Ein Ritt durch die Geschichte Wuppertals

von Joshua Klostermann Auszubildender bei ZB MED als Fachangestellter für Medien- und Informationsdienste im 2. Ausbildungsjahr

Hinter der alten Fassade versteckt sich mehr als man denkt. Im Gebäude des Stadtarchivs steckt die Kultur und die Geschichte Wuppertals. Auf über mehr als sechs Regalkilometern befinden sich Akten, Bilder und viele andere Archivalien rund um Wuppertal und die umliegenden Orte.

In diesen Blog möchte ich von meinen Erfahrungen in dem Stadtarchiv erzählen und über die Tätigkeiten berichten, die ich dort ausgeführt habe.

Das Stadtarchiv archiviert alles, was sich auf Wuppertal bezieht und bewahrt es für die Nachwelt dauerhaft auf. Auch für Nutzerinnen und Nutzer ist das Archiv zugänglich, um dort zu recherchieren. In der Regel sind es Erbenermittlerinnen und -ermittler, aber es kommen auch manchmal Schülerinnen und Schüler, Studierende und viele andere Interessierte ins Archiv, um etwas für eine Arbeit zu recherchieren. Für die Nutzerinnen und Nutzer hat das Archiv auch einen kleinen Lesesaal. Hier können sie sich über ein Bestellformular unter anderem Geburts-, Heirats-, und Sterberegister bestellen. Manche Nutzerinnen und Nutzer sehen sich auch mal alte Zeitschriften an, die zum Teil verfilmt im Archiv zu finden sind. Die verfilmten Zeitschriften bestehen zum größten Teil aus dem Generalanzeiger und der Wuppertaler Rundschau. Jeden zweiten Mittwoch kommen außerdem Familienforscherinnen und -forscher sowie Erbenermittlerinnen und -ermittler, die dann außerhalb der Öffnungszeiten ebenfalls in den Registern und Urkunden recherchieren.

Mein erster Tag begann mit der Besichtigung des Archivs selbst, das sich über vier Etagen erstreckt. Der größte Bestand ist den Sterbe-, Heirats- und Geburtsurkunden vorbehalten. Um in dieser Masse etwas finden zu können, gibt es zu den meisten Urkunden auch Register. Desweitern befinden sich auch noch Plakate, Bilder und diverse andere Medien in dem Archiv, wie auch die verschiedenen Akten aus den Verwaltungsabteilungen der Stadt Wuppertal.

Die Verzeichnung bzw. die Erfassung dieser Akten gehörte unter anderem zu meinen Aufgaben. Ich habe ausschließlich die Akten aus dem Kulturamt verzeichnet. Bei der Verzeichnung werden alle relevanten Themen aus der Akte in einer Access-Datenbank erfasst.

Wie schon vorher erwähnt gibt es auch Personen, die gerne etwas über ihre Vorfahren erfahren wollen, oder im Auftrag bestimmte Infos zu Personen brauchen. Diese Anfragen bearbeitet die Familienforschung. In der Regel erhalten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Briefe oder E-Mails mit den Anfragen. Oft werden die Adressen oder die Geburt-, Heirats- oder Sterbedaten einer oder mehrerer Personen erfragt. Für die Adressrecherche werden verfilmte oder digitalisierte Adressbücher oder Meldekarten benutzt. Die Adressbücher ab 1950 wurden digitalisiert und können am Computer eingesehen werden. Die Jahrgänge davor sind auf Mikrofichen am dazugehörigen Lesegerät einsehbar. Bei den Meldekarten waren alle vorhandenen Jahrgänge auf Mikrofilmen vorhanden. Die Recherche begann man immer mit den Adressbüchern, da man da grobe erste Infos erhalten konnte. Wenn dort nichts zu finden war, nahm man sich die verfilmten Meldekarteien vor. Hier gab es aber das Problem, dass aufgrund der Qualität oft nicht lesbar war, was darauf stand. Daher musste ich auch manchmal an die Originale dran gehen, die ebenfalls im Archiv zu finden waren. Wenn dann aber auch nichts gefunden wurde, bekam der Kunde eine Nachfrage nach weiteren Infos hat, die helfen könnten das Gesuchte zu finden. Aber wenn von Anfang an nur unzureichende Infos vorhanden sind, wird erst gar nicht recherchiert, sondern der Kontakt zum Kunden direkt aufgenommen. Manchmal kam es vor, dass auch Anfragen kamen, die nichts mit der Familienforschung zu tun hatten. Einmal hatte ich zum Beispiel eine Anfrage zu dem so genannten Frontkämpferbund.

Eine andere Aufgabe, die nur das eine Mal gemacht werden musste und sonst nicht zu den üblichen Aufgaben gehört, war das Entsorgen alter Gesetzestexte. Denn diese hatte das Archiv bereits doppelt in seinem Bestand. Und da man sie nicht veräußern konnte, mussten diese leider weggeworfen werden.

Außerdem gab es noch eine eher ungewöhnliche Aufgabe. Aufgrund eines Wasserschadens sind einige der Heiratsurkunden beschädigt worden. Deswegen werden diese nach und nach an eine Restaurationsstätte in Trier gebracht. Bei dem Verpacken der Urkunden habe ich ebenfalls mitgemacht.

