Video-Tutorials zu Peer Review

Von Jasmin Schmitz

Wissenschaftliche Artikel durchlaufen in der Regel einen Begutachtungsprozess, im Rahmen dessen über die Publikationswürdigkeit eines Manuskripts entschieden wird. Diese Begutachtung wird auch Peer Review genannt. Peer Review spielt somit für die Qualitätssicherung in der Wissenschaft eine wichtige Rolle. Mit dem Thema sind aber auch eine Reihe von Fragen verknüpft: Wie läuft es ab? Welche Bedeutung hat es für die Wissenschaftskommunikation? Was sind die Probleme?

ZB MED hat hierzu eine Auswahl von Video-Tutorials zusammengestellt, die über die unterschiedlichen Aspekte informieren und die unter anderem in der Open-Access-Publikationsberatung eingesetzt werden:

Auswahl von Video-Tutorials zu Peer Review, die über die unterschiedlichen Aspekte informieren und die unter anderem in der Open-Access-Publikationsberatung eingesetzt werden.

 

Bei der Auflistung oben handelt es sich um einen Auszug einer Zusammenstellung von Video-Tutorials auf der ZB MED Webpräsenz, die über unterschiedliche Themen im Bereich Open Access und Open Data informieren. Die Tabelle wurde kürzlich um aktuelle Videos ergänzt und enthält mittlerweile mehr als 100 Videos. Derzeit ist in Planung, die Tabelle stärker thematisch zu strukturieren, damit Nutzerinnen und Nutzer schneller relevante Videos zur Nachnutzung finden.


Weitere Informationen:

Ausgewählte Video-Tutorials zu Open Access und Open Data auf PUBLISSO
Ursula Arning: Peer Review und Qualitätssicherung bei PUBLISSO gold, der Open-Access-Publikationsplattform von ZB MED. ZB MED-Blog vom 11. September 2017

Peer Review und Qualitätssicherung bei PUBLISSO gold, der Open-Access-Publikationsplattform von ZB MED

Von Ursula Arning (Leiterin Open-Access-Publizieren und -Beraten)

Peer Review bedeutet im spezifischen Kontext wissenschaftlicher Publikationen die Begutachtung von Texten und ihrer Anhänge durch Forschende des entsprechenden Fachgebietes. Diese Begutachtung, das Review, soll die Qualität der zu publizierenden Artikel garantieren und kann in verschiedenen Ausführungen erfolgen.

Es gibt unterschiedliche Varianten des Peer Reviews. Eine ist das Blind Review, das wiederum zwei Spielarten hat: Wenn sowohl die Autorinnen und Autoren als auch die Begutachterinnen und Begutachter keine Kenntnis voneinander haben, spricht man vom Double Blind Review, das heißt beiden Parteien werden gegenseitig keine Namen genannt, so dass weder die Reviewer wissen, wer den Artikel geschrieben hat, noch die Autorinnen und Autoren, wer ihren Artikel begutachtet. Dieses Verfahren soll größtmögliche Objektivität ermöglichen. Beim Single-Blind-Verfahren haben die Gutachterinnen und Gutachter Kenntnis der Autorinnen und Autoren, letztere sehen aber nicht, wer sie begutachtet hat. Die Anonymität ermöglicht den Reviewern, ihre Gutachten frei zu formulieren.

Eine eher neuere Variante, die in der Wissenschaftspublikation zurzeit noch keine ausgeprägte Rolle spielt, ist das Open Review: In dem Fall werden die Texte publiziert und die Gutachten veröffentlicht. In einer weiteren Spielart, kann es den Leserinnen und Lesern ermöglicht werden, die Texte öffentlich zu kommentieren. Dabei kann sowohl Forschenden als auch – je nach Verfahren – interessierten Laien die Kommentarfunktion ermöglicht werden. Die notwendige Moderation der Kommentare bedeutet oft allerdings einen enormen Aufwand für die Herausgeberinnen und Herausgeber oder Autorinnen und Autoren. Andererseits hat es sich in einzelnen Fachdisziplinen wie der Physik bewährt, Forschungserkenntnisse als Pre-Prints zu veröffentlichen und sie später unter Berücksichtigung der Kommentare, also in einer redigierten Form, in Zeitschriften mit einem Peer-Review-Verfahren zu publizieren (1).

ZB MED mit seinen Publikationsplattformen German Medical Science (GMS) und der daraus entwickelten Plattform PUBLISSO gold für die Lebenswissenschaften legt größten Wert auf die Qualitätssicherung seiner Publikationen und arbeitet dabei eng mit den jeweiligen Fachgesellschaften zusammen. Zurzeit ist das Peer Review auf der Basis des Single-Blind-Verfahrens organisiert, d.h. die Gutachterinnen und Gutachter erfahren die Namen der Autorin oder des Autors, ohne selber der Verfasserin bzw. dem Verfasser genannt zu werden. Das Verfahren kann jedoch innerhalb des Systems auf Wunsch der Herausgeber einzelner Zeitschriften auf alle anderen Formen (Double Blind oder Open Peer Review) umgestellt werden.

Der Einreichungs- und Reviewprozess durchläuft bei PUBLISSO unterschiedliche Stadien und Verantwortlichkeiten. Während der Einreichungsprozess und die spätere Publikation größtenteils in den Händen der ZB MED-Redaktion liegen (2), wird das Review der einzelnen Publikationen in Verantwortung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler durchgeführt; bei ZB MED handelt es sich dabei um Mitglieder einzelner Fachgesellschaften. Absprachegemäß bekommen jeweils zwei Wissenschaftlerinnen bzw. Wissenschaftler denselben Artikel zugewiesen. Das folgende Schema veranschaulicht den Prozess:

Review-Prozess bei ZB MED-Publikationsplattform PUBLISSO gold

Während des Reviews entstehen drei Möglichkeiten:

  1. Der Artikel wird abgelehnt; die Autorin / der Autor wird entsprechend benachrichtigt.
  2. Der Artikel wird grundsätzlich akzeptiert, wenn bestimmte Kriterien zur Korrektur erfüllt werden; die Autorin oder der Autor müssen noch einige Korrekturen am Text durchführen und der Beitrag ein zweites Mal das Review durchlaufen.
  3. Der Artikel wird akzeptiert, evtl. werden kleinere Korrekturen vorgeschlagen.

War der Review-Prozess erfolgreich, das heißt Reviewer und Herausgeber haben den Artikel akzeptiert, werden die Artikel wieder an die ZB MED-Redaktion gesendet, die die Artikel mit äußerster Sorgfalt formal redigiert, Referenzen überprüft, Artikel zur Publikation vorbereitet und die abschließende Einverständniserklärung des Autors bzw. der Autorin zur Publikation einholt. Eine Qualitätssicherung bei PUBLISSO erfolgt damit also auf mehreren Ebenen.


(1) Zu den verschiedenen Review-Verfahren und ihren Auswirkungen bzw. möglichen Kritikpunkten vgl. auch PUBLISSO FAQ zum Peer Review.

(2) Es gibt drei unterschiedliche Servicestufen und damit Preismodelle bei ZB MED. Während in der einfachsten und kostengünstigsten Variante die Herausgeber die Einreichung und das Review selber organisieren, übernimmt die ZB MED-Redaktion im zweiten Modell die Einreichung und organisiert in der dritten Stufe zusätzlich den Review-Prozess mit den eventuell anfallenden Erinnerungen und Mahnungen. Inhaltlich liegt die Verantwortung des Reviews und damit der Qualitätssicherung in allen drei Varianten bei den Fachgesellschaften.

Wir sind muTiger!

