinschaft nach erfolgreicher wissenschaftlicher Begutachtung unter Einhaltung der bestehenden Verfahrensregelungen beantragt werden kann.“ (1)

Unterstützung

Zahlreiche Stellungnahmen und auch die Online-Petition #keepZBMED haben sich an die Politik gerichtet, mit dem Ziel den Fortbestand von ZB MED zu sichern. All das hat zum einen allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hier bei der täglichen Arbeit in schwieriger Zeit den Rücken gestärkt. Aber zum anderen hatte es auch politisches Gewicht! Denn wenn nicht so viele Mitglieder der Wissenschaftscommunity die überregionale Bedeutung von ZB MED als wichtiger Informationsversorger in den Lebenswissenschaften auf unterschiedliche Weise hervorgehoben hätten, stellt sich die Frage, ob dieses Ergebnis erzielt worden wäre. Denn mit dem nun aufgezeigten Weg ist der Erhalt von ZB MED als das zentrale Servicezentrum für Fachinformationen und Forschungsunterstützung in den Lebenswissenschaften in Deutschland in Sichtweite.
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(1) Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage: Drohende Verschlechterung des Zugangs zu medizinischem Wissen in Deutschland (Vorabfassung), S. 14

Weiterführende Informationen:
Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage: Debatte um die Zentralbibliothek Medizin (Vorabfassung)
Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage: Drohende Verschlechterung des Zugangs zu medizinischem Wissen in Deutschland (Vorabfassung)

Warum gibt es uns eigentlich zwei Mal? Von USB und ZBL zu ZB MED!

Von Martin Briel (Auszubildender bei ZB MED)

ZB MED versorgt Kundinnen und Kunden in Köln mit Literatur und anderen Medien aus den Bereichen Medizin und Gesundheit und in Bonn mit Informationen rund um die Ernährungs-, Umwelt- und Agrarwissenschaften. Alle diese Themen zusammen sind die Lebenswissenschaften. Aber warum machen wir es uns selbst so kompliziert? Wäre es nicht praktischer, alles an einem gemeinsamen Standort zu haben? Und warum sind die Themengebiete ausgerechnet in Medizin und Gesundheit sowie Ernährungs-, Umwelt- und Agrarwissenschaften aufgeteilt?

Als ich hier vor zwei Jahren meine Ausbildung zum Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste (kurz FaMI) anfing und meiner Familie und meinen Freunden erzählte, dass ich sowohl in Köln als auch in Bonn arbeiten werde, haben sie mich das auch gefragt. Kurz nach der Frage, was denn ein FaMI eigentlich ist und ob man sich damit anstecken könnte, aber das ist eine andere Geschichte …

Dass ZB MED eigentlich aus zwei Bibliotheken besteht, hängt mit unserer bzw. der Geschichte unserer Vorgängereinrichtungen zusammen.

ZB MED in Köln

Foto des Gebäudes der damaligen medizinischen Abteilungsbibliothek

Gebäude der damaligen medizinischen Abteilungsbibliothek (Foto von 1970) Quelle: ZB MED

Im Jahre 1908 wurde in Köln die „Bibliothek der Akademie für praktische Medizin“ gegründet. Sie hatte als Krankenhausbibliothek die Aufgabe, das Krankenhauspersonal der damaligen Krankenanstalt Lindenburg mit Fachliteratur zu versorgen. Zunächst gab es einen Bestand von 75 laufenden Zeitschriften und 5000 Büchern. Durch den gezielten Erwerb von Medien, Nachlässen und verschiedenen Sammlungen wuchs der Bestand schnell auf über 30.000 Medien an. Als 1920 die Universitäts- und Stadtbibliothek Köln (USB) neugegründet wurde, wurde die damalige Vorgängerin von ZB MED als medizinische Abteilungsbibliothek dort eingegliedert. Das Bibliotheksgebäude befand sich in der Joseph-Stelzmann-Straße.

Foto des Neubaus der ZB MED

Neubau von ZB MED auf dem Gelände der Kölner Unikliniken (Foto von 1996) Quelle: ZB MED

1964 empfahlen DFG und Wissenschaftsrat, die medizinische Abteilungsbibliothek der USB Köln zur Zentralbibliothek für Medizin auszubauen. Diese wurde 1969 gegründet. Am 3. Juli 1973 erhielt sie ihre erste Satzung. Dieses Datum gilt heute als das eigentliche Gründungsdatum von ZB MED.

1994 wurde der Name in „Deutsche Zentralbibliothek für Medizin“ geändert; ZB MED zog 1999 in ein eigens errichtetes Gebäude auf dem Gelände der Unikliniken.