Ein Teil des Archives beinhaltet die Zeitgeschichtliche Sammlung. In dieser sind Zeitschriften, Flyer und andere Informationsquellen rund um Ereignisse in Wuppertal enthalten. Die Wuppertaler Rundschau oder Zeitschriften anderer Stadtteile dienen hier unter anderem als Informationsquellen. Aus diesen werden alle interessanten Artikel herausgesucht und wie bei der Verzeichnung der Akten in eine Access-Datenbank eingetragen. Jeder Artikel wird aber nur in einem kleinen Absatz zusammengefasst. Anschließend werden die Zeitschriften und andere Quellen noch anhand einer Liste nach Zahlen sortiert und dann in ihre passenden Kartons in das Magazin gebracht.
Eine andere, sehr interessante Aufgabe war das Bewerten von Akten. Ich habe diese Tätigkeit nur einmal miterlebt, aber allgemein wird dies des Öfteren getan. Wir sind dann zum Wuppertaler Rathaus gefahren, um Akten aus dem Gewerbeamt einzusehen. In dem Fall wurden verfilmte Gewerbeanmeldungen und welche auf Papier bewertet. Am Ende wurde beschlossen, dass diese dann ins Archiv aufgenommen werden, um die Geschichte Wuppertaler Firmen und Geschäfte besser nachvollziehen zu können.
Dem Archiv wurden auch Bauakten übergeben, obwohl diese eigentlich nicht in das Sammelgebiet des Archivs fallen. Aber da diese nun mal im Archivgut sind, müssen sie auch verwaltet werden. Diese wurden aber leider unsortiert und ohne eine vorgegebene Sortierung ins Archiv gebracht und mussten deswegen komplett neu sortiert werden. Einmal habe ich dabei geholfen. Wir haben einen Teil der Akten nach den Namen der Straße sortiert, wo der Bau stattfand. Aber da es mehrere Regale sind, wird dies eine längere Aufgabe sein.

Dies waren die wichtigsten Aufgaben, die ich in den vier Wochen im Archiv ausgeführt habe. Am letzten Tag habe ich noch eine kleine Übungsaufgabe bearbeitet. Ich habe einige Infotexte über die Kurrentschrift erhalten. Dies ist die alte Deutsche Schrift. Da viele der Dokumente in dieser Schrift geschrieben sind, sollte ich mich mal daran probieren einen Brief von Friedrich Engels in unsere Schrift zu übertragen.

Im Allgemeinen konnte ich mir ein gutes Bild davon machen, was die grundlegenden Aufgaben eines FaMIs der Fachrichtung Archiv sind:

  • Akten verzeichnen
  • Akten bewerten
  • Archivgut verwalten
  • Nutzeraufträge bearbeiten
  • Unterstützung im Lesesaal

Hier sollte man noch erwähnen, dass es sich um ein Kommunalarchiv handelt und die Aufgaben in anderen Archivarten entsprechend variieren können. Ich fand die Erfahrung im Archiv sehr interessant und abwechslungsreich. Auch wenn das Verzeichnen der Akten mit der Zeit etwas einseitig wurde, waren die anderen Aufgaben immer sehr interessant.

Wer also Interesse an Geschichte hat, sich für Medien aller Art interessiert, findet hier eine gute Ausbildungsmöglichkeit und ein spannendes Tätigkeitsfeld.

Bericht zum Workshop „Was tun, wenn es passiert ist? Umgang mit Publikationen, die bei einem Predatory Journal eingereicht wurden.“

von Jasmin Schmitz, ZB MED – Informationszentrum Lebenswissenschaften  und
Stefan Schmeja, TIB – Leibniz Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften.
Zugleich veröffentlicht im TIB Blog.

Der Workshop wurde im Rahmen der Open-Access-Tage 2019 veranstaltet, die vom 20.09.-02.10. in Hannover stattfanden.

Motivation für den Workshop war das Identifizieren von möglichen Handlungsoptionen, wenn Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftler in einer Zeitschrift mit zweifelhaftem Geschäftsgebaren publiziert haben.

Leitfragen der Veranstaltung waren:

  • Mit welchen Fragestellungen oder Erwartungen wenden sich betroffene Organisationseinheiten und/oder Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an die Open-Access-Verantwortlichen in Bezug auf Predatory Publishing?
  • Welche Strategien haben sich im Umgang mit Publikationen in Predatory Journals als erfolgreich herausgestellt?
  • Gibt es institutionelle Policies zu dem Thema oder gibt es Institutionen mit einer einheitlichen Praxis beim Umgang mit Publikationen in Predatory Journals?
  • Wie erfolgt die hochschulinterne Abstimmung bei divergierenden Interessen der Beteiligten (Forschende, Präsidium, Bibliothek, Forschungsdezernat…)?

Die Diskutanten waren sich einig, dass Artikel in Predatory Journals deshalb ein Problem sind, weil man nicht weiß, ob ein Peer-Review-Verfahren stattgefunden hat. Grundsätzlich herrscht sowohl in den Einrichtungen als auch bei den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Haltung vor: Die Publikation ist passiert! Damit verbunden das Bewusstsein, dass diese Publikation nicht weiter zum Reputationsaufbau genutzt werden kann.

Somit war man sich einig, dass es gilt, Einreichungen bei Predatory Journals im Vorfeld durch Aufklärung zu verhindern. Insbesondere Doktorandinnen und Doktoranden sollten als Nachwuchsforschende sensibilisiert werden, weil diese zumeist noch über wenig Publikationserfahrung verfügen.

Eine Herausforderung hierbei ist zu vermitteln, dass es sich bei Open-Access-Zeitschriften mit Professionalitätsmängeln nicht zwingend um Predatory Journals handelt, es also auch einen großen Graubereich an Zeitschriften gibt, die redliche Absichten haben, aber einen gewissen Professionalisierungsgrad noch nicht erreicht haben und somit auch Merkmale aufweisen könnten, die man eigentlich einem Predatory Journal zuschreiben würde.

Ein weiteres Ergebnis der Veranstaltung war, dass es:

  1. bislang keine Strategie gibt, die sich als „Goldstandard“ identifizieren lässt und übergreifend empfohlen werden kann
  2. nur selten einrichtungsweites abgestimmtes Vorgehen oder eine Art „Workflow“ für dem Umgang mit dem Thema gibt.

Dennoch kristallisiert sich an einzelnen Einrichtungen regelmäßige Vorgehensweisen im Umgang mit den Publikationen heraus wie zum Beispiel: Verweis auf die Rechtsabteilung, Erhöhung der Sichtbarkeit der Artikelversion in einem legitimen Publikationskanal oder vorherige Genehmigung der Publikation durch die Direktion.