Von Sarah Matthews und Kathrin Hofmann

Nicht nur im Alltag wird man manchmal Zeuge von Situationen, die Zivilcourage fordern. Auch im Berufsleben ist es sehr hilfreich zu wissen, wie man im besten Interesse für sich selbst und andere diese Lagen meistert. Beispielsweise, um brenzlige Situationen schnellstmöglich zu entschärfen. Daher fand am 28. Juni bei ZB MED eine Fortbildung zum Thema „Zivilcourage“ statt, an der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Benutzungsbereich teilgenommen haben. Ein Kursleiter und eine Kursleiterin der muTiger-Stiftung aus Gelsenkirchen haben den Tag geleitet und gestaltet. Anhand von praktischen aber auch theoretischen Beispielen haben sie uns Zivilcourage und mögliche Reaktionen näher gebracht.

Zu Beginn der Fortbildung zeigte die Kursleiterin einen Kurzfilm mit einer nachgestellten Mobbingszene in einer U-Bahn. Sie stellte die Frage, welche Handlungs- und Hilfestellungen denkbar sind: Wie würden Sie reagieren, wenn eine einzelne Person von mehreren Personen bedrängt und belästigt werden würde? Wie würden Sie in einer solchen Situation handeln? Welche Handlungsmöglichkeiten gibt es?

Zwei praxisnahe Liveszenarien, bei denen eine kritische Situation im Bus nachgespielt und ein Gang durch eine dunkle Gasse simuliert wurde, brachten Spaß und förderten den notwendigen Mut, sich in den entsprechenden Situationen richtig zu verhalten. Sie weckten Erinnerungen zu Situationen, die man selbst schon erlebt hat und bei denen man selbst Hilfe benötigt hätte bzw. Hilfe geleistet wurde. Wir nehmen von dem Tag die Erkenntnis mit, dass man nichts falsch machen kann, wenn man sich auf sein Bauchgefühl verlässt. Brenzlige Situationen muss man nicht alleine meistern. Frei nach dem Motto „gemeinsam sind wir stark“ sollten stets weitere Personen zur Mithilfe aufgefordert werden und natürlich die entsprechenden Notrufnummern bzw. -geräte in öffentlichen Verkehrsmitteln genutzt werden.

Gelernt haben wir:

  • Selbstbehauptung und Antiopfersignale
  • Wirksames Gefahrenradar
  • Aufforderung Anderer zur Mithilfe
  • Vermeidung von Täterkontakt
  • Absetzen eines Notrufs mit den fünf W-Fragen
  • Rechtliche Rahmenbedingungen

Wer gerne mehr über die muTiger-Stiftung erfahren möchte, kann sich auf ihrer Website umfangreich zum Angebot informieren.

Rückblick: ZB MED auf dem Bibliothekartag

Der Deutsche Bibliothekartag ist für ZB MED alljährlich ein wichtiges Forum, denn dort trifft sich die gesamte Fachcommunity. Bestehende Partnerschaften werden gepflegt, möglicherweise bahnen sich neue Kooperationen an. Außerdem zählen Bibliotheken zu den Kunden von ZB MED, denen wir unsere Dienstleistungen gerne zur Verfügung stellen.

So haben wir auch unser Engagement auf dem diesjährigen Bibliothekartag verstanden, der vom 30. Mai bis zum 2. Juni in Frankfurt am Main stattfand. In verschiedenen Veranstaltungen haben wir mit Anderen diskutiert und Informationen geteilt.

Am 31. Mai fand der Workshop „Open-Access-Beratung konkret: Welche Tools kann ich nutzen? Wie halte ich mich auf dem Laufenden?“ mit Dr. Jasmin Schmitz und Dr. Ursula Arning aus dem PUBLISSO-Team statt. Mehr als 100 Teilnehmende diskutierten sehr angeregt über Praxisfragen wie:

  • „Wie wird mit rechtlichen Fragen umgegangen?“,
  • „Wie bewerte ich Zeitschriften, die nicht im DOAJ gelistet sind?“ oder
  • „Wie vermittle ich den Forschenden, dass sie ihre Publikationen nicht auf Research Gate einstellen, sondern das institutionelle Repositorium nutzen?“

Fragen und Diskussionspunkte wurden dokumentiert und sind nun – wie auch die Präsentation – online abrufbar (1). Die Dokumentation verdeutlicht, wie vielschichtig der Alltag von Open-Access-Verantwortlichen ist!

Im Rahmen der PUBLISSO Open-Access-Publikationsberatung bietet ZB MED regelmäßig solche und ähnliche Workshops für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren an, die zum Ziel haben, Open-Access-Verantwortliche zu vernetzen und gleichzeitig im Sinne eines Train-the-Trainer-Ansatzes zu deren Kompetenzerweiterung beizutragen (2).

Ein zweiter Workshop von ZB MED fand ebenfalls am 31. Mai statt: „Open-Access-Publikationsangebot am Beispiel des Portals PUBLISSO von ZB MED“. Im Mittelpunkt stand das Content Management System Drupal, das dem ZB MED-Publikationsportal PUBLISSO als technische Grundlage dient und beispielsweise für die Publikation im Bereich „Plattform gold“ sowie für das Fachrepositorium Lebenswissenschaften eingesetzt wird. Die Wahl fiel auf Drupal, da es Funktionen anbietet, die speziell für die Publikation wissenschaftlicher Texte benötigt werden. Dr. Ursula Arning, Leiterin des ZB MED-Programmbereichs Open-Access-Publizieren und -Beraten, stellte zunächst PUBLISSO mit seinen verschiedenen Komponenten vor und gab eine Einführung in Drupal. Danach wurden die Teilnehmenden des Workshops aktiv und testeten Drupal live vor Ort.

In einer Diskussionsrunde war dann die Meinung der Teilnehmenden gefragt. Gemeinsam wurden Wünsche und Ideen entwickelt, welche zusätzlichen Tools für wissenschaftliches Publizieren wünschenswert und notwendig sind. So wurden beispielsweise die Möglichkeit der Mehrsprachigkeit und des kollaborativen Schreibens genannt. Die Workshop-Dokumentation ist ebenfalls inzwischen online (3).

Das Management von Forschungsdaten ist ein Thema, welches viele Wissenschaftseinrichtungen derzeit beschäftigt. Auf dem Bibliothekartag wurden verschiedene Sessions dazu angeboten. Birte Lindstädt, ebenfalls aus dem PUBLISSO-Team, hat im Rahmen einer praxisorientierten Session einen Vortrag zum Thema der Publikation lebenswissenschaftlicher Forschungsdaten gehalten. Unter anderem hat sie verschiedene Publikationswege vorgestellt, so zum Beispiel das Fachrepositorium Lebenswissenschaften von ZB MED. Auch dieser Vortrag ist nun online verfügbar (4).

Bereits zum zweiten Mal gab es beim Bibliothekartag die Möglichkeit, nicht nur analoge Poster in einer Ausstellung zu präsentieren, sondern auch kurze Videoclips, die ein fachlich relevantes Thema behandeln. ZB MED hat zwei Filme – beides Video-Tutorials – erfolgreich eingereicht:

  • „Wege zur Finanzierung der Open-Access-Publikationsgebühren“ (5)
  • „Recherchieren mit LIVIVO – ZB MED-Suchportal für Lebenswissenschaften“ (6)
Open Access Bibliothekartag Coffee Lecture

Coffee Lecture zur Open-Access-Publikationsberatung mit Dr. Jasmin Schmitz

Neben all diesen Punkten im Programm hat sich ZB MED in diesem Jahr erstmalig am Gemeinschaftsstand der Deutschen Gesellschaft für Information und Wissen (DGI) beteiligt, um uns und unsere Services vorzustellen. Besonderes Highlight waren an zwei Tagen verschiedene Coffee Lectures, bei denen unsere Expertinnen über Open-Access-Themen informiert und unser Rechercheportal LIVIVO vorgestellt haben. Diese Präsentationen können wir Ihnen nicht online zur Verfügung stellen, denn wir haben uns für ein etwas anderes Konzept entschieden. Die Kurzvorträge bei einer Tasse Kaffee wurden mittels Flip-Chart präsentiert. Die Kolleginnen haben dafür mit viel Kreativität ihre Charts von Hand gemalt!