In den Jahren 2001 bzw. Jahr 2003 hat ZB MED die fachlich passenden Spezialgebiete Ernährungs-, Umwelt- und Agrarwissenschaften und den neuen Standort Bonn hinzugewonnen. Wie kam es dazu? Ein Rückblick auf die Geschichte des ZB MED-Standortes Bonn, der viele interessante Details bereithält, gibt die Erklärung.

Geschichte der Bibliothek in Bonn

Gemälde der Königlich Landwirtschaftlichen Akademie in Bonn

Hans Joseph Becker: Königl. Landwirtschaftliche Akademie Bonn=Poppelsdorf aus der Vogelschau. Gouache m. Farb- und Bleistiften auf Papier, 124,5 x 219,5 cm, 1907

 

Im Jahre 1847 wird in Bonn-Poppelsdorf die „Höhere landwirtschaftliche Lehranstalt“ gegründet. Da es noch keine Literaturbasis gab, stellte der damalige Direktor der Lehranstalt, Dr. Schweitzer, Bücher aus seiner privaten Bibliothek zu Verfügung. Die noch junge Bibliothek befand sich in zwei (Zitat Schweizer: „dürftigen“) Räumen des 1889 abgerissenen Gutsgebäudes.

1852 zieht die Bibliothek, der jährlich etliche Bücher verloren gehen, in zwei Zimmer des Dachgeschosses des Direktorial- oder Dekanatsgebäudes in der Meckenheimer Allee um. Erreichen können Studierende sie nur, wenn sie durch die Wohnung des Direktors gehen. In der Folgezeit wird die Bibliothek nur selten genutzt, da es in den Räumen weder künstliche Beleuchtung noch eine Heizung gibt.

Foto des Hauptlehrgebäudes der Königlich Landwirtschaftlichen Akademie in Bonn

Im Hauptlehrgebäude der Königlich Landwirtschaftlichen Akademie (in Poppelsdorf) in der Meckenheimer Allee belegte die Bibliothek von 1907 bis 1983 Erdgeschoß und Kellerräume (Foto von 1949) Quelle: ZB MED

1861 wird die Lehranstalt vom preußischen Staat zur „Königlich Preußischen Landwirtschaftlichen Akademie“ erhoben. Die Bibliotheksangestellten können nun leichter Literatur aus dem Ausland und Nachlässe erwerben. Ab 1900 umfasst der Bibliotheksbestand über 10.000 Bände. Die Studierenden kritisieren die ungünstigen Ausleih- und Benutzungszeiten, sowie die Räumlichkeiten (inzwischen gibt es unglaublicherweise eine Hängelampe, die 1852 angeschafft wurde). 

Foto des Lesesaals in Bonn

Erster großer Lesesaal der Bibliothek in der Meckenheimer Allee (Foto von 1949) Quelle: ZB MED

Der Bestand wächst weiterhin. Nachdem viele der Bücher aus Platzmangel teilweise gestapelt werden mussten, zieht die Bibliothek 1907 ins Erdgeschoss des Hauptlehrgebäudes um. 1934 wird die Landwirtschaftliche Hochschule der Universität Bonn als siebente Fakultät angegliedert. Die Bibliothek wird zur „Abteilung Landwirtschaft“ der Universitätsbibliothek Bonn.

 

Foto des Lesesaals in Bonn

Gemeinsamer Lesesaal von ZB MED und ULB in Bonn-Poppelsdorf Quelle: ZB MED / Marcus Gloger

 

Im Jahr 1950 bekommt sie von der Deutschen Forschungsgemeinschaft das Sondersammelgebiet Landwirtschaft zugewiesen und wird 1962 von ihr zur Zentralbibliothek der Landbauwissenschaft ernannt. Somit war die Bibliothek verpflichtet, landwirtschaftliche Fachliteratur zu sammeln.

Zusammen mit den naturwissenschaftlichen und medizinischen Beständen der Universitätsbibliothek umfasste der Bestand der ZBL 470.000 Bände und 6.150 Zeitschriften. 1983 bezogen die beiden Bibliotheken das gemeinsame Gebäude und den heutigen Standort von ZB MED in Bonn in der Nußallee 15a.

Da die ZBL in die sogenannte „Blaue Liste“ (heute Leibniz-Gemeinschaft) eingetragen war und Gelder von Bund und Ländern bekam, änderte sie 1995 ihren Namen in „Deutsche Zentralbibliothek für Landbauwissenschaften“.

Zusammenführung der beiden Bibliotheken

1999: Der Wissenschaftsrat empfiehlt die Einstellung der Förderung der ZBL als Blaue-Liste-Einrichtung.
2001: Die Abwicklung der ZBL wird beschlossen. Geschlossen wird sie jedoch nicht. Sie wird in das Fachgebiet Ernährung und Umwelt und in das Fachgebiet Agrarwissenschaften aufgeteilt. Die Fächer Ernährung und Umwelt werden Teil von ZB MED Köln, da diese die Themengebiete Medizin und Gesundheit ergänzen.