Wir danken allen Workshopteilnehmerinnen und -teilnehmern für die engagierte Diskussion.


Ein ausführlicher Bericht zum Workshop mit Ausführungen zu den möglichen Strategien und weitere Diskussionspunkte ist auf Zenodo abrufbar.

Nachhaltigkeit in Bibliotheken – Wunsch oder absurdes Ziel?

von Lea Schindler, Auszubildende bei ZB MED als Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste im 3. Ausbildungsjahr

Es begab sich an einem Donnerstagmorgen am Joseph-DuMont-Berufskolleg, der Berufsschule für den Ausbildungsbereich Fachangestellte(r) für Medien und Informationsdienste (FaMI). Ich war noch richtig geschafft von der Zwischenprüfung, als uns unser Lehrer für Spezielle Betriebslehre – kurz SBL – in der ersten Schulstunde mitteilte: „So, Ihr habt euch jetzt wirklich genug erholt, es wird Zeit das ihr wieder was tut. Zeit für die Projektarbeit!“

Projektarbeit? Jetzt?

Nach mehreren Wochen intensivem Lernen und Wiederholen des Lehrstoffes der vergangenen anderthalb Jahre, in denen wir über Papieren und Unterlagen brüteten, sollten wir jetzt in Gruppenarbeiten ein Projekt erarbeiten? Hm… neee. Eigentlich hatte da keiner von uns Lust drauf. Zumindest waren wir alle unterschiedlich stark motiviert. Aber es ist für das zweite Halbjahr des zweiten Ausbildungsjahres nach der Zwischenprüfung so vorgesehen.

Ich gehörte im Übrigen eher der unmotivierten Gruppe an. Unser SBL-Lehrer versuchte gut gelaunt uns zu einer offenen Diskussion zu bewegen, um mögliche Themen zu erörtern. Zu seinem Verdruss blieben 18 Erwachsene vor ihm sitzende Menschen, sehr still. „Vielleicht stelle ich Ihnen einfach einige Projekte der vergangenen Jahre vor“, murmelte er, ging zur Tür und verschwand Richtung Lehrerzimmer.

Als hätte man einen Schalter umgelegt, fingen einige meiner Mitschülerinnen und Mitschüler an, laut zu überlegen. Wir durften uns jedes Thema aussuchen, was wir wollten. Es gab keinerlei Vorgaben, was es mir irgendwie schwer machte, mich für etwas zu erwärmen. Ich hatte mehrere Wochen vor der Zwischenprüfung Lern-Urlaub genommen, etwas, was vielleicht übertrieben gewesen war. Doch ich bin kein entspannter Prüfungsmensch, habe den größten Teil des Tages am Schreibtisch gesessen und versucht, mir alles Wissen einzuverleiben. Die restliche Zeit starrte ich aus dem Fenster und fragte mich, ob das alles überhaupt nötig ist.Ich fühlte mich schlapp und energielos. Einigen meiner Mitschülerinnen und Mitschülern ging es genauso. Sie schauten ebenso müde drein.

Unser SBL-Lehrer kam zurück, eine riesige Tüte in den Händen, aus der viel Papier und ein Karton heraus ragten. Er ließ alle Projektarbeiten herumgehen und wir konnten uns alles anschauen. Doch Ideen, was ich jetzt machen wollte, kamen mir daraufhin auch nicht in den Sinn. Gut, dass ein paar andere auf einmal gesprächig wurden. Wir bekamen letzten Endes fünf größere Themen an die Tafel geschrieben:

  • Nachhaltigkeit (etwas für die Welt tun)
  • Bienen, Natur
  • Schul-Chronik
  • Ein FaMI-Lehrbuch mit nützlichen Schaubildern, welche wir gerne vor der Zwischenprüfung gehabt hätten
  • FaMI-Werbung, um den Beruf bekannter zu machen mit Postern oder ähnlichem

Ein paar Leute wurden richtig euphorisch und planten Projekte im Bereich Nachhaltigkeit. Was kann man alles dafür tun, worauf verzichten? Reicht es, keine Wattestäbchen und Strohhalme mehr zu verwenden?

Mir war das zu weit weg von unserem Beruf. Es bildeten sich vier Gruppen. Ich arbeitete mit an der Gruppenbildung für das FaMI-Lernmaterial, doch es entwickelte sich in eine Richtung, die ich uninteressant fand. Eine der Parallelgruppen, zu der Zeit noch bestehend aus zwei Leuten, wollte irgendwas mit Nachhaltigkeit in Bibliotheken machen. Gut, dachte ich. Das klingt doch mal praxisnah. Ich wechselte zu Lisa und Tabea und blieb damit nicht alleine. Drei weitere Mädels schlossen sich dem ehemaligen Duo an. Und das waren wir: Lisa, Tabea, Kathrin, Lisa, Diana und ich.

Bei unserem ersten Zusammentreffen Ende März standen wir bald vor einer sehr entscheidenden Frage:

Was verstehen wir eigentlich unter dem Begriff „Nachhaltigkeit“?

Wir waren sehr überrascht, was wir alles damit verbanden. Von Bäumchen pflanzen, Recyclingpapier und digitaler Verwaltung bis hin zur Solaranlage auf dem Dach war alles vertreten, sodass uns schnell bewusst wurde, dass bei der Definition des Begriffs Nachhaltigkeit besonders die Aspekte Forst- und Landwirtschaft sowie die Energiegewinnung eine Rolle spielen.

Nachhaltigkeit ist ein präsentes und umstrittenes Thema, welches in allen Branchen unterschiedlich definiert und umgesetzt wird – dadurch wirkt es gleichermaßen oft etwas vage. Durch den Marketingfaktor Nachhaltigkeit kommen wir im Alltag mit den verschiedensten Pseudonymen wie “Go/Think Green”, “Fair Trade” oder Kombinationen mit dem Wort “Öko”, “Up/Down-Cycling” in Kontakt. Man könnte fast davon sprechen, dass einige dieser Begriffe von der Werbebranche zunehmend missbraucht werden.