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Weiterführende Links:
(1) Workshop-Präsentation und -Dokumentation „Open-Access-Beratung konkret: Welche Tools kann ich nutzen? Wie halte ich mich auf dem Laufenden?“
(2) Informationen zum PUBLISSO-Workshopangebot 
(3) Workshop-Präsentation und -Dokumentation „Open-Access-Publikationsangebot am Beispiel des Portals PUBLISSO von ZB MED“
(4) Präsentation des Vortrags „Publikation von Forschungsdaten in den Lebenswissenschaften: Fachrepositorium Lebenswissenschaften“
(5) Video-Tutorial: „Wege zur Finanzierung der Open-Access-Publikationsgebühren“
(6) Video-Tutorial: „Recherchieren mit LIVIVO – ZB MED-Suchportal für Lebenswissenschaften“

Neuer Wissenschaftlicher Beirat für ZB MED

Am 22. und 23. März tagt erstmals der neue elfköpfige Wissenschaftliche Beirat von ZB MED, der vom ZB MED-Stiftungsrat für die Dauer von vier Jahren berufen wurde. Darin vertreten ist ein breit gespanntes Spektrum mit ausgewiesener Kompetenz und vielfältiger Erfahrung. So gehören dem Beirat Leitungen national und international renommierter wissenschaftlicher Einrichtungen und Bibliotheken an, die zugleich fachlich unsere Bandbreite in den Lebens- und Informationswissenschaften abdecken.

Die Aufgabe dieses wichtigen strategischen Gremiums besteht darin, ZB MED in wissenschaftlichen und programmatischen Fragen zu beraten. Der Wissenschaftliche Beirat stellt also eine Art Lotsendienst dar, der uns auf unserem Weg zurück in die Leibniz-Gemeinschaft kritisch begleitet und mit seinem Rat unterstützt.


Weiterführende Links:

Wissenschaftlicher Beirat ZB MED
Gesetz zur Errichtung einer Stiftung „Deutsche Zentralbibliothek für Medizin“
Satzung der Stiftung ZB MED

Wissenschaftlicher Beirat der ZB MED

 

„Hermann Schaaffhausen zum 200. Geburtstag“ – Vortrag zur Ausstellungseröffnung

Vom 15. Oktober 2016 bis zum 26. März 2017 zeigt ZB MED in der Hauptbibliothek in Köln die Ausstellung „Hermann Schaaffhausen zum 200. Geburtstag“. Die Ausstellung präsentiert Originalfunde, Dokumente und weiteren Objekte und gibt so einen Einblick in das Leben und Werk des Bonner Anthropologen. Sie entstand in Zusammenarbeit mit dem LVR-LandesMuseum Bonn, wo sie bis zum 15. Oktober 2016 zu sehen war.

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Priv.-Doz. Dr. Ralf W. Schmitz hält den Eröffnungsvortrag zur Schaaffhausen-Ausstellung Foto: ZB MED / K.P. Schmidt

Den Vortrag zur Eröffnung der Ausstellung hielt Priv.-Doz. Dr. Ralf W. Schmitz, Wissenschaftlicher Referent für Vorgeschichte des LVR-LandesMuseums Bonn, der gemeinsam mit Dr. Ursula Zängl, Stellvertretende Direktorin von ZB MED, die Ausstellung kuratiert hat. Im Eröffnungsvortrag gibt Dr. Schmitz einen Einblick in die Entstehung der Ausstellung und einen Überblick über die Bedeutung Schaaffhausens für die Wissenschaft:

„Die Idee zu dieser Ausstellung entstand vor mehreren Jahren aus einer Zusammenarbeit zwischen ZB MED – Informationszentrum Lebenswissenschaften und dem LVR-LandesMuseum in Bonn. Frau Dr. Ursula Zängl, stellvertretende Direktorin von ZB MED und Mitkuratorin der Ausstellung, hat ihre wissenschaftsgeschichtliche Dissertation über Leben und Werk Hermann Schaaffhausens verfasst und nicht nur dabei einen enormen Fundus zur Wissenschaftsgeschichte des 19. Jahrhunderts zusammengetragen.

Ein zweiter Handlungsstrang begann 2006 im Umfeld der Jubiläumsausstellung zum 150. Jubiläum der Entdeckung des Urmenschen aus dem Neandertal. Zu dieser Zeit entdeckte unsere Bibliothekarin Susanne Haendschke, ebenfalls Schaaffhausen-Mitkuratorin, im Buchbestand des Landesmuseums einige Bände der verloren geglaubten Bibliothek Schaaffhausens. Inzwischen sind daraus über 170 Titel geworden.

Der dritte Handlungsstrang ist in meinen eigenen Arbeiten am Neandertaler und an seiner Fundstelle begründet. Immer wieder beschäftige ich mich mit den Schriften meiner wissenschaftlichen Vorgänger, der Name Schaaffhausen taucht dabei überproportional häufig auf und man wird neugierig. Wer war Hermann Schaaffhausen?

Gymnasialheft Schaaffhausens mit fiktivem Brief an seine Eltern Foto: ZB MED / Christian Wittke

Gymnasial-Schulheft Schaaffhausens mit fiktivem Brief an seine Eltern
Foto: ZB MED / Christian Wittke

Geboren wurde er am 19. Juli 1816 als Sohn eines wohlhabenden Fabrikanten in Koblenz. Bereits in seiner Schulzeit beschäftigte er sich mit naturgeschichtlichen Fragen. Viele weitere Anregungen erhielt er während seiner Studienjahre in Bonn und Berlin. In der Hauptstadt erfolgte 1839 die Verleihung des Doktortitels, auch legte er hier im Folgejahr die Ärztliche Staatsprüfung ab. Schaaffhausen war nun Anatom, Anthropologe, Mediziner – die Fachgrenzen waren damals nicht so deutlich wie heute.

Schaaffhausen ist ein Kind des 19. Jahrhunderts, eines Jahrhunderts, das wie kaum ein anderes für Aufbrüche und Umbrüche steht. Viele große Wissenschaftler verschiedenster Fachrichtungen wirkten im 19. Jahrhundert oder legten den Grundstein für ihre Erfolge in dieser Zeit. Zu Ihnen zählen Max Planck und Albert Einstein in der Physik, Robert Koch in der Mikrobiologie, das Röntgen wurde entdeckt, lenkbare Luftschiffe entwickelt, das Automobil konzipiert, der Grundstein für den Flugzeugbau gelegt, der Schiffbau revolutioniert, das erste Transatlantikkabel verlegt. Jules Verne schrieb über phantastische Dinge wie etwa einen Flug zum Mond oder von einem U-Boot, das unter dem Polareis hindurch taucht, Rudolf Virchow verfasste seine Cellularpathologie, Heinrich Schliemann fand Troja, Charles Darwin veröffentlichte sein Werk zur Evolutionstheorie, Sir Charles Lyell revolutionierte die Geologie, Lois Agassiz verstand die Eiszeitgletscher…

Reisepass von Hermann Schaaffhausen Foto: ZB MED / Christian Wittke

Reisepass von Hermann Schaaffhausen
Foto: ZB MED / Christian Wittke

In diesem Jahrhundert wurde Europa aber auch neu geordnet, Deutschland fand seine Einheit, tragischerweise im Spiegelsaal von Versailles, was bereits den Keim zu weiteren Konflikten in sich trug. Die industrielle Revolution entwickelte Landschaften und verwüstete andere mit dem neu erfundenen Dynamit, wie zum Beispiel das Neandertal, zuvor an Naturschönheit auf Augenhöhe mit der schweizerischen Via Mala. Ein zuvor unbekannter Hunger nach Energie führte zu einer maßlosen Befeuerung aller Ideen mit fossilen Brennstoffen. Ja, auch der sich heute abzeichnende Untergang weiter Küstenlandschaften durch den Anstieg des Meeresspiegels wurzelt in dieser Epoche des Aufbruchs.