Im Jahr 2003 entscheidet man sich dazu, das Fachgebiet Agrarwissenschaften ebenfalls ins Sammelspektrum von ZB MED aufzunehmen. Damit ist die Einrichtung von ZB MED als heutiges Informationszentrum Lebenswissenschaften an zwei Standorten vollzogen!

Komplexes einfach visualisiert: Video-Tutorials von ZB MED

Von Bettina Kullmer (Informationskompetenzvermittlung) und Jasmin Schmitz (PUBLISSO Publikationsberatung)

Eines der Ziele von ZB MED ist die Förderung von Open Access in den Lebenswissenschaften. Hierzu werden über das Publikationsportal PUBLISSO (www.publisso.de) Open-Access-Publikations- und Beratungsangebote bereitgestellt. Die Publikation von wissenschaftlichen Ergebnissen in Textform sowie von Forschungsdaten steht dabei gleichermaßen im Fokus. Zur Unterstützung beim Publizieren von Forschungsdaten bietet ZB MED Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zahlreiche Services an. In kurzen Video-Tutorials werden zwei der Services vorgestellt und beispielhalt gezeigt, wie und wo sie im Wissenschaftsalltag eingesetzt werden können: Das zweiteilige Tutorial zu „Digital Object Identifier (DOIs) für Forschungsdaten und Publikationen in den Lebenswissenschaften“ informiert darüber, wie Forschungseinrichtungen DOIs vergeben können. Das Tutorial „Der Publikationsservice GMS und das Forschungsdatenrepositorium DRYAD“ zeigt, wie Autorinnen und Autoren Forschungsdaten, die ihren Veröffentlichungen zugrunde liegen, über DRYAD zugänglich machen können, wenn sie einen Artikel in einem der GMS-Journals publizieren. Die Tutorials liegen in Deutsch und in Englisch vor. Alle Videos sind über eine Playlist im YouTube-Kanal von ZB MED abrufbar.Screenshot des Youtube-Kanals von ZB MED

Im Fachrepositorium Lebenswissenschaften (1) finden Sie barrierearme, – sämtliche Texte werden auch gesprochen – bibliographisch erschlossene und mittels DOI referenzierbare Versionen der Tutorials. Über einen integrierten Player sind die Videos auch direkt im Repositorium abspielbar.

Alle Online-Tutorials sind gemäß der Creative-Commons-Lizenz CC-BY-ND 4.0 nachnutzbar.

Hintergründe: Konzept und Produktion von ZB MED-Tutorials

Die 2013 extern durchgeführte bundesweite Marktstudie (2) und eine eigene Online-Befragung (3) bei Bibliothekarinnen und Bibliothekaren zur Informationskompetenzvermittlung (IK) in den Lebenswissenschaften zeigten bei allen Befragten einen Unterstützungsbedarf bei der IK-Vermittlung. Als ein mögliches Format boten sich besonders Video-Tutorials an, die audio-visuelle Informationsgewohnheiten aufgreifen und jederzeit individuell nutzbar sind.

Für die Tutorials entwickelte ZB MED Storyboards, in deren Mittelpunkt sogenannte Personas stehen, also Prototypen, die jeweils für einzelne Nutzergruppen stehen. Die Personas kommen aus den verschiedenen Fachdisziplinen und zeigen, wie diese in ihrem jeweiligen lebenswissenschaftlichen Alltag agieren und dabei von ZB MED-Services unterstützt werden.

Die Realisierung erfolgte nach einer Ausschreibung in Zusammenarbeit mit einer externen Firma. In den Entstehungsprozess eingebunden waren jeweils Fachwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, welche die Authentizität der dargestellten wissenschaftlichen Inhalte und die allgemeine Verständlichkeit überprüften.

Lessons learned

Da das Format zum ersten Mal eingesetzt wurde, gestaltete sich der Prozess der Ausschreibung, der Einbindung und der Feinabstimmung zwischen inhaltlich beteiligten Kolleginnen und Kollegen in ZB MED, der Beratung mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der dargestellten Disziplinen und schließlich die externe Umsetzung als sehr kleinteilig und langwierig. Mittlerweile liegt eine Prozessbeschreibung vor, die insbesondere Verantwortlichkeiten in Form von sogenannten Service-Level-Agreements mit den jeweiligen Produktverantwortlichen, der IK-Verantwortlichen und dem Querschnittsbereich Marketing regelt. Aufgrund dieser Festlegung der Zuständigkeiten einerseits und durch Kooperationen mit öffentlichen Einrichtungen, die eine entsprechende Expertise mitbringen, andererseits, erhofft sich ZB MED eine deutliche Reduzierung aller Ressourcen. Hinsichtlich der Verbreitung der Tutorials sind ebenfalls Kooperationen denkbar. Grundsätzlich sollte die Produktion von Tutorials frühzeitig – beispielsweise im Rahmen einer Jahresarbeitsplanung – konzeptioniert und mit den beteiligten Abteilungen abgestimmt werden.