Uns wurde klar: Wir brauchen mehr Informationen und Anregungen.

Zwei aus unserer Gruppe widmeten sich der Monografie „The Green Library“, dem von der International Federation of Library Associations and Institutions verfassten „Toolkit“, um Bibliotheken dazu zu motivieren, an der UN Agenda 2030 mitzuarbeiten. Uns gefiel der Aufruf der IFLA, mit dem sie Bibliotheken dazu auffordert, sich national zusammenzuschließen, um zu der Entwicklung beizutragen und zu zeigen, dass sie auch wirtschaftlich wertvolle Partner sind. Doch die sehr kompakte Agenda der IFLA war nach unserem Geschmack etwas zu kompakt und es gab keine konkreten Umsetzungsvorschläge.

Das wäre doch eine Idee! Wir könnten einen Leitfaden verfassen, mit praktischen Ideen und Anregungen, um nachhaltig in den Einrichtungen zu arbeiten.

Nun fragten wir uns, ob es Bibliotheken gab, die sich bereits für das Thema engagierten. Wir verfassten einen Fragebogen. Dann begannen wir, Listen zu erstellen mit Öffentlichen und Wissenschaftlichen Bibliotheken und diesen unseren Fragebogen zuzusenden. Gemeinsam erstellten wir ein Email-Konto. Von nun an sollte alles über „projekt.nachhaltigkeit.jdbk.com“ laufen, damit unsere Anfrage nicht direkt in einem Spam-Ordner landet. Die Deadline betrug drei Wochen, denn viel Zeit hatten wir nicht. Ende Mai war bereits Projektabgabe. Der Fragebogen wurde anonym behandelt, denn wir wollten nicht, dass die Teilnehmenden mit ihrem Namen eine Position beziehen müssen, sonst würden nicht viele mitmachen.

Einladungsbrief zur Umfrage über Anregungen und Ideen zum Thema Nachhaltigkeit in Bibliotheken

Gut. Nun hatten wir eine feste Vorstellung davon, zu was das Ganze führen sollte. Bei sechs Leuten war die Einteilung in Zweier-Gruppen am einfachsten. Wir korrespondierten über eine Messenger App und legten unsere Dateien in einer Cloud ab, telefonierten auch ab und an. Jedes Duo hatte seinen Arbeits- und Recherchebereich. Zwischendurch beschäftigten uns natürlich auch Fragen wie „Was haben wir denn in Bibliotheken damit zu tun?” oder „Glauben wir, dass Bibliotheken in Sachen Nachhaltigkeit eine Rolle spielen können und / oder sollten?“ Die meisten solcher Fragen packten wir auch in den Fragebogen.

Von den knapp 300 angefragten Bibliotheken antworteten uns etwas über 50. Das kam mir unglaublich wenig vor, fast schon mickrig. Interessierten sich unsere „Kolleginnen und Kollegen“ denn nicht für die Umwelt? Ein Gespräch mit einer Freundin, welche im Bereich Kunden- und Produkt-Akquise tätig ist, machte mir bewusst, dass es eigentlich sogar eine sehr hohe Rate für Rückantworten war. Denn wie häufig klickt man bei Umfragen – noch dazu per Mail – nicht einfach nur auf den Papierkorb?

Auf unsere Umfrage kamen die unterschiedlichsten Antworten zurück. Wir erstellten Ordner, um die Übersicht zu bewahren und um sie nach und nach auszuwerten. Dies nahm mit die meiste Zeit in Anspruch: Das Einteilen und sich vor Augen führen, ob uns das, was da stand, nutzte. Bei der Analyse konnten wir hilfreiche von „nicht-so-hilfreichen“ Mails unterscheiden. Wir diskutierten auch einige der Antworten offen in der Gruppe und erstellten für uns eine Treppchenvergabe:

  1. Richtig tolle Antworten – die uns nur in Staunen versetzten.
  2. Hilfreiche Antworten – die sich wiederholten aber auch dadurch nützlich waren.
  3. Einfach nur: nicht hilfreich.

Es machte uns sprachlos, welche schönen nachhaltigen Ideen bereits im Bibliotheksalltag integriert worden sind.

Wir bewunderten auch die Fotografien, die teilweise mitgesendet worden waren. Zum Beispiel einen Tannenbaum aus alten Büchern als Weihnachtsdekoration zu nutzen, anstatt neue Deko-Artikel zu kaufen und die Bücher einfach zu entsorgen. Oder die Tütenkugel! Mehr dazu im Leitfaden… Uns wurde vieles bereitwillig zur Verfügung gestellt. Einige Bibliotheken waren neugierig, wie wir auf die Idee kamen. Und doch waren auch Mails dabei, wo man sich bei der Beantwortung bedeckt gehalten hat. Uns als angehendes Bibliothekspersonal fiel leider auch auf, wie häufig wir Absagen aufgrund von Personalmangel erhielten. Überraschenderweise bekamen wir sogar richtig unfreundliche Kommentare zurück, die unser Projekt für absolut überflüssig erklärten. Wir nahmen es mit Humor, denn es war schließlich die Ausnahme und nicht die Regel.

Die Struktur des Leitfadens war schnell ausgearbeitet. Mitte der vierten Woche begannen wir mit dem Formulieren. Wir diskutierten über Bilder, die wir dafür nutzen wollten, und fanden Gefallen am Stöbern auf verschiedenen Stockfoto-Seiten.

Nachwort und Danksagung des Leitfadens „Nachhaltigkeit in Bibliotheken“

Zum Ende des Projektes gehörte es dazu, das Erarbeitete nicht nur abzugeben, sondern den Verlauf des Schaffens in einer Präsentation vor der Klasse vorzustellen. Ich hatte das Vergnügen, mit meiner Partnerin Kathrin die PowerPoint-Präsentation vorzubereiten. Um ehrlich zu sein, ich hasste PowerPoint. Ich musste zuvor nie groß damit arbeiten und fühlte mich überfordert. Kathrin dagegen war ein Ass! Sie brachte mir viel bei und ich bin dankbar, für die Geduld, die sie mir entgegenbrachte. Ich war keine einfache Schülerin!