Sehr früh entwickelte Hermann Schaaffhausen seine Leidenschaft für Altertümer. Diese verstärkte sich nach seiner Rückkehr aus Berlin an den Rhein und der Habilitation in Bonn bald hin zu den frühen Zeugnissen der Menschheitsgeschichte. Wenn man mag, könnte man ihn letztlich als Mediziner, Anatom und Prähistoriker bezeichnen. Als Professor der Universität Bonn hielt er ab 1845 bis zu seinem Tod 1893 attraktive und gut besuchte Vorlesungen.

Buch aus der Bibliothek Hermann Schaaffhausens

Werk aus der Bibliothek Hermann Schaaffhausens

Schon in den frühen 50er Jahren beschäftigt er sich mit der Frage, ob die Arten der Tier- und Pflanzenwelt wirklich unveränderlich sind, wie es die gängige Lehrmeinung vorgab. Seine Überlegungen münden im 1853 erschienenen Werk „Ueber Beständigkeit und Umwandlung der Arten“. Charles Darwin bezeichnete es einige Jahre später als „an excellent pamphlet“.

Dr. Ralf W. Schmitz und Dr. Ursula Zängl erläutern bei einer Führung durch die Ausstellung den Neanderthaler-Fund Foto: ZB MED / K.P. Schmidt

Dr. Ralf W. Schmitz und Dr. Ursula Zängl erläutern bei einer Führung durch die Ausstellung den Neandertaler-Fund.
Foto: ZB MED / K.P. Schmidt

Hierin schreibt Schaaffhausen über die Veränderung von Arten in der Zeit, nimmt Umweltfaktoren als Auslöser an und nennt als Zeitraum für die Veränderungen mehr als 100.000 Jahre – unerhört aus dem Blickwinkel der meisten Zeitgenossen, in deren Augen die Welt vor gerade einmal 6000 Jahren erschaffen worden war. Auch bezieht er, anders als Darwin, den Menschen bereits 1853 deutlich mit ein. Er glaubt an die heftig umstrittene Gleichzeitigkeit von Mensch und ausgestorbenem Mammut, und, nun wird es noch spannender, er sieht Belege für eine ausgestorbene Menschenform, die urtümlicher war als der heutige Mensch – unerhört aus der Weltsicht zur Mitte des 19. Jahrhunderts.
Dies geschieht, wohlgemerkt, bereits vor der Entdeckung des Skelettes aus dem Neandertal. Dieser Fund trat im Winter 1856 / 57 mit aller Wucht in sein Leben und hat es für immer verändert.

Der Naturforscher Johann Carl Fuhlrott übertrug ihm die Untersuchung der wenige Monate zuvor entdeckten Skelettreste aus dem Neandertal. Diese waren damals noch Bestandteil der Sammlung Fuhlrotts in Elberfeld. Schaaffhausen ordnete die Knochenreste zusammen mit anderen Funden, wie dem Schädel von Gibraltar, korrekt einer urtümlichen Menschenform zu. Der Fund aus dem Neandertal geriet zum Kristallisationspunkt der oft polemisch geführten Kontroverse um die Existenz fossiler Menschen, die bald alle Gesellschaftsschichten erfasste. Schaaffhausen präsentierte den Neandertaler auf zahlreichen internationalen Kongressen und bewirkte, dass sich Koryphäen wie der Geologe Sir Charles Lyell und der Zoologe Thomas Henry Huxley an der Diskussion beteiligten. Hierdurch erhielt der Neandertaler, ausgehend von den Britischen Inseln, eine faire Chance der Anerkennung.

Sehr schön sieht man auf diesem Ausschnitt eines Tagungsgruppenbildes von 1887 Hermann Schaaffhausen und Rudolf Virchow. Als Puffer dazwischen kein Geringerer als Troja-Entdecker Heinrich Schliemann. Foto: ZB MED / Christian Wittke

Sehr schön sieht man auf diesem Ausschnitt eines Tagungsgruppenbildes von 1887 Hermann Schaaffhausen und Rudolf Virchow. Als Puffer dazwischen kein Geringerer als Troja-Entdecker Heinrich Schliemann.
Foto: ZB MED / Christian Wittke

Der größte Kontrahent Schaaffhausens in der Diskussion um den Neandertaler war der Mediziner Rudolf Virchow. Er hatte 1872 alle Skelettunterschiede zwischen Neandertaler und heutigem Menschen für krankheitsbedingt erklärt. Mit dieser Fehleinschätzung behinderte er aufgrund seines enormen Einflusses die inländische Forschung bis zu seinem Tod im Jahre 1902 erheblich. Somit war das Verhältnis der beiden Wissenschaftler nicht gerade herzlich zu nennen.

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Foto: ZB MED / Christian Wittke

Nach Fuhlrotts Tod 1877 planten die Erben den Neandertaler zu verkaufen. Es lag bereits ein gutes Angebot aus England vor. Da unser Museum nicht über die benötigten Geldmittel verfügte, sprang Hermann Schaaffhausen ein. Die erforderliche Summe von 1.000 Goldmark bestritt er aus seinem eigenen Vermögen. Seither ist der Neandertaler das bedeutendste Exponat des Landesmuseums. Die Präsenz des Fundes in Bonn ermöglichte es Schaaffhausen, in Ruhe sein 1888 erschienenes Abschlusswerk „Der Neanderthaler Fund“ vorzubereiten.

Voegelchen_Andernach_freiEbenfalls auf Schaaffhausen zurück geht der kleine Vogel von Andernach. Eiszeitjäger hatten ihn vor fast 16.000 Jahren aus Ren-Geweih geschnitzt. Hermann Schaaffhausen grub den Rastplatz der Jäger auf dem Martinsberg in Andernach 1883 aus und zog anhand der Steinwerkzeuge korrekte Parallelen zur eiszeitlichen Kultur des Magdalénien in Frankreich. Über den Vogel schreibt er: „Das schönste Schnitzwerk … ist ein unteres Geweihstück vom Rennthier, welches zu einem Vogel geschnitzt ist. … Es sind zwei Perlen der Krone des Geweihs benützt, um die Augen des Vogels darzustellen, dessen Schnabel an der Wurzel breit, gerade und spitz ist, die Federn des Kopfes sind wie zu einer Haube aufgerichtet. Flügel und Schwanz sind mit Längsstrichen deutlich angedeutet.“ Diese Zeilen erheben ihn zum Entdecker der Eiszeitkunst im Rheinland.