Weitere Planungen

Bei entsprechenden Nutzungszahlen und guter Resonanz ist die Erstellung von Tutorials zu weiteren ZB MED-Services angedacht. Zudem sollen Tutorials im Rahmen der Open-Access-Publikationsberatung eingesetzt werden. Nutzerwünsche werden dabei gerne berücksichtigt! Als weiteres Format wird ZB MED in Kürze Live-Webinare zum Einstieg in das Publikationsportal PUBLISSO sowie das Suchportal LIVIVO anbieten, zu denen über verschiedene Kanäle – E-Mail, Newsletter, Social Media – eingeladen wird. Im Nachgang können Mitschnitte der Webinare über die ZB MED-Website aufgerufen werden. In diesem Zusammenhang, ist sicherlich auch die weitere Entwicklung von ZB MED interessant. Aktuelle Informationen finden sie hier. Über alles Weitere werden wir Sie ebenfalls im Blog auf dem Laufenden halten.


(1) Fachrepositorium Lebenswissenschaften
(2) E.F. Heinold / U. Korwitz: Markt- und Zielgruppenstudie – GAP-Analyse und Empfehlungen für die ZB MED. Köln, 2014. DOI: 10.4126/zbmed2014001
(3) B. Kullmer: Ein Vergleich des Sachstands der Vermittlung von Informationskompetenz (IK) in verschiedenen Disziplinen der Lebenswissenschaften. Ergebnisse einer Online-Befragung von Bibliothekaren universitärer und außeruniversitärer Einrichtungen in Deutschland. Köln, 2013

 

Licht am Horizont – Update zu den Entwicklungen bei ZB MED

Seitdem wir nach Beendigung der Petition an dieser Stelle über die Entwicklungen rund um die Leibniz-Senatsempfehlung, die Bund-Länder-Förderung (gemäß den Ausführungsvereinbarung zum GWK-Abkommen über die gemeinsame Förderung der Mitgliedseinrichtungen der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e.V. – so die formale Bezeichnung) für ZB MED zu beenden, berichtet haben, ist viel passiert. Daher wird es höchste Zeit, wieder einmal über den aktuellen Stand zu informieren!

Petition
Am 12.5. hat Prof. Mumenthaler, Initiator der Petition, die Unterschriftenliste zur Petition #keepZBMED per Post und per E-Mail an alle Mitglieder der GWK geschickt. In der Petition gab es die Möglichkeit, die eigene Unterschrift zu kommentieren („Ich unterschreibe weil …“). Gerade diese Kommentare – insgesamt 99 Seiten! – machen sehr deutlich, was es für Folgen hätte, wenn ZB MED nicht weiter von Bund und Ländern finanziert werden würde und dadurch nicht länger als nationale zentrale Fachbibliothek in der jetzigen Form zur Verfügung stehen würde. Eine Auswahl der Kommentare wurde den Briefen und Mails an die GWK-Mitglieder beigefügt.

Stellungnahmen
Zu unserer Unterstützung haben inzwischen einige Verbände und Institutionen Stellungnahmen abgegeben. Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) hebt beispielsweise hervor, dass die Abhängigkeit der Forschung von kommerziellen Verlagsinteressen ohne ZB MED weiter wachsen würde. Die Arbeitsgemeinschaft für Medizinisches Bibliothekswesen (AGMB) stellt fest, dass ein Wegfall unserer Services die Medizinbibliotheken nachhaltig in der Arbeit behindern würde, da viele eigene Angebote auf ZB MED-Services aufbauen. Der Verein Deutscher Bibliothekarinnen und Bibliothekare (VDB) merkt an, dass die wegfallenden Leistungen an anderer Stelle erbracht werden müssten, so dass tatsächliche Einsparungen letztlich nicht stattfinden würden. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) weist in einem offenen Brief darauf hin, dass ZB MED dem Institut im Jahr 2015 fast 3.500 Volltexte geliefert habe. Diese seien zentrale Grundlagen für Gutachten zur Bewertung von Nutzen und Schaden für Patientinnen und Patienten bei medizinischen Maßnahmen. Und auch der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie e.V. (BPI) zeigt sich besorgt und erklärt, dass die schnelle und unkomplizierte Bereitstellung von Fachliteratur durch ZB MED nachhaltig der Patientensicherheit diene. Die Datenbanken und Recherchetools ermöglichen eine effiziente Bearbeitung und Beurteilung von Fällen unerwünschter Arzneimittelwirkungen. Der Verlust der Dienstleistungen von ZB MED würde die Möglichkeiten der Literaturbeschaffung für die gesamte pharmazeutische Industrie deutlich einschränken.