Bevor wir den Leitfaden an die zuvor angeschriebenen Bibliotheken senden wollten, las jede von uns ihn bestimmt noch zehn Mal durch. Wir nahmen an, dass wir unser Projekt zur Zufriedenheit fertig gestellt hatten und ihn stolz unserem SBL-Lehrer übergeben konnten. Doch Überraschungen gibt es immer. Tatsächlich fiel erst einige Wochen nach Abgabe des Leitfadens auf, dass uns ein urheberrechtlich geschütztes Bild durchgegangen ist. Hui, war das peinlich. Nachdem wir das Foto entfernt hatten, beschlossen wir, ein gemeinsames Bild an die Stelle zu setzen sowie ein Gruppenbild im Impressum zu positionieren und sind jetzt stolzer als zuvor.

Nie hätten wir erwartet, dass unser kleines Schulprojekt großes Aufsehen erregen würde. Ein begeistertes Mitglied des Netzwerkes Grüne Bibliothek sendete unseren Leitfaden an die Chefredaktion von „BuB – Forum Bibliothek und Information“ mit einer Publikationsempfehlung. So bekamen wir die Chance, Autorinnen in einem waschechten Fachmagazin für Bibliotheken zu werden. Der Artikel erscheint in einer der nächsten Ausgaben. Und hiermit nochmal Dank an alle, die uns so fantastisch unterstützt haben!

You know – Communication is key!

Zum Leitfaden „Nachhaltigkeit in Bibliotheken“

 


Weiterführende Links:

„The Green Library – die Grüne Bibliothek“, IFLA Publications Series 161
Netzwerk Grüne Bibliothek

Management von Forschungsdaten – komplexe Anforderungen an Forschende und Anbieter von Serviceleistungen

von Birte Lindstädt

Jedes Jahr im Oktober findet die International Open Access Week statt. Weltweit organisieren Bibliotheken und andere Wissenschaftseinrichtungen Aktionen, um auf das Thema Open Access aufmerksam zu machen. Auch ZB MED beteiligt sich an der Open Access Week. Wir informieren in der kommenden Woche über Open Access und Open Science, also die Öffnung des gesamten Forschungsprozesses. Zudem stellen wir unsere Dienstleistungen kurz vor.

Wissenschaftliche Erkenntnisse werden in Textform präsentiert – in der Regel basieren sie jedoch auf Daten, die im Forschungsprozess entstehen. Die ZB MED-Angebote zu Forschungsdaten orientieren sich an den sogenannten FAIR-Prinzipien, einem Set von Leitlinien, um Forschungsdaten auffindbar (findable), zugänglich (accessible), interoperabel (interoperable) und nachnutzbar (reusable) zu machen. Die Prinzipien bieten einen Rahmen für das Management wissenschaftlicher Forschungsdaten für alle, die am Forschungsprozess beteiligt sind.

Forschungsdatenmanagement betrifft den gesamten Lebenszyklus der Daten. Es erfordert daher ganzheitliche Lösungen, die im Konsens zwischen den Beteiligten gefunden werden müssen. Bibliotheken können in diesem Prozess eine treibende und vermittelnde Kraft sein. Aus dieser Einsicht heraus entwickelt ZB MED unterstützende Services für Forschende und Multiplikatoren entlang des Lebenszyklus von Forschungsdaten. Dies beginnt bei der Erstellung eines Datenmanagementplans zur dynamischen Fortschreibung im Projektverlauf. Dazu erprobt ZB MED aktuell die Anwendung des Research Data Management Organiser (RDMO) in einem agrarwissenschaftlichen Forschungsprojekt und stellt eine Instanz – den RDMO4Life – zur Nutzung durch andere lebenswissenschaftliche Forschungseinrichtungen zur Verfügung.

Die Services von PUBLISSO entlang des Lebenszyklus von Forschungsdaten.

Im Hinblick auf die Dokumentation von Daten spielt in den Lebenswissenschaften das Elektronische Laborbuch oder Electronic Lab Notebook (ELN), eine wichtige Rolle. Um den Beratungsbedarf zu diesem Thema zu begegnen, hat ZB MED einen Leitfaden  erstellt.

Zentral für die Dokumentation ist darüber hinaus die Einhaltung von Standards, insbesondere Metadatenstandards. Im Rahmen von Projektanträgen in einzelnen lebenswissenschaftlichen Fachcommunities werden deshalb Kurationskriterien und Qualitätsstandards von Forschungsdaten gemeinsam mit Forschungseinrichtungen erprobt.

Bei der Publikation bietet ZB MED zum einen eine Publikationsberatung an. Zum anderen wird das Fachrepositorium Lebenswissenschaften (FRL) aufgebaut, um gegebenenfalls Lücken in der Versorgung lebenswissenschaftlicher Forschungseinrichtungen mit Forschungsdatenrepositorien zu schließen. Zum Publikationsservice gehört auch die Vergabe von persistenten Identifikatoren, sogenannten Digital Object Identifiern (DOI). ZB MED ist DOI-Vergabestelle und Data Cite-Mitglied. Das ZB MED-Suchportal LIVIVO enthält Nachweise zu Forschungsdaten.

Die Digitale Langzeitarchivierung (dLZA) als eine der letzten Phasen im Datenlebenszyklus wird im Rahmen eines Pilotprojekts mit einem außeruniversitären Forschungsinstitut erprobt, so dass das dauerhafte Lesbarhalten von Forschungsdaten und darauf basierend die dLZA bei ZB MED ausgebaut werden kann.
Begleitet werden diese Services durch ein umfangreiches Beratungsangebot: Workshops zu unterschiedlichen Themen, Vorträge auf lebenswissenschaftlichen und bibliothekarischen Fachkonferenzen, Webinare und Tutorials.