Aber auch abseits des engeren Fachzirkels war Hermann Schaaffhausen sehr aktiv und, wie man heute sagen würde, gut vernetzt. So hatte der junge Kronprinz Wilhelm in seiner Bonner Studienzeit Vorlesungen bei Schaaffhausen gehört und war gerngesehener Gast in der Villa Schaaffhausen in Bad Honnef. Als Kaiser Wilhelm II kehrte er gerne hierher zurück, manchmal mit seiner Gattin, die beiden hatten ein eigenes „Kaiserzimmer“ in der Villa. Dasselbe gilt für das schwedische Königspaar und einige andere Vertreter des europäischen Adels. Männer wie Schaaffhausen konnte Preußen natürlich gut gebrauchen, um das Rheinland vielleicht doch noch in den Griff zu bekommen …

Die Exponate kommen aus dem LVR-LandesMuseum Bonn nach Köln.

Die Exponate kommen aus dem LVR-LandesMuseum Bonn nach Köln.

So gehörte er denn auch ab 1874 zur Gründungskommission der Provinzialmuseen in Trier und Bonn, Vorläufer der heutigen Rheinischen Landesmuseen. Bei diesen Museen handelt es sich um politische Geschenke des fernen Berlin an die Rheinprovinz, die damals bis in das nördliche Saarland reichte – mit erfreulichen Folgen für unseren archäologischen Sammlungsbestand.

Schaaffhausen als Begründer der Urmenschenforschung in Deutschland verstand es sogar, Evolutionslehre und katholischen Kirchenvorstand in einer Person zu vereinen. Auch war er ein engagierter Förderer des kulturellen Lebens in der Region. Nach Anfangsschwierigkeiten feierte man im August 1845 das erste Beethoven-Fest. Schaaffhausen gehörte dem Festkomitee an, führte die Korrespondenz und wirkte am Programm mit. Auch gründete er ein Komitee zur Errichtung eines Denkmals für Robert Schumann. In seiner Rede zur Einweihung 1880 hob er die Bedeutung der Musik als Kunstform hervor. In der Rede schwingen aber auch starke persönliche Emotionen mit. Diese finden sich auch in einer Bauinschrift eines Rundbaus im Garten seiner Villa in Bad Honnef, hier in klarem Bezug zu seiner plötzlich und zu früh verstorbenen Frau. Anna Lorenz scheint die Liebe seines Lebens gewesen zu sein, denn Hermann Schaaffhausen hat sich trotz aller Kontakte und Möglichkeiten nie mehr gebunden.Hermann Schaaffhausen starb am 26. Januar 1893 in Bad Honnef und wurde unter großer Anteilnahme auf dem Alten Friedhof in Bonn beigesetzt.

Viele Informationen über Leben und Werk Schaaffhausens finden sich im Internetportal von ZB MED. Gleiches gilt für die wiederentdeckten und digitalisierten Bände aus der Bibliothek Schaaffhausens. Das Portal bleibt auch nach der Laufzeit der Ausstellung dauerhaft aktiv und wird fortlaufend ausgebaut und ergänzt.

Eine solche geplante Ergänzung ist zum Beispiel ein wichtiger Teil der wissenschaftlichen Kartei Hermann Schaaffhausens. Sie ist mit einer schönen Geschichte verbunden. Mein Kollege Hoyer von Prittwitz stand vor knapp zwei Jahren in meiner Bürotür mit den Worten: „Du interessierst Dich doch für Schaaffhausen, das hier ist was für Dich“. Es verschlug mir bereits bei der ersten Sichtung die Sprache, denn in dem überreichten Archivkasten befanden sich zahlreiche Karten mit Fotos und Zeichnungen anthropologischer Fundstücke, allesamt mit Beschriftungen aus der Feder Schaaffhausens. Diese werden nun gesichtet, digitalisiert und in das Portal integriert.

Die Realisierung der Ausstellung wäre natürlich nicht möglich gewesen ohne das Team von ZB MED und des LandesMuseums. Wir hatten aber auch sehr wohlwollende Leihgeber. Danken möchte ich

  • der Universitäts-und Landesbibliothek Bonn,
  • den Stadtarchiven in Koblenz und in Bonn,
  • dem Preußen-Museum-Minden,
  • dem Anatomischen Institut der Universität Bonn
  • sowie der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte.

Ich wünsche der Ausstellung und damit Hermann Schaaffhausen eine gute Wahrnehmung in der Öffentlichkeit.“


Weiterführende Informationen:

Digitale Sammlungen von ZB MED
Themenportal Schaaffhausen

Data Policies bei wissenschaftlichen Verlagen

Von Birte Lindstädt und Robin Rothe

Data Policies werden seit einigen Jahren zunehmend als wichtiges Instrument zur Regelung und Optimierung des Managements von Forschungsdaten angesehen. Bereits 2011 veröffentlichten Heinz Pampel und Roland Bertelmann einen Beitrag zu verschiedenen Formen von Data Policies sowohl im disziplinären, wie auch im interdisziplinären Bereich der Wissenschaft. Darin bieten sie einen Überblick über bereits existierende Data Policies, sowie aktuelle und künftige Herausforderungen für die Policies (1). So veröffentlichte die DFG im Herbst 2015 die aktuelle Fassung ihrer „Leitlinien zum Umgang mit Forschungsdaten“ (2) . Diese resultieren aus den 2008 erstmals verabschiedeten und 2009 veröffentlichten „Empfehlungen zur gesicherten Aufbewahrung und Bereitstellung digitaler Forschungsprimärdaten“ (3). Die Umwandlung von Empfehlungen zu Leitlinien zeigt bereits, wie wichtig das Thema mittlerweile genommen wird.

Bei uns entstand nun die Frage: Wie gehen wissenschaftliche Verlage mit der Publikation von Forschungsdaten um? Insbesondere aufgrund der Tatsache, dass Verlage auch in Zeiten von institutionellen Repositorien, disziplinären Portalen und OA-Journals von freien Initiativen und Institutionen immer noch eine bedeutende Rolle in wissenschaftlichen Publikationsprozessen spielen, kommt deren Umgang mit (Forschungs-)Daten eine nicht zu unterschätzende Bedeutung bei der Verbesserung der guten wissenschaftlichen Praxis zu. Bei Pampel und Bertelmann werden bereits Journal Policies in einem eigenen Unterkapitel erwähnt. Zum einen beschränken diese sich jedoch auf wenige Beispiele, zum anderen – bis auf Nature – auf publizierende Einrichtungen außerhalb des wissenschaftlichen Verlagswesens (4).

ZB MED hat in diesem Zusammenhang wissenschaftliche Verlage aus den Lebenswissenschaften dahingehend überprüft, inwiefern diese über Data Policies verfügen. Dabei wurden die Verlagsseiten und deren Umfeld von Springer-Nature, Elsevier, Wiley, BiomedCentral, Sage Publications und DeGruyter analysiert. Zusätzlich wurde PLOS als Non-Profit-Projekt zur wissenschaftlichen Publikation aufgrund der Bedeutung insbesondere von PLOS One mit in die Untersuchung aufgenommen. Inhaltlich ging es erstens darum zu überprüfen, welche Verlage überhaupt eine Data Policy haben, und zweitens darum im nächsten Schritt zu erörtern, was in den jeweiligen Policies festgehalten wurde. Dabei stellte sich insbesondere die Frage, ob und inwiefern die Publikation den Textveröffentlichungen zugrundeliegender Daten Voraussetzung für die Annahme von Artikeln ist.

Tabelle: Data Policies der Verlage

Data Policies der Verlage

Wie die nachfolgende Tabelle zeigt, haben von den sieben untersuchten Anbietern drei keine journal-übergreifende Data Policy. Wiley verweist auf die Data Policies der zugehörigen Zeitschriften. Sage Publications und DeGruyter haben keine Hinweise auf etwaige Data Policies.

Tabelle: Data Policies der Verlage

Wie man der Tabelle entnehmen kann, gehen die Anbieter unterschiedlich mit dem Thema um. Springer Nature bietet ganz im Sinne des Dienstleistungsprinzips für jeden Bedarf unterschiedlicher wissenschaftlicher Communities eine Standard-Policy an. Laut eigener Aussage wird damit das Ziel verfolgt, Autorinnen und Autoren je nach Vorgaben der Förderungsorganisationen und den disziplinspezifischen Regelungen die Möglichkeit zu bieten, auf Springer Nature zu publizieren. Hierfür hat man ein Baukastensystem für die Zeitschriftenbetreiber entwickelt, das jede Eventualität abdeckt (5). Auf Grund dessen bietet sich dieses System bestehend aus vier Policy-Typen als Vergleichsmöglichkeit mit den Data Policies anderer wissenschaftlicher Verlage an.

Auszug aus SpringerNature (2016)

SpringerNature (2016). Overview of the policies.

Die Policy von PLOS ist demzufolge vergleichbar dem Typ 4 mit der Einschränkung, dass ein Peer-Review-Verfahren für die Daten nicht vorgesehen ist. Zwar werden bei PLOS Ausnahmen in der Data Policy benannt, diese sind aber als sehr restriktiv (nur für den Fall von Datenschutzverletzungen bei Veröffentlichung der Daten) zu bewerten. Eine Zurückhaltung der Daten aus persönlichen und/oder kommerziellen Gründen wird kategorisch ausgeschlossen. Die Data Policy von BiomedCentral ist dem Typ 3 zuzuordnen und die von Elsevier als schwächste Form dem Typ 1. Alle vier Verlage bieten ergänzend Hilfe bei der Umsetzung von Datenveröffentlichungen an. Die Angebote reichen von FAQs über Listen von potenziellen Repositorien bis hin zu eigenen Infrastrukturen zur Datenpublikation.

In Anbetracht der noch sehr unterschiedlichen Datenkultur in den einzelnen Disziplinen und der Tatsache, dass sowohl die deutschen Forschungsförderer und die EU als auch die Hochschulrektorenkonferenz disziplinübergreifend ebenfalls lediglich die Publikation von Daten empfehlen, ist es positiv, dass diese vier Verlage bereits eine Data Policy haben. Auch darf nicht vergessen werden, dass viele Editorial Boards ihren Journals eigene Data Policies auf der Grundlage der jeweiligen disziplinären Ausrichtung gegeben haben.

Die Frage ist, was die Verlage motiviert, solche Policies aufzusetzen? Sicherlich spielt die Ausweitung des Dienstleistungsspektrums hier ebenso eine Rolle wie das Ziel einer Erweiterung des bereitgestellten Contents. Die Autoren und Autorinnen müssen den politischen Anforderungen beim Umgang mit Forschungsdaten zunehmend folgen, indem sie Datenpublikationen vorsehen. Die Leser haben Interesse an transparent dargestellten Forschungsergebnissen und somit auch an den verwendeten Daten. Somit bedienen die Verlage mit den Data Policies Kundeninteressen.


 

(1) Vgl. Pampel, H. & Bertelmann, R. (2011). „Data Policies“ im Spannungsfeld zwischen Empfehlung und Verpflichtung. In S. Büttner, H.-C. Hobohm & L. Müller (Hrsg.), Handbuch Forschungsdatenmanagement (S. 49 – 61).

(2) Vgl. DFG (2015). Leitlinien zum Umgang mit Forschungsdaten.

(3) Vgl. DFG (2009). Empfehlungen zur gesicherten Aufbewahrung und Bereitstellung digitaler Forschungsprimärdaten.

(4) Vgl. Pampel, H. & Bertelmann, R. (2011). „Data Policies“ im Spannungsfeld zwischen Empfehlung und Verpflichtung (S. 56 – 57). In S. Büttner, H.-C. Hobohm & L. Müller (Hrsg.), Handbuch Forschungsdatenmanagement.

(5) Vgl. Hrynaszkiewicz, I. (2016): Promoting research data sharing at Springer Nature. BioMed Central Blog.
Dieser Blogbeitrag wurde zeitgleich von Scott Epstein auf dem SpringerOpen blog (http://blogs.springeropen.com/springeropen/2016/07/05/promoting-research-data-sharing-springer-nature/ )  und Lilienne Zen auf „of schemes and memes – a community blog from nature.com“ veröffentlicht.

 

 

Frischer Wind bei ZB MED – Transformationsprozess gestartet

Von Elke Roesner

Wir haben eine Weile an dieser Stelle nicht mehr über unsere Aktivitäten berichtet. Inzwischen ist jedoch viel passiert.

Interimsdirektor Dr. Dietrich Nelle

Dr. Dietrich NelleSeit dem 1. Oktober 2016 ist Dr. Dietrich Nelle (vormals beim Bundesministerium für Bildung und Forschung), Interimsdirektor von ZB MED. Dr. Nelle wird bei der Durchführung des Transformationsprozesses von Prof. Dr. Klaus Tochtermann, den Direktor der ZBW-Leibniz-Informationszentrum Wirtschaftswissenschaften, tatkräftig mit informationswissenschaftlichem Input unterstützt. Damit ist ZB MED für die neuen großen Herausforderungen hochkarätig besetzt. Unter der neuen Leitung hat der Transformationsprozess, der ZB MED zu einem modernen Fachinformationszentrum umgestalten wird, unmittelbar begonnen.

Das weitere Vorgehen beim Transformationsprozess

Nach dem aktuellen Stand sollen im Laufe des Jahres 2017 die Berufungen der W3-Professur für die Leitung und einer weiteren W2-Professur vonstattengehen und damit die Entwicklung und Umsetzung einer übergeordneten Strategie sowie einer Forschungsstrategie forciert werden. Bereits jetzt wird die Anbindung an die User Communities an Hochschulen und in der Leibniz-Gemeinschaft verstärkt. Ziel ist es ferner, Drittmittel einzuwerben, die zur strategischen Weiterentwicklung zusätzliche Beiträge leisten können.

Selbstredend geht es bei dem Transformationsprozess schon jetzt um den engen Kontakt mit der wissenschaftlichen Community:

PUBLISSO: Einsatz für Open Access

Ende Oktober hat das Open-Access-Publikationsportal für die Lebenswissenschaften – PUBLISSO – mit vielen Gästen bei Coffee Lectures und einer kleinen Party seinen ersten Geburtstag gefeiert (1). PUBLISSO und die Menschen dahinter sind mit dem Format „PUBLISSO unterwegs“, Vernetzungsworkshops und der Open-Access-Publikationsberatung nah an der wissenschaftlichen Community und somit gut vernetzt in der Open-Access-Bewegung. Ein Drittmittelprojekt läuft bereits (2), weitere sind in Vorbereitung.

ESFRI-Tagung bei ZB MED

Am 7. November tagte das Executive Board des European Strategy Forum on Research Infrastructure (ESFRI) zusammen mit der ESFRI Workinggroup on Investment Strategies in e-Infrastructures bei ZB MED: 20 Vertreterinnen und Vertreter aus den EU-Mitgliedsstaaten und der Europäischen Kommission diskutierten bei ZB MED über Perspektiven für die künftige Finanzierung digitaler Infrastrukturen (3).

Die europäische Vernetzung ist für ZB MED von besonderer Bedeutung, um international attraktive Mehrwertdienstleistungen für die Forschung anzubieten und auch Möglichkeiten der europäischen Förderung zu nutzen. Dr. Nelle, gehört dem ESFRI Executive Board an und hatte nach Köln eingeladen.

Generalsekretärin der Leibniz-Gemeinschaft zu Gast bei ZB MED

Bei einem Besuch in Köln am 15. November 2016 hat Christiane Neumann, Generalsekretärin der Leibniz-Gemeinschaft, einen Eindruck von ZB MED – Leibniz-Informationszentrum Lebenswissenschaften gewonnen (4). Dr. Nelle hat die Tätigkeitsschwerpunkte von ZB MED erläutert und Einblicke in den laufenden Transformationsprozess gegeben. Auch ein Besuch beim PUBLISSO-Team und Aktivitäten im Bereich Open Access standen auf der Agenda. Ein weiterer Programmpunkt war eine Führung durch die neu eröffnete Ausstellung „Hermann Schaaffhausen zum 200. Geburtstag“ von Dr. Ursula Zängl, die in Personalunion stellvertretende Direktorin von ZB MED und eine der Kuratorinnen der Ausstellung ist (5).


Weiterführende Informationen:

(1) PUBLISSO
(2) ZB MED Pressemitteilung: DFG fördert Projekt Living Handbooks
(3) ZB MED Pressemitteilung: Digitale Infrastrukturen für die Europäische Forschung
(4) ZB MED News: Generalsekretärin der Leibniz-Gemeinschaft zu Gast bei ZB MED
(5) ZB MED Pressemitteilung: Hermann Schaaffhausen zum 200. Geburtstag – Ausstellung bei ZB MED eröffnet

Ein Vergleich lebenswissenschaftlicher Ontologien mit dem Suchportal LIVIVO

Von Alexandra Hagelstein

Semantische Suche

Im letzten Blogbeitrag der LIVIVO-Labs „Beyond Metada“ haben wir die Vorgehensweise beschrieben, wie wir LIVIVO semantisch mithilfe von Entitäten aus Ontologien anreichern. Die Entitäten werden mit dem UIMA Framework extrahiert und in unserem ZB MED Knowledge Environment gespeichert.

Bei genaueren Betrachtungen sind uns weitreichende Überschneidungen aufgefallen. Beispielsweise zeigen unsere Wordclouds die häufigsten gefundenen Begriffe aus den Thesauri in LIVIVO (1).

Interdisziplinarität der Suche

LIVIVO als Suchportal für die Lebenswissenschaften enthält Publikationen aus den Bereichen der Medizin, des Gesundheitswesens, der Ernährungs-, Umwelt- und Agrarwissenschaften. Mit MeSH (Medical Subject Headings) wird das ZB MED Knowledge Environment mit medizinischer Terminologie angereichert, Agrovoc deckt den landwirtschaftlichen Bereich ab, DrugBank umfasst pharmazeutische Fachbegriffe.

Ähnlichkeitsvergleich der Ontologien

In einer aktuellen Publikation (2) haben wir die drei erwähnten Thesauri auf ihre Ähnlichkeiten verglichen. In den Thesauri und somit in den automatisch generierten Wordclouds überschneiden sich vor allem Oberbegriffe wie zum Beispiel „Patients“ oder „Methods“. Als Maß, um die Ähnlichkeit zwischen den Ontologien zu messen, verwenden wir den Jaccard-Koeffizienten. Er teilt die Anzahl der gemeinsamen Begriffe durch die Größe aller in den jeweiligen Thesauri vorkommenden Begriffe.
Je höher der Jaccard-Koeffizent – er kann maximal den Wert „1“ annehmen – desto größer ist die Ähnlichkeit der Thesauri.

Ergebnisse

Der Jaccard-Koeffizent zwischen den Thesauri MeSH und Agrovoc beträgt 0,09.
Beim Betrachten der 1000 häufigsten Begriffe aus dem ZB MED Knowledge Environment steigt dieser Koeffizient auf 0,3 an. Das heißt, dass viele der häufigen Begriffe aus dem Suchportal LIVIVO sowohl in dem MeSH-Thesaurus, als auch in Agrovoc enthalten sind.

Der Koeffizient zwischen Agrovoc und DrugBank ist im Vergleich dazu sehr niedrig und liegt bei 0,005. Die modellierten Begriffe im Thesaurus DrugBank sind im Wesentlichen durch spezifisches Wissen geprägt und enthalten weniger Oberbegriffe als die Thesauri MeSH und Agrovoc. MeSH und Agrovoc teilen sich einige Begriffe, da sie als Oberbegriffe in vielen Disziplinen anwendbar sind. So werden Begriffe wie „Therapy“ oder „Research“ in den Thesauri abgebildet, enthalten aber kein spezifisches und unterscheidbares Fachwissen.

Zwei Venndiagramme veranschaulichen die Ergebnisse. Diagramm A stellt die Überschneidungen zwischen den Thesauri MeSH, DrugBank und Agrovoc dar. Diagramm B zeigt die Überschneidung der 1000 häufigsten Begriffe in LIVIVO.

Venndiagramme

Venndiagramme zur Veranschaulichung der Ergebnisse

Fazit

Diese Ergebnisse zeigen Schwierigkeiten, die bei der Extraktion von Begriffen aus verschiedenen Wörterbüchern für die Literatursuche auftreten. Um die Überschneidung der Begriffe zu vermeiden, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder die überschneidenden Oberbegriffe aus den Ontologien werden zusammengefasst und ergeben nur einen Treffer oder es wird ein Verfahren genutzt, dass die Oberbegriffe auslässt. Das Auslassen der Oberbegriffe würde jedoch zu einem Ausfall von Informationen führen, dafür könnte aber möglicherweise die Genauigkeit der Treffer erhöht werden.

 

Die Publikation wurde im Rahmen der EKAW (International Conference on Knowledge Engineering and Knowledge Management) (3) eingereicht. Die diesjährige EKAW Konferenz befasst sich mit der Wirkung von Raum und Zeit auf die Repräsentation von Wissen. Mit dem Suchportal LIVIVO ermöglichen wir unseren Nutzern den Zugang zu Literatur aus 55 Millionen Publikationen aus dem Bereich der Lebenswissenschaften.


 

(1) LIVIVO Laboratories
(2) Müller, B., Hagelstein, A., Gübitz T.: Life Science Ontologies in Literature Retrieval: A Comparison of Linked Data Sets for Use in Semantic Search on a Heterogueneous Corpus. Proceedings of the 20th International Conference on Knowledge Engineering and Knowledge Management, Bologna, Italy (2016)
(3) International Conference on Knowledge Engineering and Knowledge Management, Bologna (Italy), 19.-23. November 2016

Die mögliche Vielfalt der Impact-Messung: Anbietervergleich von Aggregatoren von Altmetriken

Von Robin Rothe und Jasmin Schmitz

Die „klassische“ Impact-Messung basierend auf der Zählung von Zitationen wird zunehmend als unzureichend erachtet. Hauptkritikpunkte sind hierbei, dass die von kommerziellen Anbietern generierten Zitationszahlen nicht offen einsehbar und daher wenig transparent sind. Zudem stehen diese nicht für alle Produkte wissenschaftlichen Forschungsoutputs wie Forschungsdaten oder Software zur Verfügung. Außerdem stellt das Zählen von Zitationen nur eine Möglichkeit dar, Impact zu messen (1). Zentrale Forderungen von Initiativen wie San Francisco Declaration on Research Assessment (DORA) (2) und Altmetrics Manifesto (3) sind daher, die Impact-Messung auf eine breitere Basis zu stellen und auch auf andere Formen der Nutzung auszuweiten. Diese Ausweitung wird unter dem Schlagwort „Altmetriken“ (engl. Altmetrics) diskutiert, einer Zusammensetzung aus „alternativ“ und „Metriken“. Dabei verstehen sich Altmetriken aber eher als Ergänzung zur klassischen Impact-Messung, weniger als Ersatz. Häufig werden diese auch als „article level metrics“ bezeichnet, weil entsprechende Zahlen auf der Ebene der Publikationen (z.B. Zeitschriftenartikel, Forschungsdatenveröffentlichung, Softwarepublikation, Blogbeitrag, Veröffentlichung von Präsentationsfolien) selbst erhoben werden.

Neben der Ermittlung, wie häufig Veröffentlichungen zitiert werden, wird auch gemessen, wie häufig diese beispielsweise abgerufen, gespeichert, geteilt, kommentiert oder empfohlen wurden. Insbesondere die Erwähnung in Sozialen Medien spielt dabei eine große Rolle, die mittlerweile Einzug in sämtliche Lebensbereiche gehalten haben und daher auch bei der Impact-Messung berücksichtigt werden sollen. Viele der Plattformen bieten mittlerweile die Möglichkeit, über eine API altmetrische Kennzahlen für Publikationen abzurufen. Häufig wird hierbei mit einem persistenten Identifikator wie dem DOI gearbeitet. Zudem gibt es eine Reihe von Datenaggregationen, die entsprechende Anbieter abfragen und die Kennzahlen gebündelt präsentieren. Die bekannteste Darstellungsform ist hierbei der „Donut“ von altmetric.com (4).

Möchte man selbst altmetrische Kennzahlen für Publikationen erheben (z.B. für sich selbst oder für Publikationen im Repositorium oder Publikationsdienst), stellt sich die Frage nach einem geeigneten Anbieter. Hierbei ist nicht unerheblich, wie viele und welche Datenquellen ausgewertet werden.

Die nachfolgende Tabelle informiert über verschiedene Datenaggregatoren und die Datenquellen, die sie auswerten. Das Schema beruht auf einer Zusammenstellung in Jobmann et al. 2014 (5); dort findet sich auch eine kurze Beschreibung zu PlumX, ImpactStory, Altmetric Explorer von altmetric.com und Webmetric Analyst. Neben diesen kommerziellen Anbietern gibt es seit 2009 Lagotto (6). Dabei handelt es sich um eine freie Software, die flexibel konfigurierbar ist und von PLOS entwickelt und via GitHub bereitgestellt wurde. Es wird u.a. von PLOS ONE, Copernicus Publications und CrossRef verwendet (7).

Tabelle mit den Datenaggregatoren und Datenquellen

Datenaggregatoren und Datenquellen

Es ist zu erkennen, dass insbesondere PlumX, aber auch die anderen Aggregatoren von Altmetriken bemüht sind, eine möglichst große Vielfalt an Datenanbietern zu identifizieren und in ihr Produkt zu implementieren. Erkennbar ist auch, dass neben den klassischen Zitationen auch „comments“, „likes“, „mentions“, „views“, „follower“s, „readers“, etc. ausgewertet werden.

Was sich aus der Tabelle nicht ablesen lässt, ist, was sich hinter den einzelnen Datenquellen und deren Kennzahlen verbirgt. Auch kann die Fülle aus 35 Datenquellen und 58 dazugehörigen Auswertungsmerkmalen bei der erstmaligen Betrachtung in dieser reinen Auflistung für Überforderung sorgen. Um diesem vorzubeugen, erscheint es sinnvoll, die einzelnen Datenquelle näher zu betrachten und genauer zu überprüfen, was diese im Kontext von Impact-Messung zu bieten haben. Dieses wird in der nachfolgenden Tabelle versucht zu erläutern:

Tabelle mit Datenquellen und Impactmessung

Datenquellen und Impactmessung – Erläuterung

Die Diversität macht deutlich, wie vielfältig Impact-Messung sein kann. Neben Microblogging-Dienste wie Twitter, Soziale Medien wie Facebook und Bookmarking-Dienste wie Mendeley werden auch Erwähnungen auf Blogs, in Wikipedia, in Patentdokumenten oder in „policy documents“ in Betracht gezogen. Zudem werden Schnittstellen von „Sharing“-Plattformen wie Repository-Anbietern, Figshare, Github und Video-Plattformen „angezapft“ und Bewertungsseiten wie Reddit ausgewertet (8).

Vor der Auswahl einer Datenquelle bzw. eines Aggregators empfiehlt es sich, die eigene Zielsetzung zu definieren (Welche Zahlen möchte ich für wen erheben und zu welchem Zweck?). Bei Nutzung aller möglichen Quellen und allen dort auswertbaren Daten kann es passieren, dass die eigenen Nutzerinnen und Nutzer auf Grund der Masse an Informationen überfordert sind. Gleichzeitig besteht die Gefahr der Beliebigkeit und damit der möglichen Einschränkung des Impact von Altmetriken. Andererseits ist es ja gerade der Sinn von alternativen Metriken, neben der klassischen Zählung von Zitationen auch andere Nutzungsdaten auszuwerten, weswegen eine zu starke Beschränkung auf wenige Werte das Potenzial missachten würde. Inwieweit alle hier dargestellten Kennzahlen tatsächlich dauerhaft in die altmetrische Impact-Messung Eingang finden, darüber lässt sich nur spekulieren. Vielfach ist noch unklar, wie sich Erwähnungen und deren Häufigkeit tatsächlich interpretieren lassen. Insbesondere dadurch, dass sowohl der Kontext, als auch der Inhalt nicht in die Auswertung mit einfließen, fehlt häufig ein Anhaltspunkt für die Qualität z.B. einer Erwähnung auf Twitter, einem Like bei Facebook oder aber auch einer Erwähnung auf einem Blog von WordPress. Auch ist bislang noch nicht geklärt, wie mit den Messwerten von „Views“ auf Videoplattformen wie Youtube und Vimeo umgegangen wird und was diese aussagen. Möglich wäre dabei auch eine unterschiedliche Gewichtung der Quellen. Es darf aber auch nicht vergessen werden, dass es gerade die Idee von alternativen Metriken ist, die bisherige Beschränkung auf wenige renommierte Quellen aufzubrechen und Nutzung viel genereller und offener darstellbar zu machen. Daraus ergibt sich auch die große Möglichkeit, dass für unterschiedliche Fachdisziplinen unterschiedliche Metriken Einfluss auf den jeweiligen Impact haben und damit fachspezifische Faktoren entworfen werden können.

ZB MED prüft derzeit die Möglichkeiten der Einbindung von Altmetriken in seine PUBLISSO-Publikationsplattformen, um Herausgeberinnen / Herausgeber und Autorinnen /Autoren, Informationen zur Nutzung der Publikationen bereitzustellen.


(1) Siehe auch: J. Schmitz (2016): Messung von Forschungsleistungen. Altmetrics: Auf dem Weg zur Standardisierung. In: Open Password Pushdienst vom 10.06.2016
(2) San Francisco Declaration on Research Assessment
(3) J. Priem, D. Taraborelli, P. Groth, C. Neylon (2010), Altmetrics: A manifesto, 26.10.2010
(4) Altmetric Badges
(5) A. Jobmann, Ch. P. Hoffmann, S. Künne, I. Peters, J. Schmitz, G. Wollnik-Korn (2014): Altmetrics for large, multidisciplinary research groups: Comparison of current tools. In: Bibliometrie: Praxis und Forschung. Band 3, urn:nbn:de:bvb:355-bpf-205-9
(6) Lagotto
(7) ALM – Article-Level Metrics
(8) Siehe hierzu auch S. Haustein (2016): Grand challenges in altmetrics: heterogeneity, data quality and dependencies. In: Scientometrics 108: 413-423. DOI:10.1007/s11192-016-1910-9.