All diese Stellungnahmen appellieren an die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK), ZB MED zu erhalten, möglicherweise mit einem neuen, durch das zuständige Sitzland und das Bundesressort getragenen Finanzierungsmodell. Für diese Unterstützung bedanken wir uns ganz herzlich!

In diesem Zusammenhang ist auch die Kleine Anfrage der Fraktion „Die Linke“ an den Deutschen Bundestag erwähnenswert. Die Politikerinnen und Politiker stellen insgesamt 27 Fragen, die die Debatte um ZB MED aufgreifen. Darin geht es um die Entscheidungsfindung im Senat der Leibniz-Gemeinschaft und der GWK. Aber es wird auch nach der Bedeutung von ZB MED für die Lebenswissenschaften gefragt und wie die zukünftige Entwicklung aussehen könnte. Eine weitere Kleine Anfrage dieser Fraktion befasst sich mit der „Drohenden Verschlechterung des Zugangs zu medizinischem Wissen in Deutschland“ allgemein und welche Aufgaben im öffentlichen Interesse die Bundesregierung dort sieht. Wir dürfen alle sehr gespannt auf die Antworten sein!

Ausblick
Ob all diese Maßnahmen letztendlich Erfolg bringen, ist derzeit noch nicht absehbar. Aber inzwischen sehen wir wieder vorsichtig optimistisch in die Zukunft. Denn unsere Geldgeber aus Bund und Land stehen weiter hinter uns, wofür wir sehr dankbar sind! Sie haben in den vergangenen Wochen intensiv darauf hingewirkt, dass ZB MED auch nach einem möglichen Ausscheiden aus der Leibniz-Gemeinschaft seine national bedeutsamen Aufgaben wahrnehmen kann. Das nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerium (MIWF NRW) sieht sich dabei in der Verantwortung, die zukunftsorientierte Transformation von ZB MED fortzuführen und damit die bundesweite Informationsversorgung in den Lebenswissenschaften sicherzustellen. Dabei wird das MIWF NRW vom Bundesgesundheitsministerium nach wie vor unterstützt.

Zunächst warten wir aber die Entscheidung der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) ab. Über die Sitzung ihres Ausschusses am 24.5. haben wir bisher keine Details erfahren; eine Entscheidung wurde noch nicht getroffen. Die Konferenz selbst tagt nun am 24.6. und wird dann einen Beschluss fassen. Wir werden darüber durch ein Protokoll informiert, dass wir ca. vier Wochen nach der Sitzung erhalten. Es ist allerdings nicht damit zu rechnen, dass die GWK sich gegen die Empfehlung des Senates der Leibniz-Gemeinschaft stellt. Aber wenn die GWK die Aktivitäten von Bund und Land zur Transformation von ZB MED unterstützt, wäre das für uns ein entscheidendes Signal.

Ganz konkret würde dies bedeuten, dass wir die dreijährige Übergangsfinanzierung, die nach der Leibniz-Senatsempfehlung festgeschrieben ist (in den ersten beiden Jahren beträgt das Budget in der Regel 100% des Ansatzes von 2016, im dritten Jahr bis zu 100%), nutzen, um den begonnenen Transformationsprozess zu einem modernen Fachinformationszentrum fortzuführen und uns neu aufzustellen. Eine zentrale Rolle spielen dabei die Besetzungen der beiden Professuren in Bonn (W2) und Köln (W3, gleichzeitig neue Direktion von ZB MED), die nun zügig in Kooperation mit den jeweiligen Hochschulen erfolgen sollen. Die Universitäten haben bereits ihr Interesse daran signalisiert. Danach könnte uns dann der Weg zurück in die Bund-Länder-Förderung offen stehen.

Weitere Informationen:

Stellungnahmen :

Weitere Stellungnahmen liegen uns (teilweise als Entwurf) vor, sind jedoch nicht öffentlich. Diese Liste wird daher regelmäßig aktualisiert.

Kleinen Anfragen beim Deutschen Bundestag:

Tipps & Tricks: Den Journal Impact Factor für Zeitschriften ermitteln, in denen man publiziert hat

Von Jasmin Schmitz

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wenden sich häufig mit der Frage an uns, wie Sie den Journal Impact Factor (JIF) für Zeitschriften bestimmen können, in denen sie veröffentlicht haben. Der Journal Impact Factor gibt an, wie häufig die Artikel einer Zeitschrift durchschnittlich zitiert werden. Hierzu werden die Zitationen im Berichtsjahr auf Publikationen, die in den vergangenen zwei Jahren veröffentlicht wurden, gezählt und durch die Anzahl der Artikel, die in diesen vergangenen zwei Jahren erschienen sind, geteilt.