Alle Angebote von ZB MED rund um das Forschungsdatenmanagement finden Sie auf dem Open-Access-Publikationsportal PUBLISSO.

Kontakt: publisso@zbmed.de


Weitere Informationen

Webinare als Informationsquelle zu Open Access und Open Science

von Jasmin Schmitz

Jedes Jahr im Oktober findet die International Open Access Week statt. Weltweit organisieren Bibliotheken und andere Wissenschaftseinrichtungen Aktionen, um auf das Thema Open Access aufmerksam zu machen. Auch ZB MED beteiligt sich an der Open Access Week. Wir informieren in der kommenden Woche über Open Access und Open Science. Zudem stellen wir unsere Dienstleistungen kurz vor.

PUBLISSO, das ZB MED-Publikationsportal für die Lebenswissenschaften, bietet umfangreiche Beratungsleistungen rund um Open Access und Open Science an, auf die wir in unserem gestrigen Beitrag bereits eingegangen sind.

Ein besonderes Augenmerk richten wir heute auf das Format Webinar. Bei Bedarf bieten wir selbst solche Web-Seminare zu speziellen Themen rund um Open Access und Open Science an. Wir bauen dieses Angebot weiter aus. Anregungen dafür können Sie uns gerne schicken!

Eine besondere Form der Beratung: das Webinar.

Auf der PUBLISSO-Website finden Sie aber auch eine umfangreiche Übersicht mit frei im Web zugänglichen Webinaren. Bei der Auswahl haben wir feste Kriterien berücksichtigt, wie Qualität und Aktualität. Thematisch deckt die Liste die unterschiedlichsten Facetten von Open Access und Open Science ab. Die Übersicht wird regelmäßig aktualisiert; Ergänzungsvorschläge nehmen wir gerne entgegen.

Kontakt: publikationsberatung@zbmed.de


Weitere Informationen

Was Sie schon immer über Open Science wissen wollten …

von Jasmin Schmitz

… erfahren Sie bei der PUBLISSO-Publikationsberatung!

Jedes Jahr im Oktober findet die International Open Access Week statt. Weltweit organisieren Bibliotheken und andere Wissenschaftseinrichtungen Aktionen, um auf das Thema Open Access aufmerksam zu machen. Auch ZB MED beteiligt sich an der Open Access Week. Wir informieren in der kommenden Woche über Open Access und Open Science, also die Öffnung des gesamten Forschungsprozesses. Zudem stellen wir unsere Dienstleistungen kurz vor.

Die Expertinnen aus dem PUBLISSO-Team informieren zu allen Themen rund um Open Science. Die Beratung ist neutral, stellt den Bedarf der Forschenden in den Mittelpunkt und berücksichtigt die Bedingungen und Anforderungen im wissenschaftlichen Publikationswesen. Mit dieser Dienstleistung unterstützt PUBLISSO lebenswissenschaftlich Forschenden. Aber das Angebot richtet sich ebenso an Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in wissenschaftlichen Bibliotheken, an Graduiertenschulen und an lebenswissenschaftlichen Fachbereichen von Hochschulen – Personen, die ihrerseits Beratungsleistungen für Forschende anbieten.

Die PUBLISSO-Beratung umfasst ein breites Themenspektrum: Es
reicht von allgemeinen Informationen zu Open Access über das wissenschaftliche Publizieren bis hin zu Forschungsdaten. Derzeit wird das Angebot ausgebaut, so dass in Zukunft auch die Beratung zur digitalen Langzeitarchivierung zum Angebot zählt.

Das Poster zeigt das breite Themenspektrum des Beratungsangebots von PUBLISSO.

Für die Beratung halten wir eine Vielfalt an Formaten bereit, um verschiedenen Informationsbedürfnissen gerecht zu werden. Neben der persönlichen Beratung per Telefon oder E-Mail halten die Expertinnen Vorträge, geben Seminare oder Workshops.  Und die PUBLISSO-Website bietet eine Vielzahl an Informationen, die direkte Antworten auf viele Fragen geben.

Kontakt: publikationsberatung@zbmed.de


Weitere Informationen

International Open Access Week 2019 unter dem Motto „Open for Whom? Equity in Open Knowledge!“

von Constanze Beringer und Ulrike Ostrzinski

Jedes Jahr im Oktober findet die International Open Access Week statt. Weltweit organisieren Bibliotheken und andere Wissenschaftseinrichtungen Aktionen, um auf das Thema Open Access aufmerksam zu machen. In diesem Jahr lautet das Motto „Open for Whom? Equity in Open Knowledge!“ und nimmt die Gerechtigkeit, die die Offene Wissenschaft ermöglicht, in den Fokus.

Für ZB MED sind Open Access, der unbeschränkte und kostenlose Zugang zu wissenschaftlicher Information, und Open Science, die Öffnung des gesamten Forschungsprozesses, wichtige Handlungsfelder. Daher nutzen wir die Open Access Week, um über Open Access, Open Science und unsere Angebote dazu zu informieren.

Auf PUBLISSO, dem Open-Access-Publikationsportal für die Lebenswissenschaften, stellt ZB MED alle Informationen und Services bereit. Das Portal richtet sich an lebenswissenschaftlich Forschende, die ihre Veröffentlichungen und Forschungsdaten frei zugänglich publizieren wollen, und an informationswissenschaftlich Tätige. Wir bieten Beratung und Workshops zu allen Fragen rund um Open Access und Open Science an.

Mit den PUBLISSO-Publikationsplattformen ermöglicht ZB MED Autorinnen und Autoren, die Dissertationen, Forschungsdaten oder Journalartikel veröffentlichen möchten, die Publikation sowohl für den Goldenen als auch für den Grünen Weg des Open Access.

