Electronic Lab Notebooks in der Lehre

von Beatrix Adam und Birte Lindstädt

Gerade in Zeiten, in denen Präsenzunterricht nicht oder nur eingeschränkt möglich ist, stellt sich die Frage, ob Elektronische Laborbücher (ELN) dazu beitragen können, Forschende in ihrer Lehrtätigkeit, zum Beispiel bei der Erstellung von Online-Kursen und -Lehrmaterialien, zu unterstützen. Dabei kommen einige grundsätzliche Vorteile elektronischer Laborbücher auch in der Lehre zum Tragen. Das sind zum Beispiel die Verwendung von Vorlagen, der Import von Forschungsdaten und ihre Verlinkung mit der Dokumentation, die direkte Verbindung mit Messgeräten, möglicherweise der Zugriff auf Materialdatenbanken, die Möglichkeiten kollaborativen Arbeitens.

Darüber hinaus kann die Nutzung eines ELN an Stelle eines papiergeführten Laborbuchs mögliche Hürden hinsichtlich der Dokumentation der Forschungstätigkeit bei den Studierenden abbauen. Eine große Mehrheit nutzt bereits im Alltag die Möglichkeiten elektronischer Kommunikation, beispielsweise durch soziale Medien, sodass die Studierenden sozusagen im vertrauten Umfeld ihre fachliche Dokumentations- und Kommunikationsfähigkeit schulen können.1)

Verschiedenste Lehrmaterialien können direkt im ELN erstellt oder importiert werden, zum Beispiel standardisierte Vorlagen, Video- und Audiodateien, Bilder, Dokumente oder Links zu Online-Ressourcen. Dozierende können die Funktionen zum kollaborativen Arbeiten nutzen, um Materialien und angelegte Projekte zur Bearbeitung freizugeben. Dabei kommt die Möglichkeit der Vergabe spezifischer Nutzerrechte zum Tragen: es können beispielsweise Rollen mit Lese- und/oder Schreibrechten auf Dateien und Einträge definiert und Nutzenden zugewiesen werden.Einträge von Studierenden und bearbeitete Aufgaben können zeitnah und kollaborativ kommentiert, diskutiert und/oder benotet werden. Studierende können nach Abschluss des Projekts ihr Laborbuch ausdrucken oder elektronisch speichern (zum Beispiel als pdf-Export).Durch die genannten Vorteile einer computergestützten Vermittlung der Arbeitsschritte und Arbeitsweise im Labor kann die Qualität der Dokumentation von Forschungsprojekten durch Studierende verbessert werden.2) Darüber hinaus können Studierende an wichtige Inhalte des Forschungsdatenmanagements, wie etwa sinnvolle und richtige Vergabe von Metadaten, zielführende Nutzung von Such- und Filterfunktionen, Sinn und Zweck zentraler Speicherorte und der Langzeitarchivierung herangeführt werden. Die Möglichkeiten des kooperativen Arbeitens im ELN machen die Chancen wissenschaftlichen Austauschs erlebbar. Die Bedeutung Guter Wissenschaftlicher Praxis kann durch die Nutzung des ELN vermittelt werden anhand von Funktionen wie Versionskontrolle, Audit-Trail, elektronische Signatur.

Beispiel: Nutzung der Classroom Edition des ELN LabArchives

Beispiel: Nutzung der Classroom Edition des ELN LabArchives 3)

Einige Tools bieten eine (manchmal kostenlose) Classroom-Edition, z. B. LabArchives, eLabJournal, Labfolder, Rspace. (Diese Liste ist nicht vollständig und die Nennung der Produkte stellt keine Bewertung durch ZB MED dar.) Sicherlich kann aber auch bereits die „normale“ Version eines ELN mit den genannten Funktionalitäten in der Lehre gewinnbringend eingesetzt werden.

 

Quellen

1) Monica Dominique Okon, Tanya M. Nocera: Electronic Lab Notebooks Impact Biomedical Engineering Students’ Quality of Documentation and Technical Communication (2017), S. 2

https://peer.asee.org/electronic-lab-notebooks-impact-biomedical-engineering-students-quality-of-documentation-and-technical-communication.pdf

2) Sofia Robb, James M. Burnette, Alexandra Chaposkya, Krista Palmer, Susan R Wessler: An Open Source, Collaborative Electronic Notebook for Undergraduate Laboratory Classes (2015), S. 1

https://www.coursesource.org/courses/an-open-source-collaborative-electronic-notebook-for-undergraduate-laboratory-classes

3) Mary Muhlenhaupt, Mary Ann Wagner-Graham, Gary E. Kaplan: Electronic Notebooks to Facilitate Student Learning Within and Beyond the Classroom Poster (2019): https://jdc.jefferson.edu/tjufacultydays/54/

Weiterführende Informationen

Dr. Tracy Jane Puccinelli, John Murphy: Bringing technology to the First Year Design Experience through the use of Electronic Design Notebooks (2015)

https://www.asee.org/public/conferences/56/papers/14145/download

Amani Magid: Is It Worth It? Implementation of Electronic Lab Notebook Software Among the STEM Community at an American University in the UAE (2018)

https://www.asee.org/public/conferences/106/papers/23165/view

Miles A. Pufall  Anne M. Wilson: An idea to explore: A collaboration and cross training in an extended classroom‐based undergraduate research experience between primarily undergraduate and research‐intensive institutions

https://iubmb.onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/bmb.21340

Monica Dominique Okon, Tanya M. Nocera: The Student Educational Experience with Electronic Laboratory Notebooks (Work in Progress) (pdf)

https://www.asee.org/public/conferences/78/papers/19973/download

Nutzung der Classroom Edition des ELN LabArchives an der Columbia University (Video): https://eln.site.drupaldisttest.cc.columbia.edu/content/classroom-edition

Liste von 12 Videos zur Classroom Editon des ELN LabArchives: https://www.youtube.com/playlist?list=PLB32BF93AEA6F9DA7

Informationen zu Elektronischen Laborbüchern bietet der ELN-Wegweiser von ZB MED:

Elektronische Laborbücher im Kontext von Forschungsdatenmanagement und guter wissenschaftlicher Praxis – ein Wegweiser für die Lebenswissenschaften

ZB MED bietet Information und Beratung für Auswahl, Test und Einführung eines Electronic Lab Notebook (ELN/Elektronischen Laborbuchs).

Inhalt und Download:

https://bit.ly/2S02JeM

 

Sprechen Sie uns gerne an.

Kontakt: Birte Lindstädt (lindstaedt@zbmed.de) und Beatrix Adam (adam@zbmed.de)