Die JIFs lassen sich einerseits über die Journal Citation Reports (JCR) ermitteln; nicht selten finden sich auch Angaben auf den entsprechende Webseiten der Zeitschriften. Ein anderer Weg führt über das Web of Science.

Folgende Schritte sind notwendig:

  1. Recherche nach den eigenen Publikationen
  2. Aufruf der Detailansicht durch Klick auf den Titel des Artikels
  3. Im oberen Drittel der Seite befindet sich ein Link „View Journal Information“ (Abbildung 1). Mit Klick darauf wird der aktuelle Journal Impact Factor der Zeitschrift angezeigt sowie Informationen darüber, wie sich die Zeitschrift im Fachgebiet verorten lässt (Abbildung 2).

Screenshot Artikel im Web of Science

Abb. 1: Detailseite eines Artikels im Web of Science

Screenshot Artikel im Web of Science

Abb. 2: Informationen zu einer Zeitschrift, einschließlich Journal Impact Factor

Diese Informationen stehen allerdings nur dann zur Verfügung, wenn die Zeitschrift auch in den Journal Citation Reports aufgenommen wurde, andernfalls lässt sich kein JIF ermitteln.

Zu beachten ist, dass das Web of Science eine lizenzpflichtige Datenbank ist. Viele Hochschulbibliotheken haben diese abonniert. Ein Zugriff ist allerdings nur möglich, wenn man sich im IP-Bereich der jeweiligen Einrichtung befindet bzw. wenn über „remote access“ der Zugriff von außen eingerichtet wurde.

Der Journal Impact Factor ist insgesamt nicht unumstritten und eignet sich nicht, um Aussagen über die Qualität einer wissenschaftlichen Publikation zu treffen, insbesondere da er auf der Ebene der Zeitschrift berechnet wird. Mit der durchschnittlichen Zitierhäufigkeit der Zeitschrift lässt sich nicht vorhersagen, wie häufig der eigene Artikel zitiert werden wird.

Weitere Informationen zu den Kritikpunkten und mögliche Alternativen finden Sie in unserem FAQ auf der PUBLISSO-Website: Journal Impact Factor und Alternativen: Was gibt es hier Wissenswertes?


Weiterführende Informationen:

Journal Citation Reports

Web of Science

#keepZBMED – Wie es nach Beendigung der Petition weitergeht

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Über 9.500 Menschen haben die Petition #keepZBMED bis zum vergangenen Wochenende unterschrieben. Damit haben wir die 10.000er-Marke zwar knapp verfehlt, aber es ist dennoch eine beeindruckende Zahl. Zuerst einmal: Ganz herzlichen Dank an alle Unterzeichnerinnen / Unterzeichner und natürlich auch an die Initiatoren. Das kann nicht ungehört bleiben!

Die Unterschriften und die zahlreichen Kommentaren haben deutlich gemacht, dass es auch in Zukunft eine Bibliothek geben muss, die die Informationsversorgung in den Lebenswissenschaften deutschlandweit sicherstellt. Die Petition wurde nun beendet, damit sie fristgerecht an die Mitglieder der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) übergeben werden kann. Dies wird Prof. Mumenthaler in den nächsten Tagen erledigen. Dann heißt es abwarten, denn die GWK tagt am 24. Mai und 24. Juni und wird an einem der Termine einen Beschluss zur Zukunft von ZB MED fassen.

Unterschriften sammeln können wir daher nicht mehr. Aber Unterstützerschreiben, offene Briefe und Stellungnahmen an die zuständigen Ministerien oder die GWK sind immer noch möglich. Einige Verbände und Institutionen haben dies bereits getan, wie z.B. das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen – IQWiG (Brief lesen). Aber auch einzelne Kundinnen und Kunden haben Briefe an die zuständigen Geldgeber geschickt, in denen Sie fordern, die Empfehlungen sehr kritisch zu überprüfen und uns als wichtige zentrale Einrichtung zu erhalten. Wenn Sie ZB MED auch auf diese Weise unterstützen wollen, haben wir es Ihnen relativ leicht gemacht 😉 Auf unserer Website haben wir einen Textbaustein angelegt und die Adressen zusammengestellt, an die Unterstützungsschreiben gerichtet werden sollten: zur Website.

Seit unserem letzten Blogbeitrag hat es wieder viel Resonanz gegeben. Wie immer informiert die annotierte Linkliste #keepZBMED von Dörte Böhner auf Bibliothekarisch.de – inzwischen der dritte Teil – aktuell und umfassend 🙂

 

Protest

Bild: ZB MED / Michael Wodak

Wir bei ZB MED haben außerdem eine Fotoaktion ins Leben gerufen, weil wir dem Protest Gesichter geben wollten. Begonnen haben wir mit einem Protestfoto vor unserer Bibliothek in Köln.

 

 

 

 

 

ZB Med, Science Slam, 19. April 2016, Köln

Bild: ZB MED / Michael Wodak

Auch der Science Slam, mit dem wir am 19. April den 1. Geburtstag unseres Suchportals LIVIVO gefeiert haben, stand im Zeichen des Protests (wobei aber auch die Unterhaltung nicht zu kurz kam!).

 

 

 

Und uns haben einige Fotos von Kooperationspartnern sowie Kundinnen und Kunden erreicht, die ihre Solidarität gezeigt haben.

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Das alles gibt uns die Hoffnung, dass wir eine neue Chance bekommen! Seit 1977 gibt es die Bund-Länder-Förderung für Wissenschaftseinrichtungen; die sogenannten „Blaue-Liste-Institute“ sind die Vorgänger-Einrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft. ZB MED war von Anfang an dabei. Auch wenn wir nun wohl aus der Leibniz-Gemeinschaft ausscheiden müssen, geht es hier weiter mit der alltäglichen Arbeit, dem Routinegeschäft, aber auch mit neuen Projekten, wichtigen Kooperationen und zukunftsgerichteten Aufgaben. Wir hoffen darauf, ZB MED als Bibliothek für die Lebenswissenschaften mit dem stiftungsgemäßen Auftrag der überregionalen Literaturversorgung zu erhalten und – auf Basis eines neuen Finanzierungsmodells – neu aufzustellen.

Frauenberuf? Männerberuf? Tschüss, Klischee! Teil II

 

Foto des Begrüßungsschilds beim Girls'Day.

ZB MED engagiert sich beim Girls’Day.

Wir möchten junge Frauen und Männer bei der Berufswahlorientierung unterstützen. Was 2011 mit unseren Boys’Day-Aktionen begann, wurde 2014 erstmals auch für Schülerinnen mit unserem Girls’Day-Angebot realisiert.

Unter dem Slogan „Clevere Girls machen sich stark für die Technik von morgen“ engagiert ZB MED sich 2016 zum dritten Mal mit großer Einsatzbereitschaft für Mädchen beim Girls’Day, dem Mädchen-Zukunftstag, der am 28.4.2016 stattfindet. Ein Leitungswechsel im Querschnittsbereich IT machte es vor drei Jahren möglich, an diesem Aktionstag unsere Türen auch für Schülerinnen zu öffnen. Leider kam bisher keine Kooperation mit der Technischen Hochschule Köln, Campus IT in Gummersbach, zu Stande. So informieren wir bislang nur theoretisch über das Studienangebot Informatik. Umso intensiver ist unser Praxisteil. 2016 starten wir mit einer Bibliotheksführung. Daran schließt sich ein gemeinsames Frühstück zum gegenseitigen Kennenlernen mit belegten Brötchen, Obst, Joghurt und Getränken an.

Im Praxisteil 1 „Der Weg vom Buch zum Digitalisat“  werden jeweils zwei Schülerinnen von je einer Kollegin der Abteilung Retrodigitalisierung betreut. Die Schülerinnen lernen die Abläufe in dieser Abteilung kennen, die Medien für die digitalen Sammlungen von ZB MED digitalisiert: An einem Buchscanner sind genau auf das Buch abgestimmte Einstellungen (Licht, Kamera, Rahmen …) vorzunehmen. Danach erfolgt der Scanvorgang. Mit dem Visual Library Manager, einem Computerprogramm, wird der gescannte Buchinhalt strukturiert. Eine weitere Software, die später eine automatische Texterkennung möglich macht, kommt danach zum Einsatz. Nach einer intensiven Qualitätskontrolle erfolgt die Online-Stellung des Buches in den Digitalen Sammlungen von ZB MED.

Im Praxisteil 2 haben zwei Schülerinnen die Möglichkeit bei einer Informatikerin die Programmiersprache Perl kennen zu lernen. Zum Ende diesen Teils wird ein kleines Programm mit einem Fragebogenalgorithmus zur Internetnutzung erstellt. Die beiden anderen Schülerinnen hospitieren bei einer Computerlinguistin und beschäftigen sich mit dem Thema „Automatische Extraktion von Protagonisten aus einem literarischen Werk mithilfe der Programmiersprache Python“. In anderen Worten: Die Schülerinnen dürfen sich ein Märchen ihrer Wahl aussuchen und dann extrahieren sie maschinell die Personen, die in diesem Märchen interagieren. Zum Ende dieses Praxisteils sind sie darüber informiert, was die Thesauri im Hintergrund unseres Suchportals LIVIVO bewirken und wie sie die Suchergebnisse verbessern. Wenn die Girls abschließend ihre Praxiserlebnisse mit den anderen teilen, liegt ein abwechslungsreicher Vormittag hinter ihnen.

Die rasanten technologischen Veränderungen und die Globalisierung der Märkte erhöhen gerade in einem Informationszentrum den Bedarf an hoch qualifizierten Fach- und Führungskräften. Dies gilt vor allem für den MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Vorbehalte abzubauen und „Clevere Girls“ für MINT-Karrieren zu begeistern, das sehen wir als unsere Aufgabe. Ich meine, dass uns das bei den jungen Frauen durch die praktische Erfahrung in der Lösung komplexer Aufgabenstellungen und vor allem, dem persönlichen Gespräch mit einer Vorbildfrau gelingen kann.

Kontakt:
Claudia Weßler
Gleichstellungsbeauftragte
Tel: +49 (0)221 478-5609
gleichstellung@zbmed.de

Chancengleichheit bei ZB MED

Frauenberuf? Männerberuf? Tschüss, Klischee! Teil I

Foto des Begrüßungsschilds am Boys'Day 2016

ZB MED beteiligt sich am Boys’Day 2016

Den passenden Beruf zu finden ist keine einfache Aufgabe. Jugendliche, die durch Praktika oder das Projekt Boys‘ und Girls’Day mehr über einige Berufe erfahren haben, fällt die Wahl oft schon leichter. Aber noch immer lassen sich junge Frauen und Männer von Geschlechterklischees und Rollenerwartungen einschränken und in ihrer Berufswahl beeinflussen. Dabei stehen beiden Geschlechtern viel mehr Möglichkeiten offen, die es zu entdecken gilt.

Unter dem Slogan „Starke Typen machen sich stark fürs Wissen von morgen“ engagiert ZB MED sich 2016 bereits zum sechsten Mal mit großem Enthusiasmus beim Boys’Day, dem Jungen-Zukunftstag, der am 28.4.2016 stattfindet. Was 2011 mit meiner Idee eines zweigeteilten Angebotes (Kennenlernen des Studiengangs Bibliothekswissenschaft und ZB MED-Praxisteil) begann, entwickelte sich schnell zu einem großen, gemeinschaftlichen Erfolg. Prof. Dr. Tom Becker (Institut für Informationswissenschaft der Technischen Hochschule Köln) gestaltet seit meiner Anfrage den Boys’Day-Vormittag mit einem Workshop zum Thema
„Mehr als nur Lesen!  Einblick in den Studiengang Bibliothekswesen auf die etwas andere Art: lesBAR: Worte;   hörBAR: Töne;  recherchierBAR: Daten;  erfahrBAR: Informationen; verstehBAR: Wissen.Eine kleine Reise durch die Medien- und Informationsgesellschaft.“ 

Mit der Erkenntnis, dass die Vermittlung von Informationskompetenz ein brandaktuelles Thema ist, treten die Jungen kurz nach 11 Uhr den Weg vom Ubierring zu ZB MED mit öffentlichen Verkehrsmitteln an. Hier eingetroffen können sie sich mit belegten Brötchen, Obst, Joghurt und Kaltgetränken stärken. Abgerundet wird das Kennenlernen durch einen Austausch mit unseren Auszubildenden, die Informationen rund um den Beruf des Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste (FaMI) weitergeben. Danach starten die Jungen in den Boys’Day-Nachmittag, der ganz im Zeichen der praktischen Arbeit eines Informationsvermittlers steht. Nach einer Bibliotheksführung gehen die Jugendlichen 2016 in eine Eins-zu-Eins-Betreuung in folgende Abteilungen: Dokumentlieferung, Lizenzen, Current Contents, Zeitschriften/Bestandserhaltung sowie die Stabsstelle Produkt- und Innovationsmanagement. Hier sind es fünf Kollegen, die jeweils einen Jungen bei der praktischen Arbeit unterstützen, die von ihrer Berufswahl berichten und ihre Erfahrungen in einem eher frauendominierten Berufsfeld weitergeben. Wenn die Jungen abschließend ihre Praxiserlebnisse mit den anderen teilen, liegt ein abwechslungsreicher Tag hinter ihnen. Ob wir mit unserem gemeinschaftlichen Engagement etwas in den Köpfen der Jungen bewegen konnten? Vielleicht haben wir bei ihnen die Neugier an alternativen Berufsbildern geweckt. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Menschen, die ein Berufsziel haben, ein Gespür dafür entwickeln, ob sie auf dem richtigen Weg sind. Dann fällt auch meist das Lernen leichter. Wir als Kooperationspartner des Boys’Day-Projekts möchten den „Starken Typen“ auf jeden Fall die Motivation zum Lernen mit auf ihren Weg geben.

Kontakt:
Claudia Weßler
Gleichstellungsbeauftragte
Tel: +49 (0)221 478-5609
gleichstellung@zbmed.de

Chancengleichheit bei ZB MED