Mit PUBLISSO bietet ZB MED eine Publikationsinfrastruktur für Open Science

Seit über 15 Jahren publizieren wir in Kooperation mit DIMDI und AWMF wissenschaftliche Fachzeitschriften unter dem Dach von German Medical Science und blicken damit auf eine lange Open-Access-Tradition zurück. Herausgebende sowie Autorinnen und Autoren profitieren daher beim Ausbau von PUBLISSO von der umfassenden Expertise der Redaktion. In vier bei der DFG und dem BMBF eingeworbenen Drittmittelprojekten wird gezielt der Bedarf in verschiedenen Fachcommunities ermittelt, um unter anderem darauf aufbauend die Systeme kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Falls Sie sich fragen, was mit dem Goldenen und Grünen Weg des Open Access gemeint ist, hilft Ihnen PUBLISSO auch da weiter. Denn diese und viele andere Fragen beantworten die FAQs.

Kontakt: publisso@zbmed.de


Weiterführende Infos

„Open science: just science done right“ – Auftaktveranstaltung zum Fellow-Programm „Freies Wissen“

von Eva Seidlmayer

Rima-Maria Rahal von der Tilburg University (Niederlande)

Rima-Maria Rahal von der Tilburg University hält die Keynote bei der Auftaktveranstaltung zum Fellow-Programm „Freies Wissen“

Obwohl Wissenschaftler*innen an sehr unterschiedlichen Themen arbeiten, teilen sie doch ein Ziel: die Suche nach der Wahrheit als gerechtfertigte wahre Meinung. Sie kann an dem Anspruch gemessen werden, Aussagen über einen Sachverhalt zu treffen, die dann eintreffen. Darauf wies auch Rima-Maria Rahal von der Tilburg University (Niederlande) in ihrer Keynote bei der Auftaktveranstaltung zum Fellow-Programm „Freies Wissen“ in den Räumen der Wikimedia Deutschland am Tempelhofer Ufer in Berlin hin. Doch dieser eigene Anspruch sei, so Rahal, derzeit in eine akute Schieflage geraten. Es bestehe eine Spannung zwischen „Mission“ und „Praxis“ der Wissenschaft. Die Gründe für diese Problematik seien vielfältig. Einen sieht sie in der „Publish or Perish“-Mentalität, die in vielen Wissenschaftsbereichen herrsche. Sie setze die Wissenschaftler*innen unter Druck, eher auf Masse statt Klasse ihrer Publikationen zu setzen. Die verschobene Schwerpunktsetzung – weg von einer inhaltsgetriebenen Qualität hin zu einer Orientierung an der Verwertbarkeit – ist eng mit den Arbeitsbedingungen und Finanzierungsmodellen in der Wissenschaft verbunden.

Rima-Maria Rahal von der Tilburg University

Rima-Maria Rahal ist Alumna des Fellow-Programms. Sie appelliert in der Keynote: Change the Game!

Dem düsteren Bild, das die Keynote vom status quo der wissenschaftlichen Praxis entwarf, wurden während des Veranstaltungswochenendes vielfältige Möglichkeiten für eine Wissenschaft entgegengestellt, die ihren Zielen besser gerecht wird: Bei Offener Wissenschaft werden die verwendeten Daten und Quellen transparent offen gelegt, wodurch eine Nachnutzung in anderen Forschungsprojekten gewährleistet ist. Zudem wird auch die Überprüfung der angestellten Studien oder Argumentationen überhaupt erst möglich. Auch die Dokumentation der Methoden und des Forschungsprozesses über verschiedene Kanäle – von Datenmanagementplänen bis hin zu sozialen Netzwerken – gehört zur Offenen Wissenschaft. Die Veröffentlichung der Ergebnisse in Open-Access-Journalen und -Monographien ist ebenso ein wichtiger Baustein für eine Wissenschaft, die nur der Wahrheitsfindung gerecht werden möchte, zu der eben auch eine Verbreitung dieser Inhalte gehört. Diese Gleichsetzung von authentischer Wissenschaft und offener Wissenschaft wurde an diesem Wochenende in Workshops und im direkten Austausch oft gezogen: „Open science: just science done right.“

Eva Seidlmayer, ZB MED - Informationszentrum Lebenswissenschaften

Eva Seidlmayer stellt ihr Projekt vor, bei dem es um die Nachnutzung von Autor*innen-Informationen aus Wikidata geht.

In diesem Sinne haben beim Auftaktwochenende des Fellow-Porgramms „Freies Wissen“, das von der Wikimedia-Deutschland, der Volkswagenstiftung und dem Stifterverband nun schon zum vierten Mal ausgerichtet wird, zwanzig Fellows ihre Projekte vorgestellt. Ich bin eine davon. Bei ZB MED arbeite ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Informationsdienste in der Forschungsgruppe von Prof. Dr. Konrad Förstner im Projekt Q-Aktiv. Im Projekt beschäftigen wir uns mit Dynamiken von Wissensfeldern, ihren Konvergenzen und Divergenzen auf Grundlage von Publikationsdaten. Q-Aktiv wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Förderlinie “Quantitative Wissenschaftsforschung” ermöglicht. Hier kooperieren wir mit dem Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft (ZBW) in Kiel und der Christian-Albrechts-Universität (CAU) in Kiel.

Am Fellow-Programm “Freies Wissen” nehme ich mit einem Projekt zu einem Teilaspekt von Q-Aktiv teil: Mein gefördertes Projekt ermöglicht eine Nachnutzung von Autor*innen-Informationen aus Wikidata, einer Linked-Open-Data-Plattform der Wikimedia Foundation, für eine Anreicherung von Publikationsdaten.

Unsere bibliometrischen Analysen von wissenschaftlichen Publikations-Netzwerken bei Q-Aktiv profitieren von dieser Erweiterung um die soziale Dimension von Forschungstätigkeit. Wir erhoffen uns dadurch, besser zu verstehen, warum Wissenschaftler*innen mit wem zusammenarbeiten oder welche Wissenschaftler*innen sich für welche Themen interessieren und damit zu einer Konversion unterschiedlicher Wissensfelder beitragen. Das anvisierte Tool kann dabei insgesamt Analysen der Scientometrie, die stark auf Co-Zitations-Netzwerke und Co-Autor*innen-Netzwerke setzt, zum Einsatz kommen und die Analysen um eine soziale Dimension ergänzen.

In den nächsten Monaten entwickle ich ein Tool für die Programmiersprache Python, die häufig in den Data Science eingesetzt wird. Unterstützt werde ich dabei von meinem Fellow-Mentor Jakob Voß vom Gemeinsamen Bibliotheksverbund (GBV) in Göttingen. Außerdem werden wir im Rahmen von WikiCite, einer Wikipedia-Initiative, die eine offene Sammlung von Bibliographie- und Zitationsdaten entwickelt, Mitte nächsten Jahres eine Veranstaltung organisieren.

 


Auftaktveranstaltung Fellow-Programm Freies Wissen 2019/2020 vom 13. bis 15. September 2019 in Berlin, Gruppenbild

Auftaktveranstaltung Fellow-Programm Freies Wissen 2019/2020 vom 13. bis 15. September 2019 in Berlin

Weiterführende Infos:

Die Versorgungsstrategie von ZB MED

von Dr. Elisabeth Müller

ZB MED ist das überregionale deutsche Zentrum für Informationen und Literatur in den Lebenswissenschaften. Vor dem Hintergrund der Digitalisierung hat sich das Nutzungs- und Publikationsverhalten gewandelt. Dies bietet Chancen zu einer leichteren Zusammenarbeit in der Literaturversorgung. ZB MED agiert daher jetzt auf der Grundlage von Bedarf und Literaturversorgung im „Gesamtsystem Deutschland“ und nicht mehr nur auf der Grundlage des eigenen Bestandes. Das Poster stellt diesen Paradigmenwechsel vor und zeigt den Stand der Umstellung auf die neue Strategie auf.

Versorgungsstrategie von ZB MED

Die Versorgungsstrategie von ZB MED – Poster präsentiert auf der Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für medizinisches Bibliothekswesen vom 16. bis 18. September 2019 in Göttingen.

 

Umfassende Informationen zu Elektronischen Laborbüchern: ZB MED veröffentlicht Wegweiser

ELN-Wegweiser

 

„Elektronische Laborbücher im Kontext von Forschungsdatenmanagement und guter wissenschaftlicher Praxis – ein Wegweiser für die Lebenswissenschaften“

von Beatrix Adam und Birte Lindstädt

 

 

 

Forschungsdaten-Lebenszyklus

Lebenszyklus von Forschungsdaten und ZB MED-Services dazu

Im Bereich Forschungsdatenmanagement orientieren sich die Informationsangebote und Services von ZB MED am Lebenszyklus von Forschungsdaten:Ein wichtiger Baustein ist das Elektronische Laborbuch, das Electronic Lab Notebook (ELN). Es dient der Dokumentation des Forschungsprozesses und der dabei erhobenen Rohdaten.

Über die Vorteile der Nutzung und die Herausforderung, ein geeignetes ELN zu finden, haben wir bereits in einem Blogbeitrag berichtet. Weitere aktuelle Informationen finden sich auf den PUBLISSO Webseiten zum Thema. Dort steht auch der neue ELN-Wegweiser zum Download zur Verfügung.

Mit dem ELN-Wegweiser verfolgen wir das Ziel, sowohl den Verantwortlichen für Informationsinfrastrukturen als auch Forschenden notwendige Informationen rund um ELNs an die Hand zu geben. Dies unterstützt sie darin, den Entscheidungsprozess zur Auswahl eines geeigneten Tools individuell und bedarfsgerecht gestalten zu können. Da es dafür keinen allgemeingültigen Weg gibt, entstand die Motivation zur Herausgabe unseres Leitfadens, der sowohl benötigtes Hintergrundwissen als auch konkrete Handlungsempfehlungen enthält.

Kernstück des Wegweisers ist die Darstellung von Best-Practice-Beispielen. Grundlage für die Erstellung der Fallbeispiele sind Interviews mit Expertinnen und Experten, die wir im Herbst 2018 geführt haben. Die Auswahl der Interviewpartnerinnen und -partner erfolgte unter dem Gesichtspunkt, Beispiele aus verschiedenen Sichtweisen darstellen zu können. Deshalb haben wir neben Forschenden selbst auch Personen befragt, die mit der Bereitstellung von IT-Services oder Infrastruktur betraut sind.

Anhand zweier Toolboxen gibt der Wegweiser darüber hinaus konkrete nachnutzbare Werkzeuge an die Hand: eine Bedarfsabfrage und eine Checkliste dienen als Grundlage für die Erstellung eigener Tools. Sie können individuell angepasst werden.

Neben der Beschreibung der wesentlichen Anforderungen, die an ein ELN gestellt werden, geben weitere Kapitel des Wegweisers greifbare Handlungsempfehlungen für Auswahl, Test und Einführung eines elektronischen Laborbuchs.

Den Kapiteln sind Infoboxen zugordnet, die Hinweise zu weiterführenden Informationen – größtenteils Webressourcen – enthalten. Beispielsweise informiert im Kapitel „Auswahl eines geeigneten ELN“ die gleichnamige Infobox über Fachartikel zum Auswahlprozess und enthält Links zu empfehlenswerten Übersichtsseiten mit Produktvergleichen, die regelmäßig aktualisiert werden.

Gerne treten wir in einen Dialog mit Ihnen sowohl zum ELN-Wegweiser als auch zum Thema insgesamt. Auch wenn Sie weiteren Beratungsbedarf haben, stehen wir gerne zur Verfügung. Wir freuen uns auf Ihre Kommentare und Fragen hier im Blog oder per E-Mail an forschungsdaten@zbmed.de.


Zum ELN-Wegweiser


Weiterführende